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Beiträge
zu einem
schlesischen Worterkche
Dr. Karl Weinhold,
corr*ipondir<-ndcn Mitgliede der kauerlichra Akadeni« der Wi»«*o»chifl*i.
Anhang zum XIV. Bande der Sitzungsberichte der philosophisch-historischen
Olasse der kais. Akademie der Wissenschaften.
Wien.
Aus der kaiserlich-königlichen Hof- und Staatsdruckerei.
1858.
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Erste Abtheilung.
A — L.
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ie bedeutenden Fortschritte, welche die deutsche Wortkunde
durch das Riesenwerk von Jakob und Wilhelm Grimtn, und in
gewissen Theilen durch die endliche Vollendung des mittelhoch-
deutschen Wörterbuchs aus Ben ecke's Nachlass in unseren Tagen
gemacht hat und noch mehr machen wird, legen jedem die Pflicht
auf, mit Beiträgen die er etwa geben kann, nicht zurückzuhalten.
Es bedarf nicht erst der Erwähnung, welche Mittel hierzu in unseren
Mundarten vorhanden sind, und so kam es mir nahe, aus meinen
schlesischen Sammlungen dasjenige zusammenzustellen, was ich zu
solchen Zwecken förderlich hielt; in wiefern ich Recht* hatte, wird
der Kundige bald erkennen.
Die Aufnahme geschah nach drei Richtungen : ich verzeichnete
alte allgemeine Worte die im Schlesischen noch fortleben, oder
deren Belegung aus älteren schlesischen Schriftstellern erwünscht
däuchte ; ferner diejenigen welche zwar weiter verbreitet sind, aber
von den Schlesiern wenigstens für besonders schlesisch gehalten
werden. Ihre Zahl ist die grösste, denn dem Lande eigeuthümliche
gibt es sehr wenige, wenn Oberhaupt welche; wird es doch beim
Forschen immer deutlicher , wie der Sprachschatz ein ganz allge-
meiner ist, an den der einzelne Gau keinen Anspruch auf beson-
dere ßetheilung machen darf. Freilich bilden sich mit der Zeit
Breiten der Wort-Flora und man kann Grenzlinien ziehen, innerhalb
deren gewisse Worte allein vorkommen. Indessen sind diese
Marken weiter als ein einzelnes selbst, so grosses Gebiet wie
Schlesien. Sie führen zunächst auf Ober- und Niederdeutschland,
zwischen denen der mitteldeutsche Gürtel besondere Beachtung
verdient. Diese mittleren Landschaften neigen sich im Westen
gegen Norden, im Osten gegen Süden; Schlesien aber ist in dieser
Beziehung vorzüglich lehrreich, denn es trägt das Ansehen vulca-
nischer Sprachgegend. Durch eine Grundlage des Sprachschatzes,
welche entschieden oberdeutsche Bildung hat, bairische sowohl als
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alemannische, brechen rein niederdeutsche Worte in nicht kleiner
Zahl durch und weisen auf die sprachliche Gährung hin , welche in
diesem Ostlande durch die Einwanderungen aus verschiedenen Gegen-
den sich erheben musste. Die Beruhigung und Einigung übernahm
die staatlich-rechtliche Sprache, die obersächsische Kanzleisprache,
welche den Worten trotz ihrer verschiedenen Heimat ein einziges
Lautsystem auflegte. Meine Aufgabe war es, den Worten die ich
verzeichnete, ihren Heimatschein auszustellen. Und hierbei lernte
ich auch den Irrthum gründlich kennen, den ich früher einmal
begangen, als ich eine Anzahl Worte für abgeborgt den slawi-
schen Nachbaren hielt. Fast ohne Ausnahme erwiesen sie sich als
ehrliche Deutsche. Die Belege dafür habe ich mehr meinetwegen
gegeben, als für andere die meinen Irrthum nicht getheilt haben
werden.
Bei meiner Auswahl sah ich sodann auf das, was die Sinnesart
und die Sitten derSchlesier darlegen konnte, um auch hier Wort und
Sache ,zu vereinen. Gern hätte ich in dieser Hinsicht mehr zu
geben gehabt, indessen sind dies eben nur Beiträge. Die volle
Ausfuhrung war mir nicht beschieden, sondern ist auf andere Hände
übergegangen, welche hoffentlich das Ganze glücklich durchführen
werden. Hierzu .sollen diese Blätter meine Beisteuer sein. Im engen
Zusammenhange mit ihnen steht meine Schrift: „Ueber deutsche
Dialektforschung. — Die Laut- und Wortbildung und die Formen
der schlesischen Mundart." (Wien 1853.)
Die Anordnung ist alphabetisch nach der schriftdeutschen Form.
Die Abkürzungen aind die in deutscher Sprachwissenschaft gebräuchlichen :
gotb. gothisch,
ahd. althochdeutsch,
mhd. mittelhochdeutsch,
obd. oberdeutsch,
nd. niederdeutsch,
mad. mittelniederdeutsch,
nl. niederländisch, I frz. französisch,
mnl. mittelniederländisch,
alts. altsäclisisch,
ags. angelsächsich,
altn. altnordisch,
norw. norwegisch,
oblaus. oberlausitzisch,
st. vb. starkes Verbum,
schw. vb. schwaches Verbum,
st. m., f., n. starkes Mascu-
linum, Femininum, Neu-
Die angeführten Titel der Wörterbücher und Idiotiken werden deutlich genug sein.
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l
■
.1
Ab, verneinende Partikel : nicht, nicht doch
(Strehlen, Schömberg).
aebicb, aebieht, adj. verkehrt, links.
Das Tischtuch ist äbicht aufgedeckt. Vgl. 1
Grimms Wörter)». 1, 58. - a Mb ich,
albern, abgeschmackt. Diese übertragene
Bedeutung herrscht auch in dem mit
anderer Ableitung gebildeten Ibach,
eppisch, albern, albern huchmüthig.
„Nu doch, nu doch, sed ok nicb a su ep-
pisch! e* Mensch is des andern wart."
And. Gryph. gel. Dornrose. — Äbsch
gehl durch ganz Mitteldeutschland.
achte, Zahlwort. — Lange Achte, hoch-
aufgeschossenes Frauenzimmer, so wie ein
gebückt gehender Mensch krumme
Neune heisst. Fischart in seinem Spiel-
verzeichnisse im Gargantua c. 25, führt
auf: krumme ueune.
Atter» st. f., der Jungfer zu Ader
lassen, mingere, wie bei Fischart, Gar-
gantua c. 41 : so rouss ich vor hingehn,
mein Unglück mit dein wasser abzuschla-
gen und meim geselln ein ader lassen.
Affe, schw. m. Von steifen und trägen Leu-
ten sagt man : sie geben oder sitzen oder
sehen aus wie gepfropfte Affen;
Affen, denen der Hintere zugepfropft ist.
— G An äffe, Gähuaffe, Maulaffe, der
mit weit gähnendem Munde alles angafft.
Älter ist Ginaff: ich gin und gaff und bin
ir äff. UhUnd Volkslieder 642. West-
phäl. Gienop. — Übrigens trat früh
Vermischung mit Giraffe ein, wie aus
Fischart'a Gargantua c. 39 erhellt: er
bückt sich nach eim strohalm, verraey-
nend es wer gold vnd richtet sich auf wie
ein ginaff. — II o r n n f f e : ein früher weit
verbreitetesGebäck: pretziln hornaffin und
crutzebrot. Fundgruben 1,377 aus Klose
von Breslau 2, 375 (1397). Die Hornaffen
werden noch jetzt zu Fastnacht in Naum-
burg a. d. S. und einigen andern thürin- '
gischeu Städten gebacken; sie haben die I
Gestalt eines doppelten Hörnchens. Lep-
sius Kleine Schriften 1, 253 (Magdeburg
1854). Nach dieser Form heissen in
Schwaben und der Schweiz auch die
Zwickel zwischen den runden Fenster-
scheiben Hornaffen. Tobler Appenzell.
Sprachschatz 275. Vgl. ferner Frisch
1, 40»-. Schindler 1, 31. — Tei gaff e:
Spottname der Bäcker ; ursprünglich wohl
ein Gebäck in Affengestalt gleich dem
vorigen.
After, st. n. was vom Getreide und ander m
Samen bei dem Abhülsen und Dreschen
sich ablöst. Knotafter: Spreu der
Flachsknoten. Vgl. Grimm Wörterb. 1,
185, 187. (Aftericht.)— Afterkuchen:
kleine längliche Kuchen von grobem
Mebl; auch Schusterjungen oder Schuh-
sohlen genaunt
Affinster, Alaster, »t.f. Elster; gewöhn-
licher ist heute : S c h a l u * t e r. Vgl. über
diese alte echte Form Grimm Wb. 1, 189.
Ein Beleg aus dem sehr seltnen Wenzel
Scherffer (Gedichte 691) sei vergönnt:
Hier liegt verscharrt Aglaster Gritte,
die mit der schwarzen schnabeltitte
wuscli als ein alte schleiche Magd,
ai, ai, liebkosender Laut kleiner Kinder.
— ai machen, aieo, ein aiia ge-
ben, ailen: streicheln, liebkosen; —
aizen: küssen; — die Aize: der Kuss;
— Aizel: Küsse heu. Se gitse mer en
Aitze. Stoppe Parnass im Sattler 510. —
Westerwald., rhein. er eiche, ay-
g eiche (n.) ; — niederd. : eiken,
e i e n ; — kärntner. : A i a , H a i a , f.,
Wiege, Bett; — auch holstein;: Eya
(Kindersprache).
all i allengen: an allen Enden, überall.
Auch oblaus. — a 1 1 r e i t : allbereit, be-
reits, in Scberffcr's Gedichten 43, 399,
540. Vgl. Jeroschin 129'. (Pfeiffer, Bei-
träge zur mitteld. Sprache, S. 118.) Bei
Escheuloer 1 , 23, 73 u. o. a I g e r e i t. —
A 1 1 e r g e I d : Grundzins. Abt Elias (1550
— 1568) sagt in seinem Repertorium über
die Urkunden des Sandstifts zu Breslau :
poradlne est pretium agrorum, videlicet
de quolibet mauso II. grossos poloni<nit*s
et polest dici Allergeld alias Erdzins.
Urkunden-Sammlung zur Geschichte der
Städte in Schlesien und Oberlausitz von
Tzschoppe und Stemel S. 10. — Aller-
hand. Was ist allerhand? allerhand ist
ein Gänsedreckel.
Alber, st.f., Pappel. Vgl.Grimm Wb. 1,201.
— Bei W. Scherffer erscheint ein Adject.
alber (richtiger alberen): Die Pappel
schwinget auf zur Höh ihr alber Äste.
Gedichte 80. Vgl. Schneller 1, 48.
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«Iben» schw. vb. herum »Iben, sich
zwecklos umhertreiben, unnütz herum-
laufen. Schwerlich zu Alp, sondern zu
alber, albern. Vgl. albein, albern bei
Schindler 1, 48. Sticler 33.
Alp, m. der bekannte Heiästiger der Schla-
fenden. In Schlesien hSlt man einen
Strohhalm mit leerer Aere, der in der
Stube Hegt, für deu Alp ; der Halm wird
dessbalb augenagelt und verbrannt. —
Den Menschen, welche Alpe sind, IS oft
die Seele im Schlafe aus dem Munde in
Gestalt einer Maus und drückt oft mei-
lenweit entfernt«, die sie drucken tnuss.
Du Alp! Schelte gegen Menschen und
Kühe. Günther in den bei Grimm Wör-
terb. 1, 246 ausgehobenen Stellen be-
legt damit ein albernes Mädchen. — Alp-
schwanz, Scheltwort, auch oblausitz.
nd. Selkenstert, Selkentost, Mythol. 433.
alt, »dj. so alt wie der nngris'chc Wald,
Bezeichnung unberechenbaren Alters ;
rgl. das Mährchen vom Wechselbalge hei
Grimm Kindermährchen n. 39. Mythol.
437. Auf die Frage, weist dn was? geben
die Kinder die weitere Auskunft :allafass,
oder : ein altes Fass.— Der Alte, kosende
Benennung des membram virile ; mhd. der
ebenalte. — Die K i n d e 1 a 1 1 e : Hebamme.
Alter, st. f. eingehanste Getreideschicht.
— Die Unteralter, die erste Lage des
Getreides, die mit den Stürzenden auf
dem Bansen anfliegt, altern, illdern,
schw. vb., das Getreide in die Bansen
schichten; bansen, tassen, eintasten. — ~
Auch oberlaus, und gewiss weiter ver-
breitet, denn das Wort erscheint in den
Fastnachtspielen (Samml. von A. Kel-
ler 587, 2) und olterst mich auf einer
Graspurd, in obscönem Sinn. Der zu-
nächst liegende allgemeine ist premere,
comprimere, der indessen erst aus dem
besondern „einbansen" abgeleitet ist. —
Im Westerwald heisst die Banse Oles,
Oules, nach Schmidt Westerwald. Idiot.
130 die leere Banse. Ableitung von
dem Stamme al- scheint anzunehmen ;
Alter wäre demnach die Masse des Nih-
renden und der Raum für dieselbe,
an ( anein,ane 4 ne, adv. immer während
(Keichenbach), eigentlich: aneinander.
Grimm Wörterb. 1, 318. — a n e v o 1 1, bis
an den Rand voll. Breslau, Trebnitz.
Angwt, st. f. die Ängster : die Angst ma-
chenden schlimmen Kinder.
Annen für Agenen, der Abfall von Flachs
(Brechannen), die Spreu ; vgl. Grimm
Wörterb. 1, 189.
Antnn. Sehr viele Namen haben ihre
Spottreime im Munde schlesiscber Kinder.
Anton hat diesen:
Anton sehmir a Bratwdn,
sind a Licht An
das* ma sahn kon,
dass mer kinn zer Kerms fdrn.
Apfel, Appel, st. m. Holzapfel: ich
wollte, dass das junge Volk Holzapfel in
dem Hindern hätte. A. Gryph. Säugamme.
armKelier, adj. wenn ein Paar mit ver-
schlungenen Armen geht, geht es arm-
selig (Frankenstein).
Aren, Acren, Amt, st. f. Ernte, ahd.
aran,arn ; mhd.erne ; kuhlfind.Arn ; oblaus.
Arne ; nd. Arn, Amt ; vgl. Schindler 1 , 1 18.
— ären, schw. vb. ernten, einären,
noch gebräuchlich. — In der Bedeutung
pflügen bei Tzschoppe Stenzel Urkuu-
densamml. 604: den ynnern gartin zol
der hofeman eren. — ahd. arjan ; mhd.
ern. Schindler 1, 97; Tobler 166. —
amen, erarnen, schw. vb. ernten,
erwerben. Logau Sinnged. n. 966.
Arsch» m. Die kräftigen Redensarten, in
denen dies Wort auftritt, dürfen hier
eben so wenig verschwiegen werden,
wie Grimm sie im deutschen Wörter-
buche unterdrückte. Die euphemistische
mache den Anfang: Setze dich hin, wo
Anne Rosine Scholz sass , da sie Braut
war; statt dieser A. R. Sch. ist „die
Grossmutter 14 noch gewöhnlicher. — Halt
die Fresse zum A. — Leck mich im A. und
belss mich nicht. — Kannst mich schim-
pfen wie du willst, nur schimpf mich nicht
schwarz Arschloch ! — Gegenrede : Leck
dirs ab, da wirds wieder weiss. — Zu be-
merken ist, dass dem Adel vom Volkswitz
ein schwarzer A. zugeschrieben wird. Dar-
um kann der, der sein Gesäss beschmuzte,
den Zurnf hören : du bist von Adel ! —
Purgir dich, Teufel ! friss Flechtenmacher,
sebeiss Siedeschneider, wische den Arsch
an Feuermfiuerkehrer. A. Gryph. Horri-
hilicribrif. — Du bist zu schlecht, als
ilriss 111:111 dich in den A. steckte. Vgl. ich
wolt mir im gsess nicht wünschen dein
und wenn ich dich schon drinnen het,
Ich dich heraus schütteln thet. J. Ayrer
op. theatr. 2, 74. vorw. — Lauf zu, dass
dir der A. nicht schimmelt! Auch nie-
derd. Brem. Wörterb. 1,315.— ÄuLüder-
lichen sagt man : es ist gut, dass dir
der A. angewachsen ist, sonst hättest
du ihn schon verloren. — Das hat den
Winter im A., heisst es vom Wasser, das
schwer siedet. — Wer Unglück hat, bricht
den Finger im A. — Arschbecre: Brom-
beere. — Arschklammer: Holzbirne,
nach ihrer verstopfenden Wirkung. —
Kaularsch, m. 1) gestuztes schwanz-
loses Huhn. 2) die Froschbrut. Vgl. Kaule.
— Leckarsch, m. der Letzte einer
Reihe; bei den Kinderspielen, der zu-
letzt ausgezählt wird. — Nackarsch,
m. hei Scherffer Ged. 445 poetische
Benennung Amors. — Taperarsch,
m. tapriger , unhebilflicher Mensch.
— irschlich, adv. verkehrt ; im
schlesischen Munde ebenso unbefangen
gebraucht wie bescheissen. — In den
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- Bänke.
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süddeutschen Dialekten firscbling. Vgl.
auch Grimm Wörtern. 1, 567.
As, Ost n. als Schimpfwort in Schlesien
sehr beliebt, wie überhaupt in Mittel-
deutschland. Ausser dem einfachen A.
die Zusammensetzungen: Schindas, Scbin-
deras, Sternas, Strangas.
wie allgemein in den deutscheu Mund-
arten für als. — a s ü, also ;a*suge*rne, so
gern; echt schlesiscbe ausweichende Ant-
wort auf neugierige Fragen. Vgl. Hol-
teis Gedicht: Su gfirne. Schles. Ged. 74.
LSCh, st. in. tiefe irdene Schüssel mit
einem verspundeten Loch, vorzugsweise
als Milcbbebilter gebraucht ; Milch-
ä s ch e I , n. Vgl. Grimm Wörtern. 1,578.
aetnehl Ausruf des Absehens und Ekels.
Auch schwäb., frank., bess., wetterau-
isch; im kämt, hetsch! Grimm Wörterb.
1, 595.
äussern, schw. vb. sich vor etwas äussern :
ausser sich gerathen, erschrecken.
nxtern, extern, schw.vb. quälen, bestür-
men. — Das Wort geht von Schlesien
bis in das Elsass, und am Rhein hinab
nach Niedersachsen. Niederrheintsch tritt
neben extern die Form exern auf.
Atze, st. f. Lockspeise; vgl. Grimm,
Wörterb. i, 595. — ata ein, schw.vb.
wonach atseln: lüstern, gierig wo-
nach sein,
gebraucht.
Über das schwankende Verhältniss von B und P vergleiche meine Dialektforschung S. 71.
Habe, Btebe, st. f. Aschkuchen, Napf-
kuchen. Grimm Wörterb. 1,1057. — Die
Kinder machen die Bauen nach , indem
sie Semmel in Kaffee brocken und die
festgedrückte Masse aus der Tasse stür-
zen ; vgl. die oberfälz. Baben. — Unter
den Erklärungen des ursprünglich sla-
wischen Wortes scheint die von Trojanski
in seinem polnisch - deutschen Wörter-
buche gegebene die annehmbarste, wo-
nach das furchichte Gebäck aus Verglei-
chung mit den braunen Runzeln eine!
alten Weibes (baha) den Namen empfing.
Kn husche, st. f. vermummtes Weibsbild.
Alte Babusche. Aus dem Poln. babusia,
altes Mütterchen,
baffen, p a f f e n , schw. vb. die Lippen ge-
räuschvoll bewegen : 1) den Tabakrauch
mit Geschmatz ausstossen ; auch nd. ;
2) schwatzen, keifen; 3) bellen, pa fz en,
frequentat Nebenform. — G e p af z e, n.
— mhd. belfelzeu. Weit verbreitetes, in
fast allen Mundarten nachweisbares Wort,
baehen, schw. vb., wie hd. 1) vpn Wirme
durchziehen lassen , sich in der Sonne
bihen, rösten. Figur!, die Wampe bähen:
prügeln. Grimm 1, 1076.— Bähschnitte,
st. f., 1) geröstete Rlhschnitte. 2) Fuss-
tritt. „Ich aber werde ihr mit den Füssen
vor den Hintern eine Bähschnitte nach der
andern zuzählen." Stoppe Parnass 500. —
In beiden Bedeutungen noch geläufig,
backen, st. vb., seine sieben gebackenen
Birnen nehmen: alle seine Habseligkei-
ten zusammenraffen. — B a c k e, st. f. das
Backen ; Obst auf die Backe schneiden,
d. i. zum abhacken. G e b äc k e, n. 1) Back-
werk; 2) die Menge des auf einmal Ge-
backenen. Von einem weitläufigen Ver-
wandten sagt man: er ist das kleine
Brotel aus dem vierzehnten Gebäck e.
balde, adv., 1) sogleich: nimm dir ha Ide
Wagen; geh balde diese Gasse,
dass du rascher hinkommst. V) zugleich :
bringe balde Wasser mit , wenn du ein-
mal gehst. Sie kann mit dem Briefe balde
das Buch holen. 3) fast, beinahe: das
Kind ist balde so schwer wie ein Grosses.
Vgl. Grimm Wörterb. 1, 1083 f.
balgen, schw. vb. drücken, kneten, knit-
tern: das Tuch balgen, zusammen-
balgen.— aerbalgen: zerdrücken,
zerknittern. — Von balgen rixari ganz
verschieden, verwandt mit walgen. Vgl.
Grimm Wörterb. 1,1087. — nd. balgen:
schlagen , so wie auch walken, das mit
walgen eng zusammenhingt, schlagen,
prügeln bedeutet.
Baiser, Palzer, Pa Ister: Baltbasar.
Ausser den von Grimm Wörterb. 1, 1005
aufgeführten Engelbalzer, KlOkabaizer,
Flennebalzer, ist hier die von Gomolke :
»der Heller gilt am meisten, wo er ge-
schlagen ist" (1734) erwähnte Redensart
zu verzeichnen : „do sitzt a wie Plische-
Baltzer." deren Beziehung mir dunkel
bleibt. Im Engelbalzer bat sich König
Balthasar zum Engel machen lassen ; in
den übrigen Worten ist Balzer wie Bar-
thei und andere Eigennumea allgemeine
Benennung eines Mannes mit gering-
schätzigem Nebensinne geworden.
Bänke, st. f. Wollten auf beiden Bänken
waschen: es mit keiner Seite verderben,
Schweinichen bei Stenzel Script, rer.
silesiac. 4, 53. — Die Bänke: die alten
Kaufhallen der Gewerke , in denen die
Zunftgenossen neben einander in ver-
achliessbaren Abtheilungen feil hielten.
In den schtesischen Städten kennt man
noch Rrod- oder Semmelbinke, Fleisch-
bänke, Schuhbänke. Das Haus oder wenn
man will die Halle steht gewöhnlich in der
Nähe des H»th Nauses, das nach schles ischer
Sitte in die Mitte des Ringes (Marktes)
gebaut ist Vgl. Stemel iu ». ürkunden-
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Samml. für die Städte in Schlesien S. 192;
Hüllmann, Städtewesen des Mittelalters
1,304 ff.; Grimm Wörterb. 1, 1109.
Barbara, in Grvphius Säugamme mit
der Koseform Bische, aus poln. Basia.
Die Barbaras gelten allgemein für brum-
mig, daher wird auch die grosse Bass-
geige „die grosse Barber" genannt.
Wenn der Dudelsack werd broinma
and die grusse Barber summa.
Hoffmann schles. Volksl. 315 ; F. Ens
Oppaland 3, 74.
barbs, adj. zusammengezogen aus : harfuss.
— barbsbeinig, pleon. Zusammensetzung,
barmen« schw. rb. laut wehklagen , jam-
mernd heulen ; von Menschen und Tote-
ren gebraucht. Auch meissn., thüring.
Vgl. Grimm Wörterb. 1, 1134.
Bart, st. m. Zu erwähnen in der Bedeu-
tung: Backen- und Rinnstreifen an den
Hauben oder Kommoden. Vgl. Kommode.
— Henneberg. Bartel : Mütze, Haube ;
Pelzbartel. Rheinwald 1, 7.
Bnrtfcel, Koseform von Bartholomäus;
heute als Vorname im deutschen Schlesien
nur selten in Brauch, im Polnischen häu-
figer : Bartusz. — Ausser der verbreite-
ten Redensart: wissen wo Bartbel .Most
holt (Grimm Wörterb. 1, 1145) sind
zu verzeichnen die Zusammensetzungen :
Latschba rthel: sieh du Latschbar-
thel, wie du dich betatscht hast. —
Saubarthel, vgl. Sau. — Schmutz-
barthel; Schussbarlhel: schus-
liger, fahriger Mensch. — Trotzbar-
th e l : Trotzkopf; glhste doch wie Trotx-
barthel (Gomolke). — Es gilt hier über
Barthel was über Balzer, Hans, Matz u. a.
Bnstankarte, Baachtankarte, st f. die
Tarokkarte, die gewöhnliche Spielkarte
des schlesischen Bauers, gewöhnlicher
als die deutsche oder Bichel-Karte. Statt
der ursprünglichen 72 Karten zählt das
Spiel nur 32. Die Namen der vier Arten
lauten gut genug erhalten: Baschtno,
Deonar, Kupe, Spade. Der König heisst
das Re\ der Bube das Fantel.
Baueh, st. m. Der Kinderreim nennt den
Bauch Bauchsargla ; die Glieder wer-
den darin so umschrieben oder benannt:
Fussgängla, Bealängla,
Knieknickla, Bendickla,
Bauchsargla, Harzegriewla, Kinnla rund,
Maulfrassla, Rotztaschla,
Augaguckla, Starndla buch, LSusepiWh.
Vgl. Fiedler, Volksreime und Volkslie-
der aus Anhalt- Dessau, S. 24. Ein alter
nicht gar feiner Scherz ist es, Elstern
zu lehren, herantretende Mädchen mit
Schwarzbauch zu begrüssen. Wen-
zel Scherffer bezeuge dies in seinem Lei-
chengedicht auf eine Elster des herzogt.
Brieger Hofes: kam dann ein andres
auch ans kelicht mir zu nah, so hiess es
Schwarzbauch. Ged.694. — achlege-
b 8 u c b i g, adj. mitschlagendem, vor Er-
schöpfung zuckendem Leibe : wie wieder
nach den awen gantz matt und hungrig
sehn und schlegebäuchich ziehn. Opitz
2, 43 (1629). — Vgl. schlehbauchig aus
einer Wirzburg. Verord. bei Schindler
1, 145; scblegbanvhen (vb.) ebd. 3,445 ;
ad. slagbuken, Brem. Wörterb. 1, 157 ;
bukslagen, Schütze 1, 170.
bauchen, buchen, scbw.vb. 1) beim Blei-
chen : die Wäsche eiubrühen (Reichen-
bach), Grimm 1, 1166; 2) beim Strassen-
bau : die Erdlage begiessen, welche über
die oberste Kieslage geschüttet wird.
Baude, st. f., 1) die hölzerne Krainbude
oder Hütte ; Marktbaude. In den scblesi-
schen Städten, z. B. Reichenbach, heissen
Bauden im besondern die (steinernen)
Häuser der Reicbkrämer, iu deren unter-
stem , ursprünglich offenem oder lau-
benartigem Geschosse die Verknufstische
stehen. „Unter den Baudeu" bei den
Reichkrämern. — Das 0 n u d e 1 : Laden
der Vietualienhändler , der B ä u d 1 e r
(Breslau). — 2) die Hütte der Hirten
auf dem Riesengebirge , welche zum
grösstentheil zugleich Herbergen für die
Gebirgswanderer und Pascher geworden
sind. Die meisten Bauden werden im
Winter von ihren Bewohnern nicht ver-
lassen, unterscheiden sich also hier-
durch von den süddeutschen Sennhütten.
Vgl. Grimm 1, 1169.
Bäug-el, B ft g e I, st. n. (ßaug, Ring) ring-
förmiges Gebäck, nd. Kringel, das nament-
lich zu Lätare gebacken und an die
„Sommerkinder" verlheilt wird. Auch
ftsterr., bair. Schindler 1, 158. Vgl.
Grimm 1, 1742, wo es statt unweit
Röblitz heissen muss b e i Röblitz (in
dessen handschriftlich im Frankensteiner
Stadtarchive befindlichen Annales Fran-
costenenses).
ßauker, Beuker, st. m. Als Herzog
Heinreich XL wieder in Liegnitz einzog,
schnelles Volk: Gottlob, Gottlob I
der Herr , so die ganze Stadt lustig
macht, ist wieder kommen; es wird nun-
mehro nicht so stille zugehen! Darvon
dem Herzog Heinrich fast wollte der
Name gegeben werden, dass man J. F. G.
den Backer bieas. Schweinichen bei
Stenzel Script. IV, 77. Erklärend steht
bei B. Peucker, weiterbin (S. 99) heisst
es : der Peucker kommt. — Wir haben
also für Backer Banker zu lesen: Pau-
kenschläger, Lärmmacher.
Baum, Bim, st. ra. Die gebackenen Birnen
werden scherzweise Baumkrebse ge-
nannt. — Baumöl: ich bau dich, dass
du B. sechst. Vgl. baumölen bei Grimm
1, 1104 und Haupts Zeitschrift 8, 535.
becaten, schw. vb., s. Bocht, Pocht.
ßechtlinff, Bechtlich, st. m. Becher:
„breng a flugs en Becbtlich guda Wein."
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Bein
Scbftnigs Gläzische Gedichte(Neisse 1842 )
S. 17. — Ableitung ron Becher, mit un-
organisch eingeschobenem t?
Bein, Ben, st. n. Wer hat die Beine ge-
schränkt? fragt man, wenn plötzlich in
einer Gesellschaft Stille eintritt. — Zu
einem Hinkemlen :
Du bist von Franksten,
hast s kurz und a lang B«?n.
(Reichenbach.) Die Stadt Frankenstein
muM des Reimes wegen herhalten. —
b einen , schw. Tb., ahd. beinan, beinon.
— rerbeinen: mit Bein umkleiden,
überhaupt umkleiden, verzieren: ein
mächtiges Altar, verbeint von allen Sei-
ten mit Hörnern. Opitz 2, 380 (1646).—
beinern, b^nern, frequentat., die
Beine rasch bewegen, rasch laufen. —
beinig, adj. »c h I im |> b ä n ig: schief-
oder krummbeinig; vgl. schlimm.
Be>» Baer, st. m. männliches Schwein,
Eber; in Schlesien brauchlich. l'ber da»
etymologische vgl. Grimm 1, 1124, 1368.
Vgl. auch Rennlaber, WeUaber.
Bet, Baet, Bit, Biet, st. n. durch Fur-
chen abgesonderter Ackertheil von fest-
stehender Breite, daher als Flächenmass
gebraucht. »Das ging fiber sieben Bete,"
beliebte Schilderung starken Durchfalls.
— Die Schullehrer, die Förster, die Ar-
beiter auf den herrschaftlichen Höfen
erhalten so nnd so viel Bete Kartoffeln,
Rüben u. dgl. als Deputat von der Ge-
meine oder dem Dominium. Die Stellen,
welche Grimm Wörterb. 1 , 1245 , aus
Schweinichen zweifelnd anführt, sind
ganz richtig.
Bettriese, schw. m. bettlagriger Kranker.
, Ach wer wollt —
eines bis zum Tode kranken
Bettriesen liebes Bräutlein sein?
Scherffer Ged. 503. — ahd. bettiriso ; mhd.
betterise. Das Wort dauerte nach uns-
rer Stelle im 17. Jahrhunderte noch
fort. Vgl. Grimm Wörterb. 1, 1738.
Beutel, st. m. Der Sinn der Dorfnamen
Fegeheutel bei Striegau, Leerbeu-
tel bei Breslau, Zehr beutet bei Sa-
ga n ist zu scharf, als dass man in ihnen
Entstellungen und ein ursprüngliches
Bätel: Hans, Wohnung (vgl. Wolfen-
büttel u. a. — ags. hotl Haus, bjtljan
bauen) annehmen dürfte. Niederdeutsch
kommt Fegebüel mehrfach als Name von
Wirthshäusern vor ; auch an den bremi-
schen Flecken Fegesack ist zu denken.
Bier würde in einer schlesischen Cultur-
geschicbte keine geringe Stelle einneh-
men. Schon 1224 lässt sich urkundlich
Hopfenbau in Schlesien nachweisen (Sten-
zel, Geschichte Schlesiens 1, 301 f.) und
Weizen und Gerste gab das Land genug.
- Die Städte erhielten von den Fürsten das
Birschenkammecht und das B I e r-
schrotammeebt sammt dem B i e r-
— BIM. 9
karren (officium seu conductus vini
et eerevisiae. Stemel in der Urkunden-
samml. für die Gesch. d. Städte 196).
In den Rathskellern sehenklen sie tbeils
das eigene von den brauberechtigten
Bürgern gebraute Bier, tbeils fremdes,
unter welchem das Schweidnitzer früh
die erste Stelle erlangte. In dem Streite
der Stadt Breslau mit Georg Podiebrad
wurde den Breslauern die Zufuhr des
Schweidnitzer Bieres abgebrochen : dar-
umb grosser leid entstund denn so sie
betten an ihren leiben soln leiden. Es
thet wehe schweiduitzisch bieres zu dar-
ben ; darumb die gemeinen leute zu diser
zeit nicht heten geachtet wer künig were
gewest, nur dass sie schweiduitzisch hier
beten mügen haben und frieden ge-
brauchen. Eschenloer 2, 213 (1470).
Schweidnitzer Keller heisst noch heute
der grosse Rathskeller in Breslau. Das
Striegauer Bier, ein Nachbar des Schweid-
nitzer, war dagegen in schlechtem Rufe:
striegnisch Bier ist trübe wie eine Lehm-
jauche. Frisch 1, 325. Als Biertrinker
waren die Schlesier unter solchen Um-
ständen auch in der Ferne bekannt. Im
fünften Gedicht Philanders von Sitte-
wald heisst es in einer Priamel :
Holländer die keinen Butter essen,
Flimming die Eyerspeiss vergessen,
Ein Sachs der nicht gern Bier mit sauffet.
Ein Hess der nicht gern beutben laufet.
Ein Böhm ohne Gepscbe Karva matir,
Schlesier der nicht tranck waitzenbier, —
Schneeweissen Mohr und schwartze Zahn
Auf Erden man nicht bald wird sehn.
Aüsg. von 1650, II, 447. — Weissbier,
Braunbier, Fassbier, Bitterbier, Doppel-
bier, Märzbier sind die gewöhnlichen
einheimischen Arten. Von dem Zeichen-
ausslecken bei den schankberechtigten
Häusern schreiben sich einige Redens-
arten her:
ob nicht das Hemd ihm zum Kaffer
aushenckt?
ob er beyn Knien nicht bitter bier
sobenckt?
W. Scherffer Ged. 410. — Heute sagt man
von denen , welchen das Hemd zn den
Hosen heraushängt , sie schenken
Weissbier. — Biersuppe, aus Bier,
Milch und Eiern mit Rosinen und ge-
würfeltem Brod bestehend , ist die ge-
wöhnliche Kindtaufsupue , daher auch
Kindelsuppe genannt.
Bild« st. n. Herauszuheben ist die Bedeu-
tung Heiligenbild. Ausser in den Capellen
sind die „Bilder" wie in allen katholi-
schen Gegenden auch an den Bäumen
und an Stöcken auf Strassen und Feld-
marken befestigt. Am reichsten daran
ist die Grafschaft Glaz und Ober-
schlesien sammt dem Fürstenthum Mün-
sterberg , was mit den confessionellen
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I
10
RH weisse — blinzen.
Verhältnissen zusammenhängt. — Von
der Austheilung kleiner Heiligenbilder an
fleissige und fromme Kinder durch die
Geistlichen kommt die Redensart: er
will sich ein Bildel verdienen;
gleichbedeutend ist: sich ein Bildel
einlegen; vgl. das ironische: der
hat e Bildl kriegt, bei Schroetter 1, 171.
— Ein rechtes Bild: Schelte für unan-
genehme und hSssliche Leute, herge-
nommen wahrscheinlich von den Bild-
werken an Häusern und Strassen. Bil-
der heissen auch die kleinen Pfeffer-
kuchen in Gestalt von Mensehen, Thie-
ren, Häusern u.dgl., worin die ursprüng-
liche Bedeutung des Wortes als Bild-
werk hervortritt. Vgl. Grimm Wb. 2, 0.
Bilweisse, st. f. Hexe. Grimm Mytho-
logie 441 ff. — Die de sprechen, iche
wer gor eine Bülewesse, se thun
ober unrecht; unde wem schods
ichs gleich were? wan kimmerts, wenn
ich a wing weishexen kinte ? A. Grvph.
gel. Dornrose. 48. — Swor am Walpur-
gisobende geschaht!, wenn de Pülewesen
osfaren. ebd. 51. — Du Pileweissin !
A. Grypb. Horribilicr. 828. Im 16. Jahrh.
wurden nachschlesischen Kroniken mehr-
fach Frauen als Bilweissen hingerichtet:
Hoffmann, Monatschrift für und von
Schlesien 247, 702. P ü I e w e s e r : ein
minnlicher Bilweiss. Se han dich verbrand
asse wenn de e Piilewesser werst. A.Grvph.
gel. Dornr. 10. Berndt in seinem schles.
Idiotikon führt Pülwesse noch als schle-
sisch auf; auch sollen nach ihm kleine
ums Licht schwärmende graue Insecten
Pülwesen oder Wettermändel heissen.
Bimss, m. die Bimsse plur., in gemei-
ner Rede die Brüste.
biinssen, schw. vb. durchprügeln. Da
als Nebenform zu dem gleichbedeutenden
wamssen ein bamssen erscheint, könnte
man bimss en als Ablautverb, hierzu neh-
men. Besser dentet man aber birassen
durch: mit ßimstein (bimez) streichen,
überhaupt streichen. Vgl. Grimm 2, 30.
Bindebrief, st. m. Glückwunschschrei-
ben: Schert* und Bindebrief im Namen
einer Frauen gesetzt als sie einen fiir-
nebrnen Obriaten zu seinem Namenstage
1639 beschankte. Scherffer Ged. 253. —
Vgl. Grimm über schenken und geben
und Wörtb. 2, 31.
Binder heissen die Thiere, welche einen
andersfarbigen Streifen rings um den
Leib haben.
Bise, st. f. Schnur oder Saite, in wel-
cher das Spinnrad lauft. Auch nord-
böhmiseb. — Das Wort scheint zunächst
von bisen : rennen , laufen , abzuleiten,
welches den deutschen Sprachen eben-
sogut wie den slawischen gehört; in-
dessen mag es begründeter sein, Bise
als mitteld. Form für Binse zu nehmen
(Fundgrub. 1, 360 ; Athia II, 15 ; nl. bies,
nd. bese); ebenfalls für die Spinnrad-
schnur ist nämlich Sende gebraucht, daa
ursprünglich ebenso Binse bedeutet. Vgl.
Sende.
Bitsehole, Bitschaele : Pistole. Mit baud-
büchsen und bizschälen, die in die feinde
schussen. Eschenloer 1, 109. Der bischof
brachte vier haufnitzen, die von Bressla
achte und eine schone viertelbuchsen
und sonst vil hakenbuchsen und bit-
acholn und zwene Streitwagen, ebd. 2, 34.
blachendern, piachen dem, sehw. vb.
wehen, blasen: der Wind plachendert
einen fort, Nördl. Niederschlesien. —
Ableitung von blähen , ahd. blajan ; die
Bildung wie in kasohamlt rn, Lahander;
vgl. auch bliihendig: aufgeblasen, Grimm
Wörterb. 2, 62 ; oblaus. plechern : Wind
machen. Anton, Verzeichniss oberlau-
sitz. Worte 3, 7.
blank, adj. wie hochd. glänzend, auch
von Thieren gebraucht : er brüllt wie
ein blankes Leu (Jauer).
blasen, st. vb., wie hd. Sprichwort: wer
Geld hat, lässt blasen. — Ich werde dir
was blasen, d. i. aufspielen: es wird
nichts daraus. — B I a s e , sL f. 1) wie hd.
2) Haufen, das zusammengeblasene, zu-
sammengewehte: eine Blase Leute. —
Nimm die ganze Blase: alles was da ist.
Matschen, adj.,führt die Kernkronik 2, 720
mit der Bedeutung furchtsam, schüch-
tern auf. Es scheint mit dem ahd. mhd.
bliic, Schweiz, blug, schwäb. blaug, die
gleiches bedeuten , verwandt und aus
blaugsam entstellt, vgl. schwed. blygsam.
Blech, st. n. 1) wie hd. 2) Futtersaum
der Frauenkleider. Vgl. Schindler 1,234.
ßenecke-Müller 1, 203. — In der alten
Redensart: einem ein Blech anschlagen =
ihn verlästern , hat Blech auch die Be-
deutung : Zeugstreifen ; sie bedeutet also
eigentlich: einem unvermerkt einen Zeug-
fleck zum Spott anheften. Vgl. das gleiche :
einem ein spett anhenken, und Zarncke
zu Brants Narrenschiff 21, 5.
bleiben, st. vb. Bleib in Gotts Namen 1
der gewöhuliche Abschiedsgruss.
Bleramer, st. m. grosse türkische Bohne,
dann überhaupt alles ungewöhnlich
grosse , z. B. grosse Nelke. Kinder-
sprache. — Vgl. ßlemme bei Grimm,
Wörterb. 2, 103.
blinzen, plinzen, schw.vb. wie hd. Grimm
2, 128. In den Versteckspielen „plinzt"
ein Kind, während sich die andern ver-
bergen. — p I i n z n ig (nd. Form) blin-
zend, mit geschlossenen Augen. Das lind
ich plinznig. — Hüner plin z, m., den
H. haben: wie blind an etwas offen
Daliegendem vorübergehen. — Merkwür-
dig erscheint neben diesen mit bl an-
lautenden Formen , die auf '
die Form Unzen w. z. s.
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blosslgr — bracken.
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blofsslg'. bltWi«*, adj. nur, kaum ; in Schle-
sien noch sehr gebraucht. Grimm 2, 151.
Bloster, PIAster, st. n. fürBlAster: bla-
sige Haut, die sich über Geschwüren,
ebenso über der Milch bildet. — P I «1 s t e I,
auch Ploster , Haut Aber dem Auge. —
ploestern, plustern,' schw. vb.
blasen, wehen. Der Wind plestert das
Zimmer ans. Figürl. einen ausplestern:
ihn fortjagen. — mhd. Mistern ; Schweiz,
hlöstern, blasen ; einbldstern, einblasen,
vorsagen. Stalder 1, 182.
blühen, schw. Tb. recht reine Wische
blüht, ist blüthenweiss. — Das Mädel
blüht nur so: ist höchst sauber geklei-
det. — Mir blüht etwas: droht ein Leid.
Bei ausgelassener Lustigkeit wird die Erin-
nerung an künftige Traurigkeit zugeru-
fen: der Knobloch bläht, er will Häup-
tel (Heitel) tragen. — Das Feuer hat
schon geblüht: mit Ausbruch gedroht.
— Vgl. Grimm 2, 156.
Boblatsche, f., 1) Altan, hölzerner Gang
am obern Stockwerk (böhmische Grenze),
böhm. pawlacz. In den östlichen Mund-
arten, aber auch am Rhein erscheinend.
Schindler 1, 275. 2) Hütte, Bude (all-
gemein schlesisch).
Borht, Pöcht, st. n. 1 ) Das unterste vom
Düngerstroh ; mhd. baht Sinus stercus ;
2) schlechtes BetUtroh, überhaupt La-
ger, Bett. — Bs schmeisst mit Pochte:
es schneit (Charlottenbrunn) ; wie das
schneien sonst durch dag Federschütteln
der Holle erklärt wird , so hier durch
das aufschütteln des Bettstrohs. 3) Ge-
ineines Volk. — Pöchtrich, Poicht-
r i cb, m. Keri aus dem Pochte : gemeiner
schmutziger Mensch. — Vgl. über die-
ses vorzugsweise mitteldeutsche Wort
Grimm 2, 201. Oberlaus, obersichs. hat
es die Form Bucht, Pucht zumTheil durch
Missverständniss angenommen. Schweizer,
ist es in Bacht Pfütze, Bächt Auskericht
erhalten. Stalder 1, 123. — böchten,
p echten, pechen, schw. vb. das
Futter herumwerfen, zu Pocht machen;
in gleichem Sinne verpachten. —
zerpechten: Gras oder andere Ge-
wächse zertreten. — herumpechen:
umherlaufen, mit dem Begriffe des zer-
störenden und schmutzigen. — Anch
obertausitzisch. Ebenso war das Wort in
Hessen üblich , wie eiue Stelle bei Burk.
Waldis (Grimm, Wörterb. 1, 1215)
beweisL Dies mittetd. Wort ist von dein
alemannischen hechten (Grimm a. a. O.)
völlig zu treunen ; dieses heisst den
Berchtentag begehn , bachari, furari ;
unser Wort gehört zu bAht. — Den
Spruch bei Agrikola Sprichwort. 238b:
„fahe viel an , becht lützel" deute ich :
fang viel an, verdirb wenig.
Bock, Buck, Bök, st. m. häufig in Schel-
ten : H o I z b o c k , wildes störrische« Kind ;
Lodenbock, Zutkenbock: Mensch
mit langem zottigem Haar; Lumpen-
bock; Meckerbock, Stotterer;
Hörnerbock; Schielbock, schiel-
äugiger Mensch. — bocken, schw. vb.
wie ein Rock stossen. wild spielen. Ebenso
das Frequentat. böckern, bockern.
— böckig, wilderböckig: wild. —
bockinzen: bockig riechen. Zu der
Bildung — inzen vgl. Dialektforsch. 100.
Boraten, Birnen, Bim, m. im preussi-
schen Schlesien und der Lausitz Name des
Silbergroschens, d. i. 12 preuss. Pfen-
nige; im nördlichen Böhmen Benennung
des Groschen Schein (3 Kreuzer W. W.).
In Polen gilt der Böhmen (czeski) so
viel wie in Schlesien, nämlich sechs poln.
Groschen =• 12 Pfennige. Gomolkehat den
säubern Spruch : schess Zesky , bess Pien-
tocki. — Zweibömer, Fünfhömer, Zehn-
bömer = 2, 5. 10 Silbergroschen. — Die
böhmischen Groschen, die seit der Mitte
des 14. Jahrb. eine sehr verbreitete Münze
waren, haben begreiflich im Laufe der
Zeiten ihren Werth vielfach geändert.
Ursprünglich gingen 60 auf eine feine
Mark.
Bor^r, st. m., männliches Schwein , ahd.
mhd. bare, bareb. Auch österr., kärntn.,
fränk., Westerwald. — nrhein. Bürg,
Berch; nd. Barg, Boren; nl. Barg, Berg;
meistens mit der Bedeutung : verschnitt-
ner Eber, lat. porens. Wenn es einem
Kinde anfstösst, so wird der Spruch ge-
sagt : Prosit, mein Schwein ! was macht
der Bork ? sind die Ferkel noch gesund ? —
„Ja, ich wünschte dass mein Schwein
ein sittes Ferkel möchte sein."
Borate, st. f., übertragen auf ein starres
widerstrebendes Kind. — börstlich,
adj. starr, widerspenstig. — wider-
hör s tl i c h , dasselbe.
bocse, btsft, adj. 1) in alter Bedeutung:
gering, schlecht. Namentlich : böses Geld.
Wie ein böses Gröscbel bekannt sein:
allgemein gekannt sein. — Er wird in
seiner Stadt wie böse Geld bekandt.
Günther 504. 2) erbost, zornig. Appen-
zell, böse: leidenschaftlich, Tobler 70*.
8cherzspruch zu einem, der böse ist :
Biste btse ? — gih uff Schulses Wise,
findst an Ala Hütt, werste wider gutt ;
lindst an ala Tracha, muste wieder lacha.
B ö s t, B A s t, f. Bosheit, Zorn.— b ö s t i g,
bustig: zornig, vgl. Schmeller 1,210.
Bottich, Büttich, Pitch, st. m. Leib,
Bauch, namentlich von Vieh (Liegnitz).
— De Gevattarn hatta sieb befrassa, dass
a der Bittich hätte zerspring» miga. Stoppe,
Parnass 512. — Pittich auch als Schelte:
Mer Pittch I — ahd. botah, mhd. botech.
Schmeller 1, 224. Anton 1, 8.
brafreln, vgl. pragein.
bracken, schw. vb. aussuchen, ausmer-
zen; Fische aus dem Netze, Schafe aus
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1
I
12 brauten
der Herde wählen , um sie auszustossen.
— Brackschafe, die schlechten aus-
gestossenen Schafe. — Gebrncke. n.
Ausschuss, Auswurf. Sis ok sittes Ge-
bracke : schlechtes Volk. — nd. brak :
gering, schlecht, von Sachen ; braken,
die Waareo durchmustern. Frisch i, 124,
— Bei Diefeubacb, goth. Wörterb.
1, 235, allerlei verwandtes. Verwand-
schaft mit brechen ist deutlich : braken, das
Schlechte ausbrechen; brak, das Brech-
hafte, Gebrechliche, das Breclienswerthe.
brauten, schw. vb. zur Braut machen,
verheiraten :
nicht wunder ists, dass stets die Briefe
lauten
an Venus nur wenn Jungfern seyn zu
brauten.
ScherfferGed.398. mhd.briuten ; lS.Jahrh.
brauten.
brechen, st. vb. So Hessen sie es auch
gehn wie es wolle und könne , denn
J. F. G. der Herr bischolT sähe wol dass
ein berr krüge, der andre tüpffe brach.
Scbweinichen bei Stenzel Script. 4, 56. —
Vgl. Fastnacht*». 166, 25 : prich ich hafen
so brichst du krüg, uud die Nachwei-
sungen Zarnckes zum Narrensch. 33, 7.
breiten, brüten, ptc. gebrett, gebritt:
vermögen, im Stande sein : ich habs nich
gebrett, war es nicht im Stande, konnte
die Arbeit nicht zu Ende bringen, war
ihr nicht gewachsen. — einen breiten :
ihn überwinden, namentl. im Ringkampfe.
An breiten , breit machen, ist schwer-
lich bei diesem Worte zu denken. Es
bietet sich namentl. für die Bedeutung
vermögen zunächst bereiten; indessen
eine derartige Zusammenziehung des
Praefix be ist unschlesisch. Das b muss
zum Stamme gehören; ich vermuthe in
unserm Worte das ahd. brettin, caedere.
Die Bedeutung: im Kampfe fällen, hin-
strecken , wäre also die erste, und die:
eine Arbeit überwinden, durchführen,
die abgeleitete.
Bremmel* B r e m m e r, st. m. Zuchtstier ;
auch Bremmerochs e. — ahd. breman :
fremere, rngire ; mhd. brimmeu. — Auch
Brummerbeutel heisst der Stier. Die
Kinder rufen ihm beim Austreiben zu :
Brummerbeutel, Vesperläutel ! (Falk en-
berg).
brensten, schw. vb., quälen, peinigen
(.lauer). Schmid schwäb. Wörterb. 96
prensen, drücken ; auch nd.
brenzlfch, p r i n z I i c h t, adj. brandig ; es
riecht prenzlicht. mhd. bremzelich. —
prinzelinzig, ebenso.
Herr Rreutigam, von Zeit du dich hast in
den Orden
des Ehslands eingelobt, bist printzeliutzig
worden,
von dar fiel dir die Gunst bevn Jungfern
gants und gar.
— brfihea.
Scberffer Ged. 659. — Bei Ayrer, op.
theatr. II, 127 ein Hauptwort Prinsel:
also stinckts nach feur und prinssel. —
Bair.brinzeln, prünseln, Schneller 1,264;
westerw.brensen, brenseln, -ern, Schmidt
36: schweizer., Schwab., fränk. bränteln.
Tobler 75; Rheinw. 1, 15.
brenen, schw. vb. mhd. briuwen; die
unumgelautete Form ist schlcsisch nicht
üblich, gleich wie im oberd. — Die über-
getragene Bedeutung: etwas anstiften,
bereiten, die mhd. und später sehr häu-
fig ist, gilt auch schlesisch noch. Der
Breuer erhält gleich dem Fleischer
und Müller vorzugsweise den Ehrentitel
Meister ; seine Frau die Meistern.
Brief, st. m. Wie im bairischen (Schind-
ler 1,254) und kärntischen heisst auch
in Schlesien jedes Stück Papier, bunt
oder weiss, das in Briefform gefaltet ist,
Brief. Ein Brief Haar- oder Stecknadeln.
Auch die Kartenblätter beissen Briefe,
nach dem alten Gebrauche, mit Bildern
bedruckte einzelne Blätter so zu neunen ;
daher in der Gaunersprache briefen :
Kartenspielen. Das bunte Papier, das um
den Flachs auf dem Rocken gesteckt
wird, heisst ebenfalls Brief, wie im We-
sterwalde, Schmidt 164. Zum Unter-
schiede von diesen Briefen heisst eine
wirkliche Epistel Schreibebrief.
Brickel, mit vortretendem Nasal Brin-
ke! , st. n. Bröcklein, Brosamen. Sprich-
wort : Brinkel machen Brod. — A brin-
kel : ein bissei, ein wenig. Biste mer a
brinkel gutt? — Lot mich a brinkel der-
niedersilzeo. — brinkein, brickel n,
schw. vb. in Brocken bestehen, zu Bro-
cken werden. Es brinkelt : schneiet in
kleinen Flocken. — Smag sich nu so
lange brinkein ass wil , sagt Pilaumen-
tuffel bei Stoppe, Parnasa 508, als er
vergebens nach dem rechten Worte
sucht. — Auch schwäbisch: brickeln.
Brltschke, f. offener leichter Wagen;
poln. bryezka.
Brut» Brut, st. n. Das liebe Brot stets
genannt. — Fersenbrotel geben :
auf die Fersen treten. — Brotraffe,
f. der Mund; kärntn. Brotlade. — hab
ihr auch wol die Brodraffe zerdroschen.
Scherffer Ged. 412.
Ge-bruch, st. m., wie das einfache mhd.
| bruch, Gebrechen:
an dem gründe wol zu herachen,
' ist bei ihm fast kein gebruch.
I<ogau n. 2141.
Bruch, st. f. mhd. bruoch, Hosen, braccae.
Logau ii. 763, 1573. Wenig Tuch, kurtze
Bruch. Abschatz, Sprichwörter. — Sie
meinen dass Ihr todos los diabolos in der
Vorbruch wie die Schweitzer in dem
Hosenlatz traget. A. Gryph. Horribilicrib.
brühen« schw. vb. intrans., brennen; das
Feuer brüht; in der Wünschelburger
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Brücke — Ditrm. 13
Gegend noch durchgehend» gebraucht.
Auch indem Hirtenliede aus Reichenbach :
Brie Feieria brie!
Mer hitta garne de K!e,
Mer hitta garne de faula Ziega,
Dau mer mlga beim Feieria liega,
Brie Feieria brie!
verbrühen, intr. verbrennen. Spruch :
die Zeit rergiht, daa Licht verbriht, und
das Weib stirbt noch nicht! ursprünglich
einem Manne, der bei seinem sterbenden
Weibe sass, zugeschrieben (Reichenbach).
Brücke* »t. f. Brücke bauen, coire. Vgl.
Fischart Gargantua (1590) c. 144: und
spielten der faulen brücken und des
thiers mit zweien rucken,
brunzen, schw. vb. mejere; anzunehmen
in sich begrunzen für bebranzen ; vgl.
grunzen.
Buhn, m., Schreckgespenst der Kinder.
Sihste den Bubu ? — Bis stille, suste
kimmt der Bubu. — poln. böhm. bubu,
bobo, wozu Grimm, Wörterb. 2, 199,
den Wauwau vergleicht. — nd. Bumann.
Rufe für Bube, bei Eschenloer durchgän-
gig , namentlich wie Bube für die Tross-
knecbte ; aber auch für die Stegreif-
ritter (1, 173). — Frisch 1, 149.
Bukneten, die grossen Brote, welche den
Hofegärtnern und andern Arbeitern auf
dem Dominium als Theil des Luhnes ge-
geben werden (Trachenberg). In der
Geschichte des Herzogs Hans von Sagan
von Mart. Kyntsch von Zobten (Stemel
Script. IV, 14) heisst es: „da Hessen sie
uns geben ein halb schock bachnitzen und
zwe kannen mit bier." Cureus deutet :
parvi panes aulici , Rite! übersetzt :
kleine Hofebrote. Stenzel sagt a. a. U. :
Puchnitenbrot sei in Schlesien nicht un-
bekannt gewesen als das Brot, das aus
den Resten des Teiges gebacken und
an das Gesinde und die Armen gegeben
wurde.
Büne, Wü n e , st. f. Öffnung im Eise, für
die Fische hauptsächlich gemacht. Auch
oblaus. — Schweiz., schwäb. Wohne ;
schwSb. auch Wule, Wuher. Scherz 2065 ;
Frisch 2, 458 ; Stalder 2, 456 ; Scbmid 537.
— Das Schweiz. Bühne (Stalder 1, 240)
bedeutet Vertiefung in Metall , was das
Vocab. von 1482 zu Wune verzeichnet.
Büne, st. f. hölzerne Gallerie am oberen
Stockwerke der Bauernhäuser ; sie ver-
schwinden immer mehr. — Hühner-
büne: Verschlag im Hause für die
Hühner.
Bunzel, tn. Stadt Bunzlau am Bober, heute
weit mehr durch ihr treffliches Töpfer-
geschirr als durch ihren Sohn Martin
Opitz berühmt. Mit dem Bunzel-
g eschirr wird ein bedeutender Han-
del getrieben. Bunzeltippel, Buuz-
lauer Topf. Bunzlich, puntsc ti-
li cht, adj. von Bunzlau, namentlich
bezüglich der Geschirre.
Bunzel, P u n z e I , st. n. vul va ; Diminut.
zu Bunz, das eins ist mit bair. Punz,
Punzen, Panz : GefSss, Fass, dann über-
tragen: Leib, BrusL Schmeller 1, 288.
Busch, Pusch, st. m., bezeichnet sowohl
Nadel- als Laubholz; Wald uud Holz
(silva) werden ersteres selten, letzteres
gar nicht gebraucht. Einfluss des slaw.
bor liegt nahe. — Büschel, Pischel, n.
Wildchen. — Fusenich t,n. Gebüsch,
bei Scherffer Ged. 47. — Die Busch-
wei b e r I e (Püschweberlan), Holz Weib-
chen , bekannte mythische Waldwesen.
Wenn das Gewölk am Gebirge reisst und
die einzelnen Wolkenstreifon an den
Bergen aufsteigen, heisst es : die Busch-
weibel ziehen heim. — üeber das Busch-
weib s. meine Frauen im Mittelalter
S. 27. — Büschel, m. kleiner Busch
oder Strauss, weniger von Blumen, wofür
Riechel oder l'ukätel , als für Federn,
Haare u. dgl. — Er hdt cm an ganzen
Pischel Höre ausgerauft. — Lause-
pusch , die Kopfhaare.
Buttner, in. Bötticher , Fassbinder. —
Spruch an ihn :
Meister Büttner, buin bum bum,
schlügt die alten Weiber krumm,
schlag sie wieder grade.
D.
Über das Verhältniss zu T vergleiche meine Dialektforschung S. 75.
Dnda, dfida, Lockruf der Hunde; daher
in der Kindersprache Benennung des
Hundes. Vgl. Schmeller t, 347.
Dank, st. m. Der gewöhnliche Gruss der
Landleute ist: Gott grüss dich! Der
(ieg^ngrass : Schönen Dank! — Scherz-
hafte Verdrehung des: ich danke schön,
ist: „ich tanze schön und dreh mich
hSsslich um.« — Eltern, welche durch
die Geburt eines Kindes erfreut sind,
lassen dafür von der Kanzel ab dün-
ken. Bei Leichenbegängnissen dankt
nach der Versenkung der Leichenbitter
den geladenen Begleitern im Namen der
Leidtragenden ab. Vgl. Grimm Wörterb.
1, 19; Schindler 1, 383.
Daniel, Danneil, Dan heil, mit dem
Scherzreim : hat gebackne Birnen feil.
Banst, st. m. Dunst. — d a n s t i g , adj.
dunstig. Vgl. Dialektforsch. 91.
Darm, st. m. als Schimpfwort beliebt,
besonders für lüderliche Menschen. Eine
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Untersuchung der germanischen
ten, die viele und bedeutende Ergebnisse
liefern würde, bat die geläufige Verwen-
dung- von Benennungen der Kör per Iii eile
als Schimpfworte auszuführen. Auster
dem einfachen Darm kommen schlesisch
als Schelten ror: Laaterdarm: L.
von eim Menachen der de bist ! —
Schlitzkendarm. Im mnl. wurde
trijpaac, Darmsack, auch ala Schimpf-
wort gebraucht, vgl. Horae belg. VI,
121, 259. — Schroeller 1, 396; SUIder
1,267; Schütze 1,207.
Darre, st. f. 1) Ausdörrende, abzehrende
Krankheit: darumb ist in dieser Stadt
(Freistadt) die Phthisis, die Darre oder
Schwindsucht, eine erbliche und gar
gemeine Kranckheit. Cureus-RäUl ( 1607)
S. 304. — 2) Der von ihr behaftete
Mensch; daa abgezehrte Thier. Das Wort
in dieser Bedeutung tat als Schimpfwort
geläufig :
denkste denn, du Darre ! dass ich auf
dich harre ?
so ein KerleJ wie du bist, wichst auf
unsertu Pferdemist.
Hoflmanns scbles. Volksl. 95. — Zusam-
mensetzungen: Saudarre; Schin-
derdarre.
achw. rb. 1) intr. finster wer-
j, wie hd. — ahd. timbaren, demar
crepusculum. Im Besondern a) trübe
sein, dunstig sein ; es demmert heute, ist
demmrigi die Aussicht ist nicht klar ;
— b) voll Bauch sein, namentlich voll
Tabak rauch. 2) trans. Düna
machen: starke Tabakraucher
Vgl. Rhein wald 1, 18.
denken, schw. vb., zu erwähnen in der Be-
deutung: dafürhalten, hoffen ; gewöhn-
lich allgemein : man denkt, dass es hübsch
bleiben wird, dass er noch gesund wer-
den kann; — unpersönlich: es denkt
mich: ich denke daran; so lange michs
denkt : so lange ich denken kann. Es
denkt mich noch ein spil. Logau n. 84. —
bair. es denkt mir. Schindler 1, 383. —
gedenken: 1) bei sich denken: da ge-
denk ich mir wie 2) sich erinnern:
man kanns ihm (sich) gar nicht geden-
ken; — unpersönl. es gedenkt mich. —
Es stirbt kein Mensch so jung, den nicht
ein Fall gedenkt. Günther 834. — ver-
denken: in Verdacht nehmen ; vgl.
Benecke-Müller 1, 349; verdenkt den
Geist nicht mehr der ganz sich euch ver-
plticht. A.Gryph. schwärm. Schäf. 667. —
Darum wer mich verdenkt, den aoll der
Henker hohlen. Günther 375. — ver-
dacht 1) in Verdacht genommen, ver-
dächtig: warum werd ich verdacht?
A. Crypb. Carl Stuard 4, 187. Der Welt
nur bin ich gram, die Erd ist mir ver-
dacht, ebd. 5, 228 ; 2) in Gedanken ver-
senkt, bestürzt : diese Stück sieht selt-
sam aus und macht mich ganz verdacht.
A. Gryph. Stuard 1, 179. — rahd. verdaht.
derffeln, schw. vb. rollen, wilzen , na-
mentl. zwischen den Fingern rollen;
überhaupt herumrollen, herumwischen.
— Ursprünglich s dwergeln , quer gel n
W. Z. 8.
deuehen, schw. vb. rasch laufen, rennen
(Reichenbach. Zofaten). — Vgl. mhd.
(liuhen, ahd. tuht impetus. — Schweiz,
tfchen, bair. deichen, teuchen: schlei-
chen, lauern. SUIder 1, 280. Schneller
1, 351. — In dem Bergreihen von der
Kirmes der vollen Pauren (Bergkreyen,
Zwickau 1533, n. 42) verleych uns dey-
ner tollen sinn zwo oder drey, daa wir
die groben pawren erdeychen, d. i. er-
laufen, einholen, erfassen und zausen.
Hr. Schade in seinem Abdruck des Wei-
marscken Exemplars eines nah verwand-
ten Druckes erklärt: erdeichen, büssen
lassen.
deuNJten, schw. vb. a) intr. rennen ; a us-
d e u s s e n : ausgreifen im Laufe, n a c fa-
de u s s e n nachrennen (Reichenbach) ;
b) trana. rennen machen, jagen, „den
wolt ich deuasen !" (Trebnitz). — nd.
deisen , afdeisen: wegeilen. Brem.
Wörterb. 1, 190. nl. deizeu, deinzen:
zurückweichen ; schw üb. deinsen, dein-
selen: davonschleichen. Ist die Annahme
der Verwandtschaft mit mhd. diezea be-
gründet, so hiesse deusseu oigentl. rau-
schen, sich mit Geräusch bewegen.
Dieb, «t Von Kindern wird in ihre
Bücher geschrieben :
Dieses Büchlein ist mir lieb,
wer roir's stielt, ist ein Dieb ;
es sei Herr oder Knecht,
so ist er an den Galgen gerecht.
(Reichenbach.) — Ein ganz gleicher
Schreiberreim (nur steht für Herr ruyter)
bei Naumann Serapeum 8, 349. Jung ist
dagegen der Zusatz : N. N. bin ich ge-
tauft , N. N. bin ich geboren, wer es
findt, ich haba verloren. — Eine jüngere
Variante dieser Verse ist:
Dieses Buch ist mir lieb; wer mirs
stielt, ist ein Dieb,
wer mirs aber widergibt, der ist mir
lieb (Schweidnitz).
Dieek, st. n. Diecher im plur. Schenkel
des Geflügels, ahd. dioh; mhd. diech.
Schindler 1, 352 ; Brem. Wörterb. 1, 188.
dicke, adj. 1) dicht : ihre dicken acharen.
Opitz 2, 14 (1629). Wie wenn ein dickes
Feld viel Blumenarten zieht. Günther 380.
— In solcher Bedeutung noch in Benen-
nungen dichtgebauter Theile von Dör-
fern : die dicken Häuser, ein Thcil von
Ernsdorf bei Reichenbach, von Gröditz
bei Schweidnitz. — Hockerdicke,
dicht dass sie auf einander hocken : bia
se aa wie besoffne flieg» warn hocker-
decke drenne liege. Schönig Gl&ziscbe
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15
Gedichte 8. 4. — 2) d i c k ; im besondern
schwanger; weiter verbreitet Steider
1, 281 ; Schmidt 46. — eine dicke ma-
chen , altachwed. gmra konu dighra.
3) jemand dicke haben : satt , über-
drüssig haben. — D i c k e I, m. liebkosend
und scherzhaft : dicker Mann. Vgl.
Schneller 1, 356.
dflle, pron. dieser (Glaz). Dialektforsch.
(lim mein, schw. vb. In dem Geschenk
„dem guten Willentrinken" der Schwarz-
und Schönfärbergesellen zu Reichenbach
von 1783 heisst es : „wer unter wären-
dem Geschenk dimmelt oder täuscht,
soll in der Gesellen Strafe sein." Ist
es ein heimliches Spiel ? Die folgenden
Verbote betreffen Würfel- nnd Karten-
spiel, ferner winken mit den Augen,
Fingerzeigen, Fussstöaae wihrend des
Geschenks.
Ding-, st. n., Dinger plur. Hat auch der
Schlesier nicht jene Nachlässigkeit an
sich, mit welcher in Osterreich der Ding
für alles, Menschen wie Sachen und Be-
griffe, angewandt wird, die man im Au-
genblick nicht benennen kann, so gilt das
Wort doch anch ihm als Bezeichnung von
mancherlei. — Ding wird gern für Rin-
der nnd besonders Mädchen gebraucht:
ein hübsch Ding, dummes Ding; dann
für geisterhafte Wesen (vgl. wiht) : ein
weisses, ein graues Ding; euphemist
für die Geschlechtstheile, wie ziemlich
allgemein. — Die Dinger : Sachen.Sprichw.
angebotne Dinger sind selten was gut.
Galemacheding: der gelbmachende
Safran. — Pf eff er ding, Zucker-
ding: kleine Gestalten von Pfeffer-
kuchen oder Zuckerteig. — D i n g r i c h,
m., verächtliche Benennung eines Manns-
bildes : W<»te was a Dinglich „is ? i
Dingrich is a Ldgasäk. — Ausgedinge
n., Leibgedinge, Leibzucht, besonders:
der ausgedungene Theil, den sich die
Aeltern (und zuweilen die Verkäufer) bei I
der Uebergabe des Gutes vorbehalten:
ein kleines für solchen Zweck in dem
Hofe erbautes Haus, Beheizung und Be-
leuchtung, Pflege und meist der dritte
TheÜ des Obstes. Im Ausgedinge sitzen ;
Ausgedingemann. Für Ausgedinge auch
Auszug. Auszügier, m. der Ausge-
dingemann.
Diaterle, n. kleines dürftiges Kind (ttei-
cbenbach). Vergleicbnng des mageren
Kindes mit der mageren Pflanze.
Dwffgel, Teckel, m. kleiner Hund.
Schmeller 1, 360.
dollen, t u 1 1 e n, schw. vb. feine Wäsche
fälteln , was am Dolleisen geschieht,
einem länglich runden, spitz zulaufenden
Werkzeug von Metall ; obersflchs. thü-
ring. dollen, glocken; obtaus. duddeJn.
— Duddeleisen, Glockeisen.
«Ionen, schw. vb. spannen; die gespannte
Schnur am Papierdrachen dont; straffe
Saiten donen : wie aber hinwieder, wie
man zu sagen pflegt, die Saiten am bär-
testen donet. Schwein. 2, 54; ein voller
Leib dont; das Baucbla ddnt, dass ma
kAn an Flug druff tiU schldn; alles stark
gefüllte dont; von dem wiegenden Gange
dicker Leute wird ebenfalls gesagt: sie
donen. Uebertragen auf die Fülle der
Seele': vor Wutb donen; ahd. mhd.
donen. Schmeller 1, 377. — g e d o n e,
gedune, adr. gespannt, straff; gedone
vull, gedone gehen : straff, angestrengt
gehen (Hirschberg). Vgl. Haupt zu
Engelhart 174.
Donner, Dunner, st. m. Die Gänse gehn
zum Donner = zum Teufel. — Donn-
rich, m. donnernder Schlag, starker
Puff; harte Schelte. — aufgedon-
nert, ptc. aufgeputzt; verd onn er t
verflucht; donnerisch, dgl.
Dr&b«, m. st. Treffer, Schlag; auch oblaus.
— nd. Bildung. — Magdeburg. Dräps, nd.
Draper, obsäcbs. Treffer, bair. Triff.
drnng-e, gedrange, adj. gedrängt, enge,
straff: in den gedrangen Schranken,
Günther 981 ; so ächzet die gedrange
Brust ebd. 183 ; mit der Vernunft ge-
drangen Zügeln, Lohenstein Ibr. Bassa
2, 345; mit den gedrangen Stricken,
ebd. 3, 221 ; thuts euren obren wohl,
thuts fremden doch gedrange, Logau
n. 12S9. — mhd. gedrange. Stalder 1,
296 ; Schmeller 1, 414; Brem. Wörterb.
1, 246 ; Schütze 1, 246.
Drehe, st f. Wendepunct; überhaupt
Ort, Punct : nnt die Drehe wars. —
Umdrehe: Ort des Um Wendens; das
Umwenden selbst — Drehlade: ver-
drehter Mensch — Dreher, m., Schaf
von der Drebkrankbeitbefallen. — d r e h-
nig, dränig, adj. drehend, schwind-
lig; verdreht, verrückt; nd. draenig.
Dreck, st m. in Schlesien schlimmer als
Köln erachtet und darum in anständiger
Rede vermieden. Dreck findet sich in
verschiedenen kräftigen Redensarten : das
ist so übrig wie Dreck zu Weihnachten.
— Ich schämte mir den Dreck aus den
Angen ! — Er thut, als ging ihn kein
Dreck und kein Wetter nichts au (Oppa-
land). — Der Kerl thut, als wäre Dreck
sein Vetter (von einem Hochmüthigen).
— Faules Frauenzimmer, wer wird denn
immer dasitzen , wie ein gepfropter
Hundsdreck (Trebnitz). — Du blitzblauer
Hühnerdreck 1 — Dreckel mit nischte
bestreut; Umschreibung für nichts, so
wie Mückendreck für etwas win-
ziges : Flesch wie an Daumakuppe und
Putter wie a Mickadreck (Zenscberlied).
Dreckschleuder: ein Maul wie
eine Dreckschleuder. Von zänkischen
Eheleuten heisst es: die hat der Teufel
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1
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Drcmmel — egren.
mit der Dreckschleuder zusammen-
I, Tremmel, st. m. 1) Knüttel,
Prügel. — ahd. tremil; mhd. dremel,
bair., oslerr., kwrntn. — dr emmein,
schw. vb., schlagen; gedremmelt voll:
gedrückt voll. 2) die kreisförmige Bahn,
in welcher die Thiere bei Bewegung von
Maschinen gehen müssen (Reichenbach).
— Schweiz, drümmelu, tröinmeln : im
Kreise herumgehen, taumelnd gehen.
Drüinmel, Schwindel. Stalder 1, 313;
schwab. trümeln, trümseln: wanken,
taumeln. Schmid 144; bair. türme In : im
Kreise hcrumwirbeln. Türmel : Wirbel,
Schwindel ; türmisch, schwindlieh-Schmel-
ler 1, 456; kärntn. Turm, Schwindel.
Vgl. Frisch 2, 393. — Die zweite Bedeu-
tung ist von der ersten etymologisch
völlig zu scheiden. Vgl. Türmelung.
dreschnken, schw. vb. prügeln; Dre-
scbake kriegen. — nd. dreachaken,
trischaken, trasaken ; ndrhein. traschate ;
Westerwald, treschnke; bair. elsäss.
drischeken. Wahrscheinlich eben solche
Ableitung von dreschen als kabaken
von kappen w. z. s. Schmidt Westerwald.
Idiot. 263 deutet es von dem Karten-
spiel Trischaken und erinnert an Kar-
nöffeln, das auch Kartenspiel und Prügel
bezeichnet.
en, schw. vb. drücken , zaudern.
— droksen, druksen, frequent. Bil-
dung. — Drockfülsel, imperativ.
Bildung: Zauderer.
Drossel, st. f. wie hd. — alte Drossel :
altes Weib (Waldenburg). — ahd. dros-
cela ; mhd. und obd. Droschel ; nd.
Drossel.
Drasehmftn, m. Hochzeitbitter und Lu-
sligmacher; er trSgt eine bebänderte
Gerte, im obersten Knopfloch ein lang-
herabhängendes Tuch und ein Rieche!
mit Flittergold (Olaz, Trebnitz); poln.
druzba, Brautführer ; druzka, Braut
Drüssel, st. m. Rüssel, Schlund; mhd.
drüzzel ; erhalten im schles. nur in :
Brummdrüssel,
Brummbär, mürrischer Mensch.
(I ii in m , t u m p, adj. es steht tump geuung,
ist tump genung geraten : hübsch genug,
gut genug. — Ironischer Ausdruck des
Gegentheils, des Klugen, das wenigstens
mhd. auch das sinnlich Feine und Schöne
bezeichnet. — schwindeltumm,
schwindlich, auch bei Logau. — tu mp-
lieh, verdreht. Frisch 2, 394. —
Dümling, Timmlich, Tumlaoki
dummer Kerl.
dünne, adj. es steht dünne wie armer
Leute Korn; die Schönheit steht hei euch
gor dünne und fast wie armer Leute Korn.
Hoffmanswaldau u. andr. Gedichte 4,300;
dünne machen (cacare) wie ein Advocate.
Dups, m., Podex (Obersehlesien), aus dem
polnischen dupa.
dürfen, vb. anom. wird in Schlesien gar
nicht gebraucht, sondern nach alter
Weise dafür türren gesezt, w. z. s. —
Bei den schles. Dichtern begegnet dürfen,
wie mhd., häufig gleich bedürfen : ich
darff kein waffen. Opitz 1 , 312; ein
wachsend Übel darf geschwinden Wider-
stand. Lohenstein, Agrippina 4, 151. —
Was die Kirche glauben heisst, soll man
glauben ohne wanken? also darf man
weder Geist, weder Sinnen noch Gedan-
ken! Logau 8, 26; so darf ich keines
Segens mehr. Chr. Gryph. HO (3. Ausg.).
Wo dürfen im Volke gebraucht wurde,
scheint wie bei andern verwandten Zeit-
wörtern das Verb, fioit. ausgefallen zu
sein; vgl. de darfst mer gar nich vil, se
wil ich der alle bede bene in kle'ne <
nierschlön. A. Gryph. gel. Dornr.
dürre, adj. dürre wie eine Schindel,
wie ein verheiratheter Sperling. •
klapperdürre ; spindeldürre. — Diirr-
I en,d er : von dürren Lenden , oder aus
dem dürren Lande ?
Dusel, Tusel, sL m. früher schw. m.,
Schwindel, Betäubung; Rausch: kann er
denn nicht guttezwey Tuseln vertragen ?
Scherffer 419. Vgl. Stalder 1, 330.
E.
eben, ebene, ebent, adj. als Füllwort
gleich halt und gleich ungemein ge-
brauchlich: es ist eben so; ich kann
eben nicht; er meinte eben, es wäre zu
theucr; — bejahend : eben; nun eben =
nun freilich ; eben drum = grade dess-
wegen. Aus der Bedeutung: gleich-
massig, genau (Benecke-Müller 1,408),
die in vielen Fällen des schlesischen
Gebrauchs noch zu finden ist, entwickelte
sich überhaupt die verstärkende und
bejahende. — Auch fränkisch, schwä-
bisch, Schmid 1S4 ; Frisch 1, 213. — Die
Nebenform e b e n s t kann entweder als
durch Einschiebung des euphon. s in
ebent entstanden sein, oder sie ist, was
glaublicher, Superlativ zu eben (mhd.
ebenist, Tristan 8240).
Kduard, mit dem Spottreim :
Eduard, Kartoffelsack,
hol um'n Dreier Scbnupptabak.
Abkürzung : Ede, mit dein Heim :
Ede koch He*do,
Koch Hundedreck zu.
Deminutiv: Edla; Nardla (Neustadt; vgl.
Dialektf. 70).
egren, »gen, schw.vb. eggen ; ahd. egjan.
— mit einander ägen: zanken (Jauer) ;
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vgl. hecheln und b«i SUIder 1 , 330
egen.
ehe» db, aeb, partic. eb der Tag quam;
e*b ich das thfit ! — 4b auch schwäb.,
Schweiz, und md. — compar. thnder;
rgl. Grimm Gramm. 3, 594 f. ; Lach-
mann z. d. Nibel. 204, 4; Schmeller 1, 3.
— Superl. ehest: ehester Tage, näch-
stens; — adj. ehest, ehrest. Schwein.
2, 288. ehestes Logaa. Schweinichen.
Ei« A, Ae, st. n., Deminut. Eila, £la, plur.
Elan. Was mir nun dieses vor sorgen
hat gegeben, ist leichtlich abzunehmen,
dass es nicht ganseier auszubrüten sein
gewesen. Schweinichen 3, 79. 2) iiode.
Spruch : Haseneier klappern nicht, Enten-
milch die schlickert nicht ; vgl. Schmel-
ler f , 40. — Eilaknicker: kleines
Taschenmesser; vgl. Kniefike.
elehelg-anz, 4chelganz, adj. unge-
schickt von Gestalt und Wesen, klotzig,
grob ; vgl. Grimm Gramm. 2, 576 und
zu Andreas 1700, wonach e*cbel auf eich-
heil, ags. achäl, roboris instar vegetus,
zu führen wäre. — Das gleiche eichel
kommt vor in eichelweis: eichel-
weis d. i. zu gleichen Theilen erben.
Scherz 1, 283; Schraid 158; wenn nicht
hier eine Zurückführung auf aequalis
vermuthet werden darf.
eifor, e i v e r, 4 v e r, adj. scharf, beissend :
eivere Lauge. Logau 1534 ; Frisch 1,
219; ahd. eivar, eipar: amarus acerbus;
nd. efer : scharf, ätzend.
ein-, eines, genit. Advb., einmal, bei
den Schlesien! des 16. u. 17. Jahr h. häu-
fig; ebenso einig: einzig bis in das
18. Jahrb. gebräuchlich. — e i n I ü txi g,
elitzig, adj., einzeln, besonders allein
stehend, ledig ; a elitziger Junggeselle.
— ahd. einlutzic; mbd. einlutze; bair.,
österr., kämt, änlatz, flnlötzik; schwäb.,
westerw., rhein. : eiuletzig.
ei »am, dam, adj. 1) schrecklich; auch
als Steigerung in solchem Sinne : eaem
vil derieben; 2) mürrisch, wunderlich:
esem thun, sich übel geberden ; 3) furcht-
sam, schüchtern. — Stamm : ahd. agi,
egi, Furcht, Schrecken. Ein altes egisam
ist nach unserm Worte anzusetzen.
elende« blende, i'elende, adj. na-
mentlich mit der Bedeutung : siech, ver-
krüppelt. — appenzeller, übel, zum
erbrechen geneigt. — Ein schlesisches
Miihrchen erzählt, wie der Tod den
Elend aus der Welt hat holen wollen,
der Elend hat sich aber auf einen Baum
geflüchtet, wohin ihm der Tod nicht
nach konnte, und da ist denn der Elend
in der Welt geblieben.
Elgrut, Dorfname. In Schlesien gibt es
nicht weniger als 42 Dörfer dieses Na-
mens. Das Wort hat manchen Deutung; -
versuch über sich ergehen lassen müssen:
es ist bald auf alahguot Tempelgut, bald
Aattiog iam XIV. Bd.d.SiUb. 4. phil.-hiit. Cl.
17
auf eldguot Feuergut geführt worden.
Das Wort ist aber slawisch : poln. Ligota,
böhm. Lhota : steuerfreie Ansiedlung.
Nach Wocel's Grundzüge der böhm. Alter-
thumskunde 54 gibt es in Böhmen 290, in
Mähren 90 Dörfer Lhota, Lhotka, die von
den Deutschen Elbota, Elhoten, Ölhütten,
Welhotn, Elgoth ausgesprochen werden.
Elisabeth hat den Scherzreim: mach
Rlissla fett — Da der Elisabethtag
(19. November) gewöhnlich schlechtes,
schmutziges Wetter hat, führt er den
Namen beschissne Lise.
F.mse, »t. f. Ameise, Logau n. 761. In
Emse herrscht der mitteldeutsche VocaL,
wie in der gemeinschlesischen Form
Omsse der oberdeutsche; vgl. Grimm
Wörterb. 1, 277.
Ende, st n. zend, zends, zengs,
zenst, genit. Adv., bis zu Ende, völ-
lig, ganz; mit andern OrUbezeichnan-
gen :zengs nüm, zengs rüm: ganz,
hinuin; zends aus, zengs zenst
naus: ganz hinaus, immerfort. Hieraus
ist ein Substantiv gebildet : d e r Z e n d-
a u s , ein gewaltiges Stück Weg zum
Ziele. — Diese Formen linden sich auch
obersächs., oberpfälzisch (zeng, zenst),
Schmeller 4, 276 ; schweizer, zent ume,
Stalder 2, 469; nd. tens. — Ende-
kretscham, Kretscham am Ende des
Dorfs (Dreissighuben bei Reichenbach)
wie o*tg<>thl:ind. der Bauer am Dorfende
eudiikarlheisst (bjgdab. 1,6). — enden,
engen, schw. vb., zu Ende führen, aus-
halten, ertragen; auch oberlaus. Über
ng für nd vgl. Dialektforschung 69.
Emierle, st. n., Engerling: Made der .
Maulwurfsgrille; Maikäferlarve. Mit glei-
chem der Mundart gewöhnlichen Tausch
von ng und nd in Obersachsen. Frisch
1,228; ahd. engirinc; mhd. engerlinc :
glis. curculio. — Enderle hecken',
Bezeichnung der höchsten Langeweile.
Engel, »t. m. Engel aus der llolzkammcr,
Holzengel: ursprünglich hölzernes En-
gelbild, übertragen: steifer hölzerner
Mensch. — Posaunenengel : bausbäcki-
ger Mensch, nach den posaunenblasenden
Engeln, deren Bildsäulen an den Altären
der meisten Kirchen stehen. — En-
gerle tragen, ein Kinderspiel : es
wird ein Kind von zwei andern unter
dem Arm gefasst und schwebend ein
Stück getragen unter dem Spruch : wir
tragen den Engel in Abrahams Schooss.
Das Appenzeller Engeli ufzücba ist ver-
wandt. Tobler 169.
enterach, adj., 1) unheimlich, grauslich;
2) unbehaglich, unwohl. — ahd. antrisc ;
mhd. entrisch. Tgl. Grimm Mvthol. 491 ;
Schmeller 1, 77. — Auch bair., österr.
eppitch, vgl. äbich.
er, h ä r , ha, pron. pers. — Über den
Gebrauch mit Er den Ehegatten zu
b
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18 .hrbar
bezeichnen, vgl. Dialektf. 138; Schnieder
1,91; Schütze 2, 116.
ehrbar* e r b r, adj. ehrbar Ihon, zurück-
gezogen seiu , für sich gehen.
Erde« »t f. Erdbirnen, Aperna :
Kartoffeln. — Er dz ins, Grundzins,
im 16. Jahrhundert in Schlesien noch ge-
braucht. Stenzel Tzschoppe Urkunden-
sa mm). S. 10.
erne, ernt, arne, arnt, ant, pari,
irgend, etwa. Mitteldeutsche Entstellung
von iergen, wovon schon im 12. Jahrh.
Beispiele sich finden. Benecke-Müller 1,
746 ; nirne, nerne, nernt: nirgend.
Vgl. Dialektforschung 143.
essen, assn, st. vb., was vorhanden nn
essender Waare 'und Proviant. Schwein.
2, 64. Vgl. Frisch 1, 233.— Esse-
schwein, Mastschwein. Schweinichen
2, 144. 182.
esehern, äschern, schw. vb.. Bich ab-
eschern, ereschern: abarbeiten, ermüden,
erhitzen. Vgl. Grimm Wörtern. 1, 585.
Esel« st. m. Esel müssen vor Alters in
Schlesien viel gezogen worden sein, da
Fahre für Theater (StrSuhof bei Festen-
berg). Entstellung aus Fabelei?
frefneh, adj. feindlich; mir heute nicht
begegnet, aber bei Logau n. 1259 :
Jhr jungfern , glaubt es mir , dass
euch das wort zu führen,
so frech und so gefach gar schwer-
lich will gebühren,
geväch ist die rad. Form für mhd.
gevlch, die u. a. bei Jeroschin häufig
begegnet; vgl. Pfeiffer, Beiträge zur
mitteldeutschen Sprache 1, 163. — ags.
gevdh.
Faden, m. Lange Faden, faule Maden !
Spottspruch auf Mädchen, die mit langen
Stichen nfihen, um rascher fertig zu
werden.
Fneke, st. f. Hündin. — Schwab., bair.,
kärntn. ist Fack ein grösseres Ferkel
(Frischling) ; isländ. fakr (bei Biörn
Halderson Hkr), Renner, Ross. Der zu
Grunde liegende Begriff scheint Renner,
Herumlaufer : Schweiz, facken, fackeln,
sich hin und her bewegen, herumlaufen.
Slalder 1, 348. — Schwäbisch heisst
übrigens der Fack oder Feck : Fresser.
Schmid 175.
falseh, faltsch, adj. aufgebracht, zornig.
— Ebenso Schweiz., österr., kämt.,
frSnk., nd. — Schmeller 1, 529; Stalder
1, 353; Tobler 175; Brom. Wörlerb.
1, 340.
Fahne, als schw. m. noch häufig gebraucht ;
die Bedeutung vexillum überwiegt. Die
Fahne heraushängen: das Hemd zu den
Hosen heraushängen lassen. Spinnweben,
F&rte«
sie für besonderes Landeserzeugniss gal-
ten; vgl. Fischart Geschichtklitterung
c. 12 : mit dieser weis, wann dieses gel-
ten solte, möcht einer ein jden haut-
juckigen vogel für ein gauch ansehn, ein
saw für einen Baier, ein schlesischen
esel für aller hasen grossmutter , ein
pommerisch storckennest für salat. —
Dass Schlesier haben den Esel ge-
fressen,
Ist entweder nichts oder bleibet ver-
gessen ;
sonst würden die fremden sich eigen
gewehnen,
nach schlesischem Futter sich nimmer
zu sehnen.
Logau 677. Den Grund des alten Bei-
namens : Eselfresser, den übrigens nicht
bios die Schlesier trugen (Grimm
Mvthol. 43, Anm.) weiss ich nicht auf-
zuklären. Der goldene Esel in Reichen-
stein wird schwerlich die Ursache sein. —
W a I d e s e I : schnarchen, scheissen wie
ein Waldesel.
die von der Decke hängen, werden scher-
zend Freierfähndel genannt. — Die ur-
sprüngliche Bedeutung pannus tritt her-
vor in „Fahndet", dünnes dürftiges
Kleid ;Rotzfahne: Schnupftuch. Vgl.
Schmeller 1, 533 ; Auton 8, 5.
faiiften, st. vb. fangens spielen, fer fang-
las spieln; vgl. Dialektf. 133 und Appen-
zelter, fangis inacha, fohis tho. — an-
fangen, trans. Streit anfangen: Meine
zwei Schwäger konnten der Unfläterei
nicht abgehn, sondern fiengen fast mit
allen Leuten an. Schwein. 2, 182. — In
diesem Sinne nicht hlos in Schlesien
noch heute üblich.
F aittel, F e ntel, st. m. 1) Bube in der
Bastankarte ; Spadefantel. 2) Bube, durch-
triebener Schalk. — Indem das Wort
unter 1. romanischen Ursprungs ist
((ante), verlockt es auch n. 2 unmittelbar
damit zu verbinden. Indessen bietet sich
ein den germanischen Sprachen ureigenes
Fant dar: mhd. vanz : altn.v nd., nl. fant,
feqt: Schelm, Schalk (Grimm Wörterb.
l,204);schweiz. fanten (alfanzen), Possen
treiben. Vermischung trat zwischen bei-
den, dem germanischen und romanischen
fant ein, so dass selbst bair. Spadifankl,
schwäb. Sparrafandcl die blosse Bedeu-
tung : Schelm annahm. Ueber die weite
Verbreitung von Fantel vgl. Rheinwald
1, 30.
Fürte, st. f. Fahrt Wasser : so viel auf ein-
mal in zwei Kannen oder in einem Zuber
getragen werden kann. — Wegefart:
Wagengeleise (Waldenburg).
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FMS — Feuermann.
19
Fass, st. n. Es lauft aus andern Fässern :
verhält »ich anders. A. Gryph. Carl Stu-
ard 3, 614 ; Tgl. SchmeUer 1, 570 aus
anderm Fasse gehn. — 0 e f ä s s e, n.,
Geschirr, Kochgeschirr. Das hilabrich
Gefässe: hölzerne Küchengeräthe ; als
Kannen, Schaffe u. dgl.
Fn«sole, f-, Bohne, faseolus ;bair., österr.
Fisole ; poln. fasola.
latseh, adj., lappig, schlaff, von Kleidern
und Menschen. — k la tsc h efa l scb e-
n a s s : nass dasa alles klatscht und hängt.
Vgl. Westerwald, fulche: kränklich,
Tatschen, schw. vb. wickeln: die Kinder-
mägde „gehn Tatschen," indem sie
das Kind in einem Mäntelchen, daa sie
selbst zugleich halb bedeckt, austragen. —
einfatschen, mit dem Kindermautel
umhüllen. — faaciare, ahd. fascdn, österr.,
bair. falschen , einfatschen : mit dem
Wickelband umhüllen ; Fatschenkind :
Wickelkind; schwäb. fi lachen, nrhein.
fiesche.
Faude, f., 1) Schilf, staudenartige Sumpf-
gewäcbse (Reichenbach). Ein schilfiger
Teich bei Lampersdorf Kr. Steinau heisst
das Faudensee. — Ob Zepter ihr nicht
faule Fauden sein. Lobenstein Ihr. Sul-
tan 2, 640. 2) die faule mit Sumpfte wüch-
sen versezte Teicherde, welche getrock-
net als Dünger gebraucht wird (Reichen-
bach). Verwandt ist isländ. fausk, ver-
dorrte und verweste Wurzeln und Bäume ;
mit fauskagröf wird wie mit Torf ge-
beizt. Olafaen und Povelsen Reise durch
Island 1, 125. — Anton 8, 6 sagt, Faude
bedeute in der Ober-Lausitz eine mit
Strauchwerk bewachsene Anhöhe ; setzt
aber selbst hinzu, man sage : er hat noch
eine gute Faude Haare auf dem Kopfe.
faul, adj. f a u I e Ma gd 1) Wachtelkönig,
Ralius crez. 2) Lychnis flos cuculi. F a u-
liug. Foilich, m. Faulenzer. Sag es
dem Schlaafe, dem Feulig, schon au.
Scherffer Ged. 420.
Fauns, Fem, pl. Femen, die Fettaugen auf
der Brühe. — ahd. feim spuma ; über die
verwandten dieses Wortes Grimm Gesch.
d. deutsch. Sprache 1001. Vgl. auch
Frisch 1,252; Schroetter 1,531; Stalder
1, 358, 360.
Faust, st. f. habe meinem ältesten Bru-
der die ganze Haushaltung vertraut und
ihm in die Fäuste als ein Kind dem Vater
gesehen. Schwein. 2, 151. — Fäustel,
Fistel, in. Hammer der Steinklopfer.
Frisch 1,252. — F ä us t i g k e i t, f. ja
sprichst du, diese Bach ist kottig dick
und trüb, auch wegen Fänstigkeit ganz
wustig umb und an. Opitz 1, 311 (1629).
— Faustmauke, f. nach Berndt
schles. Idiot, eine von Rog^enniohl in
Wasser gekochte Speise, die in Stücke
zerlegt mit brauner Butter begossen
g-eg essen wird. — fäustern, festern,
schw. vb. fortprügeln, fortjagen, nd.
feistem. — Aus Umstellung entstand aus
fausten (SchmeUer 1, 575 ; Schmidt 56.
ahd. fitsten) f a u z e n : ohrfeigen. — Die
Fauze : Ohrfeige.
Fazenetel, n. Schnupftuch, ital. fazzo-
letto ; aus österr. Zeit noch beibehalten :
österr., bair. Fazilett, Fazinett. Schind-
ler 1, 579; Tobler 175; Frisch 1, 252.
— Das ital. Wort ist wahrscheinlich aus
unserm Fetzen entlehnt. Diez romau.
Wörterb. 401.
Fechel, st m. 1) Schleier, velum, bei
Günther 594: vertausche demnach nur
den Fächel vor die Haube, an eine Braut
gesprochen, die früher ins Kloster gelten
wollte. — Schwäbisch Fechel: Leinwand,
die an den Schleier geheftet wird. Schmid
184. 2) Fächer : Fechel Wind zu machen.
Logau 5, 82; Frisch 1, 283.
Feh, st. n. das im Mittelalter vielbekannte
Pelzwerk, Buntwerk, noch erhalten in
Fächmantel, einem kurzen, etwa
bis zur Hüfte reichenden Pelzmantel,
den noch manche alte Weiber tragen.
Fehmütze dazu .gehörige Pelzmütze
(Reichenbach).
feiern, sebw. vb. ohne Arbeit, ohne Dienst
sein. — f e i r i g , adj. arbeitslos, dienst-
los. Sonst müst er feyrig sein und mit
den seinen ruhn. Stoppe 399. Die feiri-
gen Handwerksburschen laufen wider rum
wie die Hunde. Auch oberdeutsch ver-
breitet. SchmeUer 1, 552.
Fern«, Fersche, st. f. Fersenbrotel ge-
ben : auf die Fersen treten.
ferte, ferte, färten, adv. voriges Jahr. —
fertig, adj., vorjährig, mhd. vert. —
Oberdeutach allgemein und auch md.
nachweisbar. SchmeUer 1, 564, 586;
Schmid 190; Tobler 185; Anton 1,
10; 17, 15.
ferzeln, schw. vb. umherfahren, geschäf-
tig hin und herlaufen. — auaferzeln
die Stube : durch häufiges Aus- und Ein-
gehen die geheizte Stube erkälten. Die
Kernkronik 2, 720 schreibt förtzeln. —
Oblausitz. ferzeln, pörtseln. — Das Wort
ist als frequentat. Ableitung von Fahrt
zu deuten. Die durch bair. umher-
scbaisaeln (SchmeUer 1, 571, 3, 406)
nahe gelegte Ableitung von farzen, fur-
zen ist abzuweisen.
Teste« adj. ein fester Mann , ein zuver-
lässiger. — Der Regen hängt bener sehr
feste, heisst es in trockenen Jahren.
Feuermann, m. grosses Irrlicht , von
dem die schlesische Phantasie viel zu
erzählen weiss. Die Feuermänner, welche
sammt allen erlösbaren Geistern haupt-
sachlich in den Adrenten umgeben, suchen
den Leuten aufzuhocken, bieten auch
wohl ihre Dienste als Leuchter an. Durch
ein „bezahls euch Gott!" kann man sie
b*
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I
20 Fieblff -
los werden and zugleich erlösen. Spoft
vertragen sie nicht. Als einmal eine
Magd, der ein Feuermann heimgeleuch-
tet hatte, am andern Abend ihn für ihre
Angst spotten wollte und bei ihrem hin-
teren Tische zu Gaste lud , kam der
Feuermann wie der Wind herzu und ver-
brannte sie mit dem Misthaufen, auf dem
aie sass.
Fielt!»;, st. m., n. Viehweg, Viehtrift.
Fast jedes grössere Bauerngut hat seinen
Fiebig, aber auch die Gemeinen hatten
einen gemeinsamen. Auf dem Fiebig
stund zuweilen der Galgen; darum wird
Fiebig auch für Galgen gesetzt :
Wer deinen Ruhm zu verwüsten ge-
denkt,
Der hat sich selber ans Fiebig ge-
henkt.
Holtei an Göthe. Fiebig ist ein geläufiger
schlesischer Familienname, wie ander-
wirts Viehweg.
Fiedel» st. f. 1) wie hd. Geige. Stille mit
der Fiedel! Gebot des Schweigens. —
Fiedelharz, Kolophonium. Günther 381.
— fiedelkrumm: krumm wie ein
Fiedelbogen :
Mei Schatz is kugelrund, wie Scholzes
Pudelhund,
hat fidelkmmme Bene, kül schwarze
Zene,
das is scharmant (Volkslied).
2) ein hölzernes Strafwerkzeug, das Hals
und Hände des Verbrechers umschloss
und in dem er ausgestellt wurde.
Wenn ber wern ein Himmel komma,
do bot de Plog an End genomma,
do hets ke Fiedel und ke Klause.
Lied vom Bauernbimmel, nach der oppa-
ländischen Gestalt (Ens Oppaland 3, 73),
übereinstimmend mit der kuhländischen
bei Meinert 99. In der schlesischen (Hoff-
mann-Richter 3 IS) steht: do hots ke
Prügel Stock noch Klause. Vgl. Scherz
391 und Kaiteubäck Pantaidingsbücher
1, 99: die knecht in kotter und die
menscher in die fidl gespört vnd gelegt.
— f i e d e 1 n wie hd. — bumfiedeln:
1) hin und her fahren ; mit dem Messer
die Kehle bumfiedeln , abschneiden.
2) supprimere aliquant ; nd. pomfideln,
engl, bumfiddle. — Bumfi edler,
hoino lascivus. — verbumfiedeln,
verwirren, zerzausen. — Vergleichung
von fiedeln und coire ist alt und häufig:
Krone 23708. Minnes. v. d. Hagen 3,
211 ; 768. FastnachUp. 161, 9; 239, 21.
Fischart Gargant. c. HO. Regis zn
Rabelais 2, 419.
fleken, schw. vb. coire ; auch nd. Schütze
1,315. — Die ursprüngliche Bedeutung:
berühren, schlagen, reiben, die sinnlich
und geistig gebraucht wird, ist erhalten
im Schweiz., Schwab., bair., kirnt.,
fränk., he*».
Filz, st. m. wie hd. — F i I z h u t ; da ge-
fallen Worte, die einem auf der Zunge
vergehn wie ein Filzhut. Hoflmannswal-
dau u. andr. Ged. 5, 152; vgl.: Kuchen
zergekn in dem Mund als ein Filzhut.
Fastnachtsp. 374, 27.
Finger, st. m. Kinderreim:
Der ist der Daumen, der schüttelt die
Pflaumen,
Der klaubt sie auf, der trägt sie beim,
Der isst sie alle alle allein.
Vgl. Meier Kinderreime aus Schwaben
S. U; Fiedler Volksreime aus Anhalt-
Dessau 24 f.; Woeste Volksüberliefe-
rungen aus der Grafsch. Mark S. 2. —
fingcrstabenakt. Kernkronik 2,
720, sehr hfiuflg.
Finke, schleeisch weiblich gebraucht.
1) Buchfink. 2) penis, noch erhalten in
Bullfinke: Ochsenziemer. — nd. Brem.
Wörterb. 1, 393 ; Schütze 1, 316. 3) Hure,
Beischliferinu. — Mistfinke, m.
schmutziger Kerl. Frisch 1, 268; vgl.
Knollfinke, als Schelte der Bauern bei
Karajan Frühlingsgabe S. 54.
finster, adj. finsteres Brod, Schwarzbrod,
pain bis.
Fipe, f. Tabakspfeife, halb verhoch-
deutscht aus Pipe.
flrg-eln, schw. vb. quälen, vexiren. Kern-
kronik 2, 720. — Bair. fergeln an einem ;
hier zugleich die ursprüngliche sinnliche
Bedeutung: hin und herfahren, reiben,
wetzen, Schnieder 1, 562 ; also Ableitung
von fahren.
Firl, Ferl, m. hurtiger behender Mensch;
sich rasch drehendes Ding (Hirschberg).
— Firlefanz, m. Tand, Possen,
Alfanzerei. — Früher (schlesisch nicht
nachweisbar) Name eines Tanzes: do
pfiff er ihr den Firlefanz wol nach der
Dörfler Sitten, do tanzten sie den Hotto-
stan. Bergkreien von der Kirmes der
vollen Bauern : Bergkreien. Zwickau
1533 n. 41. In dem Abdruck» Berg-
reihen. Nach dem Exemplare der Biblio-
thek zu Weimar. Weimar 1854, n. 42.
Vgl. firlefei MSHag. 3, 252, bei Fischart
Geschichtklitt c. 8 (1590) in Tirlefey
gewandelt. — nd. (Hildesheim) Firle-
fanz : Possenreisser. — Firletanz,
m. kleine Papierscheibe, die sich auf
einem durchgesteckten Hölzchen wir-
belnd drebt; übertragen: ein bewegli-
cher Mensch. — gefirle, gefirre,
adj. hurtig, behende.
Fischek&tel, W i s ch e k a t z e I : Fang-
spiel, Hascheminnchen (Brieg). Vgl.
wischen.
flspern, schw. vb. 1) leises Geräusch
machen ; 2) kleine Schritte machen,
trippeln — auch bair., achwfib., scbweiz.
Vgl. wispern, engl, whisper. — In die-
sem und dem vorangehenden Worte zeigt
sich Tausch zwischen f und w im Anlaute,
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i
Fist — fiascheln.
21
der im Inlaute ebenfalls nachweisbar ist.
Dialektforsch. 75.
Fist, >t- na. 1) Blfihung", 2) der einen
Fist lisst ; Nebenform Fiss. — Bofist:
Bubenfist, weisslicher Erdschwamm;
mnl. boriste. — Hemde fl ss, Spott-
ruf an Kinder, die sich im Hemde
Hettdeftss, Hemdeflss, jag die Hühner
ei den Gries« !
jag se nich zu weit nein, dass se ne
drinne stecken blein.
Rauch fiss w. z. s- — ftsten,
fissen, schw. Tb. pedere. — Allge-
mein germanisch : Frisch 1, 270; Schwei-
ler 1, 577; Brem. Wörtorb.. 1, 39».
nl. Tjsten, altn. fysa, engl. fizz, fizzle,
franz. resser.
fltscheln, schw. vb. reiben, mit stum-
pfem Messer schneiden ; vgl. fiedeln. —
zer fitschein, zerreiben, schlecht
zerschneiden : zerfitzeln zerpitzeln zer-
krimmern zerkrauen. Scherffer Ged. 652 ;
alles zerniffelt zerfitschelt zerfeget, ebd.
409. Auch östorr., schwib., Westerwald.
— engl, fidge. — Ableitung von fiedeln.
Vgl. bair. fitschein, plaudern ; futschen,
rutschen. — österr., kirnt., bair.,
schwib., Schweiz., fränk. fitzen: mit
Ruthen streichen.
Fitze, f. ursprünglich: Faden,' ebd. vizz;
schwib. machen eine bestimmte Zahl
Fiden eine Fitze, mehrere Fitzen einen
Schneller: Schmid 194. — fitzen ist der
technische Ausdruck für das sondern
und umbinden einer solchen Fadenzabi.
Frisch 1, 270. — Schlesisch hat sich
Fitze missverständlich nur in der Bedeu-
tung: „verwirrter Fadenknäul" erhal-
ten ; eine Fizse machen : Wirrung uud
Knoten in den Fiden machen. — v e r-
f i z z e n , die Fiden verwirren.
Flachs» st. m. Zu Fastnacht muss die
Haitersfrau springen, und so hoch sie
springt, so hoch wichst der Flachs.
Die Fastnacht fällt schon ein ;
so Ihr wol werdet springen,
so wird der Flachs gelingen
und desto höher sein.
Scherffer Gedichte 530.
fl Adern, flaedern, flftdern, schw. vb.
flattern, von dem flatternden Flügelschlag
der Ginse u. a. Vögel in der Luft und im
Wasser. — Schwab, fladern, flodern,
Andern ; kirnt, fladern ; (ledern ; bair.
f! nudern, fledern, fludern; Schweiz, flau-
dern; nd. fladdern, fluddern ; nl. flod-
deren ; vgl. westorwild. pladern, plutern.
— Jungfer Fladergeut heisst im Nürn-
berger Fastnachtkalender (Fastnachtsp.
1105) die schnelle Katherine: so kumt
dann Jungfrau Fladergent mit irer glaten
smir vnd macht vns geng das vnderloch
vnd auch des magen tür. Vgl. Hamburg :
i, f 1 & m s c h, adj. Für den Einfluu
der Flamländer auf die Germanisalion
Schlesiens, zeugt das flämische Hufen-
mass, das sich lange erhalten bat (Sten-
zel Tzschoppe Urkundensamml. 141) und
das flämische Recht, nach welchem die
Stidte Neisse, Otmachau und Kreutz-
burg und das Dorf Pogel bei Wohlau
ausgesetzt worden. Das Dorf Flämisch-
dorf (Fläming! villa) bei Neumarkt hat
von ihnen den Namen. Urkundliche Zeug-
nisse für starke flämische Einwanderun-
gen lassen sich indessen nicht auffinden.
— Im deutschen Mittelalter hiess vlae-
inisch fein gebildet, und vlaemen war eine
Modesache, denn der rührige Volksstamm
bildete für Deutschland die Vermittelung
westlicher Cultur, und vielfach übertra-
fen darin die Fliminge die Franzosen.
Schweizerisch bezeichnet flämisch das
feine, zarte (Stalder 1, 376) ; im Ge-
gensatze hierzu heisst flämisch im Sehl Ba-
sischen: grob, ungeschickt, gross, plump.
Ein flämischer Kerl.
Ihr flämisches Gesicht ist wie der
Spitzenkram
aus dessen Fachern nichst ein Dieb
die Waaren nahm.
Günther 457. Dieser schlesischen Bedeu-
tung schliesst sich an die Bedeutung:
zornig, die das Wort im ba irischen Walde:
mürrisch verdriesslich , die es in Hes-
sen, Franken und Niedersachsen führt
(Schmeller 1, 588; Schmidt 59; Brem.
Wörterb. 1, 402). In Nordböhmen findet
sie sich ebenfalls und sie ist auch in
Schlesien geläufig, mit dem Übergang in :
tückisch. — Frisch und 8chmidt stellen
flämisch zn flennen ; ich nehme es buch-
stäblich als flämisch und glaube, an eine
Umkehr der Bedeutung, wie dieselbe
öfter eingetreten ist — Zu erwähnen ist
übrigens , dass im Westerwalde die
Flihm die weiche Haut heisst, welche den
Bauch des Rindviehs mit den Hinter-
schenkeln verbindet,
flanschen, schw. vb. zerreissen, zer-
flanschen; vgl. ahd. Hannen und flen-
nen. Der Begriff des klaffenden liegt zu
Grunde. Hess. Uenzen, das Gesicht ver-
ziehen. — Flanschen, m. 1) Mund,
namentlich der breite klaffende Mnnd;
mbd. vlans, bair. die Flenschen; 2) brei-
tos Stück Fleisch, besonders aus klaffen-
der Wunde ; kirnt. Flentsche in beideu
Bedeutungen.
Flappe, «t. f. Mund, Maul, in gemeiner
Rede. Auch am Main und Rhein ; auf dem
Westerwalde Flapch, Flapsch. — nd.
Flabbe, Flibbe ; din., schwed. Flab ; nl.,
engl. Aap.
Anschein, schw. vb. den Mund zum la-
chen verziehen, lächeln. Frequentativ-
Bildong aus fletschen, vgl. Dialektforsch.
82. Auch hairisch steht Flätschen und
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22
FUetx — Flansch.
Flaschen, die Ohrfeige, neben einander.
Schneller 1, 393 f. Vgl. fluschen.
Fleets» in. ungcsi'hlifl'enerKerl. — f I e t z ig,
ungeschliffen, grob. Stieler 516: Flötz,
Flätz, scurra. homo impodens et insul-
sus — flätzig, agrestis, rusticus. —
achwfib. Fläz, fanler Bursche ; westphäl.
Fläts, hisslicher Mensch. — t 1 Ii t s i c h,
adj. hässlich, schmutzig.
Fiedel, n. s. Fleute.
Fleder-w i s c h , m.
Gesern Abend um die Zeit
war mir gar nicht übel,
tanzt der Herr von Flederwisch
mit der Jungfer Zwiebel.
Flederwisch jungfer bei A. Grypb.
8äugamme eine solche, die sonst Schnepfe
oder beschuhte Wachtel heisst.
flennen, schw. vb. 1) den Mund verzie-
hen : und Miuler auf mich flennet. Lohen-
stein Ibr. Bassa 1, 35. 2) weinen. —
abd. flannen. — Die Bedeutung weinen
auch Schweiz., Schwab., bair., riord-
böhin., hess., nd. Im östlichen Hessen:
den Mund zum Lachen verziehen. Vilmar
Proben e. hess. Wörterb. 65.— Flenne-
b a I z e r , s. Balzer.
Herren, schw. vb. dasselbe wie flennen,
(Habelschwert).
Fleute, f. Deminutiv : das Findel: vier-
eckige Wolltafel, die auf dem Hammel-,
eisen aufgekrempelt ist; vgl. Frisch
1, 276.
Hetzen, fletschen, schw. vb. 1) breit
dasitzen ; fletschen und reflexiv sich hin-
fletschen : sich breit niederlassen. Flet-
sche Puttel ! Zuruf an zahme Hennen ,
worauf sie sich niederhocken. 2) schwer-
fällig dasitzen, hocken : der fletscht im-
mer zu Hause. — ahd. flazzi , altn.
flatr : ahd. flazza palma, flezzi pavimen-
tum,area; vgl. Fastnachtsp. 261,10:
dass mir die nas ist flach zuquelscht
und auf dem antlitz ligt zufleischt. —
Der Grundbegriff nnseres Wortes ist
»flach, breit." — Von ihm völlig zu schei-
den ist das folgende
Hetzen, schw. vb. vergiessen, Wasser ver-
schütten. — Der F 1 e t z : Lache verschüt-
teten Wassers; auch oblaus. — bair.
Flotz, Schweiz. Hetzen, fletschen, flot-
achen, Gefletz, flitsch. Tobler fuhrt ein
roman. bletsch, nass, anf. Das Wort ist
eines Stammes mit fliessen und ist rich-
tiger flötzen zuschreiben.
flexen, adj. freundlich, zutraulich; flexen
zu einander sein (Jauer). Aus flexible?
flink, adj. hurtig, bebende. Auch als Hunde-
name häufig. — Auch ka'rnt., vorzüglich
aber nd. und von hier ins Dan., Schwed.
nbergegangeu. — Die Bedeutung glän-
zend (Frisch 1, 278) ist nicht sch le-
sisch, tritt aber heraus in flinkem,
schw. vb. schimmern, blitzen. — Flin-
kerwerk, n. glänzendes aber werth-
loses Zeug. Im Ablaut und gloiihbodeu-
tend flunkern mit der besondern
Nebenbedeutung: Blendwerk machen;
einem etwas vorflunkern, vorspie-
geln. — nd. flinkem, flunkern, din.
flinke (putzen, säubern), flunke. Vgl.
anch bair. Flanken, Flank: Funke.
Flltzpfeil, Fritschepfeii, F i t-
s c h e p f e i I , m. kleine Armbrust der
Kinder, deren mittlerer Theil aus einer
Schindel gemacht ist ; ungenau für Flitz-
bogen; nd. Flitsba^en, dfin. Flitspiil.
Das einfache Flitz, Flitsch bedeutet Pfeil,
Geschoss, und ist aus dem nd. oder nl. in
das Franz. und die andern romanischen
Sprachen übergegangen : walton. fliehe,
frz. flache. — Schlesisch hat sich die
Form Fritschep feil zur Herrschaft
gebracht. Zu ihr stimmt das ital. freccia,
altspan. frecha ; vgl. Diez roman. Wör-
terb. 154.
Du hast ja das Geschoss
der Liebes-Mutter selbst fürlängst
gegürtet loss,
umb durch den Pfritsch und Pfeil dein
Antlitz auszurüsten.
Lohenstein Agrippina 2, 115. — Mein
dürrer Arm bricht Pfritsch und Pfeil
entzwei. Ebd. 4, 380. — frank., bair.
Pfitschepfeil. — schwäb. Flitsche : De-
gen. Verwandt mit Flitz scheint die
Flitte, Flete: Aderlasseisen (Frisch 1,
278, bei Logau öfter), das wohl nicht aus
phlebotomum entstellt ist. — f I i t z e n ,
schw. vb. 1) heranflitzen, herange-
' flizt kommen : heranschiessen, eilig her-
zukommen ; bair. Hitschen, flattern. —
F I i t s c h e r n, f. Schwingfeder, nd. Flitze,
Pfeil ; rasches keckes Weib.
Flosa, st. n. 1) fliessendes Wasser, Bach:
der du so schönes kraut trägst umb die
reinen flösser. Opitz 1, 245. Erhalten in
dieser Bedeutung in der Grafschaft Glaz,
namentlich um Reinerz, wo das Kalk-
floss, rothe, weisse Fl., Mühlfloss, das
Hellerflössel, Prunkeflössel. 2) Lache
verschütteten Wassers ; überhaupt kleine
Lache: Flösselmacber , kleine Hunde.
Auch bair. Schnieder 1, 592; schwäbisch
Floz. 3) wie hd., zusammengefügte Baum-
stämme, die als Flössholz auf den Flüssen
herabkommen. Das Flössholz wird von
den Bergen oder den Wäldern ans Was-
ser „gerückt." 4) verbundene Balken
und Bretter, die am Ufer als Tritt, zum
Wasserschöpfen oder Waschen befe-
stigt sind.
Floetel, n. dünner ii rm lieber Rock ; vgl.
Pfeitel.
FhVder, n. Gerinne an der Schiense der
Teiche. Frisch 1, 283 ; Schindler 1, 586 ;
bei Jeroschin (Pfeiffer 266): üf des stran-
dis vlüder.
Flunneh, Fluntscb, m. Maul, verzo-
gener Mund, verzogenes Gesicht. Auch
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oblausitx. — mhd. vlans ; vgl. oben
Flanschen.
fluschen, flutschen, flutschein,
schw. vb. 1) den Mund a) zum Lächeln
verziehen ; vgl. flischeln ; — b) den
Mund zum Weinen verziehen (Mittel-
walde). 2) von statten gehen ; auch nd.
Det fluscht beter, rief die pommcr'sche
Landwehr, als sie die Kolben nahm.
flüftchern, schw. vb. das Gefieder auf-
blasen ; vgl. fludern, fladern.
Föve, schw. m. ; F 0 v e n, f. Pfau (Reichen-
bach) aus mhd. pfAwe. — kfirntn. Pfafe.
Fotze, Fatze, f. 1) vulva ; der Wur-
zel nach : die gebärende , nährende :
ahd. fuotjan, mhd. vuoten, altn. foeda,
ags. feda, nd. Coden ; 2) Frauenzimmer
in gemeiner Rede. — Für beide Bedeu-
tungen s. das Schweiz., schwäb. Fotz,
Futz ; bair., österr. Fotze, mit der Grund-
form Fut.— 3) Mund. Auch bair., österr.
fözzig adj.leckerfözzig: lecker-
mfiulig. — meckerfözzig: schnip-
pisch, lüstern. Aus der Bedeutung Maul-
schelle, welche Fotze im Baier. hat,
lässt sich das schles. Ballfatze : d. i. Ball-
scheit, erklären.
främper, adj. vgl. ahd. vrambäri, ausge-
zeichnet, herrlich, gross. — fram-
pern, schw. vb. putzen: aufge-
frampert: aufgeputzt ; verframpert :
verputzt, überputzt (Reichenbach). Vgl.
ahd. gaframbarjan, commendare; altn.
schwed. frambera, frambira, dän. fram-
bäre: hervorbringeo, darbringen.
Frans, Reim : Franze, zieh die Kuh beim
Schwänze !
Schweine, nach ihrem dem oui, oui ver-
glichenen grunzen.
I'rate, *dj. mager, von Menschen und
Thieren ; frate ingerm Gesichte, blass
und mager von Gesicht. — Der Frate :
der kleine Finger, bei Scherffer Ged. 406.
Wenn sich von andern gleich alles
vergangen,
muas doch der Fratte mit etwas noch
prangen.
ahd. vratön sauciare; vreti, livor vul-
neris. — mhd. vrate, wund ; vrete, Wunde.
— Schweiz., schwab., bair. fratt, wund,
besonders durch reiben ; durchfreiten :
reiben, scheuern (frotter). — kämt.
Frate, Waldlichtung.
ßreidifr, adj. mnthig, kühn ; ahd. vreidic.
Schmeller 1, 600. — Bei Eschenloer
häufig; auch noch bei Schwei nichen
(Stenzel Script. 4, 51), wo sein nu eure
kriegsleute? seid ihr freidig, so thut
es nach. — frech und freidig. Eschen-
loer 2, 184.
freies, schw. vb. zu erwähnen wegen der
alten Verbindung mit dem Dativ: einem
Mädchen freien (Waldenburg); vgl.
Grimm Gramm. 4, 694.
Freise, F r ilse , st. f. ; Fräs, st. m.
Krämpfe der Kinder (Glaz, Reichenbach).
G e f r te s e I , m. dasselbe. Auch bair.,
österr. — Grimm Mytbol. Uli ; Schmel-
ler 1, 617.
fressen, st. vb. Kust mers und friss mers
nich ! als Sprichwort bei Robinson tau-
send in Schlesien gewöhnl. SprüchwÖrt.
und Redensarten (Leyden 1726). Go-
molke (der Heller gilt am meisten wo er
geschlagen ist) hat: Kosten leit nich
weit vo Frissen. — Fr e s s e , st. f. Maul ;
eine Fresse haben : beredt sein , im
schlimmen Sinne. — Lichtmesse Schnee-
fresse. — Gefräss, n. Maul; Schweiz.,
schwäb., bair., österr. Gfräss, Gfriess ;
hess. Fräs, Gefrös.
Freund, st. m. wie altd. und obd. vor-
zugsweise der Verwandte ; Freund-
s c b a f t : Verwandtschaft. Es kommt
nicht aus der Freundschaft: bleibt bei
der Familie, f r e u n d e n sich zu einem :
dass der Musen alter stam
her vom hiinmel anfang nam,
macht dass auch ein edelman
sich zu ihnen freunden kan.
Logau n. 74.
Friede, st. m. in Friede, mit Fr., zu
Fr. lassen : in Ruhe lassen , Friede Ge-
mach geben, dac pokoj. Vgl. Schmeller
1, 602. — Wenn das zu Frieden bleibt
(ruhig, ungestört), Lohenstein Ihr. Bassa
1,412.
Friesen, st. vb. pari, gefriesen, derfrieaen :
erfroren. — G e f r i s t e : Frost ; vgl.
Gefräste bei Kl. Hitzlerin 88. Gfrüst H.
Sachs. — ahd. friesau. Das alte s hat
sich im Inf., Präsens sg. und Part. prät.
dieses Zeitworts in den meisten Mund-
arten obd. wie nd. erhalten. ,
Frinkcr, st. m. Freier (Mittelwalde),
wos seil ich denn met su am Monla
macha ?
dobo icha andarn Frinkarn ogeachloin.
Schönig Glaz. Gedichte. Das seltsame
Wort ist nach Ausscheidung des Nasal
auf frik (hd. frech) mit der Bedeu-
tung: gierig, besitzsüchtig , zurückzu-
führen.
Frttaehepreil, vgl. Flitzpfeil.
Frucht, *L f. Zu den Koseworten für die
Geliebte: du edle süesse Frucht, du
schöne Frucht, die in Liedern des 15.,
16. Jahrb. begegnen, steht die schlimme
Bedeutung von „Friichtel" im Sehlesi-
schen im Gegensatz. Sis a seht Frichtel !
a liderlich Frichtel.
frute* adj. tüchtig, ausrichtsam ; nur sel-
ten (Reichenbach). — ahd., mhd. vruot ;
süddeutsch fruotig, fruetig: munter,
emsig, rüstig.
Fuchs, at. m. Der Fuchs braut, wenn
die Wolken an den Bergen reissen und
in einzelnen Streifen aufsteigen (vgl.
Buschweibchen). — Der Fuchs brennt,
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wenn das Feuer aus der Esse schlügt,
bei Töpfern und Schmieden. — fu ch s-
feuerroth, sehr roth. — fuch-
sig, adj. 1) fuchsroth, namenti. von
abgegriffener Kill>erscheidemünze: fuch-
sige Böhmen; 2) aufgebracht, zornig;
fuchswild.
flachsen, schw. vh. 1) Mühe, Verdruss
machen : „das hat mich geratlich ge-
fuit" ; auch schwäb. , bair. rexiren,
plagen; 2) stehlen, besonders in der
frequent. Form : füch sein , fixe In;
auch bair. Schindler t, 508. — ver-
fuien wie verfizzeu, die Fäden
verwirren.
fuchtig-, adj. zornig, unwillig. — Auch
bair., kamt. — Schweiz, fuchten: zan-
ken, schmähen.
Füllsel, st n. Füllung in Geflügel, Wurst
u. dgl. — Möhrenfülsel: Gebfick
in Babenform , aus geriebenen Mohr-
rüben, Semmel, Eier, Zucker, Rosinen ;
bei den Kirmessen gewöhnlich. Drock-
fülsel: Schelte für einen drocken-
den langsamen Menschen; Imperativ-
Bildung.
fumfelea, verfnmfeien, schw. vb.
durch Nachlässigkeit verderben. — nd.
Wort; es bedeutet dort: in Lustbar-
keit leben, dabei etwas verthun, durch
Nachlässigkeit verlieren, überhaupt ver-
derben. Brem. Wörterb., Schütze, Richey.
Fümmeldüse, f. Kopfputz der Frauen ;
überhaupt auffüllende Tracht. — Vgl.
nd. Fnmraelke: nachlässiges Frauen-
zimmer; nrhein. Fimel, Fimelche: stil-
les, zartes Frauenzimmer. — In einem
Gedichte in Neukirchs Sammlung von
Hoflmanswaldau u. a. Ged. 5, 345 bezeich-
net Fimmel einen Weiberrock. Fimmele
heisst Schweix, der samenlose (weibliche)
Hanf. Stalder 1, 370.
rummeln, schw. vb. coire. — Der Grund-
begriff ist auch hier reiben : bair. rei-
ben, nd. umbertasten, zusammenraffen ;
rhein. fomeln, hollSnd. fommelen : be-
fühlen , betasten , zerknittern ; schwed.
fumla : herumwühlen, nachlässig arbei-
ten ; in letzterer Bedeutung auch dan.
fumle. — kärnt. feamlazen : die Augen-
wimpern rasch auf- und zumachen.
funt für fulnt, vollends, völlig — funtze-
mal: vollends zumal, pleonastisch funt-
zemalitze: vollends jetzt; funzemal nu:
heute.
funkeln, finkein, schw. vb. funkeln;
es ist eine Katze, die also mit den Au-
gen funkelt. A. Gryph. Ilorribilicrib. —
finklig: funkelnd. — finkelna-
gelneu: neu dass es funkelt; auch
von Kleidern gebraucht.
Kunze, st. f. 1) schlecht brennendes
Licht; wir steckten Fremden nur die
Ilellerfunzen an. Güuther 1 100. 2) Läinp-
chen (Breslau, Reichenbach, Glaz).
KublSud. Fonz : Lampe; Wetlerau., nd.
Funzel, Funsel ; frank. Fonse, Fonsel :
LSmpchen. Verwandt mit Funke, altn.
fuui: Feuer, Feuerasche.
Fürbsen, plur. Vorschuhe; zusammenge-
zogen aus Fürbuss , Vorbuss : die Aus-
besserung, Flickung am Vordertheil.
Redensarten , in deneu das Wort vor-
kommt: sich Fürbsen machen lassen:
für die Zukunft sorgen ; man muss immer
auf fürbsen gedenken ; heb dirs uf
ferbsen uf : für künftig. — oblausitz. auf
den Fürhss aufheben. — Stieler 262 : vor-
büssen praesuere, praeartare; Strümpfe
verbUssen , quod Thuringi ferbsen et
fürbsen efferunt, tibialia reaplare, i. e.
Kappen ansetzen ; Ferbsung i. e. Ver-
büssung, sutela. Vgl. altbüezer, schuoch-
büezer.
Furche, st. f. wie hd. — Furcben-
scheisser: Landwirth.
furchten« schw. Tb. c. gen. der ge-
brannte furchtet des Feuers. Schweinich.
II, 45; sieb des Todes fürchten: zum
Tode, ungemein fürchten.
fuhren, schw. vb. wie hd. — abfüh-
ren, Part, abgeführt, d. i. schalkhaft,
durchtrieben ; bei Opitz öfter. Vgl. Grimm
Wörterb. 1, 42. — ei n f fi h r e n : ein
Kleid einf., d. i._durch häufiges tragen
beschmutzen, verderben. Schiefer ein-
führen : einjagen. — verführen: trei-
ben ; LSrm, Wirtschaft verf. ; ein Gethue
verführen: sich seltsam benehmen.
Ja schiel ich hier und da die liebe
Wirtbschaft an,
die er und sie verfuhrt. Günther 451,
furkeln, forkelu, forcheln, schw.
vb. i) intr. hin- und herfahren, „was
vor ein Röpel mit forkelndem Hinken."
Scher ffer Iii. — auch oberpfälz. 2) trans.
hin- und herführen, herumwerfen, zau-
sen : einen herumforkeln. Vgl. Fast-
nachtsp. 332, 6 : und firkelten mich hin-
und herwider. — durchforkeln : der Wind
durchforkelt einen : durchbiist nnd zer-
zaust. Vgl. ags. frrcljan ingerere.
Furz, Forz, Farz, m.
Besser ein Furz entrant,
. als ein Dorf abgebrant.
Wie ein F. im Bade auffahren, herum-
fahren ; gewöhnlich, auch bei Stoppe Par-
nass 525: dass ihr eines Wortes wegen
so auffahren soltet wie ein Forz im Bade.
— Forae, Farze.f. sehr kleine
Pfeife aus abgelöster Weidenrinde, die
einen quakenden Ton gibt.
Di
grabsch — giunlich.
25
O.
{rnhseh, adj. albern, dumm. Berndt führt
nuf: „der Gabsch," dummer Kerl ; bair.
gäbisch : verkehrt (Schmeller 2, 9), ist i
verwandt; gabsch und gäbsch sind Ab-
leitungen von gab, einem weit verbrei-
teten Worte, dessen Grundbegriff th5-
richt tSndelnd ist. Schweiz. Gappi Gopi :
kindischer Mensch ; kirnt. Goape : Tölpcl ;
appenzeller, göpisch , glupisch : tin-
delnd; gappen, gopen, ganpen: possen-
haft tändeln, kindisch spielen. Stalder
i , 417; Tobler 229. Vgl. auch Gauf
Scherz, gaufen scherzen bei Frisch 1,
325. — Wächter hat gapen, ludijicari
illudere, Henisch gopen: spielen. Hierzu
das altn. gabha : delndere, deeipere,
gabb : ludilioatio. Romanisches : provenz.
altfrz. gab : Spass, Spott ; ital. gabbo,
gabbare , Diez roman. Wdrterb. 158.
Auch im Slawischen sind verwandte : poln.
gap : Tölpel. Keltische anklingende Worte
bei Diefenbach goth. Wörterb. 1, 169.
Gabgehe, st. f. Handvoll; vgl. nd. Göpse,
nl. Gaps, hohle Hand. — Vgl. ferner mhd.
göufse. bair., öslerr. Giufel , Gaufen,
Gafe : Handvoll.— Anderes s. bei Schmidt
westerw. Idiot. 64 und Diefenbach in
Kuhns Zeitschr. f. vgl. Sprachf. 2, 54.
«■nriern, schw. vb. mhd. gatern vereini-
gen. — vergadern,nd. vergaddern :
dess wasservolks vergadern. Scherffer
Ged. 83. Kalbfleisch und Ochsenfleisch
in einen Topf vergadert ungleich seudl
und kocht, ebd. 653. Aus der heutigen
schles. Mundart ist mir das alte allge-
mein german. Wort nicht bekannt,
g-akent schw. vb. schreien , schreien wie
eine Gans ; dumm schwatzen ; mhd. gagen,
g'Agen. — gaksen mit der Ablautform
gi k s e n : nicht giksen noch gaksen kön-
nen : ganz albern sein. — mhd. gakezen,
nd. kakeln, kfikeln, engl, cackle. — G a k e,
f. 1) Kehle ; nd. Keke, Käkel; 2) schreien-
der Vogel: Gans, Krähe; 3) schwatz-
haftes, dummes Frauenzimmer. — g A-
k i g , adj. schwatzhaft. — g A k s c h, adj.
läppisch albern. Vgl. Stieler 594 Gfike :
femina loquacula, graculus , monedula;
gallisch: multiloquus, vanjloquus.
g-akern, schw. vb., vgl. das Schweiz, ga-
kern: sich hin und her wiegen. Stalder
1,413 und mhd. gagern. — vergakern:
verkommen, namentlich durch Aller zu
Grunde gehen, von Menschen und Waa-
ren. Vergakertes Frauenzimmer : alle
verschrumpfte Jungfer ; „ihr alden ver-
gakerten Knechte." Scherffer Ged. 650.
— Schweiz, v er gagern: aufhören sich zu
bewegen, verrecken. Vgl. auch gickeln:
beben, zucken. Schmeller 2, 25.
gAkrich, adj. bunt. — Nürnberg, geg-
kericht , buntscheckig ; schwlb., henne-
berg., oblaus. gackelig, gakrich. — mhd.
gickelve'h.
Gäl, st. m. Ruf, Schrei; einen lauten
GAI lassen , laut schreien. Euer mord-
gali rufft für Gott und fordert blut für
blut. Gryph. Gibeon. 559. — mhd. gal.
oblaus. Gall. — galten: gellen, laut
rufen. Schmeller 2, 30 ; vgl. gillen.
GalitAchkensteia, m. Vitriol, auch bair.,
österr., kämt. Schmeller 2, 29 ; Schweiz.
Gallülzelstein: Belemnit.
C*nlle, st. f. nasse quellige Stelle im
Acker; auch bair. Schmeller 2, 30. Das
Wort bezeichnet Oberhaupt einen Ein-
schluss von andermStoffe: imAlgäu heissen
steinige Flecken im Acker Griessgallen,
Srhmid 243; in der Lausitz dieselben
Sandgallen; nasse Flecke: Wassergallen
oder Sor- oder Sauergallen. Anton 8, 10.
waasergfillig , gillichtig bei Pictorius
morastig; nd. Galle: fauler Fleck im
Käse. Brem. Wörterb. 2, 478. — Zwei-
felhaft ist ob hiermit zu verbinden :
Wassergalle, f. nicht ausgebildeter
Regenbogen, von dem nur der untere
Theil erscheint. Solln Wassergalln itzt
Regenbogen sein? Lohenstein Agripp.
4, 395. Ist wie Wasser-Gall, ein falscher
Regenbogen , Lobenstein Blumen 91
(1689); vgl. isi. bafsgall, fries. weV-
gall, auch hd. Wettergalle.
Galle in Bergnamen: Weissgalle,
Berg bei Schömberg. Im Canton Uri
heisst ein Berg Windgalle, vgl. Wacker-
nagel in Haupt Zeitschrift f. deutsch.
Alterth. 6, 291 , der hierbei und bei
dem vorhergehenden Galle an mhd. gelle
errinnert. Vgl. übrigens zu unsertn Wort
Schweiz. Galm : Gipfel , Bergrücken.
Stalder 1, 416. Wer keltische Ableitun-
gen liebt, denke an gall, goll , col :
Gipfel, Höhe.
Galater, m. in: Rothgalster: rothhalsige
Taube (Reicbenbach). Galster kann sei-
ner Abkunft von gal-an nach, überhaupt
jeden schreienden Vogel bezeichnen.
GAmelt ra - ungeschickter alberner Kerl.
— gtmlich, adj. ungeschickt. Vgl.
Gummel.
jgämlich, gamlich, g Arne rl ich , adj.
1) wunderlich, seitsam : da war aber
ein unredlich münch zu S. Bernhardin
mit gemlicben mancherlei geberden uf
dem predigstul. Eschenloer 2, 58. Aide
Loite s£n wunderlich unde gämlich.
A. Gryph. gel. Dornrose. Auch noch
beute erhalten, besonders : verdrüsslich.
2) unbehaglich, unwohl. — mhd. ge-
melich (ahd. gamanllh): lustig, hei-
ter, wie auch im Schweis, u. schwäb.
Scbmid218; Stalder 1, 419; Schmeller
2, 46.— SUeler hat 619 gamel, gimlich,
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Gnmper — gerben.
1) lascivus, 2) moros us. Diese weite
zu unserer schles. stimmende Bedeutung
ist durch ganz Mitteldeutschland verbrei-
tet, und ist auch nd. und nl. (gheme-
lic). — Vgl. auch FastnachUp. 406, 5 :
ich hör euch pitten gamlich sach, das
pringt mir grossen ungemach. 754, iO:
es steht gnr gämlicb in der weit.
pmpep, gampern, adj. nur erhalten
im negativen :ungampern, ungamp-
rig 1) steif, ungeschickt; schon rahd.
in solchem Sinne: ungaraper unde herte
rindes hiute. Renner 12516. Auch bair.,
kirnt. 2) unbehaglich: sis mer gar un-
gampern im a Magu (Langenbielau). An
das al;d. gambar ist nicht zu denken.
Gamper ist Adjectivbildung aus dem
Stamme von gampen : hüpfen, scherzen,
und bedeutet: lustig; Schweiz, ist wirk-
lich ein Adj. gämperisch : lustig, gecken-
haft, nachzuweisen. Ungamper ist also :
unlustig; damit vereinen sich die schle-
sischen Bedeutungen sehr gut.
Gärtner, Gaertner, eine besondere
Classe der Dorfsassen, zwischen Bauer
und Häusler in der Mitte stehend , den
niederdeutschen Kotsaten oder Kossä-
ten und den Brinksittern entsprechend.
Sie haben nur einen Garten bei dem
Hause und waren vor der Ablösung der
Grundherrschaft zu Zins und bestimm-
ten Diensten verpflichtet, wofür sie ein
bestimmtes Mass an Getreide, eine ge-
wisse Anzahl Brote und andere Vortheile
empfingeu. Ihre äussere Lage ist durch
die Ablösung verschlechtert. Man unter-
scheidet Grossgärtner, die so viel
Feld hatten, um ein Pferd darauf halten
zu können; Dreschgärtner, die zu
Dreschdienst verbunden waren. Im all-
gemeinen hiesseu sie zur Unterscheidung
von den Freigärtnern, die keinen
Frobndienst leisteten, Hofegärtne r. —
Die ersten hortulani werden in Schlesien
1204 erwähnt; ihre Verhältnisse znr Herr-
schaft wurden in besonderen Urkunden
„den Gärtnerbriefen" geordnet. Sie bil-
deten eine freiere Classe der Hörigen.
Vgl. Stenzel in der Urkuudensammlung
für die Städte 58, f. Geschichte Schle-
siens 1, 216. — Solche Gärtner kom-
men auch in der Lausitz und in Bran-
denburg vor.
Gntschrieh, m. geiler Kerl, namentlich
von alten Männern gebraucht. — Eine
Ableitung durch die Bildung -rieb von
gätsch, laseivus, petulans, das sich in
der Schweiz erhalten hat. Stalder 1,426;
vgl. ahd. getilös; mhd. geteUts.
gat gehkern, schw. vb. sich begatsch-
kern: sich durch begiessen beim trin-
ken und essen beschmutzen. — gatach-
krich, adj. schlüpfrig, schmutzig. —
Schweiz. Gätsch : Koth, Unrath ; gftstig :
schmutzig, hässlich.
gäuten, schw. vb. »ngäulen: anglotzen
(Jauer).
(«nutze, st. f. Krankheit der jungen
Hunde. — gauzen : bellen, bei Frisch
1, 326; Schmid 223.
geben, gAn, st. vb. — Gebe werk:
Steuer, Kriegssteuer.
Seufzen nicht der Schlesi Bauern,
wirdt denns Gahwerk ewig dauern ?
ScherlTer Ged. 633.
geil, adj. lustig, ausgelassen, namentlich
von Pferden und Rindvieh gebraucht.
Geilheit, f. Fröhlichkeit, kraftvolle
Lust; sich vor Geilheit (Ausgelassen-
heit) nicht lassen können. — Die alte
Bedeutung dieser Worte ist erhalten.
Geisler. m. Name der Fleischer, welche
nur kleines Vieh schlachten (Breslau).
gel, gael. gAle, adj. gelb; ahd. gelo,
mhd. gel; Schweiz, bair. md. gäl, nd.
geel.quitt egAl. — RutmacbgAl: Sa-
fran (Habelschwert) ;GAlemacheding:
dasselbe (Trebnitz). — G Albrotel:
rundes Weizenbrötcben, mit Safran und
Eiweiss bestrichen, ein Ostergebäck in
und um Breslau. — GAlmannel, GA1-
schwappe: gelber Pilz. — Gehi-
schnabel, Günther 997 und allgemein.
gelue, adj. unfruchtbar, nicht milchend.
— Allgemein germanisch. Frisch 2, 338;
Schmeller 2, 40; Stalder 1, 417; Brem.
Wörterb. 2, 497.
gelt» g e 1 1 , g e 1 1 e ; bei der Anrede in
2. plur. geldet, in 3. gllden Se, ge*l-
lense; überall in zweifelnder Frage,
etwa = nicht wahr? Das Wort ist auch
Schweiz., elsass., schwäb., bair., henne-
berg., obsächs., oblaus. — Fischart hat
geltet? — Es gehört zum Zeitw. gelten;
wenn man dies in der Bedeutung zu-
geben, wie das engl, yield belegt, fest-
hält , heisst also unsere Partikel: gibst
du es zu?
Gelte, st f. in Schlesien der hölzerne
Melkkübel. — ahd. gellida. Frisch 1,
338; Schmeller 2, 44.
Gerade, st. f. Die Vorausnahme der näch-
sten weiblichen Verwandten vom Erbe,
hauptsächlich Schmuck und Einrichtungs-
sachen; vgl. Grimm llechtsalterth. 576 f.
Meine deutschen Frauen 133. — Hier zu
erwähnen wegen des Logauischen Sinn-
gedichtes n. 690.
Im Opplischen fürstenthum, ist es
nicht schade,
bat jungfer noch frnue nie keine
gerade.
gerben, schw. vb. 1) wie hd. 2) speien ;
auch Schweiz., schwäb., kämt.; eigent-
lich : würgen beim essen und beim sich
erbrechen; vgl. Fastnachtsp. 55, 27.
das» sie oft gerben nn dem Hnngerwein.
Von dieser Bedeutung entspringt die
Redensart: speien wie ein Gerbertmnd,
eine Gerbersau , die in alterer Zeit
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begegnet (Frisch 1, 342) an<l in Schle-
•iea noch allgemein ist. In Philander von
Sittewalds Gesiebte 1 , 428 (Ausg. v.
l(i<)6) heisst es: andre lagen da, speye-
ten and kotxeten als die Gerberhunde,
wo die Ausg. ron 1650 nur liest: als
die Hunde.
gerne, adv. hervorzuheben in der Bedeu-
tung: mit willen, absichtlich; etwas
gerne thun, gerne sagen. — auch oblaus.
— su gerne, asu gerne; vgl. as.
— compar. gerner. — Gerne, f. ahd.
gern!, mhd. gerne, gernde, erhalten in
Liebegern e: aus Liebe gerne etwas
thun, auch aus lieber Gerne: mit Ab-
sicht und Willen.
Gerate, Gaerschte, G 4 r s c h t e , st. f.
wie hd. — Du Satan aus der Gerste 1
Schimpfwort (Reichenbach).
ver-gessen» st. vb. ich babs zu Stetade
vergessen, ganz und gar (Goinolke). —
vergesserlich, adj. vergesslich: roa
is ju gar zu vergesserlich. Stoppe
Parnass 507.
gretlich, adj. passend, schicklich: dass
8ie einem viel {Tätlichem werde ge-
treuet Scherffer Ged. 412. — Frank, güt-
lich : passend, schicklich. Schmeller 2,80.
Schweiz, gattlich, gattig: artig, ordent-
lich; gattigen: ordnen. Stalder 1,427;
vgl. auch Frisch 1, 323. — Aus demsel-
ben Stamme ist das mhd. getelinc.
<• otze, schw. m. — Käsegetse: Ge-
bäck aus Käse, Bier, Zucker und Mehl in
beliebiger Form. — Ö I g e t z e : unbehilf-
licher, steifer Mensch ; wie ein ölgetze
dastehen; vgl. Schottel Haubtspr. 1131:
„ein Ölgötze ein rechter Götze, ein Öl-
götze ist ein Mensch , der nirgends zu
nütze ist, da weder Verstand noch Witz
bei ist" — Das Wort hat mit Götze nicht*
zu thun: obpfülz. Gätz: Brei. Schmel-
ler 2, 88. Im Erzgebirge Götze: Pfan-
nenspeise aus Mehl, Eier, und Milch;
es ist Bildung aus gessen: essen. Öl-
getze bedeutete ursprünglich nach mei-
ner Vermuthung eine in Öl gebackene
Speise, bei der sich zeitig durch die
Namensähnlichkeit Verwechslung mit
einem Bilde aus den Olbergen, den be-
kannten plastischen Darstellungen der
Ölbergscene, eingemischt haben mag.
Steuden, g e i d e I n , schw. vb. schickem,
scherzen. Das Gegeidle, die G e i d I e,
Subst. hiezn (Neusatz). — Geuder,
Geider, st m. wollüstiger Lecker.
Scherffer Ged. 552. In dem mhd. giuden
liegt neben dem Begriff grosstbun der
von üppig, fröhlich sein. Vgl. ßenecke-
M filier 1, 530; Frisch 1, 346. — Die
Deminutirforaien giudel, geudeln sind alt.
g-cu stern, gestern, schw. vb. über-
giessen, überfüllen; sieh den Magen
überge*stern. — Das lausitx. gest-
voll (Anton 8, 13 ; 18, 11) ganz voll,
gleiche. 27
beide Hände voll, gehört wohl hierher.
— ahd. urgussi abundantia , ubargussun
affluere sind verwandt.
frilten, gibsen, schw. vb. schreien mit
gedrückter, gepresster Kehle.
Die für drang zwang pein und schmach
endlich mehr kaum konten gieben.
Logau 1. Zugabe 201. Ablautform : ga p-
s e n ; vgl. Schweiz, gipsen : knarren ;
ins Gespräch einreden. Stalder 1, 442.
Gickel, m. Hahn, (hess.. Tränk.) Gickerle :
Hähnchen ; G a c k e r 1 e : Hühnchen.
Gickerle Gackerle
gieng übers Ackerle:
als die liebe Sonne schein,
gieng Gickerle Gackerle wieder heim.
Kinderräthsel.
Gickel, Gittel, Gitschel, Kits ehe I,
st. n. heissen die Fruchtkerne in Obst
und Schoten. Kann man das Wort als
eine kindliche Vergleichang der zusam-
mengereihten Kerne mit der zusammen-
liegenden Hühnerschaar nehmen? Vgl. das
vorangehende Gickel. Die Honiggefisse
von Acouitum werden die Täubel genannt.
— Wechsel zwischen k und t in Gickel
und Gittel überrascht nicht; die Form
Gittel führte zu Gitschel und Kitschel,
die Bennenung des Kätzchens, so dass
wir hier in eine ganz eigene Ansch;iu-
ungsreihe hineinkommen. — rhein.
Ketsch, Kitsch: Kerngehäuse. Müller-
Weitz Achener Mundart 104.
grillen» schw. vb. gellen, überlaut schreien ;
auch laut singen. Gillende Krämpfe:
tobende Krämpfe. Vgl. ahd. gilön ulu-
lare. — Schwab. Giller: Hahn.
CHtte, vgl. Gütte.
«ilnsn, der Drummeln Widerglam.
A. Grvph. Karl Stuard 2, 13. — Wenn
es nicht für Galm verdruckt ist, was
ich nicht ergründen kann, so haben wir
hier das deutsche Wort, das dem alt-
nord. glamm (n.) Klang, schwed. Ge-
schwätz , dän. glom : Schall , Gebelle,
entspricht.
GlÄven,pl.Kinnladen;Glavenkrampf: Rinn-
backenkrampf (Breslau, Reichenbach).
GlRKhlume, f. Trollius europaeus (Rein-
erz). Henneberg, grosse Glotzblume.
gleich, gleich, glich, glebch,
g 1 e , Einschiebpartikel , hauptsächlich
in fragenden und zweifelnden Sätzen,
vielfach mit dem Sinne : es soll, es heisst.
„Es hat gleich geregnet ? Es sind gleich
viel Menschen da gewesen." — Auch
lausitz. , obsächs. — Wie die schles.
Nebenform glebch und das oberpfälz.
glau' (Schmeller 2, 411) deutlich ma-
chen , ist gleich aus glaub ich entstan-
den ; vgl. das thüring. mech = mein ich,
halt w.z.8., mhd. waniu, waen.
gleiche, adj. adv. 1) eben, gerade;
gleiche schreiben ; hängt das Tuch glei-
che ? auf gleicher Erde : zu ebener Erde,
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28 gleiten -
parterre; mit gleichen Beinen aus dem
Bette springen : mit beiden Beinen zu-
gleich ; gleiche machen: ausgleichen.
Du kannst alles eben machen, welches
krumm und ungleich war. Christ. Gryph.
129 (3. Aufl.) ; 2) gerade, soeben: er
ist gleich fortgegangen. Vgl. Schnieder
2, 425; Brem. Wörter». 2. 318. —
gleichfalls, Dank auf den Wunsch
nach aufgehobener Mahlzeit wohlge-
speist tu haben (speistzabn). — gleich-
so wohl, gleisewull: gleichwohl; das
Wort war vor der Zeit bei Gott — und
selber Gott — doch gleich sowohl der
Sohn. Opitz 1, 53 (1629); wenn
gleich mags doch , pleonast. Wieder-
holung zweier Synonyme; wenn se
glei dass se: obgleich sie . . .
gleifen, gläfen, schw. vb. — serglei-
fen: spreizen, sowohl in sinnlicher als
geistiger Beziehung: die Beine sprei-
zen; sich geziert benehmen (Reichen-
bacb). Vgl. ahd. gleif obliquus; gleifan
obliquare.
glimm, adj. glimmend, bei Lohenstein:
die noch glimme Glutt. Agripp. 5, 566;
in deinem glimmen Herzen, ebd. 4, 442.
Heute mir nicht begegnet. — glim-
men bei Lohenstein noch stark ge-
beugt: sie giam noch in der Asch. Ibr.
Bassa L, 464; dass ihre Liebes-Glutt
doch nicht verglummen würde, ebd.
1, 132. Also auch ein Infinit, g 1 u m m e n ?
glit neben, schw. rb. gleiten, nd. glit-
schen, glisken , nl. glitsen , schwäb. glit-
schen. — glitschig, g Ii tsch k ri ch,
adj. glatt zum gleiten, schlüpfrig: ron
Fetze glitschig, Schweiz, schwäb. glit-
schig, glitscherig. — glittern: auf
der Eisbabu hingleiten; nd. gleisern,
glisken, glitschen.
g-lumpern, glungeln, schw. vb. klun-
kern : herum- und herabhängen, schlot-
tern; ahd. clunga glomus; Schweiz,
glunggen: nachlässig gekleidet her um-
laufen; bair. klanken, klenkeln: schwin-
gen,, schwanken.
glupscht adj. tückisch , ein niederdeut-
sches Wort ; nd. glupsch , nl. gluipsch :
tückisch ; nd. glupen , nl. gloepen,
gluipen : lauernde schielende Blicke thun,
lauern. Nebenbedeutung gierig , ge-
frissig, iu nd. glupsch, nl. gluipsch,
dän. schwed. glubsk ; vgl. .Möllenhoff
zn Klaus Groth Quickborn 292 (3. Aufl.).
Glotzen, pl. Augen; Nebenf. Glutzken,
stiere Augen (Breslau, Reichenbach).
Vgl. glotzen.
Gntakes, Gniskus, m. Knicker: dass
er sit ddss ich ke" knauser oder gnis-
kes bin. A. Gryph. gel. Dornrose.
Gniskus thut niemanden nichts, den-
noch ist ihm niemand gut,
eben darum weil er nie keinem etwas
gutes thut. (Logau n. 25S4.)
grnbschen.
nd. dän. gnisk, gnidsk : knickerig, gei-
zig ; schwed. gnidare : Knicker, Knauser ;
vgl. ags. gneäd sparsam. — Das Wort
bedeutet eigentlich: knitternd, vgl. ahd.
gnitan, schwed. gnida ; vgl. gleiche Be-
deutung sinnlicher nnd sittlicher Art
in knickern , knitschen , knispern. —
rhein. Kniebcs , Knicker von knipe,
kneifen.
gokeln!, go ekeln, schw. vb. gankeln,
sich rasch hin und her bewegen. Gokle
nicht vor dem Fenster herum! — es
gokelt was vor mir hin und her, ich
weiss nicht was ! — im Lichte gokeln :
in der Flamme hin und her fahren, mit
dem Feuer spielen. Wer gokelt, pisst
sich in der Nacht ein. — G d k e I m ä n-
n e I : Herumtreiber ; vgl. bair. Gauk-
männle : bewegliche Puppe. — Es ent-
sprechen bair. gauken, gaukeln ; schwäb.
gaugen, gogen; Schweiz, gäuggelen, gö-
gelen ; mhd. gogelen.
Gokseh, Gdksch, m. 1) Hahn, Haus-
hahn ; vgl. süddeutsch : Gogkel , Gok-
keler; tnfiring., frünk., hess. Gökel,
Göker, Gickel. — frz. coq. — 2) alber-
ner unbehilflicher Mensch ; auch von
Frauenzimmern im masc. gebraucht
(Reichenbach). Vom ersten zu schei-
den; vgl. mhd. gogel; schwäb. Gagen:
du nun grobe Menschen; bair. Gogken :
Narrenspossen.
Gold, st. n. als Kosewort gebraucht, wie
in älterer Zeit; vgl. Fastnachtsp. 402, 5
nnd bei Göthe.
Goli'tschke, f- emberiza; vgl. verschie-
dene landschaftliche Namen dieses Vogels
bei Popowitsch Versuch einer Vereini-
gung der Mundarten 138 f.
Gtirge * Girgel: Georg. Von einem
steifen Menschen heisst es : stiht a doch
do wie a hilzern Girgel. Die Georgs-
bildsäulen traten dem schlesischen Auge
vielfach entgegen; Breslauer Kinder nen-
nen noch heute den steinernen Neptun
auf dem Brunnen des Neumarktes den
Gabeljürgen.
Gote, m. Kürzung von Gottfried; gleich
diesem Namen zur Bezeichnung eines alt-
fränkischen etwas albernen Kerls ge-
braucht. Alter Gote , langer Gote.
Gott, G o t. — Herrgott, Hergottel : Chri-
stusbild, Crucifix. Einen steifen Menschen
vergleichen die Breslauer dem „po Ischen
Herrgottel" auf dem Neumarkte.
grabsehen, «chw. vb. hastig zugreifen.
— Grabsche, f. 1) Hand ; 2) das
zugreifen; in die Grabsche werfen, zum
fangen auswerfen, als Geld, Obst u. dgl.
— Niederd. Wort : nd. grapsen, engl,
grasp, nd. in di Graspel smieten. Vgl.
schwed. grabba, mit der ganzen Hand
zugreifen. — nd. nl. grabbeln, engl,
grabble. — Vgl. ferner mhd. gripfen,
Schweiz, gripsen, grapen.
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Grachel — Graupe.
29
Urach ei, Graichel, st. f. 1)
Schoss an Gewachsen; 2) Granne der
Gerstenähre; Schweiz. Grichel: Spreu
tod Getreide; Reste des Futters; 3) dürre
Finger, Arme, Beine, auch auf die gante
habere Gestalt fibertragen ; 4) die mit
Querhölzer versebene Stange, an wel-
cher im Stall die Pferdegeschirre auf-
gehängt werden. Vgl. das folgende
Gragrel, Graegel, st.f. 1) dürrer Zweig,
namentlich ein gabelförmiger; 2) die
gespreizten Beine. — GrAgelwerk:
Sperrwerk des Daches. — grAgeln,
g r a e g e I n , aehw. vb. breitbeinig, über-
haupt ungeschickt und schwerfällig ge-
hen. — Die Beine in die Höhe recken:
sich grageln wie ein Frosch. — gr Beg-
lich, br jtgräglich, adj. breitbei-
nig , ungeschickt , unbehilflich. Auch
oberlaus. Vgl. Schweiz, grägen : hart
und steif werden, ürägel : etwas Hartes,
Steifes; hageres Vieh, dürrer Mensch,
schlechtes Obst. Grägle: alter Reben-
schoss. Stalder i, 469; grageln: die
Beine spreizen: Pictorius. Dies Wort
ist auch bairisch, in der Oberpfalz:
klettern, Schindler 2, 107. — Verwandt
ist auch bair., österr., steir., kämt,
krachsein : klettern. Etwas ferner steht
westerw. Kratl, Kräel, Kraal, was zu
gratein, grätschen überführt; s. grät-
schen. — Ohne gutturalen Anlaut : ober-
pfäla. regeln, Schweiz, raggen: klettern,
kriechen.
graetig-, adj. rerdrüsslich, unwillig. —
schwäb. grätig, grätisch; gräen: un-
willig machen; sich vergräen : sich be-
kümmern. — oblaus. grätsch. Vgl. ahd.
grätac, ags. graedig, altn. grädugr : gie-
rig, goth. gredags : hungerig.
gram, adj. 1) feindlich abgeneigt, a) activ :
einem gram sein. Hier lerne ich dir
falsche Seele gram zu sein. Günther 354;
b) passir, verhasst: mit was schlimmen
gramen Leuten. Schweinich. 2, 204.
Octaria die grämst« dieser Welt. Lohen-
stein Agrippina 5, 308. 2) refleziv : gram
tragend, betrübt: seid eifrig gram be-
trübt. A. Gryph. schwärmend. Schäfer
686. Vgl. mhd. gram. — Gram, st. m.
Feindschaft: sie deducirt den Gram des
Wolfes mit dem Schafe. Günther 979.
Die Gunst in Gram, die Lieb in Haas
verwandeln, ebd. 1010. Gramschaft,
f. bei Opitz 1, 148 (1629); Schweini-
chen 2, 251 ; Lohenstein Armin. Thusu.
1, 75 (2. Aufl.) — gramhaft, gram-
haftig, adj. verdrüsslich ; neidisch. —
g r a m m e 1 n , schw. vb. ärgern , ver-
driessen: das Ding grammelt mich. —
grammlich , g r i es egr am m lieh,
adj. grämlich , ärgerlich , auch nord-
höhmisch ; vgl. mhd. grisgramen. —
Grammler, Gräramler,m. Zänker,
Murrkopf. Scherner 398. — Grämmel-
grillen, f. Herr und Frau die haben
Grimmel-Grillen. Scherffer Ged. 607.
— ergremsen, schw. vb. böse ma-
chen, von wunden Gliedern gebraucht;
in wüthenden Schmerz bringen. — mhd.
ergremzen ; aebweiz. gramsein : kribeln,
jucken.
grammeln. herumgreifen, betasten, s.
krammein.
Granne» st. f. Barthaar der Gersten-
< ähre. — mhd. gran ; auch mitteldeutsch.
gratachen, schw. vb. 1) grätschen:
unbehilflich schreiten; herausgr:itschen :
langsam aus einer Thür schleichen. —
Gr «Usch, m. Tölpel, vgl. PldUch,
Trötsch. — 2) grätschen: plump
zugreifen ; ungeschickt tasten. — be-
gratschen : betasten. — Grätsche, f.
Hand. — Beide Worte gehören zusammen
und werden nur aus äusserem Grunde
von der Mundart geschieden; sie sind
auch sonst bekannt und aus dem 15.,
16. Jahrh. zu belegen: Frisch 1, 368.
— In der Bedeutung von 1. lebt das
Wort im bair., schwäb., fränk. ; in der
von 2. im kärntischen. — Die einfache
Form graten und abgeleitetes graiteln
in Baiern: grosse weite Schritte ma-
chen. — Nebenform: gritten, griggen
bei Frisch 1, 374. Grageln (vgl. oben)
ist verwandt.
gran, g r ö , adj. grau. — Die graue, näml.
Kuh: habe also dem Sprichwort nach-
gelebet : wer zu hofe sein wil, mos itzo
oben bald unten ligen und wie jener
aagte: die grohe ausziehen, wohin sie
gespannt wird. Schweinichen 3, 105. —
kitzgrau: sehr grau; auch bair.
Schmeller 2, 98; 347, Schweiz, kazgrau.
— Graumännel, n. elbischer Geist
in grauer Gestalt, meist mit rothem Käp-
chen. von dem schlesische Sagen viel
erzählen. — Einem Trunkenen „ist das
Graumännel aufgehockt". — Grau sind
auch die sächsischen „Mönche" (Som-
mer Sagen aus Sachsen und Thüringen
S. 35 ; 172) und die dänischen und nor-
wegischen Nissen.
Grau, st. m. Ekel, mhd. gruwe, nd. Gro.
— Der Grau geht einen an. (Ein gu-
ter Koch) giesst Söder auf und Senf
daran, die dienlich für den Grau. Logau
2, 84.
Graupe, st. f. 1) wie hochd. die geachro-
tene Gerste, süddeutsch Gerstel, Grauss ;
2) kleines Hagelkorn; in einem deut-
schen Hymnar des 15. Jahrh. (Grätzer
Univers. Biblioth.) eysgrupe. — bair.
Grauss. — graupen, graupeln,
schw. vb. mit kleinen Hagelkörnern
werfen :
Es fängt an zu tröppeln, es_ kommt ein
Mann mit Appeln ;
es fängt an zo regnen, es kommt ein
Mann mit Degen;
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30 Grnntsehke
es fingt an zu scbnein , es kommt ein
Mann mit Wein,
es Hingt an zu graupen, es kommt ein
Mann mit Raupen.
Rinderreim. — Gräupner, m. Händ-
ler mit Mehl nnd trockenen Gemüsen. Vgl.
österr. Gräussler, mhd. gruzaere.
Graut*rhke, Gritschke, st. f. eine
graue schlechte Birne ; aus poln. gruszka.
Um Äpfel sorg ich nicht, du wirst sie
prösser bringen,
als onsre Grautschken sind, die wir zu
Halse zwingen.
Günther Nachlese 260 (2. Aufl.). Sonst
auch Kruschke, K rutsche; vgl. Diefen-
bach bei Kuhn Zeitschr. 2, 51.
greinen, schw. vb. 1) zanken. — grein-
süchtig: ihr seid zwei alte grein-
nnd zanksüchtige Haderkatzen und Du-
mulduanten. A. Grypb. gel. Dornrose. —
G r e i n e r : Zänker , Murrkopf ; ist
heisst es : junger sitze und alter grei-
ner lauf. Logau 1622 ; 2) weinen, be-
sonders Ton dem stiten weinen kränkli-
cher Rinder. — Greine, f. das wei-
nen : die die lache mit der greine stets
in einem säkklen hat. Scherffer 859. —
mhd. grinen. Beide Bedeutungen sind
obd. und theilweise auch md. erhalten;
nd. dagegen nur die von weinen, mit
dem Gegentheil : lachen (holstein., dfin.,
schwed.). Nl. grünen, engl, grin : knur-
ren, grinsen.
freien, schw. vb. laut schreien, brüllen,
widerlich singen. — Gegröle, n. — nd.
grölen, grälen. — schwed. gräla : zanken.
Vgl. schwäb. , bair. grellen , grillen :
brüllen, heulend weinen.
Grenze, bei Logau Granze : Pomeranze,
n. 884. — In einer Urkunde Herz. Hein-
rich V. von Breslau vom 31. Oct. 1291
heisst es: metas ipsorum et ejusdem
civitatis sie distinguimus ut ab ipsa civi-
tate Olavia metae, quae polonice Grae-
nizen dicuntur, usque ad campos villa-
rum — porrigantur. Stenzel Tzschoppe
Urkundensamml. 414. Grenze ist be-
kanntlich ein slawisches Wort , polu.
granica. — Über die Grenzegehen: über
die Feldmarken, ins nächste Dorf gehen
(Trebnitz).
Griebs* G r i e b s ch , st. m. 1) Kernhaus
des Obstes; 2) schlechtes fleischloses
Obst; 3) alles zurückgebliebene ge-
ringe. — Adamsgriebsch : Adamsapfel,
Kehlkopf. — Auch lausitz., thüring., hen-
neberg. Vgl. Griewe.
Griegs s viel Gäste senten sich uach voll-
und fetten Schüsseln, jedennoch war
kein Griegs vor ihre Manier da. Günther
1100. — Griegs, etwas zukriegendes?
Vgl. schwäb. Grickes, Spottname schlech-
ten Branntweins.
Griewe» st. f. 1) der beim Ausbraten übrig
bleibende feste Theil des Speckes. —
Griewen ums Maul haben: Ausschlag um
den Mund; 2) im Wachsthum zurück-
gebliebener Menscb. — ahd. gn'upo,
mhd. griebe. — In simmtlichen deut-
schen Mundarten : obd. Griebe, Greube,
Kreibe, Graube, Grub; md. Griewe; nd.
Grieve, Greve.
Grind, m. kommt in der alten obd. Neben-
bedeutung Kopf noch schlesisch vor in
den Redensarten: einem eins auf den
Grind geben; einem auf den Grind
steigen.
grinsen, schw. vb. 1) wie hd. 2) das
Gesicht im Schmerz verziehen (Namslau).
— grins ein: frequent weinerlich
klagen, murren. — Grinaler, Grin-
selkopf: Murrkopf; und wenn der
alte Griasler aus der Haut führe. Stoppe
Parnass 499; oblaus. Grinsel-Büehse,
-Peter, -Trine.
Grit. sehe, Gritschke, st. f. 1) Grille,
Heimchen; 2) kleines dürftiges Kind. —
Die zweite Bedeutung hat mythischen
Boden, da die Seelen der kleinen Kinder
im Gefolge der Heimchenköniginn Bertha
einherziehen; vgl. Grimm Mythol. 2S3.
— Würzburg. Grixe. — Der Name ist
nach dem Geschrei: Schweiz, gritzen,
gritzgen: einen Laut von sich geben,
schreien. Stalder 1, 482. Tobler 235;
vgl. Grille : grillen, grölen.
Grifte, Grete, Margarethe. Wie allge-
mein, wird diese Kürzung für Mädchen,
Frauenzimmer überhaupt, jedoch meist
im neckenden oder im tadelnden Sinne
gebraucht. Ihr tummen G ritten ! —
Schlumpergritte. — Hier liegt verscharrt
Aglaster Gritte. Scherffer 694. — Nu
walts die Gritte ! (Gomolke) euphemi-
stischer Fluch.
Groeger, Grfger:aisa rechter Tinte-
griger (Gomolke).
Gruschen» m. 1) der gute Groschen,
1 5 preuss. Pfennige. — Gröschel:
drei Pfennige , Dreier ; Zweigröschel,
Zweigroschler,m. Sechspfennig ; 2) über-
tragen auf jedes Geldstück; gelbe Grö-
schel: Goldstücke. Bekannt wie ein
böses Gröschel ; vgl. böse ; 3) die run-
den geldstückartigen Früchte von Rhi-
nantus crista gaUi , Gröscheikraut, Pfen-
nigkraut — Rlagegröachel: De-
nunciantenlohn. — Rlempnerg ro-
se hei: die runden Blechstückchen, die
von Klempnern beim aufstemmen runder
Eisen ausgebrochen werden; beliebtes
Kinderspielzeug. — Pategröschel':
Patengeschenk ; Sparpfennig.
Grube* st f. schlechtweg wird dar-
unter die Düngergrube verstanden ; vgl.
ahd. gruoba, latrina. — Kartoffelgrube :
Aufbewahrungsgrube _ für Kartoffeln ,
mit kegelförmiger Überschüttung. —
Kriechgrabe: gewöhnlich haben die
Bauernhäuser keinen Keller, sondern im
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Grule
31
Garten ist eine übermauert*, mit einer
Thür versehene Grube, welche als Keller
dient, die Kriechgrube. — Grub el-
ball spielen: In gerader Reihe hinter
einander liegen so viel Grübchen, als
Kinder spielen. Eins schiebt nach dem
andern einen Ball darüber; in wessen
Grübet der Ball fällt, der bekommt ein
Steinchen hinein : „er bekommt ein Kind ;"
wessen Grübet leer bleibt, ist eine reine
Jungfer. Wer das Unglück hat, sein
Grübchen zuerst voll zu haben, rauss
unter den Püffen der andern sämmtliche
Grübet ausräumen. — Auch bair. grü-
beln. Schmeller 2, 100. Aehnlich ist das
schwfib. kindein, Schmid 313, und rolen,
holen, ebd. 437.
Grule, f. Grossmutter, Grule mut-
ter. — Wohl nichts anderes als das nd.
gruli, graulich : die vor Alter graulich
gewordene, decrepita. Vgl. das Schweiz.
Pfuchihni, Stinkähni; Stalder 1, 92,
eine in der Ansicht uusers Altherthums
begründete Nennweise , dem nur die
volle Lebenskraft begehrlich und anmu-
thig erschien. Vgl. Grimm bei Haupt 1, 23.
Grümpen, m. Geldbeutel (Reichenbach) ;
wohl von der zusammengekrumpften, zu-
sammengeschnürten Gestalt. Westerwäl-
disch heisst Krumpel ein zusammen-
gedrücktes Zeug oder Papier oder dgl.
Grumpel . G r o m p e I , n. Krümchen
Brod, „Brickel," und gleich Brickel im
Glazischen für „etwas, ein bischen" ver-
wandt: „ich mach mer ne en Grompel
draus." Scbönig. grümplich, grimm-
lich, adj. krfimlich, griessartig: die
Puttcr is weiss und grimmlicb (Hirsch-
berg).Pim pegr im perle: kleine Flie-
gen (Breslau). Vgl. Krumpe Grumpe bei
Frisch I, 552; Schmeller 2, 386; Rhein-
wald 1, 90.
grüne, adj. Spruch : rot und grün steht
wunderschfn ; vgl. rot vnd grön da prin-
net die lieb schön. Kl. Hätzlerin 1S6.
Demgemäss lieben die Landmadehen beide
Farben an Kleidern und Kommoden. —
Die grüne Seite; vgl. Fischart Gar-
gantua c. 42: setz den lieben schelmcn
da neben mich an das eck hin an meine
grüne seit. — G r ft n , m. das grünen,
sprossen, in: der Widergrün; den
Widergrun kriegen wird von auswachsen-
dem, „erwachsendem" Getreide gesagt.
Wie man sagt: vor Aerger oder Ungeduld
auswachsen, so auch in solcher über-
tragener Bedeutung: den W. kriegen
(Jauer). Vgl. bair. der Gruen: der
junge Schössling. Schmeller 2, 112. —
grunenxen: grün riechen ; vgl. Dia-
lektforsch. 100 f.
grunzen, scliw. vb. wie hd. — sich he-
grunzen vor Lachen; wahrscheinlich
ist es entstellt aus dem unverständ-
lich gewordenen bebrunzen : bepissen ;
brunzen kommt schlesisch nicht mehr
vor; vgl. auch das nd. ik dagte, ik scholl
mi bepölken.
Grusebel, f. Gänschen. — schwäb. Gru-
se). Das Wort ist nach dem Geschnatter
gebildet, schweiz. grnscheln : lallen,
Stalder 1, 486, der hierbei an das lat.
gratitare erinnert.
gucken, schw. vb. weniger für schauen,
sehen im allgemeinen, als für das heim-
liche lauernde sehen. — Guckeh
Auge in der Kindersprache. Guck-
1 5 c h el : Schauloch.— G u c k e , f. Name
einsam liegender Wirthshiiuser, z. B. bei
Girlachsdorf, Kreiss Reichenbach. —
Guk rille, Kukrille, Gigrille, f.
alte baufällige Hütte; dann: alles alt-
fränkische, sonderbare; auch auf Men-
schen verwandt, in scherzhafter Anrede :
alte Gukrille, wie altes Haus. Zu der
Bildung dieses Wortes vergleiche das
dän. Gribbeuille: garstiges Weib.
Gummel, «t. f. alberne Weibsperson
(Reichenbach). Vgl. bair. Gummel, Gam-
mel: starkes Weibsbild, schwäb. faules
geiles Frauenzimmer. Schmeller 2, 46;
Schmid 218. Im schwäb. hat es die Ne-
benform Gampel, und Schmid bringt ea
daher zu gatnpen , gumpen : hüpfen,
springen. Zu dem Begriff des albernen,
der im achlesischen Gummel liegt, vgl.
die mhd. Spuren des Wortes : gum,
giemolf, narre, tdre. M.S.Hagen 2, 215«.
derselbe gumelanz M. S. H. 3, 236*. —
Verwandtschaft mit dem Stamme gam
scheint vorhanden, wovon gaman:jocus.
lusns.
Gunke, st. f. schlechtbrennendes Licht.
Schweizer, heisst gungeln , gunggeln :
sehwanken von flüssigen Dingen ; Gunke
bedeutete also wohl das flackernde Licht.
Schweiz. Gungel : schales Getränk, über-
haupt etwas schlechtes. Stalder 1, 497.
Ganke, st. f. Unke, nach dem schreien
des Thicres.
GurehengHt, m. Birnenart (Reichen-
bach). — Der erste Theil ist das alte
gure, Stute, das noch in den süd-
deutschen Mundarten fortlebt. Schmel-
ler 1, 63; Stalder 1, 499 (mit der
Bedeutung Hure) ; Schmid 250.
gurgsen, schw. vb. gurren, gurgeln in
den Eingeweiden. — mhd. gurgeln, bair.
gurrezen , schwäb., Schweiz, gorzen,
gorksen.
Gasehe, f. Mund. — K o mm i s sgnsche,
Kumssgusche : grobes gemeines Maul :
sie wüm em de dicke Kumssgusche wul
kloppen (Gomolke). — Gosche, Gusche
ist weit verbreitet : bair. österr. ; auch
md., und selbst nd. Goske. Brem. Wör-
terh. 2, 531. — Guschel, n. Mäul-
chen, Küsseben. — derguscheln,
schw. vb. erküssen, durch Schmeiche-
leien erlangen.
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32
42 litte
Hahn.
Gütte, G i 1 1 e , J ü 1 1 e , st. f. MSdchen ;
xa belegen nicht aus heutiger Mundart,
sondern aus A. Gryphs geliebter Dorn-
rose : selde sich wul a Mensch einbil- .
den, dass enne sittene undankbare Jütte
ufm GoUboden laben selde. — Dornrose
is anne junge Waschgütte ; se war der su
vil nütze ass ein Ferkel de Mütze. — nd.
Jütte, Jit: Frauenzimmer, mit schelten-
dem Nebensinne : dov« Jitte , dumme
Jitte. Jungfer Jitte mit dem holten
Titte : Mädchen ohne Busen. Brem.
Wörterb. 2, 694. Dietmars, bezeichnet es
auch die Ziege, wobei zu errinnern, dass
auch bair. Heppen die Geiss und ein
junges Mädchen benennt. Schmeller 2,
221. — Kämt GüUche : Mädchen,
Geliebte.
haben, schw. vb. Ging und gäbe ist die
alte Verwendung von es hat =s es gibt :
was hat« denn ? es hat Feuer. »Viel Hel-
den hat es izt, so hats auch viel Poe-
ten." Logau 605. Vgl. alt/ranz, il a ■=
il y a , poln. ma. Der alte Spruch :
Hetich ist ein böser Vogel, Habicb ist
ein guter (S.Frank, Sprichwörter 1541,
Bl. 193) lautet im Schlesischen mit Be-
nutzung der Form haber (haben wir) :
Haber ist besser als Hetber. — h a b-
h a f t i g , adj. fassend, greifend : hab-
hafüge Worte , Worte die greifen
(Langen öls).
Hagel, HAI, Hoil, m. in Flüchen wie
Donner verwandt: dass dich der Hoil
hule! — die Gänse sind zum Hagel
gelaufen.
Hacke, f. Auf die alte Hacket Trink-
spruch, der den Wunsch ausdrückt, es
möge beim alten bleiben. Symbolisch
wurde und wird noch hier und da in alt-
schlesischen Kreisen eine kleine silberne
oder goldene Hacke (Beil) an des Be-
chers Band gehfingt , die mit diesem
herumkreist und bei dem leeren dessel-
ben nicht herabfallen darf. — Von der
alten Hacke reden , verzeichnet Frisch
1, 391.
haekig», h & k i g, adj. lustig, ausgelassen
(LobrU bei Jauer).
haikel, h a e k e I , h A k e I , adj. wähle-
risch , ekel , bedenklich. Allgemein
deutsch.
halbig', adv. halbwegs; mitteldeutsche
Form; nd. halwege, halwig.
Hall, m. (Hirschberg), H a 1 1 a s m. (Bei-
chenbach) : Lärm, Geräusch. — h a 1 1 i-
zen, h a 1 1 e* z e n , schw. vb. lärmen,
schreien. — einander hallezen : lieb-
kosen, wahrscheinlich auf lärmende Art
(Jauer). Vgl. die entlehnten poln. For-
men halas, halasowae 1 .
Halm, m. Griff, Stiel : Axthalm. Halm wird
gesprochen für Halbe(n): ahd. halap,
halb ; mhd. halbe , balm ; tirol. kämt.
Help, Helb ; bair. Halb, Uelben ; ags.
helf ; mnd. nl. engl, helve. — Verwand-'
tes bei Diefenbach goth. Wörterb. 2, 514.
halt, haldich, hailich, hAlich,
b a c h : Füllpartikel mit der Bedeutung :
ich halte dafür, nun eben, freilich: in
der Schweiz, Schwaben, Baiern, Deutsch-
land, Österreich, in der Oberlausitz und
Schlesien gäng und gäbe. Schon ahd.
eingeschobenes hallo. Die schlesischen
Formen zeigen deutlich , dass dieses
halt eine verbale Form ist, und auch der
Form nach dem waniu, mein», achtes,
säebs. gläubch, gläch, entspricht : halte
ich dafür, ist die Grundbedeutung. Vgl.
Schmeller 2, 184 ff. ; Schmid 256 ; mhd.
Beispiele bei Benecke-Müller 1,619. Das
ahd. mhd. halt : vielmehr, sondern, aitn.
heldr ist von diesem halt zu trennen.
Halt, m. 1) Bezirk, District, namentlich
für geistliche Gebiete verwandt : Herzog
Niclas hatte einen halt, Vjast genannt, in
versatzunge , zu S. Joanniskirche ge-
hörende. Eschenloer 1, 222. — Der
Zätsche Halt: Bezirk um den Zobten-
berg bis zur Säcularisation der geist-
lichen Güter (1810) dem Sandstift zu
Breslau gehörig. — 2) Hinterhalt: hier
lag er oft in halt, mit rosen wol verhägt,
wenu er die jagd bestallt. Logau 1257;
und kamen unwans uf den halt, darinnen
uusere feinde waren. Eschenloer 1, 102.
— halten, st. vb. 1) zurückhalten,
bewahren, bebalteu : wer hält, der bat.
Sprichwort. 2) dafür halten, meinen :
ich halde, er bot de gebatteln oUe in der
schnüre. A. Gryph. gel. Dornr. Vgl. halt.
hammea, »chw. vb. essen, in der Kinder-
sprache. — Auch oblaus.
Hammer, st m. in Flüchen : dass dich
der Hammer ! vgl. Grimm Mythol. 166.
951. — hammern, schw. vb. es
hämmert nur so: die Suppe ist ver-
salzen, verhamroert (Beichenbach, Treb-
nitz). — verhammert = verdammt,
verflucht , als Steigerung gebraucht :
verhammert kalt (Waldenburg). — Nie-
derdeutsch: Schütze 2, 96; Brem. Wör-
terb. 2, 575.
Hamperle, n. Füllhamperle: Fül-
len. — obpfäiz. Hämpel: Pferd; vgl.
Happel.
naha, m. im 17. Jahrh. in Schlesien noch
kurz gesprochen ; vgl. bei Logau 1850 :
Hanne (plur.). Von zu kurzen Kleidern
sagt man: sie wären länger, hätte der
Hahn nicht gekräht. — Piep bahn,
penis, auch nd. ; vgl. Dialektforsch. 114.
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Hahn, für Hain, Hagen, wie md. allge-
mein. Die Stadt Hainau wurde in ilterer
Zeit nach der Ansprache auch Hanau, der
Han, geschrieben; Bolkenhain spricht
das Volk PulkahAn. — Hahn: Name meh-
rer Berge und Hügel im Reichenbacher
Kreise.
Dand, st. f. Sprichwort: eine Männer-
hand düngt mehr als zehn Kader Mist.
— Handscbke, schw. m. Hand-
schuh; schon im schlesischen Land-
recht hanezke, Fundgruben 1,375. Die
Verkürzung Handsch ist obd. und md. ;
die Bildung -ke nd; vgl. auch dän.,
schwed. Handske , isla ad. hanzki. —
Hauschkerle, n. kleines dürftiges
Kind. — H a m p f e 1 , f. Handvoll ; weit
verbreitete Kürzung. — Hamprich:
Handwerk. — über handsweile,
adv. binnen kurzem; vgl. mhd. einer
hende wlle.
bannen, schw. vb. Kinder warten ; ban-
nen gehn : mit Kindern auf dem Arme
zum Besuch gehn (Reichenbach, Schöm-
berg). — Hannepampel: Warte-
kind ; kindischer einfältiger Mensch. —
Ist bannen aus banden entstanden: auf
der Hand tragen ? Vgl. mhd. bände-
let, mit der Hand fassen; achwib.
handsen : betasten, verzärteln ; Schweiz,
banden : banen, schneiden. — Das kirnt,
hansen , zum Plaudern zusammenkom-
men, gehört nicht hierher, sondern zu
hansa. Vgl. auch ahd. hanna, hevihanna :
tlans, glazisch Hannes. Zu erwähnen
die Verbindungen : Hans Dampf,
einfältiger Tropf; Hans Hoppe:
Hopfengeist :
so wird mit lust gezecht ;
wil einem dann im haupt Hanna Hoppe
meister werden,
der tret auf jene aeit und senke sich
zur erden.
Scherffer Ged. 85 ; für Hans Hoppe fin-
det sich auch blos Hoppe : so sie zum
Biere sassen in den Kretscbemheusern
und der Hoppe ihre Heupter besessen
hatte. Esehenloer 2, 81. — Hans in
allen Gassen, auch schlesisch ; vgl.
Stoppe Parnass 240. — Narrbans.
Hans, m. gefütterter Unterrock der Wei-
ber, Stepprock (Schömberg). — bair.
Hansel : Unterrock; im Pinzgau das den
Rumpf bedeckende Oberhemde der Wei-
ber. Schmeller 2, 216 ; Schwöb. Hän-
sele : enger Reifrock. Schmid 261
Hantsehel, n. Füllen (Trebnitz) ; schwäb.
Heintschele.
hapern, schw. vb, stocken, nicht fort-
können. — häprich, adj. stockend,
holprig. — Auch oblaas. henneberg. —
Niederd. Wort: nd. hapen, haperen,bab-
belen : stottern ; nl. haperen ; din.happe,
schwed. happla»
Anhang tum XIV. Bd. d. SiUb. 4. phil.-hist. Cl.
happen, «chw. vb. schnappen,
H a p s , m. Biss, Schluck. — happig,
happich, adj. gierig. — nd. nl. —
happig kommt auch kämt, vor.
Happel, n. Pferd. — Happerle,n.
Ziege in der Kindersprache. Vgl. Ham-
perle ; zu happen = hoppen, hüpfen :
daa hüpfende, bewegliche ; din. Hoppe :
Mähre, Stute ; bair. Heppe : Ziege , im
Pusterthal daa Schaf.
Harnisch, m. ein gröberer Zeug. Ge-
meinkleider von hämisch und parchent.
Schweinich. 1,68; auf knecht und jungen
die notdurft von hämisch und barchen,
Hess sie rot und weiss kleiden, ebd. 2, 83 ;
brauner hämisch zu hosenpuffen 1, 46.
ge-harnl*cht, ptc. wie ein geharnischter
Mann dasitzen: steif vor Kälte, oder
auch vor Schreck.
harle, Lockruf der Enten (Trebnitz) ;
arrle , arrle (Liegnitz, Öls). Vgl. das
hiervon entlehnte niederschles. poln. ha-
ruazy, Enten.
haseliern, schw. vb. gegen einen h., mit
jemand scherzen. — hasierlich,
artig, fein.
Lachrieb lacht so gerne ; ist es denn
natürlich ?
Lachrich lacht ao gerne; iat es wol
hasierlich ?
Loga n 994. Auch md. nd. — schwäb.
haseliren : lärmen , zanken , Schweiz,
grossthun, prahlen. Das obd. hisig : weich,
glatt; ahd. hasan schiin, hasanfa schön
machen, glätten, lässt sich mit der md. nd.
Bedeutung von haseliern und hasierlich
leicht verbinden.
hatschea, hutschen, schw. vb. hin-
ken, schleppend gehen. — Ziemlich all-
gemein in Ober- nnd Mitteldeutschland.
hauen, st. vb. 3. prs. bibt. — Das Ge-
treide wird nicht geschnitten , sondern
mit der Sense gehauen. — Demnach ich
aber eines unversehens dazu kam , dass
er mich bei J. F. G. tapfer in daa
aalz hieb und zu ganzer unachuld
angab. Schweinich. 2, 70. — Hau, m.
Hieb : durch einen hantigen Hau seines
Schwerdts. Lohenstein Arm. Thusn. 1, 43.
Haube, f. wie hd. — Mehrfach erscheint
es in den Namen von Berggipfeln : Sturm-
haube auf dem Riesengebirge, die Stroh-
haube auf dem Eulengebirge. — Gleich-
bedeutend mit Koppe.
Haufe, schw. m. sie koffert da wie a Hau-
fei Ungelücke : ganz zusammengehockt.
— zu häufen: zusammen, nd. to hope,
früher allgemein germanisch ; nachweis-
bar bei Opitz und Logau.
Hau«, st. n. 1) wie bd. 2) Hausflur. Im
Hause steht ein Schrank, ein Bettler. —
Häusel, n. Abtritt , Scheisshäusel ,
Schimpfhütte. Auch schwäb. in dieser
Bedeutung Hiusle, nd. Hüsken, engl, tue
littlehouse,dän. Lillehus, gaaepaaHuuset,
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34
heben - heim.
schwed. gä pa hoset. Dm Häusel steht
auf den Dörfern ganz eng am Hanse,
mit dem Röcken gegen die Strasse. —
Häusler, m. Dorfsasse, der ein Haus
ohne Feld besitzt ; auch süddeutsch,
fränkisch , oblausitz. — nd. Hüssel,
Hüsling. — Der Häusler wird von Ade-
lung und Campe zum Mietsmann gemacht,
was er durchaus nicht ist. Der Miets-
mann, schlesisch Inwohner, hiesa früher
Hausinne:
Wenn Jungfern eure flöh, die ihr habt
xu hausinnen,
was sie gehört gesehn , vermelden
solten künnen,
wie mancher fragte sie, der lust zu
freien hat,
eh als den besten freund um einen
guten rat.
Lo^au 9S2. Der Inwohner heisst auch
Hausmann,
heben* st vb. 1) aufheben, in die Höhe
heben : heute wird gehoben, nämlich der
Dachstuhl. — Die Leiche heben : auf die
Bahre heben ; dafür auch das Compos. auf-
heben : alda ist der von Seidlitz mit recht
aufgehoben worden und gen Stroppen
begraben. Schwein. 2, 203. — einen
heben, nämlich einen Schnaps ; vgl. auf-
heben in der Bedeutung trinken bei
Grimm Wörterb. 1, 664. 2) fassen, fest-
halten, vgl. Schmeller 2, 138.
hedö, Hirtenruf beim Eintreiben des Viehs ;
vgl. heida ! Gewöhnlich verbinden die
Hirten mit dem Rufe noch ein Liedchen ;
auch die schweizerischen Kühreigen sind
Lieder beim Eintreiben, Tobler 124 f.
Hed6 hed6 ! Viehla nei !
werd ne bAle Zeit eitreiba sein? —
6 no lange nil o no lange ni!
de faule MAd hdt no ne Agericht.
(Reichenbach). Schweizer, bair. hai I Ruf
an das Vieh. 8chmeller 2, 127; Tob-
ler 252.
Hefe, H b v e , st. f. Germ, Berm. — Hatte
einen gnädigen herren, ungeachtet der
fuchsschwanzer viel und gemein waren
und mich oft zur Unschuld die stiegen
nauf trugen, welche hernach selbst die
Hefen aussaufen und wegtra-
gen musten. Schweinichen 2, 313. —
Redensart :
Er wird nicht einmal einen Krug hin,
um die Hefen nach Hause zu trAn ;
oder :
Er wird die Hefen im Arsche heim trAn,
er wird kein Fässlein dazu hftn.
vgl. Fischart Geschichtklitt S.177 (lS'JO)
mein Schwester ist ein bierfass, sauf ihr
die heften auss dem Arss. — Reim :
Adam und Eva
gienga noch HeVa,
Adam hot da Krug zerschlAn,
Eva mftss de Scherba trAn.
(Frankenstein.)
Heft, st. n. 1) Handhabe des Schwertes
und Messers, dann übertragen auf das
Messer selbst. Mordheft, Günther 511.
Hiervon nach alter Anschauung auf den
Penis übertragen. Vgl M. S. H. 2, 115.
2) Nase, als Handhabe des Gesichts.
Heftel, st n. Häkchen zum Einhaken in
die Öse oder in „das Schlingel." —
Heftelmacher: fibularins, Nadler;
Frisch 1, 304; z innen wie e i n Hef-
telmacher: eine verdrüssliche zin-
kische Miene machen ; vgl. sein häfflle-
macherisches bentzen , greinen, bai ba-
sisches puffen schlagen stossen und
schinden. Abele 1, 475 (8. Ausg.) —
kärntn. HafUmacher : Mensch der sich
mit kleinlichen Sachen beschäftigt.
Heide, H e d e , st. f. wie im ganzen nord-
östlichen Deutschland bezeichnet Heide
aue^i im nördlichen Schlesien die mit
Nadelholz bestandenen Landstrecken : die
Lühener , Sagansche , Görlitzer Heide.
Heidelerche: Haubenlerche, alauda
sylvatica. Von dem netten Vogel über-
tragen auf ein sauberes schlankes Mäd-
chen : se is su nette und geschlank wie a
Hddelarchla. — Er hott oich ja su nette
gemacht wie de geberscht (gebürstet)
Hedelarchla (Reichenbach). Im Herbst
singt die Heidelerche : Piuerla, Piuerla,
sae mer a Kerndia mftJ Im Sommer da-
gegen : Piuerla, Piuerla, ich scheiss dir
druf; vgl. den Gesang der Ammer bei
E. Meier Kinderreime aus Schwaben
S. 32. — Heidereiter: Spottname
der Landwirthe; vgl. Stoppelhopser.
Heidelberg, Name mehrerer schlesischer
Berge , für Heidelbeerberg , wie der
gleichbedeutende Walberg am Tegern-
see für Walbeerberg (Schmeller 4,61) ;
vgl. auch Frisch 1, 434.
ge-heien, sehw. vb. verspotten : wo man
mit solchem schmucke mich nicht nur
spöttlich schminkt und äffet und geheibt.
Lohenstein Ibr. Bassa i, 29. G e h e i e,
n. Gespött; hier und da noch briuchlich
in Schlesien und im Kuhländchen. —
G e h e i e r , m. Spötter : aber die an-
dern Buler von Flandern , Käsebrod-
Freyer, Mllgdegeheyer. W. Scherffer 476.
— Die ursprüngliche Bedeutung dieses
abd. mhd. nicht erscheinenden Wortes
scheint schlagen , schneiden , werfen ;
aus dieser sinnlichen entwickelte sich die
eines gewaltsamen berührens der Seele :
ärgern, zornig machen, zanken, spotten.
Vgl. Frisch 1,450 ; Schmeller 2, 132;
Stalder 2, 31 ; Schmid 269.
heiern, heuern, sch. vb. heirathen
(Urieg) ; mhd. bten.
heim, 1) n a c h h & m e, nach Hause ; z e
hime: daheim, zu Hause ; d e r h & m e,
daheim. Sprichw. Oberall gutt, aber
derhetae am besten ! echt schlesische Um-
kehrung des ubi bene ibi patria, das ein
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Lump erdacht hat. Aach deut»ch-böh-
misch. — h e im lieh, adj. 1) anheimelnd,
freundlich : sis so hemlich dobinigta.
2) klar, freundlich, Tom Wetter: heim-
lich Wetter, Stoppe 250 ; ein heimlicher
Abend trockne die Pfützen eine« schlüpf-
rigen Tage» auf. Lobenstein Arm. Thuan.
1, 71 (2. Ausg.). 3) zutraulich, für
Tbiere gebraucht Frisch 1 , 437 ;
Schindler 2, 194.
Heiterncssel, Hitternessel, f.
kleine Brennnesselart. Hitternesselu und
Eier sind Futter der Auerhflhuer. —
Hitternesselu in Kornbranntwein im wohl
rerschlossnen Topfe im Backofen ge-
kocht, während das Brod bäckt, geben
einen guten Gichtspiritus. — ahd. heitir-
nezila, mhd. heiternezzel ; vgl. hei, uri-
dus ; heien, brennen. — fränk . Ktternesiel,
schwed. eternässla, nd. hiddernettel ,
hiddern, brennen.
Heke, f. Kuh; schwäb. Hag, Haigel,
achweic. Hegi: Zuchtstier. — mek-
leuburg., hamb. Höke : Ziegenbock. —
obd. Hacke) , Hagsch : Eber ; Hecke :
verschnittenes Schwein; vgl. Höksch,
engl, bog : 8chwein, einjähriges Lamm,
hogget: zweijähriges Schaf. — Kel-
tisches bei Diefenbach goto. Worterb.
2, 360.
Hecke, f. wie allgemeiner : Hegung der
Jungen; Nest mit den Jungen, beson-
ders von Vögeln und Kaninchen ge-
braucht. — Die Thiere aus einem Wurfe
oder Neste ; in weiterem Sinne : Vereini-
gung, Gesellschaft ; bei der Hecke sein :
dabei seio. — Hecke, stärker inlautende
Form für Hege (vgl. hege und begge,
Hecke). — westfil. Hägge : Bett, Ehebett,
hecken, schw. vb. nutrire : die wol-
cken hecken blitz, der abgrund kaltes
eisen auf mein verdammtes haupt. Lohen-
stein Agrippina 5, 37.
hell«, gehelle, gehall, adj. am
gehalla liechta Tage. Stoppe 528. — ge-
belle noch üblich z. B. im Österreich.
Schlesien.
Hengst, m. übertragen auf die leiden-
schaftlichen Liebhaber irgend eines Ge-
genstandes: BHderbengst, Mädelhengst,
Taubenhengst. Keck wird auch das kleine
Taschenmesser, die Knieflke, Klössel-
hengst genannt . Auch oberlaus. —
Klupphengst: halbkaatrirter Hengst,
eigentlich ein Hengst , dem die Hoden
unterbunden, gekluppt, sind; vgl klupen
bei Schmeller 2, 361.
Her, Hsr, Heir, ra. das männliche
Thier, hauptsächlich von Kaninchen und
Schweinen (Reichenbach, Liegnitz). Her
ist die nd. Form von er : vgl. er, hol-
stein. mit Verkleinerung heeken, «ecken.
Schütze 2, 116.
herbe, «dj. erherben: erzürnen,
Opitz 2, 91 ; Lohenstein lbr. Bassa 1 , 236 ;
Rpichar. 3, 672; Aprippiua 5,24. — mhd.
verberwen.
Herr, m. Wie in Ober- und Niederdeutsch-
land als besondere Bezeichnung des Geist-
lichen gebraucht Schmeller 2,230; Brem.
Wörterb. 2, 623. — H e r r 1 e Zwerge,
die im Herrleberge wohnten, dem Hügel,
an dessen Fuss Langenbielau liegt. Sie
zogen von hier nach dem Zobten.
Hesse, f. Kniestück der Schinken oder
Keulen. Henneberg. Hasse, nd. Hesse. —
ahd. hahsa, mhd. hahse, hehse. — be-
hauen sieb : sich bis an die Kniekehle
beschmutzen.
Het, n. Haupt, Haupt (Opitz 1, 43. 1629).
Deminut. He'tel : Kraustet — Entspre-
chende Formen mit ausgeworfenem p
oder b schweizerisch und md. — Die
Labialis ist auch im nl. hood, engl, head,
fries. had, haud, hoot ausgefallen.
II et sehe, f. Kröte (Glas). Auch bair.
süd Uro lisch.; fränk. Hitsch, oblaus. flet-
sche und nutschge, Westerwald. Hutch.
Wie es scheint nach dem schwerfälligen
„bauchenden oder hutschenden" Gange;
das Westerwald. Hutch bezeichnet dage-
gen die hockende : hutche, hocken.
hifern, hivern, schw. vb. mit den
Zähnen vor Frost klappern, sich schüt-
teln vor Kälte (Reicheubach). Oblausitz :
sich zusammenhiefern : sich vor Frost
ziiftiimmenducken; hiefrig: zusammenge-
duckt, geschrumpft Anton 19, 13. —
Vgl. abd. hiufon, alts. hiuvon, ags. he6-
fan : klagen, jammern ; dän. hive : keu-
chen, schwer athmen.
hyern, schw. Tb. wiehern, wiehernd la-
chen; westerwild. Bicheln. Schweiz,
appenzell, heya, hnja: stark rufen. Hu-
jerli : Pferd in der Kindersprache.
hiltpritschen, ein Neckspiel mit Einfälti-
gen oder Gutmüthigen, die sich anführen
lassen. Sie werden zum Fange von Hilt-
pritschen aufgefordert und mit einem
Sack mitten ins Feld gestellt, in dem sie
die Hiltpritschen auffangen sollen, die
ihnen die andern zutreiben wollen. Diese
entfernen sich in der Dunkelheit — denn
dieser Spass wird Abends getrieben —
und jene bleiben mit dem aufgehaltenen
Sack so lange stehen, bis sie merken, dass
sie gefoppt sind. Vgl. Brendel Heimath-
klänge. Freiburg in Schi. 1852, S. 19 f.
— Den Namen weiss ich nicht genügend
zu deuten.
himpern, sch. vb. drückt das sehnsüch-
tig unruhige und das klagende Verlan-
gen aus ; man himpert nach etwas ;
kränkliche Kinder himpern. — nd. him-
peln : wonach verlangen ; schwäb. him-
peln, hempeln : zanken ; bair. himpezen,
himphezen: schluchzen; vgl. auch nd.
himen, nl. himmen : keuchen.
Hinke-perz : und dass Mercur nunmehr
als ein podagricus dem Hepbiboseth
c *
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gleicht und zu des ganzen landes schmerz
als ein rechter Hinkenperz zu Fusse ge-
hen rouss. Stoppe Parnass 3911, Vgl. nd.
Uinkepis.
hinsehen, schw. vb. aushöhnen ; bair. Wen-
zen: höhnen, narren. Verwandt sindikärat.
hienen : heulen, nd. hiensken : winseln,
wiehern. Hinsehen ist hiernach nicht für
Ableitung aus höhnen zu nehmen.
hinte, »dv. heut: bei Schweinichen heun-
ten , Opitz Gryph. Lohenstein : heinte,
heint — mhd. hlnaht, hinte, obd. hinaht,
hincht, heint.
hinter, hinder, hinger; ahinter,
ahinger, aninger: nach hinten,
rückwärts.
Hirlitze, f. Hornias; bei Dasypodius
Hörlitze. Frisch 1, 469; Schneller 2,
237. In Schwaben heissen die Cornel-
oder Hornkirschen Hirlitzen oder Dlr-
litzen. Schmid 129.
ge-hirm, adj. in: ungehirm, adv.
ungeheuer ; auch gleich diesem zur Stei-
gerung verwandt ; ein ungehirmer Teich
(Liegnitz). — abd. ungahirmi : impor-
tunus, ungahirmigdn : insolescere ; mhd.
ungehirme : ruhelos , wild ; vgl. auch
Frisch 1, 449, — Schweiz. Ghirmi:
Ruhe, Ruheplatz, ghirmen: ausruhen,
gehorsam sein.
hi*ch, für hübsch : Kernkronik 2, 721 ;
Stoppe Parnass 512; Schönigs Gläz.
Gedichte. — auch kärntisch.
Hitzel, m. Henker, Schinder (Hirschberg) ;
dass dich der HiUel (Berndt). — hätte
der Hützel das ! Scherffer 413 ; poln. hycel.
ho, in^j. Zuruf an Pferde und Kühe. Beim
Treiben der Kühe folgende Zusammen-
setzungen mit ho: beim Austreiben:
höras ho ho! oder höraa horas ktlahd!
oder : hönas hdnas hönäs hö t beim Ein-
treiben : hflrei hdrei > oder hönei hdnei t
Holter, m. Haken. — hoekern,hae-
kern, schw. vb. haken, Haken machen
bei schlechtem Stricken und Schreiben.
Hocke, Hucke, f. 1) Last, die man
aufhockt. Bürde; 2) der Rücken als
Trüger der Bürde. Redensarten : sich die
Hucke voll lachen ; einem die Hucke voll
lügen ; vgl. nordböhm. einem die Hucke
a bissei richten: ihn ausschelten. —
Huckesalz tragen: ein Rind auf dem
Rücken tragen. — Auch oblausitz. —
Pfad hucke: Pfadhoker, Wegelagerer.
Stenzel Tzschoppe Urkundensamml. 838.
— hockern, hökern, schw. vb.
frequent. zu hocken : 1) kauern ; 2) auf-
hocken, aufspringen ; 3) klettern. — ho-
ckerdicke , vgl. dick.
Höksch, m. zudringlicher Kerl; für
Haksch : Eber, vgl. Heke.
Holhippen, f. zusammengerollte Oblaten,
hohle Hippen ; kippe der deutsche Name
fSrOblate. Frisch 1,455.— Unter
teten Namen waren die Holhippen im An-
fang dieses Jahrb. auch noch in Schlesien
bekannt. Noch österr., bair., schwib.
holhippen« ho Iii per n, hallip-
p e r n , schw. vb. höhnen, sticheln, spot-
ten ; und ihr schandfleckt und hollüppert
enander hi, wie die kleine beschissene
kinder. A. Gryph. gel. Dornr. — und
ich werd auf alle weis ausholippet
ausschantirt. Scherffer 4S4. Noch in
Schleaien gebraucht, wie in Oesterreich,
Baiern, Schwaben; in der Oberlausilz
ebenfalls sammt einem Subst. Holipel,
Holips: einfältiger Mensch (Anton 8,
23). Der Stamm ist hippen ; Schweiz,
huppen : auszischen. Stalder 2, 63 ; wie
nun aus wanken ein verstärktes holwan-
ken gebildet wurde (ein hollwankert-
aches Wort = hin- und herwankendes,
zweideutiges. Abele seltsame Gerichts-
händel 2, 305; 8. Aufl.), so
pen ein verstärktes holhippen.
Holle, der Name dieser
Göttinn ist in der Entstellung zu Höle
noch in Schlesien bekannt , und zwar
in: Popelhöle, Frau des Popel-
manns, w. z. s. — 8 p 1 1 1 a h ö 1 e : Spil-
len- oder Spindelholle, gespenstisches
Wesen , das sich um den Fleiss der
Kinder, namentlich beim 8pinnen erkun-
digt, und den faulen eine Zahl Spillen
hinwirft, die sie binnen gegebener Frist
abspinnen müssen. Im Gläzischen und
Troppauischen Spilladrulle. Weil
die Spillahöle als vermummtes Gespenst
gedacht wird, überträgt man ihren Na-
men und den der Popelhole auf verhüllte
vermummte Personen (Retchenbach,
Langenbielau).
Holz, H u 1 z , n. Du würdest dich zu
einem hölzlin lachen. A. Gryph. Seug-
amme. — Knieholz, die verkrüp-
pelten zwergartigen Kiefern auf den
hohen Kimmen der Sudeten ; aus ihrem
Holze werden allerlei Sachen gedrech-
selt, die in den sch leaischen Bädern und
auf dem Gebirge feil geboten werden. —
Als Stämme Knybolz sich auf dem Ge-
birge zeigen. Stoppe Parnass 401 ; bei
Lohenstein Armin 1, 13, steht dafür Krum-
holz. — Holzbock, übertragen auf
ein wildes Mädchen ; vgl. tuo nit als ein
hoizpock wild. Kl. Hätzlerin 94.
Hoppe, vgl. Hans.
hoppen, schw. vb. hüpfen ; eine ebenso
hd. wie nd. Form ; mhd. hoppen, Schweiz,
hoppen, nd. hoppen, dän. hoppe, schwed.
hoppa. — Hoppepferd: Grashüpfer,
Heuschrecke. — hoppern frequent
hüpfen lassen , namentl. auf den
schaukeln : dabei der Spruch :
Hopp hopp Reiter!
wenn er fällt, da leit er,
er wider ufstieht,
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hopsen: hüpfen, bair., Schweiz. —
Hopser, m. 1) Sprung, Tan« ; 2) der
Hüpfende. Bachhopser : Spottname der
Bachbewohner; so werden die Ernadorfer
von den Reichenbachern B. genannt.
Stoppelhopser : Spottname der Bauern.
Hose, f. 1) wie hd. 2) Hülse ; Klee in Ho-
sen, d. i. in den Satnenklappen. Redens-
art: Sis Jacke nk wie Hose; s'is Hose
wie Jacke nnd Strümp wie Niederschuh
=3 es ist ganz gleich , es kommt auf
eins heraus. Hosengatter, Hosen-
kascher, Hosenlatz, Hosen-
thür e I : derselbe Theil der Hosen,
hot, Zuruf an Wagenpferde für rechts,
sehwade für links; statt schwade in
einigen fiependen (Reichenbach, Lieg-
nitz, Trebnitz, Öls) hier giste, eine
Deutung des nd. harwist, links. Schwade
wird ohne weiters gleich links gebraucht
Hot ist fast allgemein obd. und nd. in
der Fuhrmannssprache ; für links ver-
zeichnet die andern Ausdrücke Grimm
Gramm. 3,310. Vgl. ferner FastnachUp.
248, 4 : hotte host sunder und swuder
herein. — Stenzel Scriptor. 4, 282 do
sei der kotsche schwude zugefahren nach
Panewitz. — Logau n. 536.
Wer mit pferden reden wil,
Darf den Amadis nicht »II,
hotte stob, tschwnid und o !
wer es kann mit fuss band mnnd,
kann der spräche meisten grund.
Neu anfgebutxter kurzweiliger Zeitver-
treiber (1700 o. 0.), S. 526.
Wnh segnes propellit equos, o -deti-
net illoa,
hotta tenet dextram, servat tibi füste
(scbwude) sinistram.
Von diesem hot die Bildungen der Rin-
dersprache: hotto hi machen: fahren;
hotto, holtel, hottohi: Pferd. — Schweiz,
hotten, fahren; Hottel, Huttche, Hotti-
huh : Pferd. — bair. Hottelein, hottein.
— nd. Hopeerd.
Hotzsel, f. dürres Stück Vieh. — schwib.
Westerwald, oberlaus. Hutzel: gedörrte
Birne ; hutzeln (fränk. obpfüls.) zusam-
menschrumpfen.
Hübel, m. mit dem Deminut. Hiberle :
Hügel ; auch oberlaus, nnd nordböhin.
— Hügel ist in Schlesien nicht bräuch-
lich ; Hübel kommt auch in den Dorf-
namen : Giesshübel, Krummhübel, Stein-
hübel in Schlesien vor, ebenso als Fami-
lienname, mhd. hüebel, hübii ; mnd. huo-
vel, Dürnberg. Büppel, mrhein. Hubbel,
westfäi. Hüewel, nl. nrhein. Hovel, Heu-
wel. — Das Wort theilt sich mit Hügel
und Bühel in das deutsche Land ; es ist
vorzugsweis md. und westniederdeuLsch.
Hübel bezeichnet seiner Herkunft nach
im allgemeinen Erhebung, wesshalb in
der Jägersprache die kleinen Erdbiuf-
chen in den FusssUpfen der Hirsche, und
schweizer, ein Klümpehen oder Knäuel
ebenfalls Hübel heissen; nl. Hobbel • Hol-
per, Höcker, Knoten.
Hüffe, f. Hüfte (Reichenbach). — ahd.
huf, mhd. und obd. hüffe. Frisch 1, 472.
hüllen, schw. vb. winden, wickeln : Garn
hüllen.
Hummel, f. gewöhnlicher H u m m 1 e r, m.
— Wilde Hummel : wildes Madchen. —
Hummeln haben : vor Sorgen unruhig sein.
Humpe, Humpen, schw. m. Stück Brod.
Nd. Wort, auch din. Humpling : Fetzen,
Fladen. Humpe kommt übrigens auch
schwib. vor. Schmid 201.
Hüneprlttt drum sie auf der krücken ritt
und sich stellt als hünepritt.
Scherffer 642. — ?
Hund, m. vor die Hunde gehn:
zu Grunde gehen ; mer hau a halba Acker
umwühlt, der ganze Summer is vor die
Hunde geganga. Stoppe Pamass 535. —
Die Zeit waren J. F. G. Instig und guter
Dinge, hiessen einen hund schla-
fen und sorgen. Schweinieben 2,
73; ich aber blieb bis an den drit-
ten Tag alda und Hess einen hund
trauern, der nicht zu fressen kann
bekommen. Ebd. 2, 82. Hundel, n.
frieren wie die Hundel. — Hunde-
kirche, Schlucht in den Trebnitzer
Hügeln, dem Katzengebirge. Auch bei
Mergentheim im Würtenbergischen gibt
es eine Hundskirche, d. i. ein Kalkstein-
loch, wo der Sage nach ein Hund einen
Schatz bewacht. Panzer Beitrüge zur
deutschen Mythologie S. 140.
Huppe, f. kleine Pfeife von Weiden- oder
Holiunderrinde, die einen schnarrenden
Ton gibt, nd. Hupup. — schwab. Hupe,
Hube : Horn oder Rohr um in die Weite
zu rufen ; hupen : durch die Hope oder
die hohle Hand rufen, Schweiz, hupa,
pupa, bair. steh*, huppen : durch einen
Ruf sich in die Ferne hin kund geben.
Hure, f. nackte Hure: die Herbstzeitlose,
Colchicum autumoale.
Hürdler, m. Fuhrmann mit Holz und
Frachtgütern , wahrscheinlich wie schon
Frisch 1, 478 erklärte, von den Hürden-
oder Flechtenwagen. — Hürdler-
p f e r d : da ihre Pferde gewöhnlich zu
den schlechtesten gehören , überhaupt
Name eines abgetriebenen geringen
Rosses (Breslau).
Husch, das rasch vorüberhuschende:
a) kurze Zeitweile : auf einen Husch
jemand besuchen ; auch oblaus. ; b) rasch
vorübergehender Regen. — rhein. Jusch.
huschen, schw. vb. raufen. — Husche,
f. das raufen der Haare.
Calvus der ganz kahl am köpfe, meint
man, werd ans holz noch kleben :
sorgt drum selbsten wie der benker
ihm wird doch die husche geben.
Logau n. 2269.
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husche — Irtc.
geschickt bei seilen ein-
zupacken,
soll ihm die Schwarte nicht von mancher
Husche knacken.
Günther 418. — Schweiz., schwäb., bair.
Husche : Ohrfeige ; rhein. Jusche : Tracht
Prägel.
hüsche, Lockruf der
gansei : Ginschen.
h us ehern* schw. vb. ei nhus ehern : zu-
sammenkauern, einhüllen. — bair. hu-
scheln: sich vor Frost schütteln.
■t, m. Husten; auch bei Logan 1323.
— ebenso Fastnsp. 94, 16; 243, 26.
I.
ja, bei Gryphius jo, in der Grafschaft Glaz
und an der böhmischen Grenze jft. o j a:
adjectirisch in der Bedeutung „wahr"
und als vornehmer wie dieses gebraucht:
sis o ja (Kolbnitz bei Jauer).
jaedern, schw. vb. herumjagen , umher-
schweifen. Ableitung von JAd , Jagd,
oblaus. jägern.
Jnner, m. Vormäher (Silber bei 8prottau).
— Der Jan : Streifen Getreide, Gras,
Furche Kartoffeln, die zu ernten sind ; obd.
md. allgemein. Schnieder 2, 268 ; Höfer
3, 86; Schmid 294; Stalder 2, 72;
Schmidt 78. — mhd. jAn, jAnen, gewin-
nen ; frz. gagner.
JtYr, J d r , J d r , n. ze Jore : voriges
Jahr. — Die mhd. Bedeutung von ze
jare, nächst«» Jahr, bei A. Gryph. gel.
Dornr. ze jore ward ich denn a gefre*ter.
— Gross Neujahr, wie allgemein
Dreikönigstag, und in folgender Redens-
art für die bildliche Darstellung der h.
Dreikönige : stibt a doch do wie a gross
Neujahr (Gomolke).
Ichts, etwas, begegnet noch bei A. Grrph.
Gibeon. 581 ; schwärm. Schiif. 673; Lo-
henstein Ihr. Bassal, 12. 13. — icht
was, etwas. Scberffer 280. 541. —
Grimm Gramm. 3, 51 f.
jeeben, schw. vb. jagen, trans. und in-
trans. — sich a b j e c h e n : sich ab-
hetzen, durch Laufen erschöpfen. —
Je che, f. jagende lärmende Menge,
für Rinder und Thiere gebraucht, ober-
laus. Jecht. — mbd. jechen. M. S. II.
3, 113; jechung im voc. praedic. bei
Tobler 284. jfichen, fugare ; Jächer, Je-
chling. Stieler 876. elsäss. jöchen : jagen,
treiben, umherlaufen, schwäb., Schweiz,
jauchen, jeichen, steir. jiuken; vgl. nd.
jachtern. — jechen verhält sich zu jlu-
chen wie Schechen (w. z. s.) zu scheuchen.
jener, pron. vgl. Dialektforsch. 141. —
jennrfbend: gestern (vgl. hinte). —
jenntAg, jenntig, jemtj: neu-
lich. — „jemtge ist ein solches Wort,
dass das schlesische Bauernvölklein sehr
in Brauch hat, damit einen gewissen Tag,
wenn der ihnen nicht bald zu benen-
nen wil, meinend." Scberffer Ged. 584.—
jessjärig: vorjährig.
jesen, jnien , st. vb. gähren. Der An-
laut wechselt mit j und g regelrecht
vor e und i: j vor e, g vor i; vgl.
mhd. jehen hierfür. — da gischt e^r
schäumt und schnaubt, Opitz 1, 9. —
e r j ä s e n (ptc.) ergohren , namentlich
von Eiter aufgeschworen (Trebnitz). —
durchjäsen: durchgoren von Schweis«
(Reichenbach). J ä s c h t , m. durchgän-
gig und richtig von den schlesiscben
Dichtern geschrieben. Lohenstein Ihr.
Bassa 1, 10; Agripp. 3,519; 3, 725;
Günther 493. — Allgemein deutsch ; das
Wort musste aber wegen seiner festen
Regelmässigkeit in der Form hier auf-
geführt werden.
Jenas, Herr Jeses,Jess; Jekerscb,
Jetersch, Jettersch; Jeker-
las, J «Iter las; Jdmine, Jener.
Je- je"! — je nei, je" nei! je-
sein, schw. vb. jammern , namentlich
kntzjammern. „kotzen" und jeseln" (Bres-
lau). — Schweiz, jeeeln und jesenen.
Stalder 2, 76.
tlst, adv. „ilst ist ein Schlesisch Bauern-
wort , heisst so viel als zu zeiten , zu-
weilen." Scberffer Gedichte 585. — ilsta
(Glaz) ; ilstemal (Reichenbach, Glogau).
henneberg , hess. alst, alstemal, aus als
mhd. alles; vgl. Grimm Wörterb. l t
246. 262.
Ilster, n. Iltis, zuweilen auch für Ratte
gebraucht. Du dies Ilster ! Schelte (Lan-
genbielau) ;vgl. zu der Bildung din. Uder,
schwed. Hiller : Iltis.
Imbiss» m. lause, f. Frühstück der
Feldarbeiter um neun Uhr (Neusalz) ; vgl.
die spätere mbd. Form immez, nd. Imt,
schwäb. Immes, Immis.
In<te,adv. 1) irgend (Oppaland) ; 2) immer-
hin (Glogau) : je stirb inde hie ; kioit
inde hin. A. Gryph. gel. Dornr. — mhd.
iener, iender.
Inlet, Indelt, Innelt, in. die Bett-
federkissen , über welche der Überzug
kommt; nd. Inlede, lnlid; eigentlich
„Einlage" in den Überzug.
Ihne, pron. poss. der 3. plur. ans miss-
verstandener Höflichkeit für Ihr ge-
braucht. Da ist Ihne Hut (Reichenbach).
Auch bair., österr. ; vgl. Schindler
Grammatik §. 732. 744.
Inselt, n. Unschlitt, ahd. unslit. - In-
sellicht: Talglicht — SchmeUer 1, 85;
Schmid 5-5.
irne, vgl. erne.
Irte, vgl. Ürte.
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jükeln — kammein.
chlecht tu | werden:
den. — -
adj. jung werden: geboren I Brem. Wörtern. 2, 709.
jukeln, j ü p e I n , scfaw. Tb. schlecht tu i werden : In dein Jahre bin ich jung wor-
Pferde sitzen, den. — Allgemeiner : Schneller 2, 268 ;
k »backen, schw. vb. durchprügeln (Rei-
chenbach). — Die Bildung -ak-en darf
nicht irren, ebenso wenig wie bei dre-
schaken. Kabaken ist Weiterbildung von
kn j>|>f ii , das in älterer namentlich obd.
Sprache für derb ausschelten, ohrfeigen
begegnet. Frisch 1, 500; Schmeller 2,
316 ; Stalder 1,86. — Zu erwähnen ist
nd. kabbauen: sich lärmend tanken.
Kahache, f. altes wackliges Gebinde;
ebenso in Danxiger Mundart (Förstemann
bei Kuhn 1, 41). Die liefischen Deut-
nennen wie die Polen und Russin
Kahak eine Schenke. — Zu vergleichen
Holstein. KaliulV : altes schlechtes Zimmer
(8chütze 2, 209). nd. Kabuse, dän.
Kabvse, schwed. Kabjrsa: Schiffsküche;
engl, cabine : Kajüte, Hütte. Zelt Ob
wir das allen diesen Worten tu Gruude
liegende Kab im Keltischen suchen sol-
len , wie Diet roman. Wörterb. 86 für
cabin, cabinet, cabane will, oder ob wir
nicht lieber ein nd. cab, caf aufzustellen
haben, wozu Kobe, Kofe, gehört, möchte
sich zu Gunsten des Deutschen entschei-
den lassen. Vgl. auch ahd. chupisi : Hütte.
Kachel, f. die alte Bedeutung Gefäss hat
sich in dem ebenfalls früher oft er-
scheinenden Seichkachel erhalten, das
man zuweilen noch hört. — Ofen-
kacheln mit Sand oder Sägespänen ge-
füllt, dienen auf dem Lande blutig als
Spuckknapfe.
Kartei, Kasel, m.Russ.Ram; Kadels-
r d m. Man versteht darunter besonders
den im Handel vorkommenden Kienruss,
der von dem Kadelsmann in ganz klei-
nen Fässchen auf einem Schiebkarren im
Lande verfahren wird. Der Sack, in
welchem der Rosa über dem Herde auf-
gefangen wird, heisst Kadelsack. — In
einer medicin. Handscbr. des 14. Jahrh.
kadel: Unreintgkeit im Öl. Fundgruben
1,378. Bei Schert 749; Frisch 1,495;
Kad: Rnss; oblaus. Kadel: Kamin. Vgl.
aslav. kaditi; poln. kadic: riuchern.
kAfera, k ä w e r n , scbw. vb. schwatzen,
plaudern. — Kawergritte: ge-
schwitziges Frauenzimmer. — G e k a-
f e r e : Geschwätz. — kafsen,kaf-
t e n , schw. vb. mit gleicher Bedeutung;
auch vom Hundegebell gebraucht. —
oblaus. westphil. kiffen : kläffen, hosten ;
Schweiz, kafeln: plappern, keifen, nagen ;
rbein. kiuern: langsam sprechen, nd.
kauein: schwatten, zanken; holl. ost-
fries. kavelen: plaudern, reden. Vgl.
ahd. gachewen: vocare.
, schw. vb. hocken, kauern,
aus diesem Wort entstanden. Frisch
1, 427 deutet kauern aus gehauren, desi-
dere bei Pictorius; indessen heisst es
auch engl, cower. — fränk. hess. kau-
chern, hauche.
Kaffer, K äffe r , m. Gaffer, Gucker, mhd.
haphasre; erhalten in der Bedeutung
1) herausgebaute Dachluke, die mit einem
Liede verschliessbar ist; hat der Kuller
ein Fenster , heisst er : Kafferfenater :
; 2) Latz, Hosenlatz : Hosen-
Auch oblaus. — k a f f e r n : gaffen,
klaffen; der Schlitz der Röcke kaffert.
Kalb, n, Feuerkalb: Rohr durch wel-
ches die Feuer angezeigt werden. —
Von einem altfränkischen Menseben sagt
man: er is vo damals, wo underm älen
Fritze der K a I b s k nppümzwe' Grüschel
war. VgL Holtet schies. Gedichte 67. —
Kilbermelker, Spottname auf Graf
Dohna, »den Seli^macher," der neben
der Durchführung des Restitutionaedictes
auch neue Steuern brachte, und auf die
Kuh vier Kreuzer wöchentlich auflegte.
Wuttke Schlesien 2, 37.
Kalinkenbere, f. Wasser ho Runder, Vi-
burnum opulus; poln. kalina.
kalitschken gehn: die Schule schwen-
zen(Reicbenbach). — Vgl. schwäb. zgala
gehn : Besuche machen ; bair. galauschen
in folgender von Schmeller 2, 29 aus-
gehobener Stelle: nit zusammenlaufen,
schwezzen, galauschen und niederritten,
kallanchen , schw. vb. prügeln, hauen ;
durcbkallaschen. — Kalla'sche, f.
Prügel; nd. gallern, begaliern, dörgal-
lern : schlagen. Brem. Wörterb. 2, 478.
Kaiuder, ein- und zweispännige Plau-
wagen, die aus der Breslauer Odervor-
stadt nach den nächsten VergnÜgungs-
orten (Oswitz, Rosenthal u. s. w.) mit
md übervoller La-
schlechteu Pfe
dang fahren.
Kalünken, pl.
(Reichenbach), Demiuutiv des nd. Kalune.
Kalüppe, f. Hütte, baufälliges Gebäude ;
auch in Böhmen, Mähren, Österreich ;
oblans, Kalnpche, weatpreuas. Galupe.—
Slav. Wort: poln., böhm. chalupa.
kammein, schw. vb. kämmen : die Wolle
oder den Flachs auf dem Kammeieisen,
einem viereckigen mit Drathzähnen be-
setzten Breto, aufkratzen. Die Kammel-
eisen sind an einer Bank festgemacht,
welche das Kammelrössel
heisst. Vgl. Frisch 1,
— kampeln: «..**.,,■,>...
— o - ,
I ffanz poetisch
498 und uutea
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i
40 kampeln
karmanzeln.
aufkratzen : er muu ihm kampeln auf 1
sein graues wich teih aar. Scherfler 441 ;
Scbmeller 2, 301 ; Stalder 2, 84.
kampeln , schw. rb. streiten, zanken ;
sich kampeln, herumkampeln. Gekam-
p e I, n. Streit, Zank. Vgl. Mich. Beheim
Buch v. d. Wienern 246, 12: von dem I
auch aller kampel awitracht und baderung
erschain. Bair., schwib. Vod Scbmeller
und Schmid xu Kamp s Kamm gestellt
Kaenicht» n. der junge Kiefernbestand von
12 — 15 Jahren. — loh habe früher hier-
bei auf das poln. chojna, junge Fichten-
waldung, hingewiesen, wogegen Dielen-
bach in Kahns Zeitschrift 2, 54 mir ein-
geworfen hat, das Wort habe echt
deutsche Bildung. Dies habe ich nie ge-
läugnet; ich behaupte nur, dass das ae
sich eher ans dem poln. oj als aus ie in
kien entwickelt, und der Stamm von Kfi-
nicht also trotz der Urverwandtschaft
mit deutschem Kien, aus dem Poln. her-
übergenommen wurde. Die meisten Ein-
wanderer bemühen sich die Bildung der
neuen Heimath anzunehmen.
Kanne« st. f. Wasserkanne: rundes
hölzernes nach oben sich verengendes
Geffiss, eine Elle hoch, mit einem hölzer-
nen Henkel. Zwei Kannen Waaser ma-
chen eine FarL Kannen und Zuber sind
die notwendigen Küchengeräte für das
Wassertragen ; sie stehen so zusammen
wie sie Wolfram v. Eschenbach im Par-
zival 184,23 setzt: sich vergdz da sel-
ten mit dem mete der zuber oder diu
kanne. — Sie hat gute Wasserkannen,
sagt der derbe Witz von einem diok-
beinigen Frauenzimmer. — Geschwolleu
wie eine Wasserkanne: von der Bein-
geschwulst Wassersuchtiger.
Kant, n. langes viereckiges Stäbchen,
als Lineal in den Schulen gebraucht ; nach
den vier Kanten benannt.
Kante« f. Ecke, Rand; schlesisch ganz
gebräuchlich, nd. Kant.
Kappe, st f. 1) ursprunglich ein den
ganzen Körper bedeckendes Gewand, vgl.
meine deutschen Frauen im Mittelalter
449. Wir müssen diese Bedeutung an-
nehmen in den Redensarten: einem die
Kappe waschen: ihm derbe Vorwürfe
machen, und in der gleichbedeutenden,
mir heute nicht mehr vorgekommenen,
einem eine Kappe geben, zuschneiden :
mit welchem denn J. F. G. übel zu-
frieden gewesen und den abgesandten
»tätliche Kappen gegeben. Schweini-
chen 2, 247; itzo aber geht es über
Kesseln her und ich helfe ihm die kappen
fleissig zuschneiden, ebd. 2, 361. Bei
H. Sachs : alte kappen geben. — Kappe für
Kutte : eine mummerei, welche ich auch
machen liess auf sechs personen, als drei
münche und drei nunnen , in weissen
kappen mit roten zeckeln. Schweinichen
2, 94; vgl. Frisch 1, 800. 2) Kopf-
bedeckung: Rothkappe, ein Rolhbemütz-
ter; auch ein Pilz mit rothem Kopfe
heisst so. Schwammkappe : schlechte alte
Mütze. — Namentlich heissen Kappen die
schönen herzblattförmigen Hauben der
Landfrauen , die eng am Kopfe anlie-
gen, mit Spitzen oder Streifen besetzt
sind und hinten in eine Schleife mit
langen Bindern ausgehen. Bei reicheren
ist die Kappe von Gold- oder Silberbro-
cat ; beim Abendmahl und den Leichen-
begängnissen ist sie schwarz mit weissen
Streifen. Die Kappe ist die bessere Kopf-
bedeckung; für gewöhnlich wird die
Kommode getragen, w. z. s. 3) Getreide-
oder Heuhaufen» der zum Trocknen auf-
gestellt ist; eigentlich die darüber ge-
legte Deckgarbe; einkap pen , das Ge-
treide in Schober setzen (Jauer).
Kappelüpieler« m. Taschenspieler (nördl.
Niederschlesien). Die riebtigere Form
wfireKapspieler, d. i. Kapfspieler, Schau-
spieler ; vgl. mhd. kapfspil, Schauspiel.
Passional III, 302, 27. 498, 67 (Köpke).
Kapsch, m. Kleider tasche der Frauen-
zimmer, Schubsack. — einkapsen,
einkabschen: in den 8chubsack stecken,
einsacken (Schömberg). — Nordböh-
misch : die Gapse , poln. kapsa, kapsza :
Tasche, Beutel. — Wohl von latein.
capsa : capsa dicta quod capiat in se
atque serret aliquid. Dufresne.
knransen, kuranzen, schw. vb. 1) pla-
gen , quälen ; nd. karanzen, kurranzen :
peitschen , prügeln , westfäl. kranzein.
Ist das Wort als eine Ableitung von dem
obd. zu belegenden keren, kären : necken,
ärgern (Scbmeller 2, 321) zu fassen? —
2) herumlaufen, umherschweifen. Ablei-
tung von karren, herumkarren: herum-
fahren ?
Kartie, st f. Kümmel, carum carvi. Frisch
1, 501 ; nd. dfin. Karve. — Karbe-
striezel : länglich runde Semmel mit
Kümmel bestreut.
Karl, Karle. Der edle alte deutsche Name
muss sich manchen Neckvers in Schlesien
anheften lassen:
Karle Schnarle Farzabdn,
j'4 de 41a Weiber hem.
Karl am An
hots Weib der schiin,
s Kind derbissa,
in Dreck geschmissa,
ufgehoba,
in Mist vergrob*,
Karla mei Sftn
kan sechserlei thun :
kau fidein, kan geigen,
kän Hiberstruh schneiden,
kan ackarn, kan saen,
kan Farzla verstraen.
karmanzeln, schw. vb. sich bespassen,
Scherze mit einander treiben, stets von
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41
Personen verschiedenen Geschlechtes ge-
braucht (Reichenbach),
karnöffeln, karniffelu, schw. rb.
wie allgemein deutsch : prügeln, quälen.
— Karnöffel, m. quileriacher, launi-
scher Mensch. — Hier ist das Wort
besonders zu erwähnen, weil aich in neue-
ster Zeit in Landshut eine Karnöffel-
gesellschaft gebildet hat: ein Bür-
ger verein, der jibrlich ein Armbrust-
und Büelisenschiessen unter festlichem
Aufzuge abhält , wobei Geschenke,
welche die Mitglieder machten, verstei-
gert oder verpascht werden. Der Rrlös
wird einer Casse zur Unterstützung armer
Bürger übergeben ; der Stifter der Ge-
sellschaft ist ein dortiger Schneider. VgL
Schlesische Zeitung 1 850,Nr.l96, S.1669 ;
1854, Nr. 425,8. 1829. Ursprünglich war
eine Karnöffelgesellechaft eine Spielge-
sellschaft, die das vor mehreren Jahr-
hunderten beliebte Karnöffelapiel pflegte.
Scherz 762.
Kartauae, f. einen bei der Karts use
kriegen : beim Kopfe kriegen. Weit ver-
breitet : ao hin» ihn bald bei der Car-
thausen. Grobianus übers, von Hellbach
51 (1567) ; Frisch 1, 166; Schnieder 2,
333 ; Stalder 2, 90.
Kartelle, ein Wollenzeug des 16. Jahrh.
in einem roten samtstuhl mit roten
kattecken. Schweinich. 1, 102; vor mich
roten samt zum kleide mit roten kat-
tecken durchzogen, ebd. 2, 83. Die hosen
mit roten und weissen kattecken, ebd. 3,
78. — Auch bei Fischart Geschichtklitt.
e. 56. Vgl. Frisch 1, »02.
Karviäl, m. Blumenkohl, ans dem ital.
caralo fiore. — Schweiz. Karifiol, Kar-
dlfiol, Kartefiol. SUIder 2, 88.
kamen , schw. vb. verkarzen : die Fäden
des Garne* verwirren. —Vgl. nd. karren:
ungeschickt schneiden, verschneiden.
Kasche.f. 1) Grütze, Heidegrütze : He*de-
kasche ; poln. kasza. — 2) Kleister,
Pappe. Kascbedeckel : Pappdeckel.
Ka«che, f. polnische Koseform von Ka-
tharina: Kasza; wie Grete und KHte für
Müdeben oder Frau überhaupt gehraucht :
der vierte soate , ich hoa menner Kaache
ann Kannvel Wasser überm Kuppe runger
gegussa. Stoppe Parnass 510. Vgl. Kate.
kaschandern, schw. vb. herumstreifen,
bei Scherffer 556:
keiner die zu weit gewandert
und im land herumkaschandert
Die Bildung ander, die wir auch in La-
bander und plachendern sehen, verhüllt
uns den Stamm kasch nicht, der auch
auftritt in dem ähnlich bedeutenden
kaschela, schw. vb. gleiten auf der Eis-
bahn, schindern. — K a s c h e I, f.; Eisbahn.
— An das hebräische werden wir
nicht denken dürfen trotz' der gleichen
Bedeutung: gleiten.
Kaese, Käse,m. Die seh lesischen Zie-
genkäse, Koppenkäse, Kräuterkäse kön-
nen sich unter ihren Brüdern dreist
schmecken lassen. Die kleinen Quärgel
kommen den berühmten Olmützern nahe.
— Kisenäppel, die Fruchtböden der
wilden Pappelrose (Malra rotundifolia) ;
bei Fischart Gargantua S. 196 (1590)
Pappelskässlin ; vgl. auch Frisch 2, 39.
— Käsebrod- freier: flatternder
Liebha her :
aber die andern Buler von Flandern,
Kasebrod-Freyer Migdegeheyer.
Scherffer 476.
Kaspar, Kaschper, selten in Schlesien.
— kaschpern mit einer : sie lieb-
kosen, meist im stärksten 8inne ; vgl.
schwäb., bair. kaspern : necken , pla-
gen; aber Kasperschmalz anstreichen
heisst dort schmeicheln.
Kasten, m. Lade, Trübe. Ein echter
Kasten ist blau oder roth angestrichen
und mit grossen Blumensträussern be-
malt. Ein Mensch wie ein Kasten: grosser,
starker Mensch. — Beikästel: Sei-
tenbehäitniss im obern Rande des inwen-
digen Kastens, zur Bewahrung kleiner
Gegenstände, das Schmuck- und Spar-
kästlein der Landfrauen. «Das ist noch aus
der Grossmutter Beikästel« sagt man von
lange nicht gesehenen oder gehörten
Dingen. — nd. Bilade.
Kantraun, m. Schöps, Hammel s dem sag
ich dass die Rh auch süsser pflegt zu seyn
als fett Kaschtraune Fleisch gekocht mit
geelen Rüben. Scherffer 537. — Aus dem
ital. castrone in die süddeutschen Mund-
arten, die es noch bewahren, gekommen,
und von hier weiter nach Norden ge-
drungen.
Kate, Käthe, Katharine. Folgender
ikonologiseber Denkvers wird oft genug
auf weltliche Schöne angewandt :
Barbara mit dem Thurm,
Margretel mit dem Wurm,
Kathrindel mit dem Rädel,
das sein drei schöne Madel.
(Österr. Schlesieu). Witterungsvers auf
Kntharinentag (25. November) :
Kate stell ok 's tanza ein,
du must im StalJ beim Vieche sein.
Vgl. Böbel Usus- und Feldweisheit. Ber-
lin 1854, S. 54. — Kitel: Rotkatel:
Rothkelchen. Rotkatel oder btos Kate!
fangen t vor Frost eine rothe Nase krie-
gen. — KotkAteihaum : Evonimus, Vo-
gelbeerbaum, Spillbaum ; vgl. die ver-
schiedenen Namen desselben bei Popo-
witsch Versuch einer Vereinigung 548 f.
katern, katzen, katsehen, kot-
teln, kudeln, schw. vb. verschie-
dene Formen derselben Bedeutung : ver-
wirren, verderben, namentlich Fäden und
Haare verwirren; für letzteres beson-
ders kotteln nnd kudeln : wirren, zausen ;
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42
Untschen — kllstern.
die Kotteln oder Rudeln: Loden,
wirre Haare; k Adlig: wirrhaarig. Ru-
deln ist indasPoln. übergegangen : kudly,
langzottiges Haar ; kudla, zottiger Mensch
und Hund. — katern wird vorzüglich
Ton dem verderben der Wische durch
schlechte Behandlung gebraucht, ver-
waschen; katzen, katschen Tora wirren
der Fäden ; Ratache, rerworrener
Fadeiiknoten; vgl. das gleichbedeutende
schwfib. Rautsen.
kataehen, knatschen, achw. vb. kauen,
zerkauen. — k atschig, adj. zer-
kaot, weich, weichlich; weichkatsehig,
dasselbe. — knatschen führt auf kneten;
verwandt sind bair. schwfib. knötschen,
knotschen, knutscheu, Schweiz, knut-
schen, kätscben : kauen.
Kascher, Rascher, m. 1) Fiachbamen,
wie hd. und od. 2) Hosenlatz, Hosea-
kascher ; vgl. hierbei Fastaacbtsp. 640,
14 den Fiach darein pringen.
Katse, Kitsche, f. Redensarten : ein
beschfimter zieht ab wie eine gebadete
Katze; vgl. H. Sachs 1, 483 (1560) die
brocken schlicket der nasse Kuab und
zog ab wie eine nasse Katz. Was put
in die Kele läuft, lauft nein wie 'ne
barbaeKatze. Geht etwaa wider Er-
warten: „ichwin m's Ratzel fi r sch-
lich." — Die lichten Wolken daa sind
die rechten Katzen, heisst es von weissem
Gewölk. Die Strabelkatze ziehn:
aich zanken und raufen, namentlich von
unverträglichen Eheleuten gebraucht.
Bei Berndt: die Stragkotze ziehn; ob-
laus. die Strauchkatze, die strenge Kutze
ziehn; henneberg. die Streng katze ziehn;
in den Faatuachtap. 38, 26 die strebe-
katzen ziehn; nd. Strevekatt: wider-
spenstiges Frauenzimmer. Vgl. Schindler
2, 34S; Zarncke zum Narrenschiff 64, 31.
Kandel, n. zwei bis dreijähriges Pferd,
das noch nicht zugfähig ist.
Haue, f. 1) bühnenartiges Gerüst im Vieh-
stall, das in Fächer getheilt, die Schlaf-
stitten des Gesindes enthält (Reichen-
bach); nd. Koje, nl. kovi, diu. schwed.
koj. 2) hölzerne Hütte über der Schacht-
einfahrt (Waldenburg), bair. Kauen.
Schindler 2, 273. Schwed. koja, Hütte.
kaufen, schw. vb. wir a kent, dir werd
a ke*fa (Glizisches Lied) ; vgl. Fischart
Gargautua c. 28: wer euch kent, der
kauft euch nicht.
Kaule, f. Kugel; md.Rüle, Raule; schwed.
kula ; übergegangen in poln. knla. —
Kegelkaule; (iarukaulc: Garnknaul. —
Butter-, Fleisch-, Räsekaulen: KUisse von
diesen Stoffen. — Kaularsch: 1) Henne
ohne Schwanz, bess. Kullarsch, bair.
Keilarsch. 2) Froschbrut: Kaulquabbe,
Raulkrolen, nd. Kulpadden. Diese drei
letzten nicht sehlesischen Namen gehören
wohl zu nd. Rule, Grube. — k a u 1 i c h t,
kin lieht, adj. 1) kugelig rund, rahd.
kiulicht. Der kiulichte Berg : Name meh-
rerer schlesischer Berge. 2) schwan-
ger. — k 1 u 1 e r n, 1) schw. vb. mit der
Kaule schieben ; 2) intr. rollen, wälzen.
Vgl. Rulle, kullern.
kaum, adv. in der Bedeutung von eben,
halt, gebraucht: gut, da brauch ichs
kaum nicht zu sagen. Wenn diu nicht
magst, behalt ichs kaum.
kaupeln, schw. vb. Tauschhandel trei-
ben, feilschen; in der Kindersprache.
— fränk. thüring. kauten: tauschen,
bair. kaudern : mäkeln. Wechsel zwi-
schen t und p.
Keg-el, m. der lange hölzerne Arm, den
die Bierhäuser als lockendes Zeichen
b ^strecken ; übertragen : das Bier- oder
Wirthshaus selbst: llothkegel u. a. bei
Breslau. Frisch 1, 507.
Keike>, f. Keichhusten (Glogau). mhd.
klebe: daz asthma das ist diu ktche.
Fundgruben 1, 378.
Kellen» bei Schweinioben 3, 77: Kellen
zum gebraten, Deminut. von Kohle :
Rella (Reichenbach) wie Rella, Röllchen.
Kerb, m. Einschnitt, Vermerk auf dem
Rerbhols:
so sei das alte gern in dessen schooss
vergraben,
der drüber seinen kerb wol halten
wird und haben.
Logau 799. — Rerbe , f. gleichbedeu-
tend. Zwischen den Dörfern 8eichau
und Pömbsen im Jauerschen liegt eine
Bergschi acht , davon der Volkswitz :
zwizehber 8eche und Pumbsen gtt der
Wag durch de Rerbe.
Kerle, m. 1) Verwahrung gegen die Benen-
nung Rerl: wess a denn, was a Rerle
ts? — a Rerle ia a Soidreck. — Ist
auch bairisch. Schmeller 2, 329 ; 2) der
Geliebte des „Mensches ;" 3) Rarl (Glaz).
— Jungkerle, m. Jüngling. Ein rüsti-
ger Alter geht noch wie ein Jungkerle.
kifen, kfven, schw. vb. 1) kauen, na-
gen; auskiven : ausgekivte Samenkörner,
leere Hülsen ; 2) keifen : sie kieflet tag
und nacht. Opitz 1, 97. — kifeln,
frequeot. hierzu ; sis schade , dass ihrch
su mit einander kifelt. A. Gryph. gel.
Dornr.; Rernkron. 2, 722. — klfig,
adj. zänkisch, scharf von Worten. —
mhd. kifen, kiben. — österr., bair.,
achwfib., achwetz. — Die Bedeutungen
nagen und zanken gehen durch alle
Mundarten ; in den nördlichen überwiegt
die ethische Bedeutung.
Klfe, R ! v e, st. f. die Winde, von der
das Garn durch daa Spulrad auf die Spille
gedreht wird (Reichenbach).
kllstern, schw. vb. hüsteln, Schleim aus-
werfen. — Rilster, m. schleimiger
Auswurf. Auch oberlaus, obpfälz. bair.
kilsteru, geistern, gilgezen. Schmel-
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Kind - Klaustern.
43
ler 2,40. 293; obsächs. kelstern. Eine
Erfurter Glowe bei Haupt 2, 207 : viscum
quod est rindblood s. biliitr. Die Mar-
burger Handschr. liest gilliatr. — shd.
giis cerebrum. Die Grundbedeutung des
Worte« scheint Schleim; Tgl. auch
Qualster.
Kind, n. »WeO iedeman nun muss die
lieb gewinnen, so wolt iedwede frau bey
ihr sein liebes k i n d." Lohenstein
Liebeszunder. Wenn man wiederholt ein
Anerbieten ausschlagt, kann man hören:
immer nicht liebes Kind, immer ok du
strumpzälicher Hund. — Kindel-
markt: Weihnachtsmarkt, die leUten
acht Tage vor dem heil. Abend abgehal-
ten. — Kinderschmiede: Ehebett.
Stoppe Parnass 383. — hindern,
k i nd e 1 n , schw. vb. t) Kinder gebiren ;
ahd. chindon, mhd. kinden; weiter ver-
breitet, z. B. schwibisch kindern , kin-
dein ; nd. kindern. — 2) kindein : kin-
disch sein, tändeln:
Verdruss zu mindern
kindein Manner oft mit Kindern.
Logau 1082. Kindelei, f.
was in meiner jugend mayen
von der Venns kindeleyen
ich gezeichnet auf papier.
Logau 1150; vgl. Schneller 2, 310. —
kindschen, schw. vb. kindisch sein,
kindisch spielen und scherzen ; sehr be-
liebtes Wort. Auch oblaus.; obpfälz. kind-
einzen. Schindler 2, 310.
Kinkerlltzen, plur. Flitterstaat, z. B.
ein flinkerndes aber werthloses Halsband
(Trebnitz),
kirmcln, kernein, schw. vb. 1) lal-
len der kleinen Kinder, namentlich be-
zeichnend ihre Töne bei angenehmen
Empfindungen; überhaupt schmeichelnd
stammeln. Hfiufig bei den Dichtern des
17. Jahrhunderts:
was das liebe kindelein
wird mit h:i I b ein munde machen,
was es kürmeln wird und lachen,
werden lauter verse sein.
Opitz 1, 220. — als wenn das liebe kind
mit kürmeln und mit lachen an unser
haupt sich drückt. Logau 798. — vom
süssen namen söhn ein kürmelnd exem-
plar. Logau 908. Auch oberlaus, und
schweizer. 2) lärmen, schreien.— G ek e r-
mel, n. Lärm. Vgl. carmnla seditio,
lex Bajavar. 2, 3. ags. cyrm, Lirm,
westjifal.Kurmel, durch ein »ndertpreehen;
nd. nl. karmen, kermen: wehklagen,
stöhnen; schweizer. es kirmt: das Gerücht
geht.
Kitsche, f. Katzen weibchen, bair. Kitzin.
schwib. henneb. Kitze. — kitsch, kitschl
Lockruf der Katzen ; hiervon poln. kio*
kie! — kitsch aus! — res ok Kitsche!
Scheuchrufe der Katzen; bair. katsch
aus! — kitschein, schw. vb. Junge
werfen, von Ratten gebraucht, wie bair.
von Ziegen und Rehen. 8chmeller2,346.
kttx, keitz: kitzgrau, kitzblau: blau-
grau, hochblau (Reichenhach, Glogan);
auch bair. schwib. Schneller 2, 347 ;
Schmid 333.
kitzen, schw. vb. plagen : womit gekizt
sein (Reichenhach). Vgl.
kitzen, bekutzensich nm einei
jemanden befassen, um ihn I
klabastern, schw. vb. prügeln ; anch
ohlaus. — Ableitung von klapfen, klap-
pen, klopfen ; nd. klabastern : ungeschickt,
unordentlich herumlaufen-Schütze 2, 261.
Klabatachke, f. Klabatsch her , m.
Mund, Maul. Ableitung von einem auch
beim vorigen zu erwägenden klahcrn,
was im bair. = klappern ist : also das
Klappernde, Lärmende. — nrbein. Kla-
batter: Klapper, Klappermaul, ebenso
Klabot. Müller-Weitz Aebner Mund-
art 108.
klabustern, achw. vb. kleben, kleistern.
— klabustrig, adj. schmierig.
Kindt, f. Kleidung, Gewand. — In seiner
ersten rauhen klofft Scherfer Oed. 597.
Klaftel, n. nicht blos in deminutiver
Bedeutung. — oblaus. Klrfft, Kluft ; leztere
Form auch in einer Redensart, die Go-
molke aufführt: sis gar n Klufftspiel um
de grün Eche ; mir nicht klar. — bair.
Kliftel ; in der alten Gaunersprache klaffot.
Klneke, st. f. schlechter Rock. — kla-
c k e n , schw. vb. sich kl. = sich herum-
prügein. — Klacke ist das kleckige schmu-
tsige Gewand; nd. dän. Klak: Schmutz,
Kleks. nd. klak
steht die
schmieren.
Klamp, m. Krampf (Frankenstein). —
Nebenform zu Krampf, wie mbd. krim-
pfen und kl impfen neben einander stehen.
— bair. österr. Klampfe, Klammer,
klatsch, klatschen, wie hd. — Nebenform
Klitsch, klitschen. — klatschen»»* :
nass dass es klatscht. — Kl atschpelz:
Schafpelz, wahrscheinlich so genannt,
weil er ohne Falten am Rücken glatt hin-
untersizt, „klatscht", wieder schles. tech-
nische Ausdruck dafür ist. — Klitachel
Butter, n. Stückeben Butter, */ 8 Quart —
klatschen, schw. vb. plätschern. —
aus klatschkern: die Wäsche aus-
spülen ; übergegangen ins poln. klaskao.
Klaas muss im 10. Jh. in Schlesien sehr
beliebt als Vorname gewesen sein ; vgl.
Fiscbart Geschichtklitt c. 10: schöne
namen reizen auch zu schönen thaten,
darumb muss es Gargantuhisch auf den
glückfall ausserlesen sein , nicht dass
alle Schlesier Furmansdaus , Lübecker
Till etc. heissen.
Klaustern, pl. Lumpen, Fetzen, alte Klei-
der. — ? nd. Kluster, was dicht zusam-
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44 klelben -
klelben, st vb. kleiben and bekleiben
kommen in der alten Bedeutung: Worae!
fassen, ebensowohl bei den Schlesien) des
17. Jh. als noch heut*: allgemein schle-
sisch vor. Vgl. auch Cureus-Rätel (1607)
514 : davon sol der name diesem ort be-
klieben sein.
klemmer, adj. dicht, klebrig- (Breslau,
Trebnitz) : in klarem leite rm klemmern
Dreck (HofFmann Monatschft. f. Schlesien
227). — klemmig bei Frisch 1, 518. nd.
klam.
Klinke, f. Name eines kldnen Bergbaches,
der im Eulengebirge entspringt und nach
kaum zweistündigem Laufe bei Reichen-
bach in die Peile geht. An dem Einflüsse
liegt das Schloss Klinkenhaus , zu dem
mehre in Ernsdorf verstreute Hfiuaer ge-
hören. „Auf der Klinke" heisst nach mit-
teldeutschem Gebrauche die Ufergegend
dieses Büchleins. — ahd. chlinga, cblingo ;
mhd. klinge. Auch nhd. erhalten : Frisch
1, 523 der auch bei Frankfurt a. d. O.
einen Ort „die Klinge" anführt.— Schind-
ler 2, 359 ; Schmid 317. — Nk für ng
ist dem Schlesischen gemiss, vgl. Dia-
lektforsch. 38.
klinkern, klimpern, anzusetzen in
Klinkerding, klingendes Instrument :
welch auf klinker dingen
mit den blinden wol kan fingern.
Scherffer 559.
schwed. klinka pa ett piano. — Heute in
Schlesien, wie mir scheint, abgestorben.
klinseln, schw. vb. weinerlich klagen.—
OekÜnsel, n. — und martert unser
Herz mit thSrichtem geklinsel, Günther
467. — bair. klinseln : klingeln, klirren.
klitschen , s. klatschen. — klitschern:
klatschen, klimpern; gezahltes Geld klit-
schert — klitschig adj. nass dass es
klatscht; unausgebackenes Brod ist kli-
tschig.
Klitsche, f. kleines ärmliches Landgut,
„besonders auf lehmigem Boden." Holtei.
Klöss ( Kloessel, Kl Issel, n. Der
Schlesier kennt nur Klösse, keine Knödel,
Noggerln oder Klumpe. Es gibt Mehl-
klösse , unter denen die „wissenen"
(weizenen) die besteu sind ; KartofTelkl.;
Hefenkl.; Moh klösse zu Weihnachten;
Pfannenklösse = Pfannkuchen, Krapfen;
polsche Klösse: Bauerbissen, viereckige
weiche Pfeffernüsse (Brieg). — K I ö s s e 1-
h e n g s t : Taschenmesser. — Der Spruch :
e* Liesel zwe* Klissel, weist jedem Frauen-
zimmer das seine zu ; der Brustlatz heisst
daher die Klisselschosse, der messingene
Schnürriegel der Rührlöffel.
Klupp-hengst, s. Hengst.
Kluppel , Klippel, m. gleich hd.
Kluppe : Holzklobe ; übertragen auf
einen klotzigen Kerl. Auch oberlaus. —
Zu Kluppe vgl. Schindler 2, 360, Tob-
ler 110.
Klunae, f. 8chlucht, bei Scherffer 152:
aus der berge hölen und klunsen. Frisch
1 , 525 ; Schindler 2, 360 ; Stalder 2, 109.
Kraot, m. Schmutz, Dreck (nördl. Nieder-
schlesien). — Vgl. motschen.
knallen , schw. vb. 1) wie hd. —
Auf der Brücke zu Paris
sass ein altes Weib und schfss
in ein altes Butterfass,
sapperlot wie knallte das t
Von einem recht reinlichen Hauswesen
sagt man : es ist so rein, dass es knackt
und knüllt. 2) supprimere aliquant.
kBaspern , kn ispern, knuspern,
schw.vb. knappern, nagen. — knusprig,
adj. 1) scharf gebacken, dass es knittert,
wenn darauf gebissen wird. 2) lecker,
knutschen, schw. vb. knastern, hörbar
kauen ; natschen. — Vortritt des k vor
Liquide ist im Schlesischen mehrfach zu
bemerken. Dialektforschung 85.
knatschen, schw.vb. natschen, weinen.
Nebenf. knutschen,
knäubeln, kniumeln, knaumein,
schw. vb. nagen , kauen , von Menschen
und Thieren gebraucht. — Vgl. ausser
knaupeln und klüubeln (Schindler 2, 350)
nd. nl. knauen, knibbeln.
Knauf, Knef, st. m. Knauf. — Knefel —
Kniffelnulde : Stecknadel. Auch oberlaus.
— Vgl. bair. Knaffel. Schnieder 2, 372.
Kniuke, f. K n tf i k e r, m. kleines Mes-
ser zum Zusammenlegen, Taschenmesser.
Niederd. Wort, Verkleinerung von Knif,
hd. Kneif, Messer, das in allen gennan.
Sprachen und Mundarten nachweisbar ist
und von uns zu den Franzosen kam (ca-
nif). Dumme Vornehm thuerei macht aus
Knifike Kniefuge,
knirtreln , k n e r g e 1 n, schw. vb. 1) zwi-
schen den Fingern rollen, drücken über-
haupt, zerknirgeln : zerknirgelt zerknit-
tert zerwalket. Scherffer Oed. 409. —
2) quälen , verdrüsslich machen ; intr. -
verdrüsslich sein. — Vgl. nirgeln,
nergeln. — In den Schweiz. Vierwald-
sUdten nirggeln, nirggen : fingern, geizig
sein. Stalder 2, 238.
knirren, schw. vb. knarren : dass alles
knirrt und knarrt. Scherffer 43.
knischein, knescheln,knuscheln,
schw. vb. kauen, zermalmen , namentlich
bezüglich zäher Spdsen. — Vgl. knischen ,
Frisch 1 , 528; Schmid 319, henneb.
knuschen.
knitschen, schw. vb. knittern, zusammen-
drücken ; zerknitschen : zerknittern. —
K n 1 1 s c h,m.etwasZusammengedrückte8,
Gefaltetes: Knttsch Geld, Pack oder Beu-
tel mit Geld. — knttsch ig adj. kniltricb,
knickrich. — Das Wort ist den obd.
Mundarten gemein : Scherz 804 ; Frisch
1, 528; Schindler 2, 377; Schmid 319.
Nebenformen : knutschen , knotschen,
knautschen : els&ss., pfälz., Westerwald.,
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knispern — Kompoper.
45
oblaus. ; knatscben , knetschen : . frin-
kisch ; knutsche : rheinisch ; nl. kneuzen.
— Vgl. ahd. knistjan, Schweiz, knüsten,
mhd. knutzen (Paseional).
knispern, schw. vb. knittern, knappem.
— knispricb, adj. knittrich, knickrich.
vgl. Gniskus, knaspern, knuspern.
Knoblauch , K n o b I i eh, m. der Knob-
lauch blüht, er will Helel tragen :
Redensart bei übergrosser Lustigkeit,
die als Vorbote tob Leid gilt. — Sprich-
wort: Ein Knoblaucbskopf we-
niger oder mehr verdirbet das Gebnnd
nicht. A. Orypb. Seugainme. Knoblochs-
kopf : eine Schelte :
denn jetzo eilt dein Her« noch einer
Dierne zu,
der jeder Rnoblochskopf bis an den
Nabel gucket
und jeder galanthomroe in Aug und
Antlitz spucket
Günther 401. Knoblauchsessen,
eine Festlichkeit des 16. Jh., zu der sich
gute Freunde einluden ; Ton Knoblauch
selbst wird nichts dabei erwähnt. Vgl.
Schweinichen 2, 248. 327, und den noch
hent zu Halle a/8. gefeierten Knoblauchs-
mittwoch. Scherz 805.
Knöchel t Kniehel, na. 1) wie hd.
2) kleine Bodenerhebung ; auch für Hü-
gel gebraucht (Jauer, Goldberg, Liegnitz).
— knöchen, kn 5c he In, schw. vb.
quälen, plagen. — oblaus. trink, schwib.
Knorren, schw. m. wie hd. Knoten in
Holz und Bein. — Knörndel,n. Ellbo-
genknoten. — knorrverworren:
zum Knoten, d. i. höchst verworren.
Knospe» f. Knösplein, Knispla : Kindlein,
swdr das enztige Knispla. — Sehr ver-
schieden von der schon früh erscheinen-
den Bedeutung Klotz, grober Kerl t komm
her du dölpel, knosp und filz. Grobian
von Hellbach 34. Vgl. Schmeller 2, 376.
Knotte, f. Samenkapsel des Flachses. Den
Flachs k n o 1 1 e n : die Samenkaspeln ab-
m'ssen. — Merkwürdig wegen der bewahr-
ten Kürze, die das Wort in seiner anderen
Bedeutung (Knoten) auch im 8chlesi-
schen nicht hat. — Auch frlnk. in jener
Bedeutung Knotten ; nd.Knutten, Knütten.
Knübel, st. m. Finger knöchel, Fingerge-
lenk. — derknübeln, schw. vb. müh-
sam erarbeiten. — Auch oberlaus. — Seinse
•o gutt um a Stückel SeYe ! Antw. Nimm
Knübelsefel d. i. nimm die Knöchel
zu Hilfe, reib tüchtig. — mhd. knuhil,
knübel. — obpfilz.,bair. , schwib., Schweiz,
erhalten ; Schweiz, in der Bedeutung Ge-
schwulst, Berggipfel; daselbst auch das
Zeitw. knübeln : stochern ; erknübeln :
herumstochern, mit Mühe erhalten. Steider
2, 116. — nd. Knuvel; altn. knüi; nor-
weg. knue, knuv.
Knudel, st. f. Nudel, in übertragener
Bedeutung auf einen dicken, runden
Menschen; rhein. Knuddel; vgl. bair.,
österr. Knödel. — knudein s. v. a.
nudeln, w. z. s.
n Äsen, schw. vb. kauen, schlingen. —
verknusen: verhauen , verzehren;
übertragen, einen verknusen : verdauen,
ertragen. — nd. knuseln, verknusein ;
auch in der Übertrag. Bedeutung ; dän.
knuse. — Vgl. ahd. knusjan, knnssan :
knuspern, s.
knutseil, knurzen, schw. vb. hocken,
sitzen bleiben (Reichenbach, Glatz). —
Österr., bair. knotzen, Westerwald, knu-
tzen : zaudern. — In anderem Sinne in
dem Spruche von allem Hausrath: schaff
wannen zuber , da die fr s wen. teglich
eindewen, knorzen und sudeln, waschen,
peneben , laugen und prndelu. Fast-
nachtsp. 1219.
Kobel, m. Gelenkknochen der Schafe.
Mit fünf solchen Knochen wird ein Fang-
spiel, das kobeln, gespielt, indem einer
nach dem andern in die Höhe geworfen
wird, bis zuletzt alle fünf mit der umge-
drehten Hand in einem Griff gefangen
werden. Andere Bedeutungen des Wortes
bei Schmeller 2, 275 f.; Frisch 1, 580.
kochen, schw. vb. wie hd. — Ihr müsst
nicht denken, dass ihr euern Limmer-
jungen vor euch habt, mit dem ihr kochen
könnt, wie ihr wollt Stoppe Parti ass 526.
In solchem Sinne auch Westerwald., pfttlz.,
schwib., henneherg. es einem recht ko-
chen: ihm die Meinung sagen. — ver-
kochen:
nim dern ok, du werschts ju sahn,
wie a werd mit dir verkucha.
Gläzisches Lied.
Kommode, f. 1) die gewöhnliche Kopf-
bedeckung des weiblichen Geschlechtes
auf dem Lande; sie besteht aus einer
Kappe von Seide oder Kattun, umschlos-
sen vom weissen Bande, das hinten in
eine Schleife mit langen Bindern aus-
geht; das ist die gewöhnliche oder pol-
nische Kommode. Ist an der Kom-
mode ein gefältelter Backen- und Kinn-
streifen, so heisst sie Bartkommodo
oder Barthaube (s. Bart). Läuft von
der polnischen Kommode ein spitzer
Ausschnitt, die Schueppe, nach der Nase
herab, so ist es eine Schneppenkommode.
— Auch westerwild.Kotn m o d che, Backen-
kappe; nassau. Matrazekappe. — Ober-
laus. Kornette ; hambnrg. Knippskornett ;
Schweiz, ebenfalls Kornette, von dem
franz. cornette. Diese kleidsame, rein-
liche Kopftracht ist also ein Rest franz.
Mode. 2) Polster, das unter das Kumt
der Pferde gelegt wird (Liegnitz).
Brüder weichen und hinten stehen blei-
ben und zogen dieselbigen kompoper
(al. Kargor) des morgens frühe weg".
i
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46
Schweinichen 2, 79. — Das Wort ist
schwerlich richtig.
Komürke« f. Kämmerehen, Stübchen ; »us
poln. komörka, Verkleiner, toi» komora,
Kammer, Stube. Auch in andere ostdeut-
sche Grenadiaiekte übergegangen.
Kopf, Kopp, Kupp, m. Fensterkopf:
Fensterbrett (Glas). — In der Bedeutung
Becher, Trinkgefass (mhd. köpf) noch
bei Eschenloer, z. B. 2, 104: darumbe
vor ihrem abschiede baten sie dieBressier
unab etliche koppe und Hessen iglichem
solchen herren einen schönen hengst und
einen überguldeten kopp iu ihren her-
bergen bringpn.
Kopp«» Kuppe, f. Spitze j Fingerkuppe ;
besonders aber Bergkupp«, Bergspitze,
in zahlreichen Namen auf den Sudeten,
deren höchste Erhebung die Riesen-
oder Schneekoppe, auch kurzweg die
Koppe heisst. — mhd. gupfe, kupfe,
kuppe ; Tgl. Mystik. I, 207, 18: under der
kuppen des berges. — Frisch 1, 837;
Schindler 2, 317; Rheinwald 1, 91.
Koppen, köppeln, koepeln, schw. rb.
kippen , umwenden ; intrans. wackeln,
mhd. koppen, Benecke-Müller 1, 861 ;
Scherz 815. — Köppholz, Köpp-
s c h e i t, n. Hebestange, womit die Waren-
mangel gehoben wird. Vgl. ahd. chipha,
humernlus; mhd. kipf. Frisch 1, 515.
Korrie, f. Haufen, Menge : Korrie Jungen
(Trebnitz).
kosen, schw. vb. reden, plaudern; afte r-
kosen: nachreden, bei Eschenloer 1,
110: viel afterkosen entstünde von der
büchsen und pulver wegen, ahd. kös6n,
mhd. kdson.
kötgehen, schw. vb. zusammen drücken
nnd rollen, namentlich Teig; übertragen:
Leckeres braten oder kochen. — K Atsch,
m. zusammengerollte gebacken« Speise,
„eine Art Kuchen," Kernkronik 2, 722.
— Mohkdtsch: Mohnstriezel. — Aus
quetschen ?
Krabate, m. Kroat, aus dem siebenjähri-
gen Kriege nooh im lebhaften Andenken;
übertrage» auf wilde unartige Kinder. —
Kroat wird auch obd. Krabat ausge-
sprochen. Zu der übertragenen Bedeu-
tung unseres Wortes vgl. nd. Krabeten,
Kr Rehe, KrAe, Kröe, f. Ruf an die
Krähen :
Hopp du KrAe, hopp du KrAe,
ineine Mutter is ne Gevatter froe !
Daher Hoppdekrde, Name der Krä-
hen. — 8 chwarzkrähe: es käme auf
allen Strassen zugezogen wie Schwarz-
krähen. Schweinichen 2, 102. — Kra-
be k e n : hakige schlechte Schrift.
Kracke« f- schlechtes Pferd; Scbeltwort:
eine kleine Kracke, eine böse Kracke. —
Pferdekraeke, Schindkracke. — Nebf.
K r i o k e, für Pferde und Kühe, auch als
Schelte. Das Wort geht durch ganz
Deutschland : Scherz 823 ; Schtneller 2,
380; Schmid 325; Schmidt 86; Brem.
Wb. 2, 862 ; Schütze 2, 341 und ist auch
din., norweg., schwed.
Kralle watsch, m. Schelte für Kinder.
bair.Kralewadsch : Krummbein. Schindler
2, 378. schwäb. Trallewatsch : dummer
Kerl. Zu dieser Bildung vgl. Linke watsch :
linker Mensch.
Kram, Kr dm, m. wie hd., Handel, Kauf-
laden namentlich auf dem Dorfe. H o c h-
zeitkram (Huxtkröm), Brautkram:
Ausstattung der Braut an Hausgeräth nnd
Möbeln, die schön verziert in das Haus
des Bräutigams gefahren wird. Die Kuh,
welche bei Bauerstöchtern einen Theil
der Ausstattung bildet, wird geschmückt
hinter her geführt — Reichkrfime
vgl. Baude. Stenzel-Tzschoppe Urkundens.
194. — kramern, schw. vb. geschäftig
sein ; hernmkramern : etwas suchen und
räumen. Auch nd. — Mit einer kramern :
mit ihr in Liebeshandel stehen. Vgl. auch
Simplicissim. I. 5, 7 (Ausg. von Keller
8. 709) : schickte meinen Jungen voran
die ButterverküufTerin anzupneken und
mit ihr zu marcken bis ich hernach käme,
krammeln, s. grammein,
kränken," schw. vb. 1) in alter Bedeu-
tung: schwächen.
Sünden greift mich grausam an,
Sorgen kränkt mein schwach Gemfite.
Günther 15. ab kränken: wo im nicht
die abgekränkten willst mit deiner Hilf
ergötzen. Chr. Grvph. 84.-2) benacb-
theiligen: ein Schalk der seinen Mit-
knechtnoch um hundert Groschen kränkt,
Logau 864. In solcher Bedeutung noch
verbreitet Auch nl.
Krappel, n. Krapfen, Pfannkuchen. Re-
densart: von einem Krappel haben wollen,
bei Schweinichen 2, 355. mhd. krapfe.
Schneller 2, 393 ; Stalder 2, 129 ; Rhein-
wald 1, 87. — Von der Gestalt übertra-
gen auf den Pferdemist : Pferdekrappel.
— kräppeln, Krapfen backen,
keine die stets kocht und päppelt,
alle Monat Tiermal kräppelt.
Scherffer 558.
Kruppen, plur. alte zerissene Schuhe. Tgl.
ahd. krapfo, mhd. krapfe , Haken ; also
hakenförmige krummgetretene Schuhe? ^
kraseln, schw. Tb. zusammenkratzen;
arbeitsam und wirthlich sein. — k r 4 a-
I i c h, adj. mühsam, sparsam (Reichen-
bach). Zu kratzen , wie mhd. kriseln und
nhd. kritzeln sich zu einander verhalten. «
Kratzbere, f. Brombeere. Von einem ver-
wirrten zerstörten Menschen: er sieht aus
wie der Teufel, da er aus den Kratzberen
kam. Ist zu dieser Redensart der Ravens-
berger Name des Teufen»: Bromberend
(Mythol. 955) zu vergleichen? — bair.
Kratzelbere.
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Kratzel
Kratzel , n. Kamm mit Drath zinken zum
kämmen des Werges. Vgl. kammein.
Krauche « f- thönerne Kruke. — Verklein.
Rrauchel, Kräocbel, Kreigl. — Hoch-
deutache Form des od., in Schlesien unbe-
kannten, Krake.
kraus» krius, sdj. wie hd. — mit einem
kreisen Köpflein. Scherffer 552. —
kr ausp, adj. dasselbe: du krauspenhaar
Opitz 2, 221. — k r a u s p r i c h, krausp-
lich, kreiscbplich : kraus, mhd. kruspe-
leht. — krauspenbunL 8cherffer 439.
Krause , f. gläserne Büchse mit anagebo-
genem Rande, tur Aufbewahrung gesot-
tener Frücht« u. dgl. in Schlesien bräuch-
lich; auch die Apothekerbuchsen heissen
Krausen. — Das Wort ist durch alle deut-
sche Dialekte verbreitet und bezeichnete
im 16. Jh. namentlich auch ein Trink ge-
fass, wie noch heute hie und da. Beneck e-
Müller 1, 890 ; Schneller 2, 394 ; Stalder
2, 139; Tobler 122; Schütze 2, 353.
Kraut, n. Die verschiedenen Kohlarten
heissen Kraut: blaues Kraut, Weisskraut,
Welschkraut; auch Sauerkraut; der
grüne und blaue Kohl behält aber seinen
Namen; Tgl. Schindler 2, 397; Schmidt
60. Das Weisskraut hat den Scherznamen
Schleppkleider (Reichenbach) , Wisch-
hadern (Weizenrode bei Schweidnitz). —
Der Spruch: Kraut füllt die Haut, achon
in dem Bohnenliede bei Docen Miscell. 2,
254 : so iss ich kraut, füllt mir die baut.
Wie Früchte! wird auch Kriutel für
ungezogene Kinder und leicht fertige Bur-
schen gebraucht. Kräuter für Kraute-
rer: Kraut- oder Gemüsegirbner; Kräu-
terei: Gemü»e|>fl:inzuag,um Breslau und
Liegnitz in bedeutender Ausdehnung. —
Kräutich, Krottich, n. Laub- oder
Blattwerk der Pflanzen. Auch ober-
laus., fränk. Geht in einem Jahre die
Kraft zu sehr in die Blätter der Rüben,
das Kräutich is sehen,
oder de Riben sein ze kleii.
Unkräutich: Unkraut.
Krechse* f. Büchse : Wagenschmerkrechse
(Habelschwert). — Krechse bedeutet im
österr., bair., schwäb. Traggestell,
kreischen, krieche n,Nbf.krd sehen,
krdtschen, schw. rb. 1) wie hd. ;
2) vom Zischen bratender Speisen, wie
mhd. susen (Waith. 34, 34)) und schrien
(Parziv. 164, 23; Helmbr. 1396) ; trans.
kreischen machen, braten. — Auch
obiaus. bair.; zu krdtschen stimmt das
Westerwald, kratschen. Vgl. Frisch 1, 547.
Krempel, a. Kammeieisen, vgl. kammein.
Kren, Krln , m. MeerretÜg. —
Das Wörtchen färt ihm in die Nase
wie Niesewurz und junger Krien.
Gunther 974. Schon mhd. kren, krdne ; vgl.
spinnt gafler und aldne
ist gegen diner süeze ein krdne.
Kreol. 47
Haupt Zeitschr. 8,261 und Beneck e-Mül-
ler 1, 878. Das Wort ist aus dem alavi-
schen (ehren , kren, eres, chrzan, was
schlesisch zunächst kran geworden sein
muss) in die ostdeutschen Mundarten ein-
gedrungen. Vgl. Schmeller 2, .187.
krengreln« schw. vb. kränken, quälen;
auch Kernkron. 2, 722 verzeichnet.
Das Ding das krengelt mich,
mei Sun dar fulgt mer nieb,
a is a rechter Ldbel.
Lied aus demFrankensteinschen. Uber mhd.
krangel: labor. molestia Benecke-Müller
1, 876 ; Schweiz, krangeln, übellaunig
sein, filzig sein, in Noth sein ; Krangel :
Armuth, Noth. Stalder 2, 128 f. — K r e n-
g e I , m. Quäler : Name des Dorndrehers
oder Neunlödters (Lantus), mit den Zu-
sammensetzungen: Garteakrengel, Wa-
genkrengel (Liegnitz), Wartenkrengel
(Glas). Vgl. Popowitsch Vereinigung der
Mundarten 415.
krempeln, s. kringeln.
Kreakte, f. Krankheit, besonders fallende
8ucht, die auch die schwere Krenkt
heisst; auch bei Schweinichen 2, 33.
Bei unangenehmen Unfällen: da möchte
man gleich die Krenkte kriegen I —
fränk. Kränkt; rbein. Krenkde; nd.
Krenkte, Krankt
Kresse , f. 1) Pflanze, aasturtium, 2) klei-
ner weisslicher Fisch, cvprinus gobio,
ahd. kresso. — 8prichwort bei Abschatx
Vera. Ged. 2, 161 :
ist ein Kressel in der Taschen,
most du nicht Lampreten naschen.
Kressel auch übertragen : ein ausge-
witzter Mensch.
Kret, nd. Zank, Hader. Brem. Wb. 2, 808.
mitteldeutsche Formen: Krot, Kroit,
Kreit. Frisch 1, 548. mhd. krfL — krd-
teln, kritteln: zanken. — krit-
I ich, krötlich, adj. zänkisch. Stieler
1029; Frisch 1,548; Schmidt 91; Weitz-
Müller 131. — Schlesisch kommt das
vorangestellte einfache Substantiv nicht
vor, aber früher wenigstens das zu-
sammengesetzte A n k re* t, Okrdt, Okrdt :
Zank, Händel. „Die zwee spinnen doch
ollen okroot an." A. Gryph. gel. Dornr.
14 (1661); Berndt führt es noch auf.
— ankritsch, adj. verdriesslich, mür-
risch. In der Kerokronik 2, 719 an-
krätsch, ankrfibech.
Kretscham* K r fl ta c h m, m. Wirtbshaus,
Schenke. Kreczjm : taberna, Konrad von
Heinrichen. — poln. karezma, auch böhm.
und in die angrenzenden deutschen Län-
der übergegangen. — Kretachmer,
poln. karezmarz, Schenkwirts, Bier-
schenke. Wie eine Kretschmern zu thun
haben: sehr beschäftigt sein, kreeimer,
tubernator. Fundgruben 1, 380.
Krenl, Kr dl, m. Kr die f. Kratz, Riss.
Mit spitzen Werkzeugen und Krallea
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48
macht man Kre*le. Katzenkr&e: Kratz-
wunde der Katzen.
Nesseln pflegen bald zu brennen
und aus zarten Kreilen sind
Low und Adler zu erkennen.
Lohensteiu Arm. Thnsn. 1,61. Eine Krele
haben: angetrunken sein. — ahd. brewil,
krowil, mhd. krewel,kröuwel, das Werk-
zeug zum krauen oder kratzen. Krael bei
Scherz 823. Schweiz. Kraue. — Vgl.
Benecke-M filier 1,885; Frisch 1, $44.
— k r 4 1 e n , schw. vb. kratzen ; mhd.
kreuwelen $ Schweiz, bair. kraulen, kräu-
eln. — mhd. kreilen, auch frank, «cbwfib.,
gehört nicht hierher.
kriebeln, schw. vb. kitzeln, jucken. Frisch
1, 548. nd. kribbeln. — Kribel, m.
Kitzel: wan aber Kribel bei der jung fr au
war eingezogen und sie einen man haben
wolle. Schweinichen 1, 97.
krimmera, schw. vb. frequent. zu krim-
men: intrans. jucken, transit. kratzen.
Krimmer dich! kratz dich selbst wo es
dich juckt, Abweis unberufener Ruthe.
Vgl. Fastnachtap. 37, 20: ich sag dir,
krum dich neurt nit ser.
Kringel, n. 1) Ring, Kreist; im Kringel
herumlaufen, Kernkronik 2, 722. 2) ring-
förmiges Gebick; berühmt sind die in
Warta gebackenen, die Wartekringel. —
kringlicht, adj. rund, kraus: kring-
lichte haare. Lohenstein Arm. Thusn.
1 , 28. auch Westerwald. — kringeln,
krengeln, schw. vb. ringeln: schaut
wie der fischthran an schuhen sich kren-
gelt. Scherffer 441. — Niederdeutsches
und von da md. Wort, das südlich bis
Franken, nördlich bis Island reicht. Kren-
gel, krengeln sind md. Nebenformen.
Scherz 827; Frisch 1,547. Vgl. schweizer,
k rangeln, Stalder 2, 128.
Krinne, f. weit verbreitetes Wort : a) Ein-
schnitt, Kerbe, namentlich in den nates ;
b) Haarscheitel. — ahd. chrinna, mhd.
krinne. Frisch 1, 549 ; Stalder 2, 132. —
Krinse, f. dasselbe. — bair. Krinsel.
Schindler 2, 390.
Krips, m. 1) Kehle, Hals; einen beim
Krips nehmen. Durch alle Mundarten;
bair. md. die Grips, Gröbs, nd. Krips.
2) klei ner Kerl ; henneberg. auf Kinder
verwandt. — Am besten wohl zu kripfen,
gripfen: greifen, zu bringen: das, wo
mau anfasst, greift — Mit Griebsch hat
das Wort nichts zu thun ; die schlesische
Mundart scheidet beide genau.
KritvAtsch, m. krummbeiniger Mensch.
— KriwAtache, f. Gestell in Win-
kelform, auf dessen einem Arme der
Rocken oder die Vorrichtung zum Woll-
kimmen steckt , nach Berndt. — k r 1-
w Atsch ig, adj. schief; ein kr. Haus;
kr. schreiben. — Aach lausitz. wo die
Nebenformen Kri witsche, Kriwicbie (An-
ton 9, 12) Das
Wort als Bildung vom poln.krzvwy, schief,
krumm , zu nehmen ; poln. kr» wird
deutsch zu kr, und umgekehrt.
Kroepel, m. nd. für Krüppel. — Kroe-
pelstuhl : Krankenstuhl, Lehnstuhl. —
nl. kreupel.
Kroete, Krajte, f. in der zärtlichen
Bedeutung des süddeutschen Krot wird
Knete im Schles. nicht verwandt —
Tümpelkröte: Unke. — Krötengerecke:
Froschlaich ; auch bei Lohensteiu Arm.
Tbusn. 1, 12.
Kropf, Kropp, K r ö p , ro. wie hd. — Die
Kröpfe kommen als verbreitetes Übel auch
in achlesischen Thaiern vor, wenn auch
nicht so hautig als in den Alpenländern.
Man braucht dagegen gepulverten Kropf-
schwamm: einen besonders bereiteten
Schwamm. Wirkliche Kretins kommen
selten vor. — Du drahniger Kropp 1
Schelte. — Kroppzeug : schlechtes un-
nützes Pack, eigentl. kropfichtes Volk.
Vgl. das Schweiz. Kropfli. Stalder 2, 134.
Krücke, f. wie hd. — Sich die Kr. be-
schinden: sieh am Rücken und seiner
Fortsetzung verletzen. Vgl. bair. Krue-
cken : Krummbeine, Beine.
krumpeln, schw. vb. Festlichkeiten an-
stellen (Ernsdorf bei Reichenbach).
Wahrscheinlich ist hier blosser Vortritt
von k, wie vor Liquiden häufig , und
krumpeln ist gleich rumpeln.
Krümper, Kremper, m. Scherzweise
heissen so die nicht unifonnirten Abthei-
lungen der Bürgerbataillone. Ursprüng-
lich bezeichnet das Wort die überzähli-
gen Leute, welche als Ersatzmannschaf-
ten im Nothfalle in das preuss. Heer ein-
treten mussten. Vgl. Beitzke Freiheits-
kriege 1, 63. — Alter Kremper : alter
wackliger Kerl.
Kuchcl, f. selten gebraucht statt des
durchgedrungenen Küche. — Kuchel-
gatter: die Thür, welche die Küche
von der Hausflur ahechliesst; wie jedes
Gatter reicht sie nur bis zur halben
Höhe der Öffnung. In alten Häusern auf
den Dörfern liegt die Kuchel oder der
Herd der Hausthür gerade gegenüber.
Kuchen, Küche, achw. m. Schlesien
ist wie Obersachsen und Thüringen ein
Kuchenland; am eigentümlichsten sind
die Sträuselkuchon: Weizenkuchen,
bestreut mit klümpebenartigem Gemisch
aus Mehl, Zucker und Butter. —Zeder-
kuebe: Honigkuchen. — Küchel, n.
nicht für kleine gewöhnliche Kuchen
(die Kuchel heissen) gebraucht, sondern
für Plätzchen oder Zettel von feinem
Teige oder von Zucker. Brustküchel:
weisse oder bunte Zuckerplätzchen;
Pfeffermünzküchel , die am besten in
Gnadenfrei gemacht werden; Citronen-
küchel: Plätzchen von einem sehr feinen
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Kofi» —
KAta.
49
Kufe, f. thönernea oder glfiseme» Trink-
g eschirr, was etwa eine halbe Flasche,
zweiSeitel, fasst. Die Kufe hat einen Hen-
kel and einen zinnernen oder hölzernen
Deckel. Auch oblaus. und weiter ver-
breitet. Frisch 1, 552.
kugeln, schw. Tb. trans. intrans. rollen. —
Der Donner kugelt sich am Himmel her-
um; ein Wort, das man nicht gleich fin-
det, kugelt (oder kullert) sich einem auf
der Zunge herum; der Hunger kugelt
sich bald auf bald ab in seinem Leibe,
Stoppe Parnass 399. Ygl. kullen.
Kuh, K u e , f. In der Kindersprache
Mnkuh, wie rhein. Mukouh, nd. Buko,
Hinter Soholzes Schuppen da geht«
lustig zu,
da tanzt der polsche Ochse mit der
deutschen Kuh.
Verbreitetes Lied. Vgl. das Spottlied
auf den am 18. Juni 1574 NachU aus
Krakau entflohenen Polenkönig Hein-
rich ID. von Anjou : nun tantz du polni-
scher Ochse mit der französischen Kuh.
Ambraser Liederbuch herausg. v. Berg-
mann, S. 197. — K u h h a u t : das ist auf
keine Kuhhaut zu schreiben! alter Aus-
druck des unbeschreiblich grossen und
vielen. — Kühprinz, m. Spott-
name der Kuhhirten ; rgl. Schweiz. Küh-
priester. Stalder 2, 141.
Kulle. f. 1) Kugel; auch hessisch: VU-
mar Proben 78. — Ku II o , n. in der Kin-
dersprache alles kugelförmige , runde.
2) Rolle, Walze, Walker: Mangelkulle,
Nudelkulle. — kullen, kullern,
schw. Tb. trans. intrans. kugeln, rollen ;
nd. kullern.
er-kullen, ptc. erkaltet, erfroren (Rei-
chenbach) zu einen fraglichen erkillan
— kal.
Kulpe, K ü 1 p e , f. Kolbe, Kolbenartiges.
— doch wie werd ich den bart von wang
und Uppen streichen, wer kehrt die kul-
pen ab? A. Gryph. schwärm. Schfif. 6*0;
wahrscheinlich sind hier die Schmutz-
flecken gemeint, die sich kolbenartig
angesetzt haben. — RotzkOlpe : Schleim-
knoten. — kulpicht, adj. kolbig,
stumpf; kulpichte Nase: dicke Stumpf-
nase. — In dem Osterspiel bei Mone altd.
Schausp. 124 kulpehte bar: krause
Ilaare; vgl. bair. Kolpen, Kolpeli : un-
behauener Stein ; kolpet : grob, holprig,
henneb. Külpe : Peitschenstiel.
Kummer« m. da ist kein Kammer drum!
darum darf man nicht sorgen ; nd. da is
ken Kummer bi. Wenn ich weiter keinen
Kummer bitte, den könnte ich mir unter
dem Knie zusammenknüpfen (Gnaden-
frei). — Kümmernüasel: abweisende Rede
auf neugierige Fragen ; auch : kümmere
dich um sonste was, da hast du was! —
kümnier dich um Entenmilch die schli-
ckert nicht, und Haseneier die klappern
nicht 1 — Im Trebnitxischen liegt das
Dorf Kummernigk, in der Nahe Ober-
nigk, hierauf der Reim :
Obernigk
ligt zwischen Sorge und Kummernigk ;
wer sich dorten will ernlren,
der muss suchen Pilz und Beren ;
kann er aber die nicht linden,
v. Holte! Vierzig Jahre 2, 78.
Kumst, Rums, m. dicker breiiger Satz
in den Tintenfässern ; aus Kumpest, d. i.
compositum. Vgl. Komss bei Adelung,
Gumpost bei Schmeller 2, 49.
Kuat, n. wie bd. rgl. Frisch 1, »55;
Schmeller 2, 296.
Kunfinclirn im Kopfe haben : auf Schnur-
ren , lustige Streiche (Reichenbach),
ursprünglich auf fröhliche Gelage (coh-
Tiria) denken. Nd. hiessen die Gewerks-
feste Conviven. Schmeller 2, 318.
Kupltse, K 6 p i tze , f. kleiner Erdhau-
fen zur Grenzbezeicbnung ; poln. kopiec.
Über den Grenzbegang der achiesischen
Fürsten und die Besichtigung der Ku-
pitzen s. Stemel in s. Urkundenaamml. d.
Stldte 149.
Kupitze, f. besonders im Plur. Kupitzen
haben : Begier
dines veneria.
Kupsel, n. hänfener Traggurt.
Kuppel, Koppel, wovon es Ableitung ist.
Kur, f. Terflischte Kurt verwünschte Ge-
schichte I — einem die Kur machen t
ihm Grobheiten sagen.
kuschen, schw. vb. legen , coucher.
kusch dich 1 knsch gemacht ! — einku-
schen : sich in's Bett verhüllen. — ku-
schern, frequ. einkuscbern: einen
einschläfern, überhaupt zart und sorgsam
bebandeln. — Auch nd.
Kutte, Kitte, f. nur noch für ein Volk
Rephühner gebraucht, wie allgemein hd.
— ahd. cutti grex. Scherz 850 ; Frisch
1, 560; Schmeller 2, 344; Stalder 2, 147.
— nd.nl. Kudde, altfries. kedde.— nord.
nicht nachzuweisen.
K Uttel, Kottcl, f. Pferdemist, Pferd»-
kuttel. — Auch sonst md. ; vgl. Schaf-
und Kühkutteln, Simplisiss. 1, 259 (ed.
Keller). — nd. Kötel, nl. keutel.
Kuttel, Eingeweide, als allgemein deutsch
hier nicht erst zu bebandeln.
Küts, m. Husten. — k u t z e n , scbw. vb.
huaten; sich verk Atzen : im Husten den
Athem verfangen. — Schmeller 2, 347
leitet dieses auch bair. vorkommende
Wort von dem Rufe kulz ! den man dem
hustenden zurufe, und vergleicht koUen.
Anhang *«m XIV. Bd. d.8iUb.«l. »hil.-hUt.CI.
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50 Lnbaniler - läppen.
Labander, m. langer, schlaffer Mensch.
— nd. Laban: träger Mensch, wie nd.
Lübbe , engl, lobb , lubber. — Mit
Ähnlicher Bildung, wenn auch aus andertn
Stamme, nd. Lakeband: langer Schlingel.
labern, schw. vb. 1) leckend trinken;
sich belabern: sich beim trinken be-
. schmutzen, beklecksen ; 2) langsam und
einfaltig reden. Laberhans, Laber-
sack : langweiliger Schwätzer. —
Schweiz. labbern ; nd. labben, labbern;
Tgl. lappern.
Laborant, Aberinte, m. Name der Na-
turapotheker in den Dörfern des Riesen-
gebirges, namentlich inKrummhübel, die
aus den Bergkräutern allerlei Essensen
und Branntweine bereiten, der Sage nach
von böhmischen bei der Gegenreformation
geflüchteten Apothekern herstammen und
allmählich aussterben, du das Privilegium
auf bestimmten Familien haftet. — Über
den Abfall des anlautenden I in Aberant
vgl. Dialektforsch. GS.
Lache, f. 1) wie ahd. lacha , mhd. lache,
stehendes Wasser, Pfütze, Pfui; allge-
mein deutsch. 2) fliessendes Wasser,
Bach : Weidelache, ein Zufluss der Katz-
bach. Vgl. zu letzterem den Namen des
Rheins unterhalb Schaffhausen : die Lache ;
ferner das bair. Lech, das nicht blos
den bekannten grossen Fluss, sondern
alle Bäche in der Nähe Augsburgs be-
zeichnet (Scbmeller 2, 422).
Lache, Läche, f. das Lachen, Geläch-
ter. Das ist keine Läche : kein Vergnü-
gen (Frankenstein). — „die die lache
mit der greine stets in einem säkklen
hat." Scherffer 559. — Lachrich, m.
laclisüchtiger, dumm fröhlicher Mensch.
Lachrich lacht so gern, ist es denn
natürlich ?
Lachrich lacht so gern, ist es wol
hasirlich ?
Lachrich lacht so gern, was dann solls
bedeuten,
hönisch lacht er aus alles thun bei
leuten. Logau 904.
Läg-el, n. kleines hölzernes Fass für
Getränke. — ahd. lagella , mhd. lägel.
Frisch 1,565; Scbmeller 2,447 ; Schmid
339; Brem. Wörterb. 3, 36. Wer kei-
nen trift, sol immer aus dem legel ein
glass frisch eingeschenkt zur straafe ste-
chen ans. Scherffer 85.
Lag-er, Löger, n. Bodensatz, Hefen in
den Bierflaschen, die als Hefen oder selbst
als Essig, Lögeressig, gebraucht werden.
Vgl. Scbmeller 2, 454.
Lamm, Lamp, n.Bälarap, in der Kin-
dersprache und als Liebkosung für den
Liebsten. Auch nd. — Lämmer-
schwänzel: BIG Utentrauben der Bir-
ken, Erlen, Pappeln u. dgl. in der Kinder-
sprache ; nd. Kätsken , nl. kattekens.
lamper, adj. behaglich, wohlich; sehr
verbreitet in Schlesien, „scheint doch
keinem was so lamper und so zärtlich
wol zu thun." Günther Nachlese 179
(2. A.). — gelamper, adj. geschickt ;
ungelamper : ungeschickt ; weil die Bräute
noch ungelamper, unerfahren, dahero wie
alle erstlinge sich in den Handel nicht
allerdings zu schicken wissen. Hoff-
mannswaldau Ged. 5, 143. Aus heutiger
Mundart mir unbekannt. — Das Wort
gehört zu dem Stamme limpfan, lampf und
zeigt nd. Gestalt; die Bedeutung ist:
glimpflich, passend, geschickt. Vgl. altn.
leropi, schwed. lämpa, dän. norw. lämpe:
MSssigung, Milde; Schweiz, limpflich,
lind; altn. leinpilegr, schwed. lamplig:
geschickt, füglich.
Land, n. im Lande, unten im Lande,
beisst es im schlesischen Gebirge von
der Ebene; ähnlicher Sprachgebrauch
auch sonst in Mitteldeutschland und Süd-
deutschland ; bair. im Gän. — Unland,
unbebauter Grund, u. a. die Strassen-
ränder gehören zum Unland. Weiter ver-
breitet, z. B. nd.
lnene, adj. adv. langsam; laene gehn
(Reichenbach). — ahd. leni, bair. len:
weich. Schmeller 2, 470. schwäb. leen:
weich, sanft, Schmid 352. Zwischen sanft
und langsam zeigt die Sprache mehr-
fache Verbindung; österr. leise reiten
■ langsam reiten.
Iape,l) adj. schwach, untüchtig : lape auf
die Arme (Reichenbach); 2) verschuit-
ten : sonst möcht es sein vcrgnnte sachc,
dass man den han zum lapen mache.
Logan 2499. — nd.leep, laff; alts. ags.
altfries. lef ; mnl. laf ; altengl. lave ; neufr.
lef, laf: schwach; vgl. Grimm Andr.
Elene 166 ; Richthofen Fries. Wb. 888.
Läpp, m. Narr, Laffe; Nebenform t L a p p s,
Lnpprich. — Dies in den früheren Zei-
ten weit verbreitete Wort, das auch die
Bedeutung blödsiunig in Mundarten be-
halten hat (Scbmeller 2, 484), mag mit
dem vorangehenden zu einem Stamme
gehören; die Quantität ist schwankend,
in der Martina reimt lapen : wApen,
Beneckc-Müller 1,939. Der Grundbegriff
ist : seh wach, schlaff. Dazu gehört auch
Lappe, f. anzuführen wegen der Schelte :
Feuchtlappe.
läppen, läppe rn, schw. vb. lecken,
leckend trinken, schlürfen; es läppert
sich zusammen: kommt in einzelnen
Tropfen zusammen. — auslappern:
auslecken, ausschlürfen. — belappern:
betropfen, begiessen. — verläppern:
leckend ausschlürfen, übertr. Geld oder
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LAr* — Lauer. 51
andere 8achen ntch und nach vergeuden.
Verläppert heisst geradezu vereinzelt:
da« Geld kommt verläppert , s. oben :
läppert sieh zusammen ; vgl. labern,
schlappem. — ahd. laffan, mhd. laffen,
läppen, mnd. mnl. lapen, nd. labben, ags.
lapjan, altn. lepja, franz. laper. In den
neueren Mundarten Oberall erhalten. Die
Form mit p ist nicht als nd. zu beanspru-
chen, da sie auch obd. herrscht: Schind-
ler 2, 486 ; Stalder 2, 149.
La.ne, m. Ofenlarz: Ofenrohre (Eckers-
dorf, Neudorf hei Silberberg:). — Siste
doch oas, wie der Ufelarz. Gomolke.
Laschen» schw. m. Schorf, Wundgrind
(Glogau). Auch oblans. und weiter ver-
breitet, nd. Latsch: Schmarre, Ritz, unter-
schieden von Laake, Lasche : Zwickel.
Laschke, m. Kernbeisser, Loxia cocco-
thraustes.
Ivi\sbe, m. langer Kerl: alter Laske, scher-
zende halbscheltende Benennung. Vgl. nd.
Laks, Läks : fauler Schlingel , Tölpel.
lassen, st. vb. Im Imperativ wird lass
und IA, lao gebraucht ; Gläzisch wird
geschieden : unterlass : lass ; lass los,
lass sein : Id.
I.nwter , n. wie hd. — Laaterdarm :
Schelte ;lasterbäudig, unglaublich
„unbändig" gross.
lateln, n. Rackerlatein reden :
Schimpfworte ausstossen , wie kürntn.
gleichbedeutend welschlatein reden. Vgl.
den alten deutschen Brauch, unverständ-
liche Rede, selbst die Vögelsprache latein
zu heissen ; holstein. nl. kramerlatijn :
kauderwelsch.
latschen, latschen, Idtscheii,
schw. vb. wie ziemlich allgemein : ach h ff
gehen, die Füsse schleppen. — v er I a t-
a c h e n , durch Nachlässigkeit verlieren.
— Latsche, f. 1) Schleppschnh ohne
Hinterleder ; in dieser Bedeutung auch
männlich : der Latschen ; 2) die Spur
eines latschenden , der niedergetretene
Strich im Grase; 8) nachlässiges unor-
dentliches Frauenzimmer. — Latscher,
Fusslatscher, m. Fusssoldat; vgl. das bair.
Lackenpa (scher. — Latsche!, tn.nach-
lässiger schlaffer Mensch ; bair. Ladschi.
— latschig, las Ischl ich, adj. —
L Atschkern, pl. Fetzen, Lumpen. Frisch
1,582; Schmeller2, »26; SchmidtlOl.
— Schweiz, leutschen, leitschen. Stalder
2, 170. — Die Formen Latte, Lattel,
LKtreige (Svhmid 335), Lätfuss (Frisch
1, 582), «eigen deutlich den Stamm des
Wortes an : lat, lass.
Latsch, m. dünne Flüssigkeit; sich einen
Latsch machen : dünnen Kaffee kochen
(Reichenbach). — lAtschern: rinnen,
tliessen ; es latschert ok asu: es regnet
stark. Auch schwib. latschen: regnen,
tätscheln: trinken. Schmid 338. — poln.
lad, giessen, liegt ganz ab.
Latte, f.
Meine Feder griff den reichsten in die
Haare,
es mosten jung und alt aus allen Stän-
den dran
and meine Latte lief an andre Schollen an.
. Günther 485. Dagegen scheint die Be-
deutung schmarotzen in folgender Stelle
anzunehmen :
sie ärgert sich genug , dasa er mit
Latten lauft;
erst neulich machten ihn, da er aufs
Dorf geraten,
die Schenk nnd das Gelach zum Hunds-
tags-advocaten.
Günther 504; vgl. Lattenhauer, Schma-
rotzer. Schindler 2, 512. — Auf Latten
liegen: von der Soldatenstrafe fiber-
tragen auf unangenehme Lagen über-
haupt.
Lata, m. 1) Hosenlatz. Fischart Gargan-
tua c. 11, wo er von den verschiede-
nen Lätzen spricht, sagt: die Schlesier
thun beckerfürtnch von taffat dafür.
2) Brustlatz, Mieder. Das Wort Leibel
verdrängt jetzt Brustlatz.
lauhen, schw. vb. 1) Laub treiben; es
lauht: belaubt sich, wird grün; ahd.
mhd. louben ; 2) Laub brechen, namentl.
kleine Aste und Zweige für das Schaf-
futter abhauen. — Schweiz, lauben :
dürres Laub sammeln, läubeln: Blätter
brechen ; bair. läuberln.
Lauben, Läuben, Leben, Le'wen,
f. pl.die Schwibbogengange an den städ-
tischen Häusern, namentlich am Markte,
die als Handelsplätze benutzt, nach deut-
scher Bauart sich in den achlesischen
Städten überall fanden und noch heute
sich an mehreren Orten erhalten haben ;
ich kenne sie als theilweise bestehend
in Striegau, Jauer, Waldenburg, Neu-
rode, Landeshut, Trebnitz, ßosenberg,
Konsladt. In der Lausitz und in Böh-
men finden sie sich ebenfalls. — In
Salzbrunn und Altwasser heissen ein
paar Häuser, welche die Lauben im ersten
Stockwerk haben, die Löwenhäuser, für
Ldbenbiuser, und der falschen Deutung
gemäss tragen sie Löwenköpfe als Wahr-
zeichen. — Du Cange erklärte lobia,
laubia, lobium : porticus operta ad spa-
tiandum idonea, udibus adjuncta. Über
die Lauben in Bezug auf den Handel
vgl. Hüllmann Städtewesen 1, 303. —
ahd. louba, mhd. loube, nd. löve. Frisch 1,
583; Schindler 2, 410 ; Stalder 2, 159;
Schmid 342; Rheinwald 1 , 91 ; Brem.
Wörterb. 3, 79 ; Schütze 8, 52.
Iraner, m. Schelm, mhd. Iure, schw. m.
Schlaf und Tod der macht vergleich
zwischen fürst und zwischen bauer,
zwischen arm und zwischen reich,
zwischen biedermann und lauer.
Logau 497.
d*
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52
Ein arzt fürt oft« mist, mist füret oft
ein baner ;
wie das» man jenen dann heisst doctor,
diesen lauer?
Logati öö4. Wie das Wort in diesen
beiden Stellen gerade«« für den Bauer
bestimmt erscheint, so auch sonst hiuitiß-
im 16., 17. Jahrb.; es ging das Sprich-
wort : bauern sind lauern (Sehers 883).
Noch heute ist Pau erlauer eine
schlesische Schelte. Indessen tritt auch
seine allgemeinere Bedeutung öfter her-
vor. — Von Franz Dietrich ist das altn.
lür ignavia verglichen worden (Haupt
ZeiUchr. 7, 190). Vgl. LeYig.
Lauer* m. besser L a u r e , f. Lüre
(Trebnitz) Neige Getränkes , besonders
Kaffee; eigentlich der Nachwein, Tre-
sterwein, ahd. Iura, mhd. Iure, mit.
lora, österr. Glauer.
Welt gibt ihren hoebzeitgästen erst-
lich gerne guten wein,
und zuleUte sauren lauer, wenn sie
nun bethöret sein.
Logau 989; Frisch 1,387; Schneller
2, 488.
lauern« 1 u r e n , schw. vb. Bei Hochzeit —
and Gevatteressen luren am Süssem Fen-
ster die Lurjungen, bis ihnen Speisen
gereicht werden : bis sie etwas erlurt ha-
ben(Trebnitz). — Lauer essen: Gevat-
teressen (Brieg). — Pauerlauer,
m. Mahlzeit, welche in eiuigen Orten
(z. B. Böhmischdorf bei Brieg) der Pa-
stor alljährlich den Bauern geben muss.
— In der Oberlausitz heisst der Topf,
worin die Hochzeit- und Kindtaufgäste
Speisen mit heim nehmen, der Lauertopf.
laufein, Idfelu, leffeln, schw. vb.
abhülsen ;ausläufeln: Erbsen, Bohnen
aushülsen. Auch fränk. Schweiz, laufen,
läufern, läufzeln; bei Kaisersberg lou-
fen; Westerwald, lafen, laben; norweg.
löypa bork: Rinde abschälen; fränk.
Lauf: Hülse, Sehale. — Verwandt scheint
ags. leap, Korb, Leib (als Hülle der
Seele) ; altn. laupr, norweg. laup, Korb.
Gefäss ; weslphäl. Löpen : Satlöpen, engl,
seedlop, Samenkorb. — Diefenbach goth.
Wörterb. 2, 154, der bei einer Uoihe
schwerlich verwandter Worte an dieses
Zeitwort erinnert, verweist auch auf die
mit s anlautenden: schliefen, schlauf.
Lauge, f. wie hd. — Laugensack : Sack
mit Laugeuasche, übertragen: schlaffer
Mensch ; vgl. Dingrich, Schlappsack.
läukeln, ldkeln, schw. vb. Ifiugnen.
— v e r 1 e* k e 1 n : verlangten , «b-
läugnen, — oberharz, läkeln.
Lanii f. Es ist besser eine Laus im
Kraute, als gar kein Fleisch ; auch bei
Simrock Sprichwörter 6233 , vgl. hier
überhaupt Nr.6222— 6240. —Das ist nicht
drei Läuse werth! vgl. ich gib urab
niemand nit ein laus. Fastnachtsp. 397, 2».
Denn schrieb ich weiter fort, so dürft
ich wol die Laus,
die jetzt im Grinde steckt , gar
auf dieLeber jagen,
und was mir Hass gebiert, aus Uber-
eilung wagen.
Günther 4S8 ; vgl. Frisch 1, 588. — Und
nu da die Laus im Grinde sizt, weiss der
undankbare Guckguck vor Muthwillen
nicht, wie er seine Wohlthäter eg. mich
scheren und agiren soll. Stoppe Parnass
520. — Sieh Läuse in den Pelz
setzen: altbekannte Redensart ; dass
mich der Äff e lauste ! da wär ich
wohl nicht gescheut, das zu thun ; einem
die Kolbe lausen: mit Schlägen
zusetzen, missverständlicb für: einen mit
Kolben lausen, vgl. Zarncke zum Narren-
schiff 90, 12.
Lehel« m. Eine Mutter singt von ihrem
unfolgsamen Sohne : er is a rechter
Lebel. Ist es Löbel , Dentin, von Lob,
Gottlob? oder ist zu vergleichen nd.
Lobbes : grober ungeschickter Mensch ?
L^rie, L ie d e , f. bestimmtes unbebautes,
meist als Wiese benutztes Aussenfeid auf
Dominialgütern (Liegnilz , Lobris bei
Jauer). „Im Jahre 1234 schenkte Herzog
Heinrich I. dem Kloster Trebnitz 200 Hu-
fen Waldes bei Heinrichau, welche die
Deutschen Leiti (Lehden) nannten, wie
der Verfasser der Kronik aus der Mitte
des 13. Jahrh. sagt." Stenzel Gesch.
Schlesiens 1, 338. — Oblaus. Lehde,
Laide, Lehdung (Anton 9, 16) ; auch
obsächs. kommt das Wort vor , das
Frisch 1, 563 mit wüstliegender aber
brauchbarer Platz erklärt. — Solche
Aussenfelder , welche von der eigent-
lichen Feldflur getrennt sind, finden sieb
überall in Deutschland unter mannivb-
fachen Namen , die Landau Territorien
in Bezug auf ihre Bildung und Entwick-
lung (Hamburg 1854 , S. 177) aufführt.
In Schlesien sind die Leden, so weit ich
erfuhr, nur auf Dominialfeldern. — Lede
ist auf legede, legida, zn bringen und
bedeutete demnach ursprünglich nichts
als: Lage, Strecke.
Ledüehe, Leiduche, m. langer unge-
schickter Mensch ;lausitz. Lei! ich er, Dan-
zig. Laidak. Dem slaw. entlehnt: poln.
lajd, layda, Injdak: Lumpenkerl; lith.
lediikas, leddkas : lüderlich, faul.
Leffel, m. alle Vierein einen Leffel setzen :
die vier Füsse auf einen Ort zusammen-
stellen, wie trauerkollrige Pferde thun;
von Menschen : sich zusammenhocken. —
Dieses Leffel ist für Läufel zu nehmen ;
schwäb. Löffel : Lauf; Schweiz, ausieffeln :
einen Schuh austreten.
Leib« m. ich weiss mir bei meinem Leibe
kennen Roth. Stoppe 535; kräftiger ist:
sich beim A. keinen Rat wissen. —
— Leibel, n. Brustlatz, Mieder. —
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!>3
I e i b e I ö s i g , adj. auseinandergehend,
zerfallend. Auch laasitz.
be-lemmen, schw. vb. Huschen, hin-
tergeheo. Das ist belemmert : da haben
wir uns verrechnet I — nd. lemmern,
belemmern : in den Weg legen, hindern,
in Verlegenheit bringen ; sik verlemmern :
sich das Spiel verderben; rerlemmert:
bestürzt ; lammern : mit genauer Noth
etwas bekommen, Brtfm. Wörterb. 3, 52 ;
Schütze 3, 7.
lempern. schw. rb. sich belempern: sich
beschmutzen, einen Schmutzsaum machen
(Trebnitz). — Hemdelemper, m.
wie Hemdefist, Spottname für Kinder,
die im Hemde überrascht werden. —
schwä'b. Lamp : schmutziger lüderlicher
Mensch ; lampen. lämpeln : schlumpen ;
bair. Lampen: Hemdfahne, die zu den
Hosen heraushangt; westwäld. Lamper-
lott : Lampenkerl. — hess. westerwäld.
Lammel : Kothsaum ; frank, sich belam-
meln : sich beschmutzen, Koth auflesen.
1 enden, schw. vb. 1) landen: sucht in
dem Hafen anzuienden. A. Gryph. Gibeon.
582. 2) lenken, neigen : also dass die
Luft sich zu einer merklichen Feuch-
tigkeit lendet. Cureus-Rätel Chronica
292 (1607).
du kanst mit deinen hinden
der menschen stürk und kraft
nach deinem willen lenden.
Opitz 1,291. — ahd. Iantian,mhd. lenden.
Frisch 1, 606; SchmeUer 2, 478.
lendern, (andern, schw. vb. schlen-
dern, langsam gehen und kommen ; h e r-
umlendern: herumschlendern ; die Oe-
sellschaft 1 a d d ert zusamm en : iiodet
sich allmählich zusammen (Reichenbach).
— Lenderjän, La n de r j4 n , m. Lü-
derjÜD ; Lantrich,m. alberner un-
nützer Knecht (Lobria bei Jauer). —
mhd. lendern, Renner 6017; nl. lenteren :
trSg sein, franz. lenterer; dän. lente:
zögern ; nd. Lanterfant: langsamer nach-
lässiger Mensch. Brem. Wörterb. 3, 14.—
Nebenform: luntern, in gleicher Be-
deutung ; herumluntern: umher-
schlendern, die Zeit vergeuden.— Lu n t-
r i c h = Lantrich. — nl. (unteren, lunde-
ren, dän. lunte: zögern.
Lene, f. Bergabhang; auch sonst ver-
breitet.
Lenz, bei Opitz 1, 170 (1629) noch als
schwaches Masc. gebraucht. Hervorzu-
heben ist die Bedeutung: Freude, lär-
mender Jnbel : einen Lenz verführen ;
das war ein Lenz !
I.<erfre, Lerche, f. 1) dürres schlech-
tes Pferd, namentlich aber : dürrer Hund ;
2) lüderliches Frauenzimmer. — Grund-
bedeutung ist: schlecht, fehlerhaft; das
Wort scheint sich zu vereinen mit ahd.
lirc. lürc, lahm, stotternd, link, worüber
Grimm Gesch. d. deutsch. Sprache 991.
l\erig-, m. in unbestimmter Bedeutung
auf presse ungeschickte Jungen ver-
wandt, etwa gleich Tölpel, Lümmel
(Kolbnitz bei Jauer). Bs scheint auf Läu-
ring, Lauring zu führen, Ableitung von
Lauer w. z. s.
L«sake, m. Im 17. Jahrb. im Glogauischen
Benennung eines Gemeinevorstehers : die
nokbern und gemene von Garnedorf bau
mich zu ihrem lesaken gemacht. — Hört
ihrs, kirchschreiber und lesake von
Garnedorf! Gryph. gel. Dornrose. —
Das Wort hat diese Bedeutung uneigent-
lich angenommen ; früher bezeichnete es
eine Art minder Freie: „die lazaki, auch
lazanki geschrieben, scheinen in Schle-
sien gewesen zu sein, was in Deutsch-
land die Lassen. Sie waren wie die Las-
sen frei von Knechtschaft, aber darum
noch nicht den Freien völlig gleich, wie
sie deshalb auch unter den Starosten des
Herzogs stunden." Stenzel in s. ürkun-
densamral. d. Städte 68. — Linde ver-
muthete Abstammung des Wortes von
laska : Gunst, Gnade.
Leseh&ke, m. grosser ungeschickter
Mensch. Auch in Danziger Mundart: Lüm-
mel. In Österreich soll es einen behäbi-
gen, wohlbeleibten Menschen bezeichnen.
— Zu vergleichen poln. lezuch: Bären-
häuter; böhm. lezak : Faulenzer.
leschen, schw. vb. ausleschen: viel
gute büebsenschützen waren unter
den unsern , die mit ihren büebsen
manchen stolzen Behmen auslescheten.
Eschenloer 2, 38 ; vgl. Grimm Wörterb.
1, 912.
letnea, I » t s c h , adj. mit Ableitung 1 ae t-
s c h i g: weichlich, schlaff. — Gehört zu
laUch, latschen, w. z. s. — Schweiz,
latschig, bair. letzet.
Leviten lesen: einen abkanzeln, aus-
schelten ; in Schlesien noch gebräuchlich.
Vgl. Mone Schausp. d. Mittelalt. 2, 280 ;
Frisch 1, 609 ; Schütze 3, 29.
Liebe, f. Ma muss haldich asu denken,
wies asu hässt : die Liebe fällt nich im-
mer uf a RosenbUd, se fällt Ach amöi uf
an Kuhkät (Obernigk) ; vgl. Fischart
Gargantua c. 33 :
dann ihr beider lieb hat sonnenart,
fällt so bald auf ein küttreck als auf
ein rosenblat.
nd. de leefte fallet so ligt up enen ko-
drek as up en rosenblad ; vgl. Simrock
Sprichwort. 6449. — In A. Gryph. Horri-
bilicribrifax heisstes : die Liebe ist blind
und fällt wie die Sonne so bald auf eine
Grasemücke wie auf ein liebes Kind. —
lieben, schw. vb. bei den schlesischen
Dichtern des 17. Jahrh. noch intrans.
gebraucht; dir aber liebet nicht das
unbefugte fragen. Logau 799 ; keine
Schlumper mir auch liebet. Seherner S62 ;
hat keiner Macht geliebt. Opitz 1,166.—
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54
ein I i e b e n : beliebt machen : um hier-
durch sich beim Augustus einzulieben.
Lobenstein Ann . Thusn. 1, S. — Belieb,
m. Gefallen ; die Bibel , Gotteswort , ist
mein belieb im leben. Logau n. 545.
Hechte, lichte, adj. sehr gebräuchlich
in Schlesien : »es wird schon lichte" es
tagt; gelichte: hell, heiter. — zum
lichten gehn: Abendbesuche nach
dem Abendessen machen : auch oblaus.
— Leuchterknecht was hd. Licht-
knecht, ältere Sprache t liechtigel (Fast-
nachtsp. 1216) schwed. ^jusknekt.
Liese, Elisabeth ; wie Grete auch für
Mädchen oder Frau überhaupt verwandt.
Auch gewöhnlicher Namen der Stuten.
— Flennliese: weinerliches Weibs-
bild ; M a e r I i e s e : langsames Frauen-
zimmer ; Pfennigliese: geizige Per-
son , ein weiblicher Küssenpfennig. —
Liese für Lisse w. s. s.
Linktotsch, m. linkischer .Mensch , der
die linke Hand (Tötsche) für die rechte
braucht. — Schweiz, linkitatx. linggituss ;
bair. Linkewatsch.
Linke, f. Linke), a 1) Fürtuch;
2) enger dünner Weiberrock (Reichen-
bach). — Deminutivbildung zu Linne,
also eigentlich Leinentuch.
linzen, schw. vb. gucken, aus halb-
geschlossenen Augen sehen ; vgl. blinzen.
Lisse, Lixe, f. Nixe, über die Form
vgl. meine Dialektforsch. 68. — A. Gryph.
schreibt Wasserlüss im Peter Squenz :
Der Wassermann im Himmel
macht kein so gross Getümmel,
die Wasser-Lüss auf Erden
mag nicht so schöne werden.
Die Wasserlisse wird als Mädchen mit
Fischschwanz gedacht , gleich den Sire-
nen ; sie wohnt auf dem Grunde der
Teiche in Häusern , die den menschli-
chen gleichen. Zwei schlesiscbe Sagen
von ihnen theilte ich mit in meinen
deutschen Frauen des Mittelalters S. 46 f.
— Ein Kinderspiel stellt die Wasserlisse
dar : eins setzt sich inmitten eines Krei-
ses , die andern tanzen herum und sin-
gen dabei:
Wasserlisse , zieh mich rein !
schenk mir Bier und Brantewein l
die Lisse hascht nach ihnen und der ge-
fangene wird Wasserlisse , während die
frühere erlöst ist. Das Spiel schliesst sich
also dem Gedanken der Langseifersdor-
fer Sage an, dass Menschen, welche die
Nixe fängt , sie erlösen und an ihrer statt
zur Nixe werden.
Id lö, Zuruf an die Kühe. Beim eintrei-
ben vor dem Stalle lö la lö Id! wenn sie
stehen sollen : hö Id hd stt ; daher Löla
Schmeichelname der Kühe. — 8chweiz.
(Glarus) lo lo, Ruf an die Schafe ; lob
loba , Ruf an die Kühe ; Loba, Name der
Kuh bei Hirten und Kindern. Stalder
2, 176; Tobler 301. bair. le le t Rnf an
die Schafe, tele Schaf. Schindler 2, 400.
Lörie, f. Zotte, naar. — Lodenbock:
Mensch mit langem wirren Haar. Spruch
zu Kindern mit ungeordneten Haaren :
Lndebok, wu giste hin ?
„ei de SÜt nöch Sissebier. u
Wart a bissei, war mite gihn,
wil ok Schuh und Strimp Aziehn.
Für die beiden letzten Verse ancb diese :
Sissebier werd sauer warn,
Hansia wil a Bräuer wärn.
Hundsloden, übertragen: üble Nach-
reden ; dem werden sie das Grab gross
machen müssen, dass alle Hundsloden
Platz haben, die sie ihm mit geben.
Lög-e, f. Fass ; eine löge walisch wein,
ettiche fass bier. Eschenloer 2, 163.
Herrn Johann erzbischof von Gran, dem
wurde geschenket von ratmannen vier
malder haber, zwei viertel weizen, zwei
logen malrasier, eine löge waliscb wein
und ein fuder heu dazu, ebd. 164. wie
denn meinem herrn eine löge rheiufal
vom rat auch verehret ward. Schweini-
chen 2, 303. Vgl. schwlb. Logel » Ligel
w. z. s.
Loba, m. gewöhnlicher als die Lohe:
Flamme; bei Opitz II (162S) der loh,
vgl. der lohen. Renner 13961. nd. Lochen.
— Der Lohn schlägt aus dem Dache.
Lohnfeuer: helles Feuer, nd. Lög-
tenfür. — lichterloh, adj. mit heller
Flamme, I. brennen. Lohenstein schrieb
lichten-loh; nd. lichterlögten.
Loppe, f. Mund, Maul, vgl. lappern.
Lorber, L dr her , f. Ziegen- und Schaf-
mist, nach der beerenartigen Gestalt. —
Lorbersteig: Pfad der Ziegen und Schafe.
— I d r b o r n , schw. vb. Lorbern ma-
chen. — Auch nd. Schaps-Lörberen.
lortaehen, schw. vb. eine Art Brettspiel :
hier suchet er das Brett , ihm ist nicht
unbekannt
das lortschen und wie man die schöne
Dame ziehet.
Hofmannswaldau n. a. Ged. 4, 6; vgl.
Frisch 1, 621 ; Schmeller 1, 490. — lurz :
matt, labet,
ge- losen, schw. vb. los werden (Pol-
nisch Wartenberg). Dass ich mir nicht
begerte zu gelnsen den kummer der
mich krenkt. Opitz 1, 274. man fleisst
sich jetzt den bart vom manle zu gelosen.
Logau n. 1237. wo ich meiner seelen
qual — anders sol gelosen. Christ Gryph.
47 (3. A.). — mhd. gelösen.
losen, schw. vb.
Bräutigam Kindt vorsichtig
braut, ihr mögt zur gersten
Scherffer 660. Wahrscheinlich ist hier
lossen anzusetzen: ihr mögt euer Loos
in der Gerste suchen, sie wählen und
pflücken.
Lotschen, I ütschkern, vgl. latschen.
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I lichten - Lützel.
55
i, schw.vb. ich weiss nicht, was es
lucbten wird: wie ea von statten geben
wird (Reichenbach).
Inehtera, I o ch t e r n , aus Missverständ-
niss auch luchern, löchern,
schw. vb. riechen , spüren ; a u s-
I u c h t e r n : ausspüren , aussuchen ;
heromluchlern: herumspüren. —
Lucht er, m. Sparer, gewöhn!. Hunde-
name. — Luchtig, m. alberner Kerl
(Lobris bei Jauer) ursprünglich wohl
Schnüffler, der überall herumriecht. —
Ein nd. Wort ; auch dän. lugte, schwed.
lukta. — Ausser in Schlesien auch in der
Oberlausitz und vielleicht sonst in Mit-
teldeutschland. Campe leitete ea von
Loch , womit es gar nichts zu thun hat.
L,ugt m. ein Lug Zeit: Augenblick. —
lugen, schw. vb. lauernd sehen ; erlugen :
erlauern; mit erluren gleichbedeutend
für die Lurjungen gebraucht ; vgl.
lauern. — I ug s e n, schw. vb. belugsen :
belauern, lauernd hintergehen ; überhaupt
betrügen , nd. beluxen, afluxen. — auch
rbein. schwäb. gtugsen, anglugsen : an-
schauen, anstarren,
lullen, lullen schw. vb. 1) den Harn
lassen, mingere; sich einlullen. — Lullu
machen in der Rindersprache; das Lullu :
membrum genitale; 2) mit der Form
lullen, lillen : den Speichel fliessen las-
sen, geifern; sich belillen: mit Speichel
oder Getränk benetzen. — Lülle, f.
Speichel , auch die in den Tabakpfeifen
gesammelte Flüssigkeit: Schmirgellülle,
Tabaklülle. — Lülieputte,f. altes
Weib, das „lüllt." — Weiterverbreite-
tes Wort : bei Geiler und noch jetzt in
Strassburg lullen , bei Fischart lullen ;
in den meisten oberdeutschen Mundarten
erhalten in der Bedeutung : sangen, den
Speichel lecken. Scherz 059. 045;
Schindler 2, 464; Tobler 304; Stalder
2, 184 ; nd. lülken, lilken : iu kleinen
Zügen leeren ; Lull, Lullpipe : Röhre wo-
durch man etwas laufen lässt. Brem.
Wörterb. 3, 72. 08; nl. lulpype. Zu
dem Spottnamen Lülleputte stellen sich
das Schweiz. Löllerzapfe und die Bauer-
namen der Fastnachtspiele : Lullezapf,
Lüllau*, Lüllars, Lüllhart, Lullholz, Lul-
lapp. — Oberlausitz, mit Wechsel von
I und n: Nilie Geifer, nillen geifern.
el, Lämmer, f. schlechtes Mes-
ser. — Lummelschleifer : lfiderlich wie
ein L. (Trebnitz). — mhd. lAmel, Klinge ;
Schweiz. Lamme, Lammele, Lummeie;
scbwäb. Laurael; nd. Lam, LämmeJ; nl.
Icminer.
I, Ummern, pl. Hoden — Fuchslummern :
Name kleiner Pfefferkuchen (Nimptsch.
Strehlen) ; vgl. Mehlweissen. — mhd.
lumbel, Eingeweide.
Lüiiimel* m. den Lümmel liuten : sobald
sich im Schweidnilzischen (Schwein-
schen) Keller in Breslau ehedem ein Gast
lümmelhaft benahm, wurde eine Glocke
geläutet , die Lümmelglocke , und der
betreffende musite Strafe geben. Man
fragt daher noch bei ungezogener Auf-
führung : soll ich den Lümmel läuten ?
— Pfingstlümmel. Diese Benen-
nung des Hirtenjungen, welcher am
IMin^sttage die Kühe zuletzt austreibt
(Mythogi. 746) , kommt meines Wissens
in Schlesien jetzt nicht mehr vor; für
die ältere Zeit wird sie belegt durch
Scherffer, der in seinen Gedichten 410
sagt : ein Pfingstlümmel ist ein 50facfaer
Lümmel.
Lunte t f* Tunterlunte: albernes
Weibsbild (Reichenbach); vgl. tuntern.
Lunze, f. feminale ; deminuL Lunzel. n.
(Reichenbach). Ableitung von dem
vorigen. — Schweiz. Lunz, Luenz : Metze.
Aus Geiler führt Scherz 063 an: eine faule
luntsch.
Lupe« f. Hündin, Hund. Fleischerlupe
(Reichenbach).
Lurke, f. Knoten im Faden, der beim
spinnen hinein kommt. — lurk bedeutet
überhaupt das dem rechten entgegen-
gesetzte, das linke, fehlerhafte. Wie lurken
sonst stammeln bedeutet , so bezeichnet
es beim Spinnen Fehler, Knoten machen.
— Oberlaus, heisst Lurke auch eine trübe
Flüasigkeit.
Lusche, f. Pfütze. — Auch in andern nord-
ostdeutschen Grenzländern und in Baiern.
Aus dem slavischen :
lanie.
Lüsche, Abkürzung der poln. Koseform
für Karl : Karlusz.
Lusche» Lutsche, bei Bemdt L u e t-
sehe, f. Hündin ; nürnberg. Lüsen,
Leusch , Schweiz. Leutsch , Läutsch.
Schindler 2, 506; Stalder 1, 170.
luschnig, adj. lose, sich lösend ; I u s c h-
niges Kraut: Kohlkopf mit lockern
Blättern (Zobten a. Berge). — Aus lösnig,
lösend ; an klingt poln. lulny.
Lützel* m. Teufel : was fürt dich der
Lützel bar ? A. Gryph. gel. Dornr. —
Wenn Sie den Lützel (den verteufelten
Buben Cupido) nur
Scherffer Ged. 414.
i
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Zweite Abtheilung".
M — z.
Anhang min XVI. Bd. d. SiUb. d. phil.-hiil. ( I.
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so
Utah, M A h, st. m. Mohn, papaver. Wenn die
kühle Nacht wird ihr Haupt mit maah
bekrönen. Lohenstein Ihr. Bassa 3, 329.
Heute ist Moh die gebräuchliche Form. —
ahd. mAgo, mhd. mäge, ohd. Mage. Frisch
verzeichnet Mahn als die gewöhnliche
Form ; nd. Man, ul. man.
Machehof, m. Schlachthof, curia macta-
toria. Urkunde Her«. Boleslavs von Breslau
von 1307 bei Stemel Tzschoppe 108.
machen, schw. vb. gemachtes Essen, mit
Mache oder Mächsei, d. i. Fett oder Butter
nbgeschmalzene Speise. — ermacben,
dermachen: durchführen, aushalten;
er kanns bei dem bösen Weibe nicht der-
machen. — untermachen: es unter-
macht den gauzen Monat so: das Wetter
geht im Laufe des Monats also fort. —
wegmachen: des achten Heinrichs
söhn ward plötzlich weggemacht. A.
C.ryph. Carl Stuard 2, 208. — Mache, f.
1 ) das anmachende , Mächsei ; 2) in die
Mache kriegen: einen machen, mit ihm
fertig werden. Schweiz. Machi. Mach-
brich: Machwerk. — Gemachte,
n. 1) Machwerk. Lohenstein Arm. Thusn.
1,7 ; Günther 500 ; vgl. Schnieder 2,
541 ; 2) Genitalis, wie allgemeiner.
maffen, maffern, schw. vb. maffrig,
venu äfft, vermaffert: ungestalt.
keiue mit vermafller nase, Scherffer 560
Vgl. müden, verdorben riechen; nl. muf-
fen, schimmeln; frank., Westerwald., nd.
muffen, das Maul hängen lassen, murren,
worin überall der Begriff des verunstalte-
ten, verdorbeneu.
Magd, M:)d, f. nur die weiblichen Dienst-
boten auf dem Lande heisseu Mägde ; sie
theilen sich iu Gross-, Mittel- , Klein-
mägde. — Faule Magd, vgl. faul.
Mayen, in. Kräutermagen, ein ma-
genstärkender bitterer Brantwein , den
die Lahoranten im (tiesengebirge am
besten machen. Ist dieses Magen das ahd.
magna, Kraft.Stärke, und also der deutsche
Ausdruck für Essenz?
malen« m d I e n, st. vb. wie Mehl rieseln : der
Saud malt , der von dem ausgeschütteten
Haufen fein herabrinnt; ahd. malan. —
M a I e , f. der feine Staub der Landstrassen,
vgl. mhd. mein). — mal ig, staubig. —
Mal th euer, f. Wassermangel, so
die Müller nicht mahlen können.
malen, m o I en,schw. vb. Mal dir was, so
hast du was! zu einem schwer zu befrie-
digenden. — ahd. roAlen , malön. — Ge-
niale, Gemälde: mancherley geniale zu
Präge und überal bei den ketzern ufer-
stunden und lesterliche gesenge wider den
pabst uud alle preisten (1461). Eschen-
loerl, 177, vgl. 1, 259. — Mal werk,
n. Gemälde, Bild (ßolkenhain) : ihr mahl-
werk der natur, ihr blumen in den grün-
den. Opitz 1, 245.
Ge-male, n. der bezeichnete Ort, an dem
bei Fangspielen die zu fangenden sicher
sind; sie schlagen dabei dreimal an und
rufen : angeschlagen. — nd. Mal, Brem.
Wb. 3, 118. — Die alte Bedeutung von
Gemale als Ziel, dann aber auch als Zei-
chen der Heimath, und wenn man will,
selbst der Gerichtstätte mit ihrem Frieden
laufen hier zusammen.
maele, adv. allmählich, für mählich.
Mahlert den 30. Septbr. versazt ich einen
ring mit sechs spitzigen demanten und
eiu maldey vor zehn Thl., Schweinichen.
Ob der Druck richtig ist wird fraglich
sein. Schmid schwäb. Wb. 380 führt Me-
dey auf : ein Kleinod, vielleicht eine Me-
daille zum Hutschmuck.Scherzl0l7 bringt
aus Mathesiits bei : sametne parett mit
medeyen oderstrausfedern, und aus einem
würtembergischen Statut über die Gerade
unter den Schmucksachen auch Medeyen.
Zusammenhang mit Medaille wird nicht zu
läugnen sein. Vgl. auch Schnieder 2, 552.
malkern, besser ist melkern, schw. vb.
mit den Händen drücken und rollen; Kin-
der malkern ein Thier. — Ableitung von
melken.
mnllern, schw. vb. zanken ; zu einem, mit
einem m. (Reichenbach). Aus mäulern
entstanden : sich ermäulern, zanken. Vgl.
rhein. raulle: plaudern, grosasprechen.
— ud. mallen, thöricht reden, ausgelassen
sein; nd. nl. mall: thöriebt, wild, lie-
gen ab.
Malvasiert Breslauer Bier
ist der Schtesier Malvasier.
mn ngr, adv. zwischen , unter : nehm den
rokken mank die bein. Scherffer 637. —
der mang: dazwischen, darunter (Rei-
chenbach). — Niederdeutsches Wort; vgl.
alts. mang, an gimang, agp. on
engl, among.
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(50
Mann — mnuken.
Mann, M n n, plur. die Manne, Maunen. —
Manns mann (rechte Oderueile) ; vgl.
mil. ml. Mannsmennsch. — Mandel, n.
das Spiegelbild im Auge (Charlotten-
brunii), vgl. xoupifiiw. — Galmannel,
gelber Schwamm. — Sandmann: der
Sandmann kommt, die prickelude Empfin-
dung in den Augen schilfernder ; auch
Westerwald., rhein.; vgl. das bair. Pech-
mandl. Schnieder 2, 880.
maniehen, manischen, Nebenf. m e t-
schen, schw. vb. mengen, mischen, mit
dem Begriff des unreinlichen. — b e m a n-
t s c h e n, beschmutzen, e imnantschen,
einschmutzen, zermantschen, zu
M a n t s c h , schmutzige Mischung, ma-
chen, — allgemein: obd., md,, nd. mit
der Nebenf. matschen.
mnnsern, schw. vb. herumgreifen, beta-
sten, sich spielend womit beschäftigen
(Reichenbach).
marucheln, schw. vb., nd. Wort, was
nach dem östlichen Mitteldeutschland vor-
drang; abmaracbelm ermüden, sich
abarbeiten. Von Grimm, Wb. 1, 78 aus
mergeln gedeutet.
(mere, lieb, werth) , erhalten in dem
negativen unmasre, unmär: un werth,
gleichgilUg (nördl. Niederschlesien). So
wird ein guter kor! bei diesem volk un-
mar. Scherffer Ged. 659. — Auch erhal-
ten im mährischen Gesenke und in der
Oberlausitz; im Kuhlfindchen das Mär:
der Geliebte. — mhd. rowre , unmwre. —
Friach i, 642; Schindler 2. 607; Stalder
2, 192; Schmid 382; Schmidt 112. —
rhein. unmär: unsäglich, unzählbar.
nurren ; das schlesische kennt drei etymo-
logisch von einander völlig zu trennende
Zeitworte dieses Lantes. I)masren, schw.
vb. reden, schwatzen ;ausmmren: aus-
plaudern. — ahd. märjan, mhd. inuren.
Schmeller 2, 606; Schmid 374; auch in
den sächsischen und nord. Muudarten. —
Ableitung von dem eben angeführten
Adjectiv. 2) masren: zaudern, durch zö-
gern verderben. — vermaren: Zeit
vermären, vergeuden. — Maerliese:
langsames langweiliges Frauenzimmer;
Maerpeter, Maersack: langsamer
Kerl. — goth. marzjan, ahd. marrjan,
merran , mhd. merron , alt*, marrjan,
merrjan, mnl. merren, mnd. nl. marren,
— Schweiz, märschen: trotz vieler Müh»
nichts ausrichten. — Dieses schlesische
mtBreu ist also auf merren zurückzufüh-
ren. 3) mwren: mischen, mengend wüh-
len: im Sande meren ; auch oblaus. fränk.
— M a e r t e , f. Mischung ; Biermärte,
Weinmärte : Kaltschale mit Bier oder
Wein ; auch obsächs. — ahd. merot,
mert: mixtum, coena. me*rda: suppa, mhd.
merd. merate : Ahendbrod. — mhd. mern :
tunken. Fundgrub, i, 383. - meren :
vipare, tingere. Scherz 1031 ; ein ahd.
. merdn ist aufzustellen. Schmeller 2, 61 1
schreibt merren und bringt es mit dem
vorigen Worte zusammen, wovon es zu
scheiden ist. Das altn. merja liegt ab.
.Markt , M a rcht, Mar t, m. wie hd. — sich
einen Markt machen : ein Vergnügen ma-
chen , herkommend von der Jahrmarkts-
lust. — markten schw. vb. verkaufen,
durch Verkauf einnehmen ; ich habe heute
noch gar nichts gemarkt. Auch oblaus.
und weiter in Mitteldeutschland verbreitet.
zu - marlltten , zerbrechen, zerstossen.
Kernkronik 2, 727. — Stamm scheint
mar, mürbe.
Mariische ♦ poln. Marysia: Mariechen;
dann liebkosende Benennung jedes
Frauenzimmers; auch bei Schweinichen
2, 97: vertrauet Gott und habe mein
Marauschlein lieb, ebenso das. 2, 111.
140. — westpreuss. Marnschke.
.tlntfetüche, Mardaetsche,f. Langfloss
aus Balkenholz , aus den oberschlesischen
Wäldern bis Breslau und weiter hinab von
Bauern, den Matätschbauern, geführt, die
bis zur Ablösung einen Theil ihres Fron-
dienstes dadurch leisteten. Diese Leute
leben auf dem Flosse in einer kleinen
Strohhütte , vor der sich ein flacher Herd
befindet. — Der Ramen des Flosaea heisst
die Matsche. Auch Scheitholz wird in
Matschen geflösst.
Matischker, m. Matschkerle, n. Kose-
name der Vögel, wahrscheinlich aus Matz,
Mätzchen, wie anderwärts namentlich die
Kanarienvögel beisscn, entstanden.
Mauer« f. »hinter der Mauer" in dem
Gässclien längs der Stadtmauer (Reichen-
bach); vgl. Schmeller 2, 609.
Mauke, Maute, st. f. 1) Versteck von
Obst und Geld. — Weitverbreitet,
mauchen, vermaucbeln : verstecken. Frisch
1, 649; Schmeller 2, 548, 558; Stalder 2,
200; Schmid 377; vgl. mhd. mocken: ver-
steckt sein , westfäl. muke. — Die Form
Maute findet sich auch bitirisch, Schmeller
2, 647; Westerwald. Mutch.— Der Begriff
des heimlichen ist als erster festzuhalten ;
ags. muga, Haufen, und dessen verwandte
(Grimm Gesch. d. deutsch. Sprache 708)
liegen ab.— 2) Brei, namentlich Fau st-
oder Fauzroauke, aus Roggenmehl in
Wasser gekocht und dann in Stückchen ge-
legtund mit Butter begossen. Auch oblaus.
und weiterhin kommt Mauke in dieser
Bedeutung vor. Hoffmann v. F. führt aus
einem allschles. Glossar an : munke po-
lenta, wozu der Luzerner Munggel stimmt :
eine aus Mehl, Milch und Eier in Butter
gebackene Speise, Stalder 2, 220.
mAukca, schw. vb. dumpf, stockig werden
und riechen. — Auch oblans. (der Begriff
faulen ist abgeleitet). — bair. muecheln,
miiechten, müevhzen ; schwäb., Schweiz,
mänchelen, meuchtelen ; henneb. milchen,
müchzen; Österreich, müechtelu, mucken.
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HI
Durch Tausch vuu ch und f verwandt mit
muffen.
.Maas« f. £u thun haben wie das MSusel in
den Sechswochen. — Dass dich das
Mause) beiss! verwunderter Ausruf; auch
schwäb. — Mein MSusel : Liebkosung. —
Das liegt unter einander wie Mäusedreck
und Koriander, vgl. Sirorock Sprichwor-
ter 6922 und M. Beheini Wiener 28, 28:
drei poswiht warn vermischet hie vnder
dy fronten da zu schein, als meusdrek
rnder negeleiu.
Maus» f. Muskel. Die mausen: A. Gryph.
Card. Celinde, Cathar. v. Georgien. —
das Mäuse), namentlich die Muskel des
Oberarms. — ahd. mus. Frisch 1, 651;
Schneller 2, 628.
IHn tz. Mit*, Matthias. Das Wetter schlug
den 3. Augustizum St. Matze (in Breslau)
in Thum. Schwein. 3, 14. — So wie
Matze, Metze, Abkürzung von Mathilde,
allgemein für Weib gebraucht wurde , so
auch Matz für Mann , und zwar 1 ) einen
armen gemeinen Kerl : zur Hochzeit eines
von Zedlitz in Freistadt war eine grosse
Menge Volkes zusammenkomroeu „und
»lies grosse Hansen , das» auf allen orten
wegen raumes und provianls mangel vor-
gefallen, und also aus der grossen pracht
eine rechte Matheshochzeit geworden".
Schweinich. 3, 24. — Sgieng zu wie uf
Matzes hochzeit, von Gmnolke auf-
geführte Redensart; vgl. die süddeutschen
Gedichte des 15. Jahrb. von den Metzen-
uud Retzenhocbzeiten. — Hierher gehört
auch der von Gomolke aufgeführte Spruch:
Matz blas a Sack uf, louss a brumma, louss
a summa ; bin ich doch ke Edelman, wisss
ich doch warumma. 2) für einen einfälti-
gen Menschen: ein rechter MAtz. —
Schweinichen belegt seinen Gegner
Komnlus von Kessel gern mit dem Beiwort
Matz oder Mutz, indem er ihn als einfältig
schildert. Schwein. 2, 347, 353. So wird
Malz (gleich Hans, Barthel n. a.) in Com-
poaitis zur Bezeichnung einfaltiger und
lächerlicher Mannsbilder gebraucht:
Scheissroatz. Die Redensart : dnstehn wie
Matz-Fotz von Dresden, die ind. und nd.
vorkommt zur Bezeichnung des albernen
und weibischeu Wesen, ist früher auch in
Schlesien bekanut gewesen; die beiden
Worte bedeuten nichts weiter als einen
weibischen albernen Kerl; an Matthias
Flacius Ulyricus zu denken, gehört zu
den unbewussten Spässen mancher Rly-
mologen. In der Stelle: siotemahl unser
Liessgen auch weiss, wo Matz most holt
(Hoffmanawaldau u. andr. Ged 5, 144),
steht Matz für das gewöhnlichere Bartel
(Grimm Wb. 1, 1145). Bei der Redensart:
sich einen MiUz machen , d. i. eine Lust-
barkeit, denke man an Schwab. Uz für
Neckerei; zu erklären vermag ich ea
nicht.
■nein* pron. poss.; mit Weglassung näherer
Bestimmung. die gegeuseitigeBezeichnung
der Eheleute unter einander: meiner,
menner; meine, menne. Weiter verbrei-
tet. — mein, meinest Ausruf dor Ver-
wunderung. Mein! sage was dein Groll aus
nieinen Worten fasst. Günther 527. Mein !
was seht ihr schel dazu. Stoppe 242. —
Vgl. Frisch 1, 655 ; Schindler 2, 592.
meinen, schw. vb. hauptsächlich in der
Bedeutung: reilen, sprechen, wenn die
Worte eines dritten angeführt werden :
er meinte, er würde kommen, meint'
er. Gewöhnlich mit pleonastischer Wie-
derholung.
meiselrtriUiff« m£seldr.. miseldr., mistel-
dr., adj. 1) zusammengerollt, kraus, von
fehlerhaft gezwirnten Fäden ; 2) übertra-
gen: wunderlich, mürrisch. — md. und
obd. verbreiteL Scherz 1022; Schindler
2, 628; Anton 2, 11.
ge-meeke, ad^j. 1 ) lüstern, 2) schnippisch,
meckerfözzig: gelüstig. — Die
Beziehung auf die meckernde (und lü-
sterne) Ziege liegt nahe, indessen die
Zwischenglieder fehlen. — meckaen,
schw. vb. sprechen, reden. Die Leute
mcksen davon (Weizenrodo hei Schweid-
nitz). Nur durch die Ableitung von
meckern geschieden, bair. meckezen,
auch von Menschen. Schindler 2, 548.
Mchlweisscn, kleine platte Pfefferkuchen
(Breslau, Oberschleaien) ; sie werden am
Sommersonntage an die Sommerkinder
vertbeilt. In Brieg heisst dasselbe Gebäck
Mandelkerne, in Strehlen und Nimptech
Fuchslummern.
meidern, schw. vb. qualmen , namentlich
mit Tabakrauch. — Melder u. Staub beim
ausfegen. Besser ist Möhler, als Ableitung
von Moide, ahd. mhd. motte Erde, Staub.
— Die Form Molter bei Schneller 2, 572.
melzen, st. vb. v e r m e I z e n : das Getreide
vermilzt, verdorrt vor Hitze (Jauer).
Vgt. ags. miltan : sich auflösen , verzeh-
ren; verwandt ist schmelzen. Malz ist
eine Bildung aus unserem Worte. —
Schroetter 2, 574.
Mensch» st. n. 1) Mensch im Allgemeinen,
noch in 'Peilau (bei Reichenbach) als
Neutrum vorkommend; bei den Dichtern
des 17. Jahrh. öfter, z. B. Opitz 1, 305
(1629) ; A. Gryph. Card. Cd. 3, 76 ; Lo-
henstein Ihr. Bassa 1,87; auch mhd.; heute
noch fränkisch und nberpfälz. 2) Frauen-
zimmer a) die Liebste; der Liebhaber
heisst der Kerl ; durch ganz Süd- und
Mitteldeutschland und am Rhein hinab,
b) Magd, aber nur für Landmägde, wäh-
rend in Süddeutschland ganz elegante
Kindsmfigde sich selbst das Kiudsraensch
neunen. Früher nilgemein und bis in
die fürstlichen Hofstate hinauf ge-
hraucht; Kammermensch, Kammerfräulein
(Schweinichen). cjal« Schelte gebraucht.
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r>2
Ment — Mosanse.
Mens, m. Lärm ; oinen schrecklichen Ment
machen (Reichenbach). Vielleicht Ent-
stellung aus Mette, bair. Mettn s Lirra,
Gepolter. Schmeller 2, 049; vgl. auch
die rolle oder trunkene Metten.
Merge, f- Käthe! pfui, thu doch die Fin-
ger aus dein Maule! siehstu nicht, wie
sich die kleine Werkroörge so nichtig
stellt? Günther 1000. — Marge bedeutet
Mädchen , im poln. mercha mit üblem
Nebengriff, litis, mergn, ron hier in die
preossischen Mundarten aufgenommen:
Margelle, Marjelle; im Posenschen
bedeutet es altes Weib.
Mrse, f. feminale; nd., auch schwäbisch
(Schmid 381). Es scheint ursprünglich
dasselbe Wort wie Meise, Tragkorb,
Schmeller 2, 628; Stalder 2, 205, ahd.
meisa, altn. meis. Für die Vermittelung
mögen entsprechende andere Benennun-
gen desselben Gliedes sorgen : Futlerkre-
be Fastnachtsp. 749, 28; Futterwanne
ebd. 181, 4. 327, 15. 375, III; Pfeffer-
puchse, ebd. 274, 9; Schachtel, ebd. 857,
4, noch heute gewöhnlich; Tasche, ebd.
249, 13. 375. 2. Hieraus erklärt sich
auch die für Weiber sehr häufige
Schelte: Sack.
Meste, f. 1) Büchse, 8chachtel , hölzer-
nes Kästchen; 2) Frau, besonders eine
starke, dicke ; »gl. das vorige Wort. —
Die verschiedenen Mesten sind: Guck-
meste: Guckkasten ; Pfeffermcste:
Pfefferbüchse; Quargmestei Käst-
chen zur Aufbewahrung des Quarges ;
Salzmeste a) hölzernes Salzkfistchen
mit Klappendeckel ; b) die stellvertre-
tende Brautmutter, welche die Ehren-
hut am Hochzeittage hat, selbst wenn
die Mutter noch lebt; Star meste:
Kästchen, das zum nisten für die Stare
auf die Räume gesetzt wird; Strfiu-
sandmeste: Sandbüchse. — Mone
altd. Schausp. 119: den salzman mit der
mesten, wozu Mone aus Würdtwein
dioec. Mogunt. silig. V. 50 f. anführt:
III. metretas vulgariter mesten. —
Frisch führt ein böhmisches Meste auf,
was im echt Böhmischen wenigstens nicht
vorkommt
Mette machen : onatiiren.
.Tlilch» f. Ein durrer Mensch sieht aus
wie der elf rippige Milchjude
(Trebnitz). — Milchmarkt: ubera;
alt und weitverbreitet, vgl. Zarncke
zu Brant Vorr. 118.
inilmig-, adj. zu Staub zerfressen, nament-
lich von Bettfedern gebraucht, wie bei
Hans Sachs und Schweiz. (Stalder 2,
210). Besser als zu Milbe (miliwa),
dem milmig machenden Thiere, ist
dies adj. zu mclm (Staub) zu stellen,
vgl. auch Schmeller 2, 566. — nd. mulmig.
MÜthau* m. in alter Form statt Mehlthau;
auch bei Lolienstein Agripp. 4 , 419.
5, 287. ahd. mhd. millou. Schmeller 2,
567; Höfer 2,258.
Minel, M i nd el , Mtnzel, f. Kätzchen;
mfnlagutt, minzolgut: katzenfreund-
lich, schmeichlerisch. Die Form mitz im
nördl. Niederschießen. — kämt. Muindl,
Muindile, Muinzile.
nitaplicb, *dj. ausgelassen vor Freude
(Heichenbach). — schwäb. musper : inun-
ter, lustig, beweglich. Schmeller 2, 642 ;
elsäss. muster: lustig, frisch. Scherz 1086.
misrich, mtstrich, adj. verkümmert,
dürftig, von Kindern, Thieren und Pflan-
zen; auch oblaus. — Aus miser?
moi*{ren t in Igen, schw. vb. wie hd. wol-
len. — Sprüchlein aus der Grafschaft Giaz :
Knecht: Wie de Sternla funkaln !
Magd : Nu ! mlga se doch.
Knecht: Nu! gimmer a Guschla !
Magd : Nu ! mag Ich doch. —
In der alten Bedeutung k ö n n e u kommt
mögen vor u. a. bei Schweinich»:n 2, 185 :
weil dies» jähr ein gross miss wachs gewe-
sen , dass ich also die 200 11. nicht ver-
zinsen und die 120 fl. raietgeld geben
mögen. — Berndt lührt auch mögen in
der Bedeutung von dürfen auf.
Molke, f. nach nd.Art das Milch- oder Käse-
wasser , während in Oberdeutschland
Molke alles aus der Milch gewonnene
bezeichnet, namentlich Butter und Käse.
Tobler 321. — M o 1 k e n d 1 e b, M o I k e n-
t e 1 1 e r : gemeiner weisser Schmetterling,
Kolweissling ; im Osterlande Molkendieb,
im Fränkischen Molkensteler, Milchdieb,
Milchtrut, inAugsburg Milchmaler (Popo-
witsch Vereinigung der Mundarten 516),
bair., schwäb., elsäss. Milemaler, was
nichts anderes als Müller ist, schles. Mil-
lermsler für Müller in der Kindersprache ;
der Schmetterling heisstauch in Frankfurt
Mfthler. Die weisse Farbe gab dem Falter
diesen Namen; ebenso entspringen aus
dieser Vergleichung die Namen Molken-
dieb, Milchdieb, Milchtrut, westphäl. Mol-
kentöwer: der Schmetterling ist durch
diebisches naschen von Milch weiss ge-
worden; mythische Vorstellungen von
verkappten Elfen mischen sich ein. Mol-
kenteller ist entstellt aus Molkensteler.
Molle, erhalten im Diininut Mella, d. i.
Möllein: Kalb (Weizenrode bei Schweid-
nitz). — schwäb., fränk. Molle, Mollein:
Stier, Kalb. Schmid 389; Schmeller 2, 568.
moppein, »chw. vb. reisen , wohin mop-
pein (Brieg).
Moppe, M ii p p e, f. gemein für Mund, Maul.
— nd. Mappe, engl, inop, fränk. Muffe;
vgl. muffen. — mopsig, adj. sich mopsig
machen: sich übermüthig benehmen; vgl.
nd. mupsig, mürrisch; mopsen, maulen ;
engl, mop; nl. moppen.
Mosnnze, f. ein Gebäck: zu Breslau auf
dem Turne becket man gute Mosanzen,
Osterspiel des 14. Jahrh. Fundgruben H,
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320, 16; im 17. Jahrh. noch in Schlesien
bekannt; in A. Gryph. Horribilicrib. legt
Cyrille des welschenden Daradiridalum-
darides Worte: si cela est dedans la
aphere d'activite de vostre counoissance
aus : es ist ein schweres Gehacke , rothe
Eier in die Mosantzen. Das auch sonst
vorkommende Wort wird mit Matz , dem
ungesäuerten jüdischen Brote (mazah)
zusammengebracht. Schmeller 2, 659.
mö tischen , schw. Tb. beschmutzen , be-
schmieren ; schmutzig und schlecht
schreiben. — bemdtschen, voll-
mdtschen. — kuhländ. Mot, obpfälz.
Moud , fränk. Mud , rhein. Mutt , engl,
mud : Kot, ünrath, schlammiger Wust
Mötwulf, m. Maulwurf, entstellt aus
Moldwerf: Erdwerfer.
Muchel, m. Scheltwort, etwa tückischer
Mensch (Reichenbach). — schwäb. Meu-
chel : verdriesslicher mürrischer Mensch.
Schruid 377; nach Schmeller 2, 544 furcht-
samer Mensch. Der Begriff des heimlichen
liegt in dem Worte und seinen verwand-
ten, zu denen auch ahd. mücheo, müchihtri
(Meuchler) gehören.
mild ein, schw. vb. gemächlich mit den
Händen worin arbeiten , mit den Händen
worin wühlen: in der Erde mudeln. —
vermudeln: auf laugsame und nutzlose
Weise etwas verschwenden : Zeit , Geld
vermudeln. vgl. bair. mudeln: streicheln;
abmudeln, vermudeln: durch streicheln
oder handhaben verderben. Schmeller
2, 553.
muffen, muffeln, schw. vb. kauen; auch
bair., schwäb., fränk., nd. muffeln; nl.
muffen, maffen. — Die Bedeutung maulen,
Scherz 1081, ist auch oblaus. Vgl. Moppe.
— Heranzuziehen ist Neithart (Beneke 2,
379) : ir etelfcher möht daz sin gemüffe
gerner läzen, wo esgleich rüemecsin steht.
müflen, schw. vb. faulig riechen. Weit
verbreitetes Wort, das auch in die roma-
nischen Sprachen übergegangen ist ; der
Begriff stockig, modrig liegt zu Grunde;
vgl. nl. muff, ital. muffa: Schimmel.
Frisch 1, 671; Schmeller 2, 554; Steider
2, 218; Schmidt 116; Diez 234.
Ge-mfille, n. Kehricht, Unrath, eigentlich
das zermalmte; ahd. gamulli, rüdes; mhd.
gemülle; muljan, conterere. — Weiter
verbreitet, z.B. hessisch, bair. Frisch 1,
668; Schmeller 2, 569; Diefenbach goth.
Wörlerb. 2, 25. — Gemüllemann:
städtischer Fuhrknecht , der mit dem
Rufe : Gemülle raus ! durch die Strassen
fahrt und das Kehricht aus den Häusern
sammelt (Breslau).
IV.
n fernst, adj. jüngst verflossen: den nfich- |
sten Ostertag. Günther 482; du meintest <
nächster Zeit, ebd. 658. — adv. neulich: I
mummeln, m u m p f e n. schw.vb. die Kinn-
backen bewegen, langsam kauen. —
muminerizen, schmollen. — Allge-
mein verbreitetes Wort: Frisch 1, 672;
Schmeller 2, 575 ; Stalder 2, 219 ; Scbmid
394 ; Schmidt 118. Auch nd., nl. in n nunc -
len, mompelen, dän. iuumle , schwed.
mumla , mnmsa, engl, mump, mumble.
ifliimpfel, entstellt aus Mundvoll ; früh
nachweisbar und verbreitet Frisch 1, 673.
murksen, schw.vb. verdrossen und lang-
sam handeln und sprechen. — m u r k s i g,
adj. 1) mürrisch, verdrossen, 2) lang-
sam. — nd. Murk : mürrischer Mensch ;
schwäb. murkein : undeutlich reden , un-
ordentlich zusammenrollen , betrügen.
Schinid 395. kämt, murggizen : leise und
undeutlich reden. — Ableitung von mur-
ren. Unverwandt mit dem Folgenden.
murksen, schw. vb. abmurksen, ermurk-
sen: ermorden. — nd. murken, murksen:
tödlen , abschlachten ; fränk. murksen :
grob schneiden, Murk, Bissen; bair.
murkein : grob brechen. — Verwandt mit
murzen, mutzen: mutilare; ital. mozxare.
Masche, Mutsche,f. 1) Kuh, 2) lieb-
kosend für Mädchen. — In der Bedeutung
Kuh ist Musche auch Schweiz., Bcbwäb.,
westerw. ; bair. Motschen: Kalb. —
Schweiz. Mutsche: untersetzte Weibsper-
son. Stalder 2, 225; bair. gemeine Dirne,
wobei es an das alte nnd auch nd. Mutze :
cunnus, prostibulum (Scherz 1094, Brem.
Wb. 3, 210), nl. mot , mahnt. Das nd.
Mutze wird auch im guten Sinne für Mäd-
chen gebraucht, wie das schles. Musche
und das obd. Fut , Foze ; ital. mozza.
museheln, schw. vb. zerdrücken, rollen,
— zcrmuscheln, bemuscheln:
durch drücken und rollen beschmutzen.
— ahd. firinuscet, zimuscet: attritus; aus
dem 14. — 17. Jahrh. Beispiele für zer-
muschen , zerdrücken bei Schmeller 2,
642 ; Schweiz, mütschen : zerschlagen,
mütsch : morsch. Stalder 2, 226.
.Mutter, f. für Frau, Gattinn häufig.—
Mnttermen8ch: wenn einen Mutter-
mensch , der sich mit mir verpflichtet.
Lohenstein Epichar. 2, 332. vgl. mhd.
muoterbarn.
Mutz, wie MAtz, was z. s. — Wenn mer
warn Mutzen hängen, sAl as Litterle trän
(Gomolke) — Mutz, Mutzet : Liebkosung.
mutzen, schw.vb. spielen, tändeln (Jauer).
— Hängt es mit mutzen : schmücken, zu-
- sammen ? — Vgl. Schweiz, mützen : be-
haglich trinken. Stalder 2, 227.
auf-mntzen , ist auch schles. vgl. Grimm
Wb. 1, 692—695.
mein Gut besucht ich nächst. Logau 10,53.
— Weiter verbreitet, auch in der späteren
_ mhd. Zeit; ebenso isl., altnorweg. naest,
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nachten - nicht.
näehten, n eich ten, adv. gestern; vor-
neehlen : vorgestern.
Koridun war der belriibtste unter allen
Bauersknechten,
denn dor Teufel holt das liebste, sprach
er : Nisa starb mir nechten.
(Logau 4, 91.)
Nächta, als der Mända sehen, rumpelts
uf der Brücke, A
für dar Hans de Kate hem uf der Ifa-
krücke.
(Anfang eines srhles. Liedes) ; oihd. neb-
ten ; obd. und tnd. allgemein.
.\arne, f. das nehmen: 1) die Mäuner-
n a m e : Heirath. Scherffer 622. 2) Raub :
teglich teten sie grossen schaden mit
uame Schätzung und brande. Eschenloer
2, 72. grosse name hatten etliche in
ßeheim geholt, ebd. 2, 144. — ahd. nama,
inhd. mime.
>\nnne t m. Vater: Nann Adam. — Nann
beisst dem paurvölkleiu so viel als vater.
Scherffer 584. — Durnruses Naune. A.
Grypb. gel. Dornr. — Im Kuhlandchen
Gruossnaun : Grossvater; oberhess.Gnenn;
im Simplicissiiuus und bei Scherz 601 :
knän. — Schweiz. Nenne: Mutter. Vgl.
ahd. ginanno, gnanno : cognominalis ; mhd.
geuenne, rhein. Genang, nl. genant:
Namensvetter. — Das ital. nonno, nonna,
lothr. nonnon : Oheim, wovon das rhein.
Nonk, Oheim, liegen ab; vgl. Die* roman.
Wb. 240.
!\jii!'ri schw. m. hab du Bettelleute zum
Narren, aber nicht mich! Narren-
schuss: närrischer Kerl , Mensch voll
Narrheiten (Hirschberg). — narreu,
schw. vb. 1) intrans. närrisch thun, n. sein:
denn das gold der neuen Welt macht dass
alle Welt sehr narrt. Logau 2502 ; 2) trans.
zum Narren machen , zum Narren haben.
Du wirst dich narren! = das ist anders
als du denkst. — narrinzen: narrisch
sein*, Possen treiben.
\n*e, f. dem lnufts aus der Nase ins Maul !
dem fällt alles von selbst zu. — Der freund-
liche Wegweiser: immer der Nase nach!
auch schlesisch; vgl. Ayrer op. theatr.
II. 126. rw. geh der Nase nach, so wirst
ni t irr. — nasla gutt! nasla wart!
drohender Ruf der Kinder, entstellt aus:
na, das ist gut! na so wart! — Nasen-
quetsche, f. Sarg aus glatten, aber
schwarz angestrichenen Brettern mit fla-
chem Deckel ;das letzte Almosen, das Blut-
armeu und Selbstmordern von derGemeine
gegeben wird. Nürnberg. Nasend rticker,
Nascnpatscher.
Untschen, uutschen, schw. vb. saugen ;
— abnatseben: spöttisch für abküs-
sen. — Auchoblaus. — N u ts c h, m. Stöp-
pel, Zulp, Saugläppchen. — Nutsche, f.
Saugbrust. Kernkronik 2, 723. — Schweiz,
nätscheu, notschen, nutschen. — frank.
uuUcheln.
Untschen, schw.vb. weinen. Aucb oblaus.
Vgl. knatschen. — Schweiz, nätzgen.
achwäb. Nasch : Schluchzer, singultns. —
naUchen und nätscheu scheinen verwandt
mit netzen.
naturen, schw. vb. intr. beschaffen sein.
Ich bin nicht genaturt dazu (Berlhoids-
dorf b. Heichenbach). Vgl. Cl. Hälzler
267 ; Ambras. Liedb. 226, 80 ; Schindler
2, 715;Slalder2, 232.— naturell, net-
ter ^1, adj. natürlich, ganz und gar: „das
eine ist naturell wie das andere. Er sieht
dem Vater naturell ähnlich." Sehr ge-
bräuchlich. — Schweiz, natral , nettral.
Slalder 2, 232.
Neffe, f. Nichte :
Weil Ariane mir , der Ausbund dieser
Erden,
die Neffe meines Herrn , begonte hold
zu werden.
Lohenstein Epicharia 1, 124 (1665).
Neige, f-, diminut. Negel u. ; hier nur zu
erwähnen als ein schlesisches Lieblings-
wort; übrigens allgemein bekannt.
Neisse, Stadt und Festung, Hauptort de«
früher fürstbischöflich Breslauer Lan-
des Neisse. Redensart: Es möchte Maden
regnen, wie zu Neisse.
ncMen (Breslau, Glaz), n e I e n (Oels, Lieg-
nitz), achw. vb. zaudern, langsam han-
deln, langweilig reden. — NeMhana,
N 4 1 p e t e r. — nd. Wort : nölen , nälen ;
von da ins dänische : nöle.
Nerre, f. schlechtes Messer.
nerren, schw. vb. knurren wie die Hunde.
— nd. nirren, von Katzen gebraucht.
Vgl. und machen zwischen in wirren und
werren
dass sie des morgens gen einander
nerren,
als recht die huut, die da aneinander
peisaen.
Von einer meistei l. Predigt, Fastnachtsp.
1159. Vgl. nirgeln, nergeln.
nicht, n i o h, n i : bei Opitz vielfach nit ; bei
ihm und andern schlesischen Schriftstel-
lern steht „nicht" noch zur Verstärkung
anderer Negationen : a) nichts nicht:
die liebliche gestalt bricht nichts nicht
seinen sin, Opitz A. a. (1625) ; die weil
sie nichts nicht ist, 1, 204 (1029) ; denn
nichts nicht , was mein Lorber-Schatten
decket, wird durch den blitz erschrecket.
Lohensteiu Agripp.4, 345. Dieses „nichts
nicht" ist die volle Form, aus der sich
unser einfaches nichts loslöste. Grimm,
(irainiii. .1, 67 f. b) dass du kein Kind
nicht hast. Opitz 2, 131. Noch hente
allgemein zu hören, c) kein Mordstiick
ist mir n ie n i c h t in Gedanken kommen.
Loheustein Agrippina 4, 278. — nimme".
nemme!, nicht mer, mhd. nie ra«5 ; im Mit-
telwalder Dialekt noch stets durch „nicht'*
verstärkt: elz is kein sella solwe neuime
ne zu kriega. Sohöuig'a Gedichte.
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Viemands, niemand (Hirschberg); vgl.
Schnieder 2, 668; Zarncke zu Braut Kl, 2.
Andere ältere Beispiele : Fastnachtsp.
665, 7. 697, 12; Eyb.el.weib. 8. (U72).
niemenscb, niemand ; abd. niemen-
niscu, mhd. niemensebe.
niederträchtig;, »""j. w,e atigemein so
auch schlcs. für herablassend.
nifleln, schw. vb. reiben , in : zernif-
feln: alles zerninelt, zerfitschelt , zer-
fezet. Scherfler.409. — niffen, niffeln,
nifteu : bair. reiben , wetzen ; schweiz.
stossen, stechen; westphäl. nuffen.
nicken, schw. vb. sanft schlafen; ein-
nicken: einschlafen. — mhd. nicken,
nncken.
nipfen, schw. vb. schläfern ; nipf: dormita-
tio, bei Peter von Patschkau, Fundgrub. 1,
385. Vgl. Schindler 2, 700 ; Höfer 2, 279.
Nippel, n. (ursprünglich wohl roasc.) Penis.
— Vgl. schwäb. Nipp : Stoss ; Schwöb.,
Schweiz, nopfen, noppen : stossen; nd.
noppen, nubben; mnl. nopen; westerw.
neipeln : streicheln.
nu-freln, nergeln, schw. vb. knurren,
keifen. — n er gl ich, adj. märrisch,
keifend. Auch oblaus., fränk., — od., ul.
nurken. — Vgl. uerren.
Vischel, m. Kopf. Auch oblaus. und wei-
ter verbreitet. — Schweiz. Nischen :
Schopf. Stalder 2, 239.
niessen, st vb.
Wer der arbeit mark wil niessen,
muss ihr Bein zu brechen wissen.
Logau 2, 78. — G e n i e s s, m. Ertrag : die
Zölle haben nit ihren geniess. Eschenloer
1, 124. — was vor leiten schelmisch
hiess , heisset ehrlich , bringt geniess.
Logau 4, 16. genüssig, adj. vergnüg-
lich. Kornkronik 2, 721. — unge-
neussig: unersättlich, habsüchtig und
neidisch. Vgl. Landsmann, du bist unge-
neussig. Grobianus übersetzt von Hell-
bach 48 (IS67). — geniesslich,
genisslicb, adj. dasselbe.
nieten, schw.vb. sich nieten oder genieten,
sich woran erfreuen, noch bei W. Scherffer
87: billich dess ineyen ihr euch wol
genieltet: (gewüttet); mhd. nieten.
Kitsehe, Kürzung von Nitbart; in Schle-
sien sehr häufig als Familienname. Zu
berücksichtigen ist auch im (wahrschein-
lich) schlesischen Osterspiel des 14. Jahrh.
bei Honmann Fundgruben II, 298, 19: „es
sei Kunze, Heinrich oder Ott, Hensel oder
Eckebart oder Nitsch mit dem grossen
Bart", wo wir beliebte Namen der Zeit
kennen lernen.
Könne, f. 1) wie bd. — Nonnenferzel:
k leine . Pfeffernüsse , verbreitete Benen-
nung; nd. Nunkenfurte. 2) Sau, die zur
Begattung unfähig gemacht ist. Frisch 2,
23; Schweiler 2, 690; Stalder 2, 246.
Not, Nut, f. da ist keine Not um Angst :
darum darf man sich nicht ängstigen. —
- Nonne. 65
nötig, adj. mit activer Bedeutung:
drängend, geizig (Beichenbach, Schweid-
nitz). — Vgl. abd. ganöti parcus, nötac
violentus ; mhd. nötec dürftig, arm.
na, sehr gewöhnlich beim Beginn der
Rede. In Antworten wird zuerst die Frage
mit einleitendem nu wiederholt, und dann
folgt die eigentliche Antwort.
nöricln, schw. vb. rollen, kneten, Nebenf.
k u fl d el n. 8ehmeller 2, 682; Stalder 2,
245. Vgl.nl. knuidclen; altn. hnudla. —
Nudel, f. wie hd. — Nudeldrücker:
filziger knausriger Mensch.
ge-noge, genung. adj. ihr könt alleine
geben genüge rechte lust. Opitz qu ij.
(1625). — genung haben: befriedigt sein,
oder wie schlesiscb noch gesagt wird :
vergnügt sein. Altere schlesische Be-
lege : es ist der sinnen pest nur stets nach
eren streben und nie vergnüget sein.
Opitz 1, 246 (1629); hatte Ariovist sich
mit deneji gewonnenen Sequanern ver-
gnüget. Lohenstein Armin. Thusn. 1, 19
(2. A.) — Frisch 2, 23.
nuck nuek, Lockruf der Schweine, daher
Nucke, f., Nuckerle, n. Schwein.
— Osnabrück, nöks.
Nulde, f- Nadel, durch die Form Nalde
vermittelt. Kniffelnulde: Knöpflein-
oder Stecknadel. — Nolde, aens, Scherz
1129; rhein. Nölde , nl. naald.
Xülle, Nille, f. Penis; nd. Nille. — Die
Bedeutung Hure, welche das Wort nach
Bernd t schlesiscb hat, und die auch
oblans. vorkommt (Anton 10, 18) wird
durch die ältere: vulva, vermittelt ; vgl.
nol, vüedelnol. Minnes. Hag. 2, il3 b . 3,
217'; bei Fischart mit Beziehung auf diese
Bedeutung : Niillenpruck, Gargnntua c. 16 ,
Nollplon c. 21.
Nulpe, L Tabakspfeife; vgl. nupeln.
numpern, nunschkern, im nördlichen
Niederschlesien auch : unschpern,
unschken, adj. winzig, gewöhnlich
durch vorgesetztes „klein" verstärkt: ein
klein numpernes Kind. — Die rfilhselhaf-
ten Formen scheinen entstellt aus winzig,
wofür schwäb., pfälz., westerw. wunzig,
Schwab, auch nunzig, kleinnuuzig (Schmid
394) erscheinen.
IVunne, Nunnei, Ninne, Ninnei, f.
Wiege iu der Kindersprache : in die
Ninnei gehn. — ninzen, schw. vb. in
der Wiege schlafen (Heichenbach). Auch
in der Acbener Mundart: Nina: Wiege;
ninanen: schlafen. Müller-WeiU 164.
Susaninne: Wiegeuliedchen :
Dein Lied war einerlei nur stets vom
Klosterleben,
izt gehts (belachs nur mit) auf Susanin-
nen aus. Günther 39">.
Von diesen Liedern haben sich H*sto
erhaltennunu :
Sause nunne sause,
der Pap» ist nicht zu hause,
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mlpelo — oek.
wenn er wird nach hause kommen,
wird er schon geklingelt kommen,
kling, kling, kling!
Sause ninne sause !
die Kitsch is nich zu hause,
sie is einmal zum Nupper gangen,
wird sich wol e Mäuse! fangen,
hunni sausi !
Nunne, nunne, nunnel
der Bubu sleckt in der Tuune,
er hat en weissen Kittel an,
er will das liebe Kindel han,
das kriegt er nicht, das kriegt er nicht!
(Reicheubach).
Vgl. Fiedler Volksreime aus Anhalt S. 19.
Woeste Volksüberlieferungen aus der
Grafschaft Mark 1. und weiteres bei
Hotfmanu Geschichte des Kirchenliedes
421 (2. Aufl.) wo susA ninne als „saus
Liebchen" erklärt wird? — Vgl. pripp.
nuneln, nuppelo, echw. vi», saugen. —
Nupel, mit ümstelluug: Nulpe, die
Tabakspfeife. — Oblaus. bair. Schmeller
2, 700.
Näselte, f. schlechtes Messer. — Aach
oberlaus. bair. ; von den slawischen Nach-
barn entlehnt : poln. noz , böhm. duz.
' nüseln, nA schein, nischeln, schw.
vb. undeutlich durch die Zähne oder die
Nase reden; annuscheln einen: un-
deutlich und mürrisch anreden.
weil nun die weit wie ein kindisch alter
greis,
beissig garstig sattsam wird, bloss auch
nur zu nuseln weiss.
Logau 1170. — ahd. nisil4n ; Frisch 2,24;
Schmeller 2, 71 1 ; Stalder 2, 246 ; Anton
10, 16. 19 ; Müller-WeiU 167; nl. neu-
zelen.
Nun«, f. die gleiche Aussprache von Nüsse
(nuces) und Nisse (leodes) wird 'zu fol-
gendem Spasse benutzt, den man sich
mit Obstweiberu macht: Mutter, hat sie
Nisse? „Ja!" Nu, da hat sie auch Läuse,
nütteln, schw. vb. sich hin und her bewe-
gen, geschäftig sein, bei Günther 853 •
Du bist auch nicht selten da, wo man
Stachelnüsse schüttelt,
und man weiss schon dass dein Kiel an
den kleinen Tellern nüttelt,
über welchen Alcimene artig und ga-
lant coupirt.
ahd. hnutle'n, vibrare. — Frisch 2, 24;
Schmeller 2, 720.
ober, «eher, prfipns. seber der Kerche.
— adj. in der asbersten Mühle, im Aeber-
durfe.ufm Aeberboden; — oben, übn, mit
näherer Bestimmung : drübn, druba,
düba, diba; hiebn, hieba. — Da- |
von die Adjectivbildungen: öhig,ubig;
dribig; hie big: ober; jenseitig;
diesseitig. Auch oberpffilz., fränk., md.
Oehne, t'chseschw. m. Ausser der ge-
wöhnlichen Bedeutung bezeichnet das
Wort die Luftblase, die sich unter der Eis-
decke bildet und darunter hinfährt, wenn
man durch eiu kleines Loch hineinblist
öder, üder, Ader, pari, für aber, wie
Aber für oder gesagt wird : Ader ich
sA dersrh , fulg nu basser. — ich Aber du,
e*ner müss's sein. — Diess oder, adir für
aber ist allgemein mitteldeutsch und fin-
det sich bereits in mhd. Zeit. Ilückert j
zum h. Ludwig 29, 16. — aber für oder j
ist auch laus. bair.
Oder, Uder, f. der schlesische Haupt-
strom; in den noch heute ausgedehnten
Oderwäldern hausten früher viel W3lfe,
daher ist der Oderwolf stehend in
Redensarten : heulen , hungern , fressen
A wie ein Oderwolf.
Ofen, Cfn, m. der B a ck of e n ist ein-
gefallen: die Entbindung ist erfolgt; auch
bair. Schmeller 1, 33. Vgl. auch Günther
•563: sobald wird ein Geschrei aus Adels-
dorf erschallen, das kleine Vogelhaus sei
plötzlich eingefallen. Zu beachten ist auch i
Simplicissimus herausg. von Keller, I
S. 1044: „wäre der inficirte aber so star-
ker Natur, dass diese erzehlte Mittel
nichts verfangen wolten oder könten,
alsdann ist das beste Mittel, dass man mit
ihm in den Backofen wische, damit er
gantz neu umgebacken werde." Der
Schluss beweist, dass hier nicht :iu das
Mittel, Aussatz im Backofen zu vertreiben,
zu denken ist. — Ofen helle, f. Kaum
zwischen Ofen und Wand, iu der eine
Wandbank, die H e 1 1 e n r i t s c h e , II e I-
lenschemmel steht; weiter verbreitet.
— Ofenrand: Gesims am Ofen, das
zum Wärmen von Flüssigkeiten in kleinen
Töpfchen benutzt wird. — Ofenstange:
Stange , die längs des Ofem zum Wäsch-
trocknen benutzt wird. — Ofenstein:
die mit Steinen oder Ziegeln gepflasterte
nächste Umgehung des Ofens; darüber
sind die Schieissen (Kienspaue) ange-
bracht, welche das bäuerliche Reteuch-
tungsmittel sind. Freundlicher Spruch,
der die Abendgäste zum Autbruch ennhut :
Es dunkelt um den Ofenstein,
Ihr Hockengä'uger schert euch heim,
oek, ocke, ack, och, eine beliebte
Partikel des Schlesiers , die sich etwa
durch: nur, bloss, doch, wiedergeben
lässt; hir ok! gib ok! — ich hätt ok a
kle*ss Pakstla. — Die Partikel, die weit
verbreitet ist, lautet im Kuhländchen
ocker, hess. ockers, westerw. nassau.
ackers , nd. ockers, rhn. eckersch, und
ist augenscheinlich das mhd. ockert,
i
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okrftt - Pappe.
G7
eckert, ahd. eckorodo (Grimm Grammat.
III. 113, «A3; W. Wackernagel Glossar
CIX). Im 14. Jahrb. hatte sich ockert in
den östlichen Gegenden schon zu og ver-
kürzt , wie Stellen in Jeroschius Kronik
(Franz Pfeiffer Beiträge 1, 202) bewei-
sen; daneben dauerte aber ockert fort
(Leyser Predigten 153). — Der Meinung
Friedr. Pfeiffers (Untersuchungen über
die IWpgowische Kronik, Breslau 1854,
S. 73), dass unser ock das gotb. ak, abd.
oh sei , ist nicht beizustimmen.
Akrot, dkrltsch, s. Kret.
Olprotze, s. Getze.
'Hineilt 'Omer, f. plur. ßrandasche; die
brennenden Büschel , welche bei einer
Feuersbrunst umherfliegen (Reichen-
bach); schl. für Anier, Grimm Wb. 1, 192.
279.
*0 nisset ?• Ameise; auch oblaus. elsäss.
Oineis, luxemb. Omes, Westerwald. On-
utetz, kämt. Uraasse ; vgl. Grimm Wb.
1,277, und obeu S. 17. Eiuse. — O m s s e n-
bä r : Ameisenbär, als Schelte gebraucht
— oinssen, schür, vb. wie Ameisen
wühlen , von prickelndem Schmer/, ge-
braucht; auch oblaus.; gleichbedeutend
ist ömern (Jsuer).
Ort, n. 1) Ende, Spitze; den Balken am
stärkeren Orte heben. O r t s t ä m m e : die
äussersten Seitenstimme der einzelnen
Abtbeil ungen der Langflösse. — Ort-
bet: die Stelle wo der Pflug zur neuen
Furche umgewandt wird , der Anwand.
— Ortscheit, drischt: Holzander
Deichsel, an welchem die beiden Wagen
hängen und worin der Schlossnagel steckt.
Andere Namen dafür bei Popowitsch Ver-
einigung der Mundarten 421. 2) Ort,
Stelle , Absatzort für Milch- und Butter-
weiber : sie hat die Milcb blossig in die
Aerter , d. i. für ihre festen Kunden. —
Dienstort.
Otter, richtiger Atter, f. Natter. Vom
Atternknnig weiss auch die schlesische
Sage mancherlei zu erzählen. Er wird
durch den Altern ffinger mittelst einea
Pfeifchens herbeigelockt; diese Land-
streicher, vou denen sich in den Sagen
manche Spuren finden, scheinen zugleich
Spielleute und Märchenerzähler gewesen
zit sein. Vgl. hiezu:
Die Welt ist keines Günthers werth.
sie braucht nur schlechte
Sänger,
indem sie von dem Otterfanger
auch ungereimte Lügen hört.
Stoppe Parnass 42.
P.
i , schw. vb. schreien, blocken, na-
mentlich vom Kindergeschrei (Neurode),
ptekera, für poekeln.
Pallast, m. eine Pitilastkuh: Prachtkuh.
pumpern, schw. vb., 1) weichlich sein,
kläglich Uiun; 2) leckeres kochen und
braten. — Pamper. m. weichlicher
Mensch. Hosenpamper:l) kleiner Jun-
ge, der sich in den Tlosen noch ungeschickt
benimmt; 2) kindischer, ungeschickter
Kerl, Hosenscheisser. — p a m |» r i c h, adj.
wie ein Pamper. — Schweiz, bampen, bam-
peln : ungeschicktsein, naschen. Stalder 1,
128: österr. Barn bei, Bampel: dickes un-
behilfliches Weib; schwäb. Pampes: klei-
ner Kerl, Hosenpampes ; bair. pumpet:
untersetzt. Vgl. pimpeln.
Pams, P am ps, in. dicke pappige Masse,
z. B. im Tintenfasse. — p am ps ig, adj. —
Verwaudt mit Pappe, Paps. — bair. kämt.
Pampf, westerw. Painpch, nd. Pampe.
Pamüehel , P a m u f f e I, m. Duckmäuser;
geduckter Mensch. P amuf felgesich-
te: Schelte (Reicheubacb). Vgl. Muchel.
panschen, pantschen, schw. vb. 1) im
Wasser herumschlagen mit Händen oder
Füssen; 2) Flüssigkeiten mischen: ge-
panschter Wein, gefälschter Wein. —
verpanschen: die Frucht abtreiben.
— Pansch, in., nasser Schmutz: in
Breslau ist fast das ganze Jahr ein rech-
ter Panisch auf den Gassen. — kärntn.
i, herumwühlen iu etwas; frink.
pantschen : mischen, verfälschen ; Schweiz,
banschen: rütteln, schlagen. Vgl. auch
Frisch 1, 60 und patschen.
Pnntsch, m. voller Bauch, Wanst; von
Berndt aufgerührt, mir unbekannt. Vgl.
Grimm Wb. 1, 1119.
Papolsehla.n. pl. Springauf, convallaria
majalis (Lnngenbielau). Wäre es aus Ba-
hnscblein entstellt? die Blümchen die wie
Bnbuschen (w. z. s.) sich im Grün ihrer
Blätter verstecken?
Pappe, Papps, m. Brei; Mehlpappe,
Griesp. , Kartoffelp., Kürbisp., ßirnenp.
— Pappe im Maule haben: undeut-
lich, wie mit vollem Munde reden.
„Es klingt als hättet ihr den Pappe noch
im Maule,
wenn euch Flachshecheln hat zu reden
was beliebt."
Hoffmannswaldau u. a. Ged.4, 314. Pappe
ums Maul schmieren: mit Schmei-
chelworten berücken; vgl. das ältere:
Bappe einstreichen, mit Bappe geschwei-
gen. Grimm Wh. 1, 1118. — Pappe-
kind, n. Kind, das noch mit Pappe
(»etil- oder Griesp.) genärtwird; kindi-
scher weichlicher Mensch. — Papp-
stoffel, m. Mensch, der undeutlich
spricht, vgl. pipern und päppeln. — p a p-
pen, schw. vb. essen, in der Killder-
sprache ; auch kämt. — päppeln, p e p-
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08
paps — Penkert.
p e I u, schw. »b. zärtlich mit einem Kinde
oder mit einem Kranken umgehen. — v e r-
p a p p e I u : verzärteln , mhd. pepeln ;
Schmeller 1, 290; Steider 1, 121; nd.
verpepeln.
paps! Schallaut: pappst da fiel was. —
p a p p s e n, fallen. — nd. Babs, Behalten-
der Schlag.
Pnrehe , »chw. m. Pferch, Planke, Pal-
lisade. „Doch endlich Hessen die Bressler
du» Cluster S. Vincentii umgraben und mit
parchen pasteien und weren anrichten.
— Dessgleicheu zu Namssla Hessen sie
einen neuen parchen umb die «tat sieben
uf dem äusersten wale." Eschcnloer 1,
223. Denkt och, wie oich war, do er noch
xe nachte über den parchen stieget. A.
Grrph. gel. Dornr.
pardcrbipkigr* perderhekisr, adj. ver-
drüsslich, unsinnig (Reichenhach).
Iinrl&ren, pol i reo, schw. Tb. reden,
schwatzen :
daran französisch ihr parlaren habt
gemüsst. Scherner Ged. 650.
barlaren, im rotbwelsch des dreissigjähr.
Krieges: reden, sagen, plaudern. Scberf-
fer 425. In der „Feld-Sprach" jener Zeit
barlen: reden. Philander von Sittenwald
II. 629 (1050). — Aus dem roman. auf-
genommen.
paschkalern, schw. Tb.
„wo neben das Knie man anfesselt die
Sorgen,
paschkalert und schwermet von Abend
in Morgen."
Scherffer 579. — Aus pokuliren ?
Pate« m. f. wie hd. — Patenmauer: in
Schlesien schenken die Palen dem Kinde
einen Acker, der Patenmauer genannt
wird. Grimm, Gesch. d. d. Sprache 183.
Mir unbekannt.
patschen, schw. vb. einen Schall hervor-
bringen, 1) durch Handschlag; Patsch,
in. Hundschlag, Handdruck ; Patsche, f.
Haud; 2) durch treten in der Nässe; im
Wasser herumpatachen. — patsche-
nass, klatschenass. In die Patsche
kommen; in der Patsche sein, sitzen: in
deu Dreck (und übertragen) in Noth und
Verlegenheit kommen oder darin sein ;
3) durch schwatzen: klatschen, plaudern.
— auspatschen etwas: ausplaudern.
— Schon mhd. patschen (Dietricb's Ge-
sell. III). Weitverbreitet: Stalder 1, 142;
Schmeller 1, 302 ; Höfer 2, 308. nd. hal-
sen, Bats; dän. baake; norweg. baska.
Vgl. pantschen, das als jüngere, durch
Nasal erweiterte Forin zu fassen ist und
mit den vou Diefenbach gnth. Wb. 1,273
„ herbeigezogenen Worten nichts gemein
hat. — putschen, schw. vb. gleichbe-
deutend mit patschen , besonders aber
gebraucht für 1) mit der Huderstange auf
den Grund fahren und deu Kahn fortstos-
son; anderwärts putschen ; 2) schwer und
schleppend gehen. — Putschen, f. pl.
plumpe und schwere Schuhe; auch kärntn.
Patschkau, Stadt im Neisseschen, nahe
der Österreich. Grenze. Euphemistisch
aagt man: leck mich zu Patschke,da ista
nicht weit ins Kaiserliche. — Den Knopf
des Patscbkauer Kirchturmes müssen die
alten Jungfern nach ihrem Tode scheuern
und die alten Junggesellen das Wassar
herzutragen. — Zu einem langsamen :
kumste doch gezohn wie Werner vo
Patschke (Gouiolke). Die darin liegende
geschichtliche Beziehung ist mir dunkel.
Patz , m. Schmutzfleck. — Patzkopf: Kopf,
auf dem Hare und Grind in eins gebacken
sind. Vgl. batze bei Grimm, Wb. 1, 1160.
— p a t z i g, adj. trotzig ; ursprungl. dick, _
derb. Grimm Wb. ebd. — nd. pattig,
pratzig.
Patz, m. aufgenähter Zenglappen. — pa-
tzen, schw. vb. flicken, Lappen aufflicken.
Aus basten, besten entstanden; eine Bil-
dung aus best und mit biiessen verwandt,
das neben der allgemeinen Bedeutung
„bessern" auch die von flicken bekannt-
lich hat.
nettem, schw. vb. fortjagen, treiben;
frank., obd. pfeffern: schlagen, mit Ruthen
hauen (Schmeller 1, 306). Der nd. Anlaut
ist in andern md. Mundarten (westerwäld.
Schmidt 133) häufiger nachzuweisen.
Vgl. auch altköln. paffe, Pfaffe.
Pelz.m. 1) wie hd. — Klatschpelz
Pelz von Lämmerfellen. — Kitschel-
p e 1 z bei A. Gryph. gel. Dornr.: Pelz von
Katzenfellen. — Zippelpelz: Pelz von
Lfimmerschwänzen, als die gewöhnliche
Bauernlracht bei Logau 1586 erwähnt.
Du Schelme, du Bauer! so zierliche
Titel
verehrten die Krieger den Bauern ins
Mittel ;
nun Krieger getreten in Z i p p e l p e t z-
orden,
sind dieserlei Titel Besitzer sie worden.
Pelzel, n. Stückchen beharten Rehfells
an den Blaserohr bolzen; anderwärts Pelz-
kappe. — Pelz brich für Pelzwerk;
Pelzfleck: es liegt mir wie ein Pelz-
fleckel auf der Brust : habe Brustbeklem-
mung. 2) Haut, Fell im Allgemeinen.
Sahnpelz: Haut über der Sahne. Einem
den Pelz waschen: ausputzen, tadeln, vgl.
Grimm, Wb. 1, 1456 ; 3) das schwammige
Fleisch in Obst und andern Früchten ;
vgl. Schmeller 1, 282; Schmidt 133. Von
der Semmel, deren Oberfläche nicht Farbe
und Härte bat: sie ist unter dem Pelze
gebacken.
pelzen, schw. vb. prügeln, forttreiben,
durchpelzen, durchprügeln. — Auch
Oldaus. — Schmeller 1, 283; Stalder 1,
156; Schmidt 133. engl. pclt.
Penkert, kleines Taschenmesser, Kniflke.
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69
persehen» parschen, paarschein,
schw. vb. sich brüsten, aufblähen ; in der
Kernkronik 2, 723 pörsen, pörseln. Auch
oblaus. — »fad. parz*hi, rahd. harzen : star-
ren; österr., bair., kärnt harzen: hervor-
stechen, starren, sich brüsten. — P e r-
schel, Psrschel, P i e r s c h e I , m.
hü rtig'er starrender Büschel;Grasperschel:
Blütenkolbe des Grases; Baumpreschel :
Wipfel; Perschel Hare. — Spinn en-
psa r s c h e 1 : Borstwisch gegen die Spin-
nenwebeu; auch als Schelte gebraucht.
— ohlaus. Pörschel.
peiien, schw. vb. wiegen, wägen. — Päse,
f. Wicht, Gewacht. — Auch sonst md.,
z. B. wetterauisch. — peisen Frisch 2,
43; franz. peser, ital. pesare.
p^stern, schw. vb. heraustreiben, fort-
jagen. Pfeatern, wie zunächst herzustel-
len ist, wäre hd. pflastern, actitiv zu
pfansten : schnauben, keuchen, Schneller
1, 323. Aus Luther führt Scherz 1187,
pausten an ; auch posen ; nd. pusten.
Pfnnke, schw. na. Pfannkuchen, Krapfen;
auch Pfannenkloss.
Pfeffer, m. wie daa Fleisch ist, so ist der
Pfeffer. A. Gryph. Horribilier. — Pfef-
fer r e i b e n , wird von geziertem ren-
kendem Gange gesagt. Im Pfänderspiele
kommt folgender Spruch vor :
Ich armer .Mensch, was musa ich leiden,
muss mit dem A. Pfeffer reiben,
mit der Nase Rüben graben,
mit den Zähnen Möhren schaben,
mit den Augen Wasser tragen.
Folgende schöne Reime dürfen nicht vor-
enthalten werden :
Bs gieng ein Mädel von Saberwitz
nach Purtewitz zum Tanze,
aie hatt' den A. mit Pfeffer beschmärt,
Gott sakerment ! wie rannt" se l
Von einem Menschen, der sich in alles
mischt: er mengt sich nein wie Quarg in
den Pfeffer.
Pfeife! , n. ärmlicher Weiberrock. Ver-
kleinerung zu dem alten, obd. noch er-
haltenen Pfeit; vgl. meine deutseben Frau-
en 407. — Die Nebenform Pfeife! ist
nur ein Versuch, das unverständlich ge-
wordene Wort zu deuten als ein Röck-
ehen, durch welches der Wind pfeift, wie
man auch dafür F I ö t e I sagt.
Pfiog'Mtleuer erwähnt Berndt als achle-
sische Sitte; ich kenne nur die Johannis-
feuer, ludessen könoten jene im südostt.
Obersohlesien vorkommen, denn in Kra-
kau und auf den nach Schlesien streifen-
den Karpathenzügeu habe ich sie gesehen.
In Steiermark beginnen sie mit den Win-
dischen Büheln, der Grenzscheide zwi-
schen deutschem und slavischem Volk;
die deutschen Theile Sleiers und
Kärntens haben die Osterfeuer.
Phinunne, f. Geld (Trebnitz), ans dem
polo. pieniadze, das wieder ans dem
deutsehen Pfenning entlehnt ist. Vgl.
henneberg. Pßns, Profit.
Pflaume, f. Pflaumfeder:
wer artig pflaumen streicht und
angibt wen er kann,
den zeucht man Kirsten vor.
A. Gryph., Leo Arm. 1, 25. Pflaumen
streichen, gleich dem ähnlich bedeuten-
den, häufigeren Federn klauben (Zarncke
zum Narrenschiff 100, 8), so viel als
schmeicheln; nl. pluimstrüken; vgl. auch
Frisch 2, 54.
Pflaume, f. 1) wie bd. 2) Nasenstüber, wie
nd. Pluine.
pfnuchzen, pf nutzen, in der Kernkro-
nik pfnutschen, schw. vb. schluchzen :
was ich itz mit halb erstarrter zungen
und pfnuchzend habe vorgedrungen.
A. Gryph. Oden 1, 7. das pfnuUcn dringt
hervor. A. Gryph.Papin. 5, 453 ; — Frisch
2, 56; Schindler 1, 330; StaMer 1, 164;
Tobler 47. — Aus heutigem Sch lesisch
mir nicht bekannt.
Pfuftel, Pfeudel, m. Pfütze, Lache:
Schweinichen 1, 217; 2, 24; dann die
lachen und pfudeln umb die stadt, darein
die handwercksleut allerley unflat werf-
fen, geben einen bösen donst uud ge-
•tanck. Cureus-Rälel 304 (1607); Mist-
pfudel, Scherffer Ged. 428. — Aus pfu-
delnass (Fischart Gargantna S. 83,
1590), oblans. pfitochefudelnasa, wurde
achtes, zupudelnass; daneben kommt
vor pfützenasa. — Daa Wort scheint heute
in Schlesien ausgeatorben ; in der Ober-
lausitz ilii^egeu heisst die Mistlache noch
Fudel ; Appenzell, ist Pfuda der Ausguaa-
trichter in den Küchen. Tohler 48.
pimpern, schw. vb. wie pampern: weich-
lich und kränklich sein. — pimplich,
adj. weiblich, weibisch. — Weiter ver-
breitet.
Pimpernfiasel, Pumpernüssel, n.
kleine viereckigePfeffernüsse von schlech-
tem Teig, gewöhnlich aus den Teigresten
gebacken, die zum neckischen werfen
bei Kindtauf- und Hochzeitichmäusen
benutzt werden. Die Jungfern bei diesen
Gastereien haben für diese Munition zu
sorgen. — Pimperuuss ist eigentlich die
wilde Pistazienmandel. Frisch 2, 60; Hö-
fer 2, 314.
Pinke, f. Geldsäckel, aus dem poln. pe.k,
Bündel. Von dem goth. puggs und dessen
verwandten (vgl. Diefenbach goth. Wörtb.
1, 338) scheidet der Vocal unser Wort.
ptnken, schw. vb. ahmt den hellen Schlag-
laut nach; gebraucht für 1) schmieden;
Pinke, f. Schmiede; Pinkepank, m.
Schmied. Scherffer 398; vgl. Gr im in Wor-
terb. 2, 36; Brem. Wörterb. 3, 310:
2) Feuer mit Stahl und Stein schlagen ;
3) schlagen wiedie Finken: wenn mau das
angenehme Pinken der Finke, die oft
schweiget, nicht mehr hören kann. Stoppe
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70 pinkela
Parnass 43. — Die Ablnulformel |>ink
pank wird als Nachahmung des Glocken-
geläutes gebraucht in dem Rinderreim :
Pinke pank
Zuckerkant,
lasst den Todten liegen,
wird uns ja nicht kriegen,
der über ein sich todt stellendes Kind
gesprochen wird, welches dann rasch
aufspringt und die andern zu fangen
sucht (Reichenbach).
pinkeln, schw.vb. raejere.Vgl. Grimm Wör-
terb. 2, 36 ; Ambraa. Liederb. 93, 39. (die
Frauen) können wainen, lechlen, pinck-
len, wenn sie wollen. Auch hamburg. —
Schwed. pink, pinka; norweg. pink:
unreiner Branntwein.
pinseln, sehw. vb. wehklagen, weinerlich
jammern, klinselu; nd. pinsen ; preuss.
pinseln. Brem. Wörterb. 3, 319.
Plnt, m. Penis; nd. pint; engl, piutle.
pipen» schw. vb. 1) wie allgemein: rufen
oder schreien wie ein Vogel. — P i p e 1 ,
n. Vögelchen. — P I p h a n , m. membrum
virile; auch nd. 2) klagen, kränklich
thun. — p t p i c h t, adj. weichlich. Grimm
Wörterb. 1, 1808; Brem. Wörtb. 3,321.
Pippelt Pippelauge, Triefauge:
keine mit vermaffter Nase,
keine Pippeleugin nicht,
noch die schwer und stotternd spricht.
Scherffer S>60.
pirln, perln, pirdeln, perdeln,
schw. vb. verpirln: verderben, ver-
pfuschen, namentlich auf geistiges, we-
niger auf Sachen verwandt Die Freude
ist verpirlt. — pirln steht für quirln,
verquirlen : verderben.
Plrl, f. Kindtaufschmaus (Glogau).
pischen, schw. vb. die Kinder einschlä-
fern, ein Schallwort. — pi s c h p e r n : flfi-
stern, wispern ;bair. einpüschen. Scbinel-
ler 1, 300; hess. pischen, paschen, pe*-
sen, pfuschen ; sebwz. bismen. — pispern
ist md. weit verbreitet und auch von
Göthe n. a. gebraucht.
Pitfichen, Städteben im Kreuzburgischen;
hier lieferte 1588 Erzherzog Maximilian
den Polen unter dem Grosskanzler Zamois-
ki die bekannte unglückliche Schlacht,
In welcher er gefangen wurde. Die Erin-
nerung an diesen Feldzug haben alle fol-
genden Kriege in Schlesien nicht ver-
wischen können, und von einer recht
wüsten liederlichen Wirthschaft sagt
man noch heute: a* geht zu wie im Pit-
schenkriege.
pttschen, schw. vb. trinken, zechen; sich
bepttschen: betrinken (Langenbielau).
Auch oberlaus. — Ans dem poln. pic
trinken und ohne Zusammenhang mit
süddeutsch. Butsch, Rutsche: Trinkge-
fäss; butschen: anstossen. Schmeller 1,
226;Stalder 1, 230.
- Plan.
Pitt;, m. Busen, in gemeiner Rede; auch
nd. Dagegen ohne niedrigen Sinn P i tz e,f.
1) Brustwarze; 2) Muttermilch ; die PiUc
geben : sängen. — p i t z e n, schw. vb.
saugen , von Kindern und Thieren ge-
braucht; zu pitzen geben: säugen. —
Pitz scheint eins mit biz : Bi»s, Speise :
es ist die erste Speise, der erste Bisa,
den der neugeborne Mensch tliut. Busen
ist abgeleitete Bedeutung. Trotz des ver-
wandten Klanges sind frauz. pis, Euter,
altfrz. pis, Brust, provenz. peitz (Diel/,
etvmol. Wörterb. 706) unverwandt; sie
kommen von pectus her.
pit/.eln, schw. vb. schnitzeln ; verpitzeln:
verschnitzelo z. B. Feder, Bleistift. Pil-
ze I, n. abgescbnitzeltes Stück : P. Holz,
Papier, Brot. — P 1 1 z e I , plnr. Abfall von
gekrämpeltem Werg. — Gleichbedeutend
Schweiz, bitzein, Bitzeli. Stalder 1, 176.
Ableitung von hizen. Grimm Wh. 2, 592.
Pix, m. kleiner Kerl, oft noch verstärkt:
ein kleiner Pix. — Vielleicht Zusammen-
hang mitnd. Pdk, kleines Kind, schwäch-
licher Mensch?
Plnare, Pldge, f. Magenkrampf (Rei-
chenbach). — Im 16. u. 17. Jahrh. be-
deutete Plage vorzüglich Krankheit; eine
lange Aufzählung solcher Plagen in Fast-
nachtsp. 864, 29 ff, darunter ist auch
der Krampf; vgl. auch Ruff's Adam und
Eva 2317: dass dich all plag und herz-
ritt schütt. — Norweg. pläga, Seuche,
Kindbettfieber.
Placker, Plackrich,m. Schmutzfleck,
namentlich Kuhfladen; vgl. Plapper. —
nd. Plack, Placke : Fleck, Fetzen, Scholle;
auch md. Grimm Wörterb. 2, 59; Frisch
I, 102; 2, 61; Schmidt 139 ; Anton 3, 6;
II, 9. — Herzog Bartholomen von Mün-
sterberg war zwar ein guter hoffmann,
thet aber den leuten gross unrecht und
flickte sich mit p lacker ey. Cureus-
Rätel Chronik« 375 (1607), wo ein Wort-
spiel zwischen Placker: Fleck, Fetzen,
und placken: plagen, gemacht wird.
planten, schw. vb. in verplanten, sich ver-
narren: gesetzt! ich verplamte mich mit
dir noch einmal und liess mich dir
zum ehlichen Gemahl nefticn. Günther
1001. plampon: ich werde dir was
plampen! = Irr dich nicht, ich niese dir
was! — dafür auch der Ruf: plampe! ~
daraus wird nichts; plampe drnf!
plumpe! (Gläzisch) wienerisch anpumpt!
Frisch 2, 61 führt auf: einem etwas vor-
plampen: ihm Narrenspossen vormachen.
PlAn, m., P l A n e, f. freier ebener Platz in
den Dörfern, auch fränk. Schmeller 1,
335; kleinerer Platz in den Städten, z ß.
der Judeoplan in Reichenbach ; vgl. des
marktes p!An, Passional 206, 67 (Köpke).
Auch Ackerstrecken heissen Pläne, daher
der Spruch auf ein Mädchen, das nach
Geld heirathet:
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PInrre
71
sie sieht auf den Plan
und nicht auf den Mann.
(Reichenbach.)
PInrre» Plorre, f. wunde Stelle an der
Haut. Plorren und Laschen (Glogau).
Vgl. Bl«r, Blarre, Grimm 2, 66 ; Schnel-
ler i, 337.
platschen» schw. vb. mit einem Schlage
(Platz) hinfallen; aufplatschen; el-
s« ss., pfälz., westerw. plotzen; nd. plot-
sen ; Schweiz. blötschen. p la tsch e r n,
plätschern, plantschern: mit
Händen oder Füssen im Wasser herum-
schlagen. — platschig, breitplat-
sch i g , adj. breitgeschlagen» breit. —
Vgl. Stalder 1, 182 platschen; und unten
platzen, pletschen, Pldtsch.
Plane» f. 1) Leinwanddecke über den
Fracht- und Bauernwagen, anch über
einem leichten und bequemen Spazierwa-
gen in Schlesien uud Polen, dem „Plan-
wagen"; 2) jede Ueberdeckung, z. B.
eine Plaue von Brettern ; 3) rasch vor-
übergehender Strichregen : eine sich blü-
hende Himmelsdecke. Auch oberlaus. —
Das Wort ist weitverbreitet; mhd. blähe;
diese Form ist mundartlich uoch erhalten
und wechselt mit Plaue: Schneller 1,
236; Tobler 55; Grimm Wörterb. 2, 61.
83. — Plane, was man in Obersachsen
hört und was Adelung vertritt, ist aus
etymologischem Missgriffe entstanden. —
Zu vergleichen altn. bloeja: stragulum
velum; norweg. bleia, schwed. blöja,
dän. ble.
Plauze, f. 1) Eingeweide, namentlich die
Lunge: singen was die Plautze halten
will ; auch für die Leber: wo das naasse
zur Plaulzen muss fallen. Scherffer 577 ;
2) Schelle für liederliche, schlechte Frau-
enzimmer; wie Geschlinke u. dgl.; 3)
ärmliche , schlechte Betten ; Pläuzel :
überhaupt ein Haufen schlechter Sachen.
— Geplä'uze, n. was Plauze. — Das
Wort ist dem Slawischen entlehnt: poln.
ptuca, Lunge ; weslpreuss. Pluz , oblaus.
Plauze; Anton 11, 11. — Die Bedeutung
Rettstücke mag aus der Vergleichung
derselben als Eingeweide der Bettstelle
sich ergeben haben?
pinuzen. schw. vb. fallen, hinfallen. Ans
dem Schallwort plauz! gebildet, und wei-
ter verbreitet Stalder 1, 184; blaut-
schen: mit dem Munde einen dumpfen
Schall hervorbringen.
Platz» PUtz, m. Kuchen, namentlich
Brotkuchen, der mit Mehl und Petersilie
bestreut und mit Butter bestrichen ist.
Weit verbreitet : Frisch 2, 63 ; Schind-
ler 1, 340; Schmid 74; Schmidt 143;
Rheinwald 120; auch poln. plac, placek ;
vgl. lat. placenta.
platzen, schw. vh. 1) schlagen, durch den
Schlag einen Schalt hervorbringen; mit
der Peitsche platzen: daher Kuchen-
platzen, gläzisch Kuchenknallen: ein
Martinigebrauch, indem die Knechte im
Dorfe herumziehen und so lange vor den
einzelnen Häusern mit den Peitschen
knallen, bis sie Kuchen bekommen. Man
sagt gläzisch : der Maerte kirnt Kucha
knalla. Vgl. die oberpfälz., fränk. Platz-
knechte, Schmeller 1, 339 f., und den
Ostergebrauch in Grsez (Steter), dass die
Lehrbuben am ersten Feiertagsmorgen
im Gehöfte des Meisters mit Terzeroleu
schiessen „ums Brill platzen.« Im Ablaut
zu platzen und gleichbedeutend p lit-
ten; ein Kind ausplitsen: ihm den
Popo bearbeiten ; z u p I i t z e n die Thür.
Das Kleid plizt, wenn es prall sizt und
keine Falten wirft. — PI itz , m. Schlag,
Hieb. — p letzen, factit zu platzen:
knallen mitSchüssen oderPeitschenhiebeu.
— Gepletze, n. Lärm von Schüssen ;
vgl. mhd. gepletze ; Schmeller 1, 339;
Schmid 74. — platzen 2) mit Geräusch
daher kommen, plötzlich eintreten: als
unser Sultan geplatzt kam in das Zimmer.
Lohenstein Ihr. Bassa 4, 22 ; frne quamen
die Polen an die Oder mit wagen und
pferden geplatzt. Eschenloer 2, 320. —
ahd. anablestan : irruere ; mhd. platzen
in gleicher Bedeutung ; vgl. Pfeiffer Je-
roschin S. 205.
Plente,f. dünner, schlechter Rock derMän-
ner und Weiber. Die Schulglocke ruft :
Studentel nimm das Plentel
und das Tinteofass, geh in die Schul
und lerne was.
Schön sind die Verse in Holtei's Lied zum
Schlesinger Feste :
dursebtige Schkribentel
im zurissnen Plentel,
uksig han se über uns »chandfleckt.
(Schles. Gedichte 115, 2. A.) Vom Zeug-
rock wird das Wort übertragen auf den
Federrock, das Geüeder : Scherzspruch
zur watschelnden Ente:
o Ente, o Ente,
wie wackelt dir die Plente!
— kuhländ. die Plant.
Flerke» f. 1) alte dürre Kuh ; 2) Schelte
für Frauenzimmer (Reichenbach). — mhd.
bleVen: blocken, brüllen; Schweiz, bleren
Tobler 58;nhd. blarren, plerren, in wei-
terer Bedeutung. Grimm Wörterb. 2, 66.
108; nd. blarren.
Plerrt Nebel vor den Augen, Schmeller
1, 337; schlesisch erhalten in plerr-
ä u g i g , adj. schwachsichtig, blöde ; nd.
blarroged, bleeroged; engl, bleareyd.
pletKchen» schw. vb. breit dasitzen, vgl.
fletschen. — sich hinpletschen. — ahd.
blestan, mhd. blesten. — PIetsche,f.
kleine breite Büchse oder Schale; But-
terpletsche; Westerwald, in ausgedehn-
terer Bedeutung, Schmidt 141.
nloedern, pleudern, schw. vb. facti»,
zu pl odern: rauseben (mhd. biAdern,
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7 2 Pldtsch - Frame.
Grimm Wörterb. 2, 141), namentlich ge-
braucht für das rauschende, klappernde
fegen de« Getreides auf der Pleuder, der
Getreidereinigungs-Maschine.
Pldtseh, m. plumper, ungeschickter Kerl ;
Bildung tu platschen.
plotze, plutze, adj. adr. plötzlich; in
heutiger Rede wie bei den schlesischen
Schriftstellern des IS. — 17. Jahrhun-
derts häufig. Grimm, Wörterb. 2, 152.
Pluchse,, f. gleich Plautze (Hirschberg);
das Vieh hat lere Pluchsen. — Neben-
form zu Pluze, Plauze.
Plumpel, n. kurze dicke Masse, auch auf
dicke Kinder übertragen. — Plümpel-
wurst: dicke kurze Wurst von wech-
selndem Unfang.
plunscbljr, p hl n s c h i g, adj. dick : wenn
du ein plüulschig Kind mit einem kreisen
Küpflein um Venus her wirst sehn.
Scherffer 552. — Schweiz, blunsebig:
dick, plump ; hluntsch bei H. Sachs, vgl.
Grimm, Wörterb. 2, 1C9.
Plutzer, m. breite Kartoffel (Franken-
stein), um Reichenbach Quergel genannt.
— Plutzer bezeichnet bair., Schweiz. Kiir-
biss, Melone. Schmeller 1, 340; Stalder
1, 194; hei Schlager, Wiener Skizzen,
1839, S. 318 die Pfundbirne.
Polen. Wo fährst du hin? — nu, aus der
Welt nach Pole»! — Polen ist offen! =
da ist Aufregung und Verwirrung; für
leidenschaftlich erregte gebraucht; Po-
lack: Pole; Wasserpolacken heissen die
polnischen Schiettier, die etwa den drit- ;
teu Theil des ganzen Landes noch inne .
haben ; über ihre Grenzen s. meine Dialekt-
forschung S. 17. — Polack: Neige, Rest
von Taback (in der Pfeife) oder von Ge-
tränken. Auch frank., rhein. — polsch,
putsch, adj. polsche Wirthschaft: 10-
derliche Wirthschaft. — Die Frauen ich
fieng polnisch an zu herzen und sie bei
ihrem Knie ergrief. Scherffer 401. —
polscber Dudcl, Dudelsack: wil ich, so
lang ich kann, die polsche Dndel blasen.
Scherffer 516. — polätscbkern,
schw. vb. unverständlich schwatzen, wie
in Kärnten in solchem Sinne w indi-
schen gebraucht wird.
pomitle, pumitlc. adv. langsam (Neisse),
pomade ( Reichenbach), aus poln. pomafu. j
Das Wort ist auch in den anderen östli-
chen Ländern verbreitet und dehnte sich
in der entstellten Form pomadig, ge-
mächlich, weiter aus.
Popel, P a? p e I , m. ungestalteter Gegen-
stand: dunkle Wolken ziehen wie ein
Popel am Himmel herauf. Die Strohpup-
pen, die als Vogelscheuchen in das Ge-
treide gesteckt werden, heissen Popel :
Gerstepopel. Die Warnungszeichen, wel-
che im dreißigjährigen Kriege auf die
Thürme gesteckt waren und beim an-
nähen einer feindlichen Schaar herabge-
lassen worden, hiessen anch Popel: „der
Popel fiel," vgl. Flögel, Geschichte des
Groteskkomiscbeu 24. — Popel bezeich-
net dann besonders eine eingehüllte Ge-
stalt oder Person; Spruch: besser im
Sommer ein Popel, als im Winter ein
Kröpel. (Es ist eigentlich mit nd. Form
Krdpe) und Pöpel in den Reim zu setzen.)
— Fetzpopel, m. schmutzige, zer-
lumpte Person; in Breslau sind zu ver-
schiedenen Zeiten gewisse Leute unter
diesem Namen bekannt gewesen : Flögel
a. a. O.; Holtei vierzig Jahre 3, 45. —
Von diesen irdischen Popeln zu denen der
Geisterwelt! EinPopel oder Popelmann
erscheint als Hausgeist,mit dem die Kinder
geschreckt werden. Der Popelinann steht
drausaen! — Dass dich der Popelmannt
Vgl. Grimm Myth. 473. Seine Gemahlinn
ist die Popelhdle oder besser Popelholle,
vgl. Holle. — popeln, paepeln, schw.
vb. zum Popel machen, einhüllen, ver-
mummen ; einpaepeln, verpaepeln. Das
Gebirge popelt sich ein : bedeckt sich mit
Wolken. — Popanz, Puppe sind nahe ver-
wandt. — Von diesem ist völlig zu trennen
Pöpel, P«pel, m. genauer Nasenpaepel,
Schleimknoten in der Nase. Vgl. Schmel-
ler i, 291. poppen, pepl , Kügclcheii,
Bläseben; nd. Bobel, nl. bobbel, dfin. Bo-
ble: Bläschen.
poschoien , schw. vb. streicheln , liebko-
sen (Namslau); westpreuss. puscheien,
aus dem poln. piesW, liebkosen, tändeln.
pötschea, s. patschen.
Pottekopf» ein schweres Schimpfwort,
das in Martin. Koblitii Annal. Francosten,
zum J. 1533 erwähnt wird. Hoffmann Mo-
natsschr. f. Schlesien 411. Ist es Padde-
kop, Froschkopf?
praehten, schw. vb. prächtig thun, prah-
len : denn auf praehten. denn auf kriegen
pflegt man allen Schatz zu wagen, Logau
10, 40.
Stärk und muth ist auch ein Ding,
das wie sehr es vor geprachtet,
endlich doch auf knicken gieng.
Logau n. 2090. Vgl. Stalder 1, 212. —
prachtiren dasselbe : in Kleidern sähe
man ihn nicht zu viel prachtiren. Scherf-
fer 612.
prallen, schw. vb. schallen, schreien. Der
hatt Italien, der Gallien durchzogen, der
prallte Spanisch her. Opitz 1, 190. Vgl.
Frisch 1, 124; Stalder 1, 215; nd. prn-
len, nl. prallen. — prall sachte 1) ab-
weisender Ruf gegen Zudringliche ; 2) Na-
me einer sehr groben Leinwand , die aus
dem Abfall des Wergs gesponnen wird,
noch gröber als Packlein wand und auf dem
Lande zu Unterröcken benuzt (Trebnitz).
Prante t der Herr Bischoff neben den an-
dern fürsten und herren lege zu Leubus
und wäre sindter nächten fünf uhr mit
zwey breumen (prahmen) übergefuhret.
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73
Schweinichen bei Stemel Scriptores 4,
97. — od., nl., dän. Pram, Praam: flaches
Schiff zum übersetzen über Ströme, altn.
prAuir (Sn. E. 219) ; engl, pram, prame.
präsenen, schw. vb. laut und prahlerisch
reden. — PrAsch, m. Lärm, Geschwätz.
— P r A s c h • g, g r o s s p r a s c h i g, adj.
grosssprecherisch, prahlerisch. — Gleich-
bedeutend oblaus. präschen, frank, bra-
uchen . nd. draschen, breschen, bräsig, adj.
— Vgl. ferner Schweiz, brasen , heftig
bitten ; nd. nl. prasen, brassen : lirmen.
Pras«, P r a s t, m. Haufen, Menge, uaineut-
lich nutzloserDinge. Was hilft ihr aller
Prass von Kleidern, Perl und Spangen.
Günther 694; md. weit verbreitet Anton
11, 13, Schmidt 146; nd. Rrass, Brast. nl.
Bras; aber auch Schweiz. Braschcl.
Pratsel , Prötzel, f. 1) Pfote, Klaue :
mehr Meilen — als Quasten jeder Mops
an seine Protzein henkt. Günther 1123.
— ftstr., hair. Bratze; Grimm Wb. 2, 313;
' 2) altes schlechtes Pferd,
prcetzeln , schw. Tb. hersagen, schwatzen.
Kernkronik 2. 723. — frank, bräteln
plaudern, mhd. braten, nd. praten, nl.
praaten.
Prenzel, m. Prügel, Knüttel/ — Ist poln.
pr$t,pr<;ncik,Stah,Gerte,herbei zuziehen?
preppsch, prepsch, adj. hochmüthig,
trotzig. Hoffmann Schles. Volkslieder
S. 111 : du hast mir gegeben so manches
preppsche Wort. Auch rhein. pröppsch.
Ursprünglich bedeutet es mürrisch, knur-
rig; fränk. brripcln: knurren, brummen;
Westerwald, henneb. brepeln, adj. preb-
lich Schnieder 1, 264; Schmidt 145; nl.
prevelen. — Das gleichbedeutende nl.
preutsch gehört zu nl. preuteleu , rhein.
pröttele : murren, summen.
preischen, schw. vb. Irans, intrans. jagen:
die Pferde preschen, zu vollem Laufe
treiben. — daherpreschen : daherjagen.
— preschen, intr. auch von der Brunst
der Hunde, gebraucht. Hängt es zusam-
men mit schwäb. preschen, presten:
pressen, plagen, nöthigen (Schmid97) ?
pripp, in Kinderliedern gleich dem oben
aufgeführten Nunnei, Ninnei :
prippsause, prippsause, der Kater is
nich ze hause —
pripprihla, prippribla ! s Kind bot kene
Schihla —
prippsause, prippsause , der Tüd stiht
hingerm Hause. —
Vgl. Brendel Klänge meiner Heiinath.Frei-
burg in Schi. 1852, 8. 6 f.
prudeln, schw. vb. brodeln; md. und nd.
Form; aus den Fastnsp. 1219 gehört
hierher: waschen pauchen laugen und
prudeln. Zu trenucn von diesem ist das
folgende
prudeln, schw. vb. langsam arbeiten; nd.
bruddeln, nl. broddelen: ungeschickt ar-
beiten, pfuschen.
Aohiag »in XVI. Bd. d. Siltb. d. phil.-hi.t. Cl
t, p r u e z c I n, p r i z e I n, schw.^b.
a) intr. knistern , prasseln , von bra-
tendem Fett gebraucht; 6) trans. braten,
kreischen, überhaupt etwas leckeres
bereiten. — bair. brazeln, bruzeln, kämt
brezeln. Die Form brazeln weist auf
brasteln, freqnent. von hrasten, prasseln ;
vgl. auch Stalder 1, 217. Mit braten hat
hiernach unser Wort etymol. gar nichts
gemein.
pudeln, schw. rb. 1 ) schlecht schwimmen,
vou denen gebraucht die es nicht nach den
Regeln der Kunst gelernt haben und sich
hin- und herwerfen; 2) überhaupt schlecht
und fehlerhaa etwas betreiben. — nd.
Brem. Wb. 3, 368, f. Schmeller 1, 278.
— Die Grundbedeutung scheint schwan-
ken, hin- und herwiegen ; dafür spricht
das Schweiz, buden, Stalder 1 , 238 und
das nd. pudeln, im gehen wanken.
Pulver, n. 1) wie hd.; 2) der aus Lumpen
gebrannte Zündstaub, der nebst Stahl und
Feuerstein im P u I v e r n ä p p e I ligt oder
lag, da dies alte Feuerzeug jetzt fast
überall verdrängt ist — pülvern, pel-
vern, schw. vb. abweisen, fortjagen. —
auspülvern: aushunzen. Auch schwei-
zerisch. Stalder 1, 241.
Pümmer, m. kleiner Hund. Solche Püm-
merla ziehen im Gefolge des Nachtjägers
mit und können , wenn die Jagd auf der
Erde geht, nicht über die Gräben. Wer
ihnen hinüber hilft, bekomt vom Nacht-
jäger einen Thaler. — Pummer, eine
Hundeart bei Schmeller t, 283.
Pumpan, Kinderreim :
's war a tnwl a MAn,
dar hiess PuinpAn,
1'untpAii hiess a,
griksse Ferze Hess a,
grusse Ferze kund a l«Jn,
mit em 'A'sche Putter schlon.
Eine locale Fortsetzung aus Jauerscher
Gegend bei Brendel Klänge meiner Hei-
math S. 24. (Freibargin Schi. 1852).
Pumpe, f. P ü m p e 1, n. feminale. Spruch:
Grusse MAdel, klene Pimpel. —
Logau n. 1324 hat einen Namen Pimpla
daraus gebildet:
Pimpla hat das Jungfernfieber; Rege-
kraut und Stendelwurz
kann es dämpfen ; ist zu brauchen nicht
zu sparsam, nicht zu knrz.
Vgl. Schmeller 1, 284 ; bei Stalder 1, 242
Pumpel : Tasche, dicker plumper Mensch ;
Bümpeli: kleine artige Weibsperson.
Pfinkel, n. erhalten in Herzepünkel,
was aber nicht mehr die Bedeutung von
Herz oder Brust hat, wie noch im bairi-
schen (Schmeller 1, 287), sondern nur die
übertragene, dort ebenfalls vorkommen-
de, von Liebling,
purren, schw. vb. einen rauschenden
brummenden Laut geben. A. Gryph. Ifisst
im Peter Squenz den Brunnen purr nurr !
f
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74
machen. — anpurrco: anbrummen,
anfahren. Auch Schweiz., pfiilz., Wester-
wald.; engl, purr, od. pnrren, nl. pnrren,
dän. norweg. purrc : rühren, wühlen, rei-
zen, schwed.purrig : mürrisch. — p u r I en ,
schw. vh. sich mit Geräusch bewegen,
vom Umhcrrennen der Menschen, vom
surrend enAuflliegeu der Vogel gebraucht ;
traus. das Getreide purln, purdeln: aus-
ständen. — Möglieh, dass auch der Par-
tieller grosse Schmiedehammer, hierher
gehört.
tischen, ac-hw. vh. heimlich durchgehen,
fortsehlüpfen; einen puscheo lassen, ihn
durchschlüpfen lassen, durch die Finger
sehen. Auch obsichs. Bair. pnschen,
pauschen: unterschlagen; verwandt ist
paschen. Schmeller 2, 299.
piVscra, schw. vb. sich pusern: sich auf-
blasen. — puserig, adj. von den Vö-
geln gebraucht, die ihr Gefieder aufbla-
sen (Trebnitz). Niederdeutsches Wort.
putt, Lockruf der Hühner: davon: die
l'uttc: Henne. — |> uttel, n. t) Hün-
chen ; 2) Läuschen.
Püttich, m. vgl. Bottich.
PtUxel, n. feminale, statt Pusel ; nd. Puse,
itländ. pus».
f. Qual. Nach der Wahle
kommt die Quäle,
Sprichwort von wählerischen Miidcheu,
die zuletzt keineu Mann bekommen,
«^unlm* m. in der liedeutung „Betäubung",
wie ahd., mhd.; häufig bei Günther: meiu
Schlaf ist nur ein Qualm. Günther 267.
wie wonu ein feuchter Schlaf der
Sinnen Kraft entreisst
und Qualin und Dämmerung die mü-
den Augen bindet. 733.
so wird mir durch dein Bild
die Sehnsucht ofterinals in Traum
und Qualm gesüllt. 406.
Vgl. Schmeller 2, 402.
Qualster, m. schleimiger Auswurf. —
<| u » I s t r i g, adj. schleimig. Niederdeut-
sches Wort. Brem. Wb. 3, 393; Frisch
2, 7S ; auch dän. Qualsler. — Vgl. Kü-
ster, engl, knolster.
qntuitsehifr, quantsc Ii rieht, adj.
fett, dass es quatscht, gleich quatschrig;
von Meuscheu und Thieren. Westerwald,
quntschig.
quappeln, schw. vb. schlottern, von wei-
chen fetten Körpern gebraucht; so viel
als wappeln. Niederdeutsches Wort.
Ouarde, bei A. Gryphius, für Guarde,
Guardia: Wache.
«juarg-, m. 1) weicher, weisser Käse,
österr., steir. Topfen. Der Sack durch
den er gepreast wird, heisst der Quarg-
sack ; schwitzen wie ein Quargsack. Quarg
mit Butter gemischt, der längere Zeit ge-
standen, heisst sehr appetitlich rotziger
Quarg. Mit weichem Quarg, der mit Saff-
ran gefärbt und mit Rosinen gemischt ist,
werden die Quargkuchen bestrichen ;
2) kleiner runder Käse; Quargel. — poln.
twarog, böhm. twaroh; vgl. Grimm Gesch.
d. deutsch. Sprache 1005.
Quargmännlrin, Quergel, Querke
heissen längs des Gebirges die Zwerge ; sie
wohnen in den Quarglöchern. Lausitzisch
Querk, thüring. Querlich : auch am Mit-
telrbein und im Elsas» lautet das Wort mit
qu stall mit zw (tw) im. Ober den Na-
men vgl. Kuhn in seiner Zeitschrift für
vergleichende Sprachforsch. 1, 202. —
Die Volks-Etymologie deutet den Namen
davon,dass die Quargmännlein dreiQuärge
hoch seien. —
q u e r g e l n, sch w.vb. 1 ) quer rollen, zwi-
schen den Händen reiben; 2) hin und her
sich drehen, hin- und herlaufen. Auch
oblaus. — So wie im vorigen Wort ist
auch hier qu für tw eingetreten.
Qua», m. Schwelgerei, bei W. Scherffer
416: auf den bestimmten hochzeitlichen
Quoss. — Frisch 2, 76; Brem. Wb. 3,
397. Quaserei, f. dasselbe, Zeehgelag:
welche in dem Scbwcidoitzen kwller und
in kretscheraheusern bass trinken und
scheiden künden, die waren die besten,
die klügsten, die kr istlichsten; da ward
aller rat bei der quasserei gefunden.
Escbenloer 1, 80.
quntMchen, schw. vb. über die allgemeine
Bedeutung Frisch 2, 77; übertragen: lang-
weilig und albern schwatzen ; Nebeuf.
watschen. — Quatsch, m. 1) weiche
schmutzige Masse; 2) Geschwätz, ver-
quatschen, verderben, was von Berndt
aufgeführt wird, ist auf verquasten zu
bringen = verquisten ; s. questen.
qneicheln, schw. vb. a ) weichlich sein,
kränkeln ; q u e i c h l i c h, «dj. : kränklich.
b) weichlich, zärtlich thun :
Da werdt Ihr wieder gleich mit quei-
cheln
Euch schaffen einen neuen Mann.
Scherffer S04.
queng-ea, schw. vb. (faclit. zu quingen,
w. z. s.) zwängen, drücken. Die Schuhe
quengen. — Auch hier Wechsel zwischen
q und tw.
quengrelaschw. vb. weinerlich thun; win-
selnd bitten. Niederdeutsche Form ; «bd.
quenken, quenkeln, nl. quinkeln; vgl.
Diefenbach goth. Wb. 2, 469.
i, s. Quarg.
qiif steil, schw. vb. quälen, drängen; vgl.
ul. questie: Zank, Zwietracht. Das Wort
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rabär.en - Ram. 75
ist mus quästioniren entstanden , und zu
trennen von dorn kuhlfind. zuquisten,
verderben, rheiu. ze quest inachen, z. qu.
gehn: verderben; nd. nl. verquisten :
versehwenden; to quiste gAn: verloren
gehn; goth. quistjan.
Quetsche, f. 1) Presse; 2) nasse Stelle
im Acker, wo das Wasser gleichsam her-
ausgequetscht wird. — Nasenque-
tsche, s. Nase.
(Illingen, st. vb. zwingen, mhd. twingen;
vgl. quengen.
rahnzen, schw. vb. thätig, geschäftig sein ;
rumrabazen: a) „herumschaffern",
geschäftig und thätig sich bewegen;
6 ) mit einem rumrabazen : zanken, oder
auch : sich necken, bespa&sen. Schweiz,
rnlmuxen : hochfahrend, heftig sein ; md.
rabastern, nd. rabunten; verwandt mit
mhd. reben , sich rühren , Schnel-
ler 3, 5 : Schweiz, räbeln : lärmen , pol-
tern ; Gräbel : arbeitsames Leben, Slalder
2, 'ISt. — Das Wort reicht auch ins ro-
manische hinüber : neben der nd. Form
rabunten tritt auf nl. rabauden, nebu-
lonem esse, was überleitet zu frz. ribaud,
ital. span. ribaldo: Lotterbube (Diez ety-
mol. Wb. 287), eigentlich Herumschwär-
mer, Landfahrer, wenn wir den Grund-
begriff aufsuchen. Zu Schweiz, räbeln
stellt sich altfranz. ribler: herumsch wär-
men. — Vgl. rappeln.
Kahincr, als Schelte noch heute in Schle-
sien zu hören, namentlich langhaarigen
zugerufen. Bei Scherffer 414:
Venus bedraut ihn : harr barr du Ra-
binlein.
lind, n. Pflugrad: grosse rollende Augen
werden Pflugrädern verglichen. — Rad-
bare, RAper: Schiebkarren, in gutem
Humor die Schweisskalesse genannt; Bre-
telrAper: Schubkarren mit viereckigein
Kasten, rflpern, herumrApcrn,
rädbern: eigentlich mit der Radbare
fahren, dann überhaupt herumfahren, sieh
heruinbewegen. Was haste denn rumze-
rApern? = warum sitzest du denn gar
nicht still? — Ich habe mich für diese
Deutung von rapern namentlich wegen der
Nebenform radbern entschieden und den
Gedanken an Verwandtschaft mit rebeln,
rabatzen abgewiesen.
Ranger, m. Frosch. Kinderlied, zugleich
ein Stück Thiersage:
n, gib mit mer eis
Durf,
dd klappert der
Sturch,
dd tanzt de Laus,
zum Fanster an-
aus.
A springt nfan Sten, abrichtsfeh aßen,
a giht zum Bilder, a Ifisst sichs heMn.
A bot ke Gald, dd springt a eis
Faid,
dar Bilder andch und stiebten eis
Loch.
dd singa de Raeger,
dd fidelt de Maus,
dd springt der Flug
(Reirhenbach.) — r ajge r n , schw. vb.
schreien, quacken, von den Fröschen; auch
oblausitz. — reg u z c n : gurren, von den
Tauben gebraucht, franz. roucouler. —
Das Wort ist onomatopoetisch ; auch in
der Wetterau heisst der Frosch nach L.
Diefenbach Räling. Zusammenhang mit
dem poln. rzegot, rzekot, Froschgequack,
Schlangengeklapper, rze^olac, quacken,
klappern, wird nicht abzuleugnen sein.
rnfTen, schw. vb. wie hd. — R a f f e, f. in
B r o t r a f f e, gemein für Mund,beiScherf-
fer 412: hab ihr auch wol die Brotraffe
gedroschen.
IIa In« m. wie hd. der Grenzrand zwischen
den Feldern ; ahd. rein margo ; altn. reina ;
altnorweg. marcreina; nl., nd. Ren; obd.
RAn. — Reindelhorchen: Mädchen,
welche wissen wollen, wo ihr künftiger
Freier herkommen wird, gehn in der An-
dreasnacht auf einen Rain mit einem
Zaum, den ein Vater und ein Sohn mach-
ten, welche gleiche Vornamen führten.
Indem siedenZaum schüttelnsprechen sie:
Rennzaum, schüttet dich !
feine Liebe rippel dich !
belle Hundel, belle!
mags doch sein, wers welle!
Bellt nun in der Ferne ein Hund, so wird
der Freier aus dieser Gegend kommen. —
Das Reindelhorchen ist eine Art der alten
hleodorsAza.
Rani, Rom , m. Russ; mhd. rAm. Kadels-
rdm, s. Kadel. — Rdmkater: schmutziger
russiger Kerl. — rsemen, schw. vb.
voll Ram machen. Auch schlesisch kommt
das weit verbreitete Sprichwort vor : der
Kessel schimpft den Ofentopf, sie rämen
alle beide. Vgl. altdeutsche Blätter 1, 10.
11; ühland's Volkslieder 1, 334. Auch
wendisch findet es sich: Neues lausitz.
Magazin 1839, S. 354 ; b e r <e m e n, sich :
sich beschmutzen, sich betrügen (vgl.
bescheissen) : der wird sich heremeu!
er wird sich täuschen. Vgl. Frisch 2, 84;
Schmeller 3, 81.
RAm, Rdm, m. n. Sahne, Schmetten,
Schmand. Sahne ist schlesisch gebräuch-
licher als Ram. Den feinsten rom der
milch. Opitz 1, 100(1629) ; der rosen-
honig und der rom, der um uns fleusst,
«leicht einem ström, A. Gryph. Gibeon
S82. — Vgl. Grimm Geschichte der d.
Sprache 1002; Schmeller 3, 8S : Tohler
3H8.
:
76 Harne — Raaehfiss.
Käme, f. Ranke von Wein, Gurken u. dgl.
Auch nd. Frisch 2, 85. — LaL ramiis.
Knmft, m. R a m f tel, R em f tel , n. Rand,
Ecke des Brotes. — Klebersmftel : Stelle
wo zwei Brote an einauder geklebt haben,
ahd. mhd. raroft. Frisch 2, 85 ; Schinel-
Ier3,91 Schmid 424.
Hammel, Rummel, m. Lärm. — Ge-
rammel: dasselbe; bei Gryph. gel. Dornr.
und allgemein schlesisch. — ramssen,
nlmssen: lärmen, rumoren. — Die
gewöhnlichere und zugleich alte Bedeu-
tung von rammeln ist coire, laseivum
esse; ahd. rammalon ascendere, coire;
daraus entwickelte sich die von mulliwitlig
und lärmend schenen, mit dem Gegen-
satze in zanken, vgl. ToLler 358. Auch
ul. rainmelen : brünstig sein, lärmen ; dän.
ramle : rumpeln ; norweg. ramla : lärmen,
lärmend zusammenstürzen ; schwd. ram-
met: Getöse, ramla gleich norw. Die Be-
deutung: Lärm, Getöse ist vorzugsweise
in der nord. Hälfte der germ. Sprache
ausgebildet
Hand, m. wie hd. — r e n d e l n , seh w. vb.
mit einem Rade des Wagens oder des
Schiebkarrens hart am Rande des Weges
hinfahren, so dass derselbe durch das
Gleis gewissermaßen abgeschnitten wird.
ranken* mit dem frequeut. rankern,
renkern: renken, drehen, biegen. —
e i n r a n k e r n, durch unruhige Bewegun-
gen zerdrücken, z. B. das Belt ; h e r u m-
rankem: sich unruhig umherbewegen,
herumlaufen. Scbmeller 3, lll;Stalder
2, 257 ; Scherz 1264.
■tanze» f. Sau, Mutterschwein; bei Opitz
1, 127 (1629) : die rautze laufft der magd
mit ihren ferklin nach. — ranzen, schw.
vb. a) intr. sich üppig und heftig bewe-
gen.— ranzig, rausch ig, adj. geil,
namentlich von Säuen gebraucht; be-
ranzt, berauscht : die Sau ist trächtigge-
worden ; herumranzen: umherschwei-
fen, wild herumlaufen; b) trans. packen,
schütteln, schlagen (daher Ranzel:
Knüppel, Stock ; vgl. Schmidt 158) : a n-
ranzen: anfahren, hart anlassen; zu-
sammen ranzen: zusammen schüt-
teln: die Krankheit hat ihn zusammenge-
ranzt. — Schon mhd. rauaen, ranzeu;
fast allgemein erhalten: Frisch 2, 86;
Scbmeller 3, 1 15 ; Stalder 2, 257 ; Schmid
424; Rheinwald 1, 126; Anton 3, 10;
12, 5 ; Brem. Wörth. 3, 432 ; nl. ranselen.
rapern, s. Rad.
rappeln, r i p p c I n , schw. vb. rasch, be-
weglich sein; er rippelt sich nicht : rührt
sich nicht, ist still und steif; es rappelt
mit ihm, oder er hat einen Raps oder
Raptus: es ist in seinem Kopfe nicht
richtig. — rapplich, rappelköp-
pisch.- aufgebracht, in grosser Bewe-
gung. Das Wort ist in dieser Gestalt nd.
und drang nach Mitteldeutschland vor;
seltsamer Weise findet sich rappeln auch
in Kärnten ; im 15. Jahrb. findet sich
rippeln : jucken, kratzen. Der Grundbe-
griff ist: leicht schnell: nd., nl.. dän.
rapp, altn. brappr; dän. rappe sig: sich
sputen; nd. Repp: Bewegung, repplik :
beweglich; hamhurg. rabbeln: hastig re-
den, rabbiig: hastig und albern schwat-
zend. Die oberdeutschen Verwandten
haben wir unter rabazen aufgeführt. Zu
unseren rapplich stellt sich das kärntn.
rabelisch: aufgeregt, berauscht.
rapsen, schw. Tb. raffen; obd. und nd.
vorkommend, im schwäb., Schweiz, mit
Umstellung: raspen , ebenso allSsterr.
Helbling IV, 435 : Rasp nnde Gite. —
r i p ps rapps. Schall worte zur Bezeich-
nung des reissend raschen; auch bei
Schweinichen 3, 44: die rechnuug von
dein vogte abzunemen , welche also be-
schaffen, dass sieb niemand darein rich-
ten mochte, denu es war rips raps ge-
gangen. — Auch nd. rip« raps.
Hassel, m. Lärm, Gerücht (Charlotteri-
brunn). — Rasselscheit: altes zän-
kisches Weib: auch» Rasselscheit wird
schlecht erfreut. Hoffmaunswaldan u. a.
Gedichte 4, 441. — schwäb. Raflcl&cjieit.
Hast* Rist f. die Sonne geht zur Rast
geht unter: im Fall der Tag verkürzt und si
zu rasten geht. A. Gryph. Carden. Celimle
1, 164. — Die sonne gebt z u rü sie,
A. Gryph. Piast 634, muss doch zu rüste
gehn, ao oft es abend wird , der schöne
Himmelsschild, Opitz 3, 286 (1646) so
gehst du schon so früh zur rüste, du
angenehmes Sonnenkind. GünUier 233.
Allerdings liegt es nahe , bei Riste oder
Rüste an ahd. girusti zu denken , da den
Sternen einGerüst, ein Sitz, zugeschrieben
wird, allein besser ist wohl Rist als Ablaut
zu Rast zunehmen, vgl.mhd.zeresle gAn,
engl, go to rest; vgl. Grimm Mythol. 702.
raten, st. vb. in der Bedeutung nützen
bei Scherffer 393.
Wem wollte nur ohn mich die nackte
Strunze rahten ?
nnuchfiss, den Rauchflss austreiben:
die Hütejungen gehen am Abende des
ersten Ptingsttages fast eine Stunde lang
unter Peitschenknall im Dorfe herum und
zeigen hierdurch an, dass da* Vieh am
andern Morgen daa erstemal auf die
Weide gelrieben wird. Wer bei dem Aus-
treiben der letzte ist, heisst derRauchtfss;
er wird Nachmittags ganz in grüne Zweige
gepackt, und ist, auf einen freien Platz
gestellt, der Gegenstand des allgemeinen
Spottes; selten wird er herumgeführt. —
Den Rauchfisa reiten: die Knechte hal-
ten am Morgen des zweiten Pfiogstfeier-
tagesauf der llutung ein Wettrennen ; der
letzte ist der Rauchfiss. Den Rauchflss ste-
cken: die Langschläfer in allen Häu«ern
beissen am zweiten Plingslage Rauch-
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riui men — richten. 77
flxse ; an ihr Rett werden grüne Zweige
gesteckt; Vermisch ung mit dem Meien-
selnnuek ist hier eingetreteu; Bekannte
und Liebhaher stecken sich gegenseitig
Zweige an die Häuser. — Der Hauchfisa
gehört dem Glogauscheu an. Vgl. Neues
Jahrbuch der Berliner Gesellschaft für
deutsche Sprache X, 224 ff. — Über ent-
sprechende Ptitigstgebräucbe, Grimm M v-
tb«d. 74S IT.
raunen, sebw. vb. räumen; geräumt,
geräumig, Logau 427. — abräumen
die Riitepflanzen : das Stroh der Röte vor
dem herausnehmen der Wurzeln vermit-
telst des Abräumeeisens abstossen ; das-
selbe ist ein Fuss lang, ein Zoll breit und
an einem 3V. Ellen langen Stiel schräg
befestigt. Weber ökonomisches Idiotikon.
— be r ä u men das Vieh: den Rachen
der Kühe jährlich zweimal mit Salt aus-
leihen, was manchen Krankheiten vor-
beugt. — enträumen: einräumen.
Zielst du auf Eh' und Pflicht? so darf
ich nichts enträumen,
indem ich noch zur Zeit mein selbst
nicht mächtig bin.
Lohenstein Epicharis 2, 80 ; gesetzt auch,
uicht enträumt, ebd. 2, 386.
raunen, schw. vb. den Halsschleim her-
aufziehen. — Rautze f. Verscblcimung
des Halses. — Verwandt mit Roz.
reiben, »t. vb. (parlic. gor igen, dane-
ben die schwache Form ger eigt) fäl-
teln, einnähen. — a ureigen: Perlen
oder dgl. an eine Schnur reihen. — R ei-
gen u I d e , f. Nadel zum einnähen der
Falten namentlich am Hemdkragen. ahd.
rigan , parte, garigan: sertatus , suti-
lis ; riga : circuli linea. mbd. rigen, Klin-
ten oder Falten nahen ; ric,in. Falte, Kno-
ten, Rand ; vgl. auch Stolles Erfurter
Kronik, herausg. von Hesse, Stuttg. 1854,
S. 189. hemde mit grossen breiten brost-
listen und vorne gericket — gerickteermel.
— rhein. reigen: mit weiten Stichen
nähen. Schindler 3 , 78. nd. rijen , nl.
rijgen, rijgenald (Schnürnadel).
reisen, st. vb. in seiner alten Bedeutung:
sich erheben, aufbrechen, in demScheuch-
ruf an die Katzen : rt's ok, Kitsche! dass
de dir den Bart nich verbrennst. — Scherz-
hafter Ahscbiedsreim :
Res mit Hiob,
schmier der» Maul mit Syrop !
reiten, st. vb.
wenn ihr mit manchem Zuge
zu Felde werdet ziehn, und hinter eurem
Pfluge,
das reit oh oh oh reit mit vollem Halse
schrein. W. Scherffer 649.
Heiter, Retter, m. grosses Sieb vou
starkem Geflechte, ahd. ritra, bair. öster.
Westerwald. neiter, Reitern ;ags. hridder.
oblaus. Retter.
Heiter, m. der trillernde Finkenschlag:
das Ohr hört keine Finkeu nicht den
sogenannten Reiter schlagen . Stoppe
413.
Wahrscheinlich aus Beider entstellt, vou
reiden: drehen, wenden; also Beider:
der Dreher.Triller ; ahd. gareidi, vibratus.
recken, schw. vb. wie hd. — Spruch zu
den Schnecken :
Schnecke hecke recke deine vier fünf
Finger (auch Fähnlein) raus I
weunst se nich wirst raus recken,
schmeiss ich dich in Graben,
da fressen dich die Raben,
kommen die grossen Fleiseherhuude,
ziehn dirs Fell tum A. runder. Oder:
kommt das Kalb, frist dich halb,
kommt das Schwein , frisst dich ganz.
allein.
Vgl. Fiedler Volksreime aus Anhalt 93. E.
Meier Kinderreime aus Scbwabeu 24. —
G e r e c k e n.Brut, namentlich die Frosch -
brut, das Froschgerecke : die Kaulfrüsch-
chen , Quabben , deren verschiedene
Namen Popowitach Vereinigung der
Mundarten 223 auffuhrt. Vgl. auch Stoppe
Parnass 499 : seine Jungfer Tochter und
mein gnädiger Prinzipal sind mit einan-
der richtig ; sie hangen an einander wie
Froschgerücke. — Dasselbe bedeutet
Kröteger ecke; auch bei Lohenstein
Arm. Thusn. i, 12. — Frisch 2, 100.
Kenn IcinbcV, Rendia hslr, in. Renn-
eber (vgl. Ber) , übertragen auf einen
säuischen geilenKerl( Reichenbach, Neisse)
wie bair. Rennsau, Reunferkel als Schelle
für liederliche Weiber und Kinder ge-
braucht wird, Scbmeller 3, 100.
Heiligem, einem einen Rettig über deu Kopf
geben : einen starken Hieb überziehen.
Riehel, n. Gestell, Schrank (ßrieg). Bi-
chel ist deminutiv zu Rieh, oblaus. Teller-
undTopfbret,schweiz.Rigle,Stalder2,276.
bair. Rick : Gestell, Schindler 2, 42, nd.
nl. Rick, Reck.
richten, schw. vb. wie hd. — berich-
ten: in der kirchlichen Sprache, einem
Kranken dasAbendmahl geben, commnnici-
ren:da ich mich gänzlich zum tode berich-
ten Hess und das abendmal des Herrn em-
pfing. Schweinichen 2, 184 — B e rieht,
in. Krankencommunion. Vgl. Grimm Wh.
1, 1S22 und für Silddeutschland Scbmeller
3, 35;Schmid 432 — Eingerichtet,
die innere Einrichtung der Schreib-
tische. — verri chten: schlichten: Seine
Hochwirdigkeit zöge in Polen und
Preussen den krieg daselbst zu verrichten.
Escheuloer I, 2üä; im besonderen: die Hare
schlichten, kämmen; Verrichtkamm: Karoin
zum „Kopf machen." Vgl. mhd. verrihten,
bair. ausrichten, Scbmeller 3,33. Schwab,
grichten , Richter: weiter Harkamm.
(Schmid 432). — Gericht: aufs Gericht
gehen, auf den Abtritt gehen, wie obd.
78 liiechel
Sprachbaus für Latriue gilt Scbmeller
3, 385. — ger i cht», genit. adv. gradezu,
grade weg», beiSchweiuichen gerecht«. —
richtig, adv. zuverlässig , redlich: ein
richtiger Hann; durch ganz Deutschland
tililieb.
Ilieehel, Bichel, n. Bluraenaträusschen,
meist aus Nelken, Heisede, Rosenkraut.
Rosmarin und Pfefferkraut gebunden, ne-
ben dem Geaangbuche unentbehrlich den
Dorffrauen für den Kirchenbesuch; wie die
Männer ihre Schnupftabaksdosen wahreud
des Gottesdienstes unter den Nachbarn
umherreichen, so lassen die Weiber ihre
Richel durch die Bank wandern. — oblaus.
Bichel; nd. ßükelken, BOkelbusk, Rükel-
struss; kuhländ. Ricberlai, Schmecker;
altbair. Schmecker, schwäb. Schmecket.
Hielte, schw. m. Steinricke: Stein-
haufen, Steinhögel. Scherz 1302 Schweiz,
schwäb, Rick: steiler Abhang. Stalder 2,
274 ; Schmid 433.
rindern, schw. rb. brünstig sein von der
Kuh gebraucht, xaupiiv. — Weiter ver-
breitet.
Hing:, m. Marktplatz, obschon er vier-
eckig ist ; das Wort ist durch ganz
Schlesien verbreitet und auch in Böhmen,
Mähren, Uugarn und Polen (rynek) in
Brauch. Die schlesiscben Marktplätze,
mit dem nicht selten festungsartigen
Rathhause und dessen Nebengebäuden in
der Mitte (in Reichenhacb war neben dem
Rathbause auch dieJohan niter-Commende)
können wohl an die Avarenringe erinnern.
— Auf die Frage, welches Kleid sie an-
ziehen solle, bekommt manches Mädchen
die Antwort: zieh den Ring an , da
laufen dir alle Gassen nach.
ring-Ilcht, adj. kreisrund, im Kreise
sich drehend: es wird einem ringlich, d. i.
schwindlich vor den Augen.
Rinke, schw. ra. Metallring, der als Schnalle
benutzt wird;mbd. rinke, obd. und md.
Scbmeller 3, 112; Stalder 2, 278;Schmid
434; Schmidt 163; Rbeinwald 1, 128.
rippeln, s. rappeln.
risch, adj. 1) rasch ; seinen jungen sazte er
uf ein risch pferd, Eschenloer 2, 43 ; die
brücke ward risch verbracht, ebd. 1, 179.
— meinem r e * c h e n : rasch ; die zwei
Ffirstenthumb Schweidnitz und Jauer
brachten i n einem reschen bei 3000 man
bei Reichenbach in das Feld, Escheoloer
2, 30; der in einem reschen etliche hun-
dert pferde ufnam, ebd. 42. —2) frühzei-
tig : es ist noch risch ; vgl. langsam für
spät; risch er coinpar. früher, eher. —
risch ist neben oder statt rasch schon früh
durch ganz Mitteldeutschland nachweis-
bar : Passional her. v. Köpke (s. Glos-
sar); .leroschiu von Pfeiffer 211 ; h. Lud-
wig vonltüekert 89,12 ; MariäHimmeifahrt
1631 (Mone altd. Schausp.) ; Alsfeld. Pass.
375 (Haupt Zdlachr. 3, 491).
— rArlff.
risch, adj. spröde, hart. — Ger Ische, n.
dürres Reisicht. — öster. bair. resch
Schweiz, rösch, schwäb. raison.
ritschen, rutschen, schw. vb. vom
schrillen Ton der Finken, den sie bei
nahem Regen hören lassen. — Schweiz,
rilsehgeu : knarren wie eine Thfire oder
wie getretener harter Schnee, Stalder
2, 278 ; rutschen : schnarchen. 200.
Rizepumpe , f. Kosewort für dicke kleine
Kinder (Reichenbach) ; vgl. bair. pum-
pet: dick, Schindler 1, 285 und oben
Pumpe.
röcheln, schw. vb. grunzen wie die
Schweine. — Geruchel,n. Gegrunze
(Loliris bei Jauer). — ahd. rohjan. rohdn.
Stieler 1499; Frisch 2,123; Stalder 2, 279.
aus-rfiehten , schw. vb. ins Gerücht oder
Gerede bringen :
Personen gar nicht auszurüebten,
die Laster aber zu vernichten,
hat jeder mügeu Reime tichlen.
, Logau n. 91.
Rudel, R ! d e I , m. männlicherHund, Rüde.
Westerwald. Rüdchen. Scbmeller 3, 38.
rüge, adj. beweglich, biegsam, in dem ne-
gativen ungerüge: unbändig, störrisch
(Primkenau). — Vgl. mhd. rugeln: bewe-
gen, rüren (Osw. von Wolkenstein)
östr. rügein : aufrühren, umrühren; rügel-
sain:rege; bair. rogel: locker , beweg-
lich; norweg. rigla, rugla: wackeln,
lose sein.
rücken, ru ck en , schw. vb. wie hd. —
hinrücken: so wird er jetzt nicht erst
durch Thränen hingerückt (ins jenseits)
Günther 933. — zu rücken: einen
kürzeren Weg einschlagen; die Zurü-
cke: kürzerer Weg, Schriemweg.
Rülpe, schw. m. ungeschliffener grober
Kerl (Ernsdorf bei Reichenbach). Frisch
2, 136; Schindler 3, 81. nd. Rulps.
rummeln, schw. rb. Brot einrümmeln:
in die Suppe schneiden. Vgl. frfink. rem-
melu : Gerste remmeln , d. i. zu Grütze
inachen. Schindler 3, 86.
rumpeln, schw. vb. wie allgemein; der
Hunger rumpelt überlaut trotz einem Rum-
pelweibe. Stoppe Parnass 399. Nach
Frisch 2, 136 ist ein Rumpelweib eine
Gerümpelkrämerin, Trödlerin, Tandlerin.
Humpen, schw. m. gewaltiger Abschnitt
Brod, hei Stieler 1321 Rumpf; verwaut mit
Rampf, Ramft.
Kumps , m. Rumpf. Von einem hübsch
gewachsenen Mädchen, das gerade kein
Rcliöues Antlitz hat, sagt man: a hibsch
Gesichte bot se ni, oder im schönen
Rumps. — Puppenruinps : Puppenbalg.
Runks, m. 1) grober Tölpel; nd.2) derbes
Stück Brot; frank. Runkc, bei Stieler
1321 Runken, schwäb. Rauke.
rupsen, schw. vb. rupfen.
rtirigr« adj. gestockt; verdorbene Eier
siud rurige Eier ; aufstossen wie rurige
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70
Eier. Vgl. bair. Riiercl : gestockte Milch,
ftiihrmilch, Buttermilch.
lx'-rüseielm schw. vi».
das mein Tadel-zahu nicht nagt
und es zu berüsseln wagt.
Scheiffer534.
Rfitsche, f. l)Fusshankchen; auch oblaus.
2) S te i n r ii t s ch e : Steinhaufen (Qua-
ritz). Eigentlich bedeutet es eineu steile»
steinigen Abhang, wie im mini. Vgl. Frauz
Pfeiffer zu Mystiker I. 8, 8 ; Jeroschin
S. 213; Röpke Passional 772. Schweiz.,
bair. rösch: steil, jäh.
S.
•»Abseiten, schw. vb. feiern, blauen Montag
machen (Reichenbach) . überhaupt :
schwiemeln, schwärmen.— WohlAbleitung
von Sabbat; schwäb. sich einen Sabbat
machen : sich lustig machen.
Sache« f. lj Angelegenheit, Grund, Be-
deutung, caussa; 's ist Sache: das hat
Bedeutung, '» is nich Sache : es ist nichts
dahinter , bair. des hol ka Sach ; do
bots kenne Sache : das ist ohne Schwie-
rigkeit. — seine Sache machen: verrich-
ten was zukommt , seine Pflicht thun ;
schaffen sine sache, Eneit 8462. 2) res.
Habe, Vermögen; es ist ihm alle seine
Sache verbrannt ; all mein Bissel Sache ;
ich hab meine Sache: hab nichts mehr zu
kriegen. Schnieder 3, 186 ff.
Sachs , gewöhnlicher .Name der Schäfer-
hunde.
sachte» adj. leise, nach nd. Gebrauche. —
Uber den Zusammenhang zwischen
sachte und sanft vgl. Grimm Gesch. der
d. Sprache 349.
e»ng-en, schw. vb. Über die Zusammenzie-
hiuigen dieses Wortes vgl. meine Dialekt-
forschung S. 27, über die Aussprache
von gl ebd. 83. — In die Erzählung wer-
den möglichst viele „sagt ich , sagt er",
eingeschoben; ein Scherzspruch darüber :
Hitze hat sc, sal se, het se,
Küiung braucht se, meut se, mecht se.
S o i l s e, f. Sage, Gerücht (nördl. Nieder-
schlesien).
Sack, S ä k , tu. 1 ) wie hd. Auch für Tasche
in obd. und nd. Weise : Geldsack ; S c h u b-
sack: Tasche in den Weiberröcken,
worin das Geld getragen wird ; Sehub-
sackfreier : Kreier der nur nach Geld geht.
Schab mir den Schubsack! = schab ab:
/.ich ah. '2) Hodensack; Sackboden: Theil
der Hosen zwischen den Beinen. Wie bair.
Schwanz, mhd. zers, zumpf wird Sack,
wenigstens in Zusammensetzungen, zur
Bezeichnung der Mannspersonen ge-
braucht : Labersack, Msrsack , Tallsack.
sacken, schw. vb. ansacken: aufahren,
ausschalten. Daseinfache sacken findet sich
schlcsisch nicht, aber Schweiz. = strei-
ten, zanken ; ahd. sachan: streiten, klagen ;
nd. saken : klagen; vgl. goth. sakan,
altn. saka.
Salate, f- Salat (auch nl. satade, f.); lang-
beinige steigen herum wie der Storch in
der Salate.
sn Ilten, schw. vb. wie hd. — besalben.
a ) bestreichen, beschmutzen, beflecken •
weun das Behmerland zugelassen hat die
falschen propheten , so ist es besalbet
mit allerhand ketzerei. Eschenloer 1, 132.
dass Osman unserthalben
mit diesem Schand-Flcck ihm wird sei-
nen Ruhm besalben.
Lohenstein Ihr. ßassa 3, 202. b) betrü-
gen, gleich beschossen. — Der Gedanke
liegt nahe, in diesem besalbeu neben sal-
ben (salhdn) auch das altesalawjan sal»-
w«Ju : schwarz machen, zu suchen.
salte , scite, adr. 1) dort ( Heichenbach,
Schweidnitz) damals neulich ( Neisse,
Mittelwalde, Liegnitz, Trebnitz) : beisalte:
dort; Nebenformen salkst, saukst.
saukstern, saukt: duniiils (nördl. Nieder-
schlesien). Vgl. m. Dialektforsch. 142.
.Salz , n. wie hd. — Salzwagen tragen :
Töpfe zum neckenden Gepolter Abends
an fremde Thören werfen. — S a I z i r I a, n.
Salznäpfchen, demin. zu Salzir ; nd. Sul-
serken, eigentlich Salsennapf, aauciere.
Vgl. Haupt Zeitschr. 7, !»Ö6; Frisch 2, 143.
isarnen, schw. vb. säen : die ihre Flainmeu
sätnen in alle herzen kann. Lnhensteiu
Agripp. 3, 161).
Mamgtagr ♦ Samsntag,m. uur im däni-
schen statt des im übrigen Schlesien üb-
lichen Sonnabend gebraucht.
sntt , adj. 1) wie hd. 2) adv. sehr (Glaz,
uördl. Niederschlesien ) sich satt freuen ;
auch nd. — sattsam adj. übersättigt,
verdricsslich :
weil nun die Welt wie ein kindisch
alter greis
beissig garstig satsam wird, bloss auch
nur zu nuseln weiss. Lopau 1170.
Sau, Saue, Säue, f. Auf dem Zobten-
berge liegen sehr alte rohe Steiubildcr.
z. B. eines Büren und eines Wolfes; aber
mich eine steinerne Sau soll vorhanden
sein, die jetzt- vou einem Steinhaufen be-
deckt ist. Die vorübergehenden warfen
unudich jedes einen kleinen Stein auf da*
Bild und riefen : Sau, hier hast du dein
Ferkel ! — Sau ist in den Schellwnrteii
reichlich vertreten: Saubartel , Säu-
darm, Siiudreck, Säujunge, Säumagen. —
Sa u b ä r,d. i. Sauber: Saueber, männliches
Schwein (vgl. Her) als Schelte noch im
Brauch — v e rs:i u h a ttc I n,- b o t te I n,
schw. th. durch N.irliliis.sigkcit cinhüsscii.
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80
Zu Säubartel? oder ist es au« versäube-
leo, versäuweleo = versauen entstellt, da»
Schweiz, vorkommt?
Mauern« schw. vb. versauern: durch die
Nüsse verderben (vomAcker und vou Feld-
fruchten), übertragen auf Mens ehe u die
durch die Nässe des Schicksals verküm-
mern, zwar allgemein bekannt, aber hier
wegen Chr. Güuthers zu erwähnen, dieses
Fürsten schlesiseher Dichter, welcher
sein eigenes Geschick beweint, klagend :
wie manch geschickt Gemüthe ver-
sauert in der Noth ! (S. 726, 3. A.)
saufen, st. vb. saufen wie ein Zugochse. —
e r s a n f e n : Getreide und andere Früchte
ersaufen iu zu grosser Nässe; Bergwerke
ersaufen ; allgemeiner. S a u f a u s, m. Säu-
fer; sehr gebräuchlich. Es sei erlaubt
ältere Belege anzuführen: in der kurz-
weiligen Predigt Doctor Schmossinans
heisst es: Es haben gegriffen zum sack
der ee, scheissiu kübels tochter und sauf-
auss sein sun. Saab gar auss, Unland
Volkslieder 612; Stieter 60 hat neben
Saufaus Trinkaus , bibulus ; nd. Siiput.
Grabschrift in Philanders v. Sittenwald
Gedichten (2, 239. 1650) :
Hic jacet extinetus valde veuerabilis
Auss-sauff,
von Brandten- Wein und bitter Bier,
und ist also entschlafen hier.
Gesäufte, u. und ist beineben ein
gross gesäufte gewesen. Schweinichen
3,74. — S uf f , m. sich dem Suff ergeben;
ahd. suf — Süffling, Sifflig, m.
Säufer. Stieler 1685 f. ; Schindler 3, 204.
Saale, f. Säule; die Saul A. Gryph.— Inden
schles. und böhm. Schenken steht in der
Milte der grossen Schenkstube eine höl-
zerne Säule als Träger der Decke; an ihr
sind die obrigkeitlichenBekanntmachungen
angeheftet und um sie drehtsidi der Tanz :
wenn de gäla Gciga han geklunga,
seim ber im de Säule rimgesprunga.
Saum, m. auf den säumen treten, Schwei-
nichen 1, 70 für comprimere aliquant ; vgl.
aldi) warf ichs under mich und trat ir uf«
gewant. Minnesinger (v.d. Ilagen) 3, 247 b .
DA er uuibe ir miune bat,durh das röckel er
ir trat daniden hf dem soume, ebd. 3, 248'.
Matz, Siitz, m. beslimiiite Zahl zusam-
mengehöriger Gegenstände : Satz. Kälber-
fiisse (4 Sliiek), Satz Stecknadeln (o St.),
Satz Kegel (9 St.). — Fischsatz:
Trittbrett an Strömen oder Teichen,
zum auswerfet! der Netze (Breslau). —
Satzw a nd , f. von Dünger oder Laub
geschichtete , mit Stangen befestigte
Aussenwantl an Häusern und Ställen zur
Erwärmung von aussen.
Schachen, schw. vb. scheuchen, verjagen;
auch schwäb. Schachen, Schmid 430.
die Schande schächl den Trieb der Pflicht,
die was vollkommnes liefern sollen.
Stoppe Parnass 315.
Sehacht , m. Lärm .- einen Schacht ver-
führen. Auch oblaus. und weiter; bei
Scherz 1367 Schachen, lachen; schwäb.
Schächtcrling : lautes auflachen ; nd. scha-
chern, laut und unanständig lacheu; nl.
schateren; verwandt ist schäkern.
Schachtel , f. t) wie hd. 2) pudeada
feminae 3) in gemeiner Rede: Weib;
alte Schachtel. — Schindler 3, 316.
Schmidt 173.
aehaehtern, schw. vb. geschäftig sein,
emsig arbeiten. — herumschach-
te r n : geschäftig herumlaufen. Tausch von
ft und cht, vgl. schaffern. — Vgl. schwäb.
•chechten, schachteln : herumlaufen.
Sehade, m. besser were ein schedlin denn
ein schade. Eschenloer 2, 42.
.Schuir, n. rundes hölzernes Gefäss, beim
waschen und in den Küchen gebraucht.
Auch in der östl. Oberlausitz und allge-
mein obd. Sehmelier 3, 326. — ahd. sc* f.
schaffen, schw. vb. 1) es schaffen: zu-
recht kommen : sie kanns vor Kindern
nichtinehr schaffen ; es vor Gestank nicht
schaffeu können. 2) anordnen, befehlen ;
heute in preuss. Schlesien kaum noch
üblich, aber früher auch bei den schles.
Dichtern häutig. — S c h a f f e r, m. eigentl.
der Anordncr (ahd. scaffslri : mconomus.
dispensator) : der Vogt auf den Höfen,
Vorstand und Leiter des Gesindes. Ein
guter Schaffer ist hesser wie zehn schlechte
Arbeiter, Sprichwort Nebenf. Schaff-
ner (mbd. aebaffeutere) : Mein Schaffer
sol alsbald iedwetlem Knechte zahln drey-
hundertGroschenans. Lohenstein Epichar.
2, 189. — s c h a f fe r n, schw. vb. geschäf-
tig sein, wirtschaften. — herumschaf-
fern. — Vgl. schnchtern.
schackien , schw. vb. auslaufen, fortlau-
fen, herumstreichen (Langenbielau); ver-
wandt mit schachten, w. z. s.
Schalander , h. Scheltwort, aus Galan-
der entstanden, vgl. in. Dialektf. 84. ca-
landrus : gryllus curculio; die Bedeutung
galerila können wir nicht herbeiziehen.
SehnläMtcr, f. Elster, die gewöhnliche
schlesische Gestalt des Wortes; vgl. Agla-
ster. Auch oblaus.
schnmpera, schw. vb. hüpfend, trippelnd
gehen- — Scham p e r, m. Tanz. — Durch
Einschiebung von m aus schappern
entstanden, w. z. s.
Schande , f. nach älterer Weise gleich
Scham: keine Schande haben: keine
Scham kennen. Vgl. Scbmellcr 3, 370,
und frz. honte.
sehappeln, schappern, schw. vb.
hüpfend tänzelnd gehen, wie schani-
pern. — herum schappern: herum-
hnpfen. — Schaperke, f. Kreissei
(Falkenberg). — schwäb. schappern:
umherlaufen ; bair. sehappeln, scheppeln :
klappern, schlottern ; Westerwald, schah-
ben, schubbern, schaubern.
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>
scharhen, »chw. vb. klein schneiden,
schaben; Kraut e i nse Ii a r b e u (Glaz).
Üblaus. Scharbe: Schnittbret zum Schar-
ben von Hüben, Obst u. dg~l. — ahd.
scarbon. Frisch 2, 163; Stieler 1735;
Schweiler 3, 397. od. skarven.
schar-achen * schw. vb. scharren mit
den Füssen, schleppend gehen ; rsch aus
rz: bair. scharrezen. Schmeller 3, 380.
Schatte« schw. m. Fächer. Vgl. mhd.
schalehuot, Schweiz. Schathut.
Sehaub, m. Bund Stroh (öster. Schle-
sien); ahd. scoup, nd. scdf, ags. scedf. —
Allgemeiner ist 8 c h a u b e, f.Strohbündel,
womit die Strohdächer, die Schauben-
dächer, Schobendächer, ge-
deckt werden.
Scliaaer t m. 1) wie hd. 2) kurzer Strich-
regen. Wahrend Schauer in Süddeutscb-
land vorzugsweise (aber nicht aiis-
scbliessiich, vgl. Schmeller 3, 386) das
Hagelwetter bezeichnet , ist es in Schle-
sien nur für den milderenRegen gebraucht.
Vgl. hiezu ags. «cur: Unwetter, Sturm,
Hegen ; nd. Schur : Regen, Hagel.
Schauer , m. Schuppen bei den Mühlen,
iu welchem die Bauten und Ausbesserun-
gen für das Mühl werk ausgeführt werden,
ahd.scür: tugurium, dorauncula; ud. Schur:
Obdach, Hegenhütte. — Aus Vermischung
mit diesem Wort wird scharwerken
(worüber Schmeller 3, 382) zu schau-
erwerken umgebildet : schauerwerken,
an der Mühle baueu; Schauerwerker:
Mühlbauer.
aeheften , schw. vb. schaffen , arbeiten
(Heichenbach).
Scheibe, f. 1) wie hd. 2) besonderes
Ackerstück, meist flach und in der Nähe des
Herrenhofes gelegen, gegenwärtig durch
nichts von den übrigen Äckern unterschie-
den. Die Scheibe ist der Lehde entgegen-
gesetzt (s. Lehde). (Lieguitz, Domauze).
be-scheiden, udj. zum unterscheiden und
erkennen : deutlich : „Man sieht von dem
Berge Breslau ganz bescheiden liegen." —
mhd. bescheiden in gleicher Bedeutung.
(tcheissen, st. vb. in einer Menge kräfti-
ger Heden gebraucht. Von einem schwer
zu befriedigenden heisat es : dem Kerle
trifft mans nicht und wenn man ihm mit-
ten auf den Kopf scheisst. — In A. Gryph.
Horibiticribrifax machen sich Cyrille und
Sempronius folgende Üomplimeute : C. ich
will dir die Augen auskratzen und in die
Löcher scheissen. — S. Ich will dir den
Ars an deine Zunge wischen. — C. Ich
will dein Maul unter ein Seheisshaus
nageln. — auss c heis « en : aussehen wie
ausgeschissen (farblos und eingefallen);
vgl. die bair. Redensarten: ausschauen
wie 's Mudl unterm Schweif; ausschaun
wie c gespibnes Apflmues. Schmeller
3, 303. bescheissen: ohne üblen
Nebensinn gebraucht nach alter Weise
Ncbellltr. 8 1
1) für beschmutzen: beschissene Uaude,
Wäsche u. dgl. — Von einem unbrauch-
baren Knechte heisat es in kräftiger
Weise, wobei an cacare selbst zu denken
ist : er besehesst ok Knechtes Stelle. 2)
betrügen. Sprichw. : wen er nicht be-
schissen hat, den beseicht er; vgl. jene
haben uns beschissen , so beseichen uns
diese. Seb. Franck Weltbuch 43. rw. —
Bescheisser: Betrüger. — Vgl. Grimm
Wtb. 1, 1561. — Scheiashänsel: Abtritt,
vgl. Haus, Häusel.
Scheit, n. (Plur. Scheite, Scheiter) wie
hd. — der gantze körper ist noch dürrer
als ein scheit. Opitz 2, 57 (1629). — So
sollte eh die gantze stadt zu scheiteru
geh n. Sch weinichen bei Stemel Script. 4,
»8. Manch starkesLastschiff gebt zuSchei-
tern durch denWind. Lohenstein Ibr. Bassa
3. 187/ K e p p s c h e i t : Stück Holz, wo-
mit die Mangel (Holle) empor gehoben
wird, um die fertig gemangelte Wäsche
hervorzunetameiuv.; — Quaslscbeit:
Schelte für quätwisebe Kinder. — R a-
s s e l s c Ii e i t , *r Hassel. — Rumpel-
scheit: wie das vorangehende, zänki-
sches altes Weib: der soll anstatt de»
Macherlohns ein böses Humpelscheit be-
kommen, die sieben Männern schon den
Hals, wie ihr die Zeit den Zahn genom-
men, Günther 439. das alte Rumpelscbeil
begehrt nach einem Mann, ebd. 1101. —
Schieissscheits. Schleisse.
Schelfe, f. Schale; ist mir heute im Schles.
nicht mehr begegnet, wohl aber bei den
schles. Dichtern des 17. und 18. Jahrh ;
wenn man von eiuer Nuss das eine Theil
der Schelfen verleuret Scherffer 464. M»
trifft den wahren Kern und sättigt sieb an
Schelfen. Günther 504. — ahd. sceliva.
Scherz 1388, Stieler 1719; im bair.,
schwäb., schweiz. erhalten, ebenso ud., ul.
Schelp. Schulpe : Muschelschale.
schellifr, »dj. zornig, mürrisch ; ist heute
mir nicht mehr im schles. begegnet, aber
mehrfach bei Schweinichen aufzuweisen :
darauf ward der Herr Bischof schellig und
unlustig, 11,114; haben einen wunderli-
chen und schelligen unholdseligen wirt
gehabt, ebd. 276, auch II. 147. 292.
Viel Worte machen schwache häupter
oder ja schellige köpffe, Schweinichen bei
Stenzel Script. 4, 51. — Über dies mhd.
zuorst begegnende und bis in neuere
Zeit häutige Wort sind mancherlei Deu-
tungen versucht, worüber Zarncke zu
BrantsNarrenschiffc. 110% 34. — Ich ver-
suche folgende Ableitung. Obd. begegnet
ein Nomen Schell , gescheite, schell ing:
differentia , discordia (Frisch 2, 172.
Scherz 1389);adj. schell : unterscheidend,
gescheit : ein Engelländer spilet auch nim-
mermehr so wol, wie klug und schell er ist.
Gereimte Vorrede zu Phil. v. Sittewalds
Gesichte ((630); fürschell: tobend
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82
Sehe nun el - Sohlt«.
rasend. Fastnsp. 629, 5. Hiezu od. sche-
len i) unterschieden sein, 2) uneinig
sein, zanken; Schel, Scheie: Uneinigkeit,
Streit ; schelhaflig, schelachtig: zwistig.
Brem. Wb. 4, 028 f.; nl.schelen; ags.
seile, Unterschied, sciljan, trennen ; altn.
skil, skilja; norweg., schwed. »kilja; dfin.
«kille. — Wir halten hiernach auch ahd. ein
Wortscel, scetan: unterschieden, uneins
sein, aufzustellen, wovon schellic eine Ab-
leitung, deren Grundbedeutung ist: mit
Trennung, ZwiBligkeil behaftet; uneins
in sich und mit andern ; zornig wild.
Sehemmel. m. wie hd. — Eisschem-
in e I : grosse Eisscholle (Reichenbach).
Frisch 2. 160 führt das Wort aus Wurst-
isens Basier Krouik auf.
Schenke« f. in Schlesien seltener ge-
braucht als Kretscham. Pachtschenken
heisaen kurzweg die Pacht. — Offene
Schenke : unTerhüllter Busen, — schen-
ken, schw. rb. neben der Bedeutung
donare, hauptsachlich propinare, und
säugen. Die Mutter schenkt dein Kinde.
Allgemeiner. — (J es c he n k e, n. Paten-
gescheuk: inenihrura virile.
seherren, schi rr e n, schw. vb. (verthei-
len, anordnen, ahd. scerjnn, ags. seerjan,
scirj.m) erhalten in anschirren: die
Pferde mit deinGeschirre belegen, anspan-
nen; vorschirren, fii rs cherren :
dj» Esseu anrichten. — Geschirre, n.
das znm Fahren und Reiten nothigeWagen-
und Pferdezeug , das in der Schirr-
kammer aufbewahrt wird. Schirr-
holz: die abgehauenen und behackten
Birkenstämme, welche zu Wagnerarbeiteu
gebraucht werden. — Schweix, schirren :
ordnen; anschirren: anordneu; Geschirr:
Ordnung. Stalder 2, 319; vgl. Frisch 2,
185. — Wie die Vergleichung des ahd.,
ags. lehrt, ist die Form scherren neben
schirren berechtigt.
Schersen, schw. vb. trans. zum Scherz
machen, verspotten: wird damit unser
band und wort nicht höchst gescherzt.
A. Gryph. sterb. Papin. 2, 253. d:iss ich
sein haus und stamm und schwester
so gescherzt, ebd. Card. Cel. 1, 192.
scheitern« schw. vb. locker, zerbrechlich
machen, in serschettern: ein altes
zersehettertes : baufälliges Haus (Rei-
chenhach). Vgl. unten s c h i 1 1 e r und
Schweiz, schillern: gebrechlich werden.
Scheune« f< wie hd. — Hae, merkste a
Scheindel?= merkst du etwas , was dich
lockt ? gründet sich auf folgende Ge-
schichte: Ein Bauer halte sich eine neue
Scheune gebaut, das Gewitter schlug eiu
uud sie brannte nieder. Er haute sie von
.Neuem auf, und da sie fertig war, kurz
vor der Ernte, zog wieder ein Wetter heran
und trieb mit plötzlicher Wendung ge-
rade auf den Wohnort des Bauern zu. Da
stellte er sich verzweifelnd hin, sah grin-
send zu der Wetterwolke auf und schrie:
hae, merkste a Scheindel ?"
schieben« st* vb. 1) wie hd.; 2) schuh-
nder stossweise gehen. — abschie-
ben: sich entfernen. — Vgl. Stieler 1778;
Schindler 3, 313. Rräuchlicher war in
der Bedeutuug gehen, ahgehen in alterer
Zeit schaben : Krone2492. Erec, 4195; J.
Grimm zu Reinhart Fuchs S. 283. Vgl.
ferner das gewöhnliche Schabab und das
brandenb. abschaben.
Schiede le, n. über der fürstlichen Rare
ist ein geschiedele gestanden, darauf ha-
ben 200 Wachslichter gesteckt. Schweini-
chen 1, 65. Es ist Gesiedele zu lesen:
Gestiii, hier also staffelartiger Aufbau,
j schief, adj. durchgehends nach nd. Art
s c h & f gesprochen. — windsche'f:
schiefgezogen, von Holzwerk gebraucht:
auch nd.— w i n d , zu wenden gehörig und
mitWind,ventus, ohne Verbindung, kommt
auch sonst zur Bezeichnung des krum-
men, schiefen vor: windschaffen, wind-
achsig, windhilsig, windschelch, windvar;
auch mit Ableitung: w indisch (schle-
sisch, Westerwald., Schweiz.), winsch:
schief, krumm. Vgl. Schindler 4, 108.
Schiefer, Schiever, m. hauptsächlich:
Splitter; Holzschiefer, Garnschiefer (das
Garn schiefert: dreht sich auf); auch
Schiefer Brot: Schnitte Brot. — ahd.
seivaro, mhd. schtver. Redensart: einen
Schiefer zu viel haben: etwas verdreht
oder verrückt seiu. Logau n. 2800 sagt:
weil im köpfe schiefer stekt,
hat er auch womit er dekt.
Schiefer ist hier in seiner andern Bedeu-
tung genommen; das» aber die von Split-
ter auch hier die ursprüngliche ist, be-
weist der schlesische Zusatz: er hat nicht
hlos einen Schiefer, sonderu einen ganzen
Balken. Anderwärts bedeutet diese Re-
densart: zornig sein. Stieler 1780;
Schindler 3, 336.
Sehlel-bock, m. schieläugiger. Vgl. Fi-
schart Gargantua c. 42.
Schient, m. Schatten, Geisterschatten:
oberlaus, erhalten, bei Berndt Schien.
Maria, schwebt dein schiem mitleidend
um uns her.
A. Gryph. Karl Stnard 2, 255. — mhd.
schime , vgl. ahd. scema, nd. nl. Schern,
Scheine. — Diefenbach goth.Wb. 2, 226:
Schindler 3, 362.
schicker, adj. besoffen, das hehr. H3»tf,
durch die Juden in Oberschlesien in Um-
lauf gesetzt; auch in der Studenten-
sprache einheimisch.
Schild, m. einer Jungfrau in deu Schild
reiteu, Logau n. 2051 = ihr eine Grob-
heit sagen ; wie einem in den Schild re-
den: ihm zum Nachtheile reden. Frisch 2,
181. Vollständiger wäre: in den offnen
schliffe - Sehlandcr. 83
Schild reiten, d. i.inden Rücken fallen,von
hinten kommen, alln.J npnaskiöldu konia.
schiljr«», ndj. in r ecli t s ehi I g e entstellt
für rechtselbig, der rechte: wenn erst
der rechtsehilge Kreier kommt , wird sie
schon heimtlien.
Schilling, Schümm. Münze die früher
in Schlesien gebräuchlich war und wenig-
sten» als Werthbestimmung iia 18. Jahrb.
noch gebraucht wurde (der S c h i I g e r,
S c h i 1 1 i g). Über den Werth des Schil-
lings im 14. Jahrh.rgl. Stemel in demUr-
kundenbuch der Städte 91. Auf den kur-
zen Schilling giengen wie anderwärts
(Scherz 1407, Schweiler 3, 345) zwölf
Pfennige , und daher wurde das Wort
gleichbedeutend mit Duzend überhaupt;
so ist es noch beute in Schlesien und
Lausitz gebraucht: ein Schiig Nüsse,
Aepfel; viel Schiige Mal. — BeiScherffer
401 steht: zwei Schilling schmilz bat er
verdient, eine Stelle, die zu der von
Sehmelier 3, 347 aufgeführten tritt: nie-
man sol sinem leYchinde mer siege luon
danne zwelfe und sme geveYdc. Die Ru-
tenstreiche wurden also duzendweise ver-
abfolgt. Oh sich hieraus die Bedeutung
Schlag, Streich für Schilling entwickelt
hat, die obd. noch gang und gfibe ist,
möchte fraglich sein; schon in der
Thrymsquida heisst es mit einem Wort-
spiel: hon skell uinhlaut for skillinga
(Schellen erhielt sie für Schillinge).
Schimmel» in. einem zureden wie einem
kranken Schimmel. Über den S ch Im-
me Ire iter vgl. meine Weihnachlspiele
und Lieder (Graez 1853), S. C f.
schinipern, schw. vb. mingere. — Vgl.
schimpfen.
schimpfen, schw. vb. die alte Bedeutung
acherzen verschwindet im 18. Jahrb.
hinter der von schellen. Günther 469
sagt: gescherzt ist nicht geschimpft. — -
Seh im p f Ii ü lt c : Abtritt; auch ohlaus.
— sehiuipern steht wahrscheinlich für
Schimpfern : etwas unanständiges machen.
schinden t in der eigentlichen Bedeutung
die Haut ( skint) abziehen, wird es schwach
gebeugt; schon Fundgrub. II. 334, 24 nu
sinl mir beschint die knie; in der übertra-
genen Hedeutungqutileti, martern, stark :er
hat seine Leute geschunden. — Über das
sonst umgekehrte Verhältnis» vgl. Rückert
zum h. Ludwig 53, 11.
schirren, b. scherren.
sehitter, adj. dünn, lückenhaft, besonders
vom Getreide gebraucht; mhd. schiler
und durch ganz Oherdeutschiand ver-
breitet. — Vgl. schetlern.
schlachten, in nach schlachten: nach-
arten ; der Sohn schlachtet dem Vater nach;
abgeleitet von slacht: Geschlecht, Art.
Frisch 2, 183. nd. »lachten, von dort
übergegangen in die neuunrd. Sprachen:
slügle, »la'glast.
Schlaf, m. Schlafbursche, Schla f-
geselle: Bettgenosse. Schau die Hölle
ist dein Schlafgeselle. Chr. Gryphius 108
(3. A.). — schlafen: einschläfern ;
Die Wach ist sinnenlos, geschläft durch
starken Wein.
A. Grypb. Rath. v. Georg. 1, 392.
Schlatittel, n. eiuen beim Schlafiltel
nehmen : ihn beim Schlagfittich (Gefieder,
Kleid) packen. — Da» Wort ist durch
ganz Deutschland verbreitet. Schindler
3, 444; Rheiuwald 1, 139; Schmidt 185;
Brem. Wb. 4, 797 ; Schütze 1, 319. -
nd. heisst es auch: enen bi dem Fiddik,
hin Flunk kriegen.
Schlag", m. ein Schlag Zeit: ein Augen-
blick; aus der Musik herübergennmmen,
wo Schlag die Dauer eines Tactes bezeich-
nete, Frisch 2, 187. — Von der Zeit auf
den Raum übertragen: einen Schlag
rücken. - Schlage I os,m. 1) streitsüch-
tiger zum losschlagen bereiter Kerl;
2) Schleuderer, Kaufmann der unter dem
Einkaufspreise losschlägt; überhaupt Ver-
schwender: sieh doch, du Schloilus , du
hast gewaltig vil zu verschenken. A.
Gryph. gel. Dornrose; Kernkronik 2,
724. — schlegebäuchen, s. Bauch.
Schlacke, f. Hund ; Fleischerschlacke
(Reichenbach).
schlampen, schw. vb. schlaff, lüderlich
sein. — Schlampe, f. 1) lüderliches
Frauenzimmer ; 2) dünne kraftlose Suppe.
— Durch einfügen der Labialliquida aus
schlapp, schlaff; Frisch 2, 192; Schnel-
ler 3, 440; Stalder 2, 323.
ge-nchlanke, adj- schlank; bei den ge-
scblanken Fichten. Stoppe Parnass 413.
schlappen, schw. t. lecken , schlürfen ;
schlappern, dasselbe. — a u s-
schlappern: auslecken, ausschlürfen .
— sich I) e s c h I a p p e r n : sich benetzen ,
beschmutzen. — Schlappermen ts-
tag: Festtag wo geschlappert: ge-
schleckt und getrunken wird. — Weit
verbreitet in Mittel- und Norddeiilsch-
land;nd. nl. slahben, slabbern, slubbern ;
engl. slap. — Vgl. lappern.
sehlarsehen , schw. vb. die Fnsse schlür-
fend schleppen ; für slarrezen. — Das
einfache starren ist nd. erhalten; Ablei-
tungen : bair. slarfen, Schindler 3, 457;
schwed. slarfva; Schweiz, schlarpen,
schlarggen, mit den ablautenden schlir-
pen , schlurpen , schlirggen , schlurggen
( Stalder 2, 324). so wie nd. neben star-
ren, slurren steht. — Vgl. schlurksen.
Schlaufler, f. nachlässiges lüderliches
Frauenzimmer: so lange bis einTranUrh,
ein Schlauder ihn erwischet, SeherflcrO'20.
— Vgl. mhd. sluder in sluderaffe, Schlatir-
affe; Schweiz, schludern, bair. Schlei-
dern, nd. »ludern, slnren: nachlässig, lü-
derlich sein und arbeiten, schlottern.
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84
sehlaunen, schw. vb. von stallen gehen,
glücken. Wie schlaunts'n denn dohinigte?
wie geht ea ihnen hier(Kynau). — Stieler
1089. 1818 sehlaunen: succedere. Wie
schlaunf es? num valcs ? es schlaunt ja
noch so dahin, medioeri forluna utor. —
ahd. slt'ina, Glück, sliinic, glücklich ; mhd.
sliuneu ; bair. schlaunen: von slatten ge-
hen, Schweiler 3, 450; kämt, schlaun
wohl : behüt dich Golt ! S c h I a u n, m. Ge-
schicklichkeit.
Schleier , genauer Schleierleinwand : die
sehr feine Leinwand , deren Weberei im
17. u. 18. Jahrh. im Hirschberger Thale
in hoher Blüte stand. Der Begriff des
feinen , der in dem Worte Schleier liegt
(vgl.altn.silkislvja, engl, sleavesilk), tritt
hier deutlich heraus. Vgl. über das ety-
mologische Franz Dietrich bei Haujit
Zeitschrift 7, 190.
schleissen, st. vh. reissen, spalten (abd.
slizan, ags. slitan), Federn schleissen:
die Flaumen von den Kielen reissen; den
Pips oder ZJps schleissen : die harte Haut,
die sich auf der Zunge der Huhner gebildet
hat, abreissen. S c Ii I e i s s e, f. Kienspan,
der als Leuchte in den UanerhSusern
dient ; die Schleisse ist an einem Ständer
(Schieissenleuchter) in der Nähe des
Ofens angemacht; der glühende Aschen-
abfall heissen die Schlcissentrümel
(Schlessatrfmla). Mit den Schleiss-
sch eilen treiben die Schleissen-
männer einen kleinen Handel durch
das Land.
schlenkern , schw. vb. trans. und intrans.
schwenken; schlottern, schwanken. —
schlenkricht, adj. schlottrig , schlaff.
Allgemein; Frisch 2. 197: Schweiler 3,
433; Stalder 2,328; Schmidt 189; Brem.
W T b. 4, 822. — ahd. slenkiren, jactare
— Schlanke), Sc h I i n k s c h I a n k ,
m. schlotternder nachlässiger Mensch.
Schleifern, s. schlottern.
Schlcusscrln, Schleisserin. f. weib-
licher Dieustbote, der etwas unter Ver-*
schluss hat: auf den Wirtschaftshilfen
die Milclischleusserin , in den Gasthöfen
die Freindenschleusserin. In den andern
Häusern ist die Schleu^serin das Stuben-
mädchen. Schlei ssrich: Mann der
Milehschleisserin, kecke Bildung der
Jauersclien Gegend.
schlicken, schw. vb. schlingen, schlucken,
ahd. sliccan , erhalten in dem frci|uent.
schlickern : schlemmen , schleckeu ;
Sch lickerhiusel , Wirthshaus wo
geschlemmt wird. — nd. slickern, Brem.
Wh. 4, 830.
schlickern, schw. vb. vom vorigen zu
trennen; 1) nass, schmutzig sein: das
Weller schlickert; Schlicker Wetter:
nasses schmutziges Wetter, namentlich
wo Schnee und Regen durcheinander-
fallt. — schlickricht, »dj. hiezu; 2)
hin und herschwanken wie Schlamm (nd.
Slick): trans. verschlickern: flüssiges
verschütten. Stieler 1830; Brem. Wb. 4,
828; Schütze 3,12t. ul. slik, sljjk. —
Vgl. seblippern.
schlimm, adj. weniger in der Bedeutung
böse, schlecht, als in der „schief, krumm"
gebräuchlich, die früher auch obd. war
(ahd. slimb, obliquus, und Schindler 3,
449) , jetzt aber vorzugsweise nd. und
nl. ist. — schlimm sehreiben; schlimme
Füsse haben, schlimmpenig sein.
schlippen« schw. vb. schlüpfen , gleiten
(ahd. slipfan) : o war ein giftig Pfeil durch
Lung und Herz geschlipt. Lohenstein Ihr.
Bassa 1, 227. — Schweiz, schlipfen, Stal-
der 2,329. nd.slippen.— schlippern:
frequent. zu schlippen : gleiten, schwan-
ken, trans. u. intrans.; mit etwas flüssigem
fchlippern. nd., nl. slibbern : gleiten,
schlüpfrig sein. Vgl. schlickern. —
Schlippermilch, Schlicker-
milch: gestockte oder saure Milch. —
Schlipsen = schlippen und schlip-
pern : gleiten, schlüpfen.
Schlitz , m. wie hd. — Schlitzloch:
Mauei scharte, langes Luftloch in den
Slallwänden.
schlitzig;, scblitzkig, adj. schlüpfrig,
glatt. — Schlizkeo: dicke Mehlnudeln
mit brauner Butler begossen und gerie-
benem Käse bestreut. — Schlitzken-
darm: Schelte. — Statt i ist vielleicht ü
zu schreiben; vgl. bair. schliilzig, schlö-
tzig: klebrig, schmutzig. Schindler 3,
402.
schlottern, schw. vb. nicht im Volke ge-
bräuchlich; aus dem Stamme sind indessen
aufzuführen die Bildungen Sehl otti ng,
S c h I o 1 1 i g, m. lüderlicher Heruinstrei-
cher. — schld Ischen, schw. vb.
schlotternd gehen, die Füsse schleppen.
— schlottern, schletter n,schw. vb.
schlottrig machen; ein zerschlaetertes
Haus : baufälliges Haus. — schwäb. schlot-
tern, sehleltern : verschütten, klecken. —
Geschlaiter, n. ISderliches Gesindel.
Kernkronik 2, 721. Schindhund und Teu-
fels Geschläter. Hoffmannswaldau u. andr.
Ged. 4, 337.
Schlucke, f- der Schlucken. Spruch ge-
gen den Schlucken :
S c h I u k u p vergfh mfeh ! Aler MAn nim
mich!
nirat mich nich Aler MAn, kirnt de Schlu-
cke ndch dreimal an.
(Reichenhach.) Vgl. dietinars. Slukiip,
holstein. Siikup, Schütze 4, 123.
Sehlunfr, m. Schluck ;* vgl. Frisch 2. 200.
Zu schlingen wie Schlund zu schünden.
schlurksen, schw. vb. 1) schlürfen, trin-
ken. — Schlu rks,m. Schluck, Trunk.
Vgl. Slurk : Schlund, Frisch 2, 203 ;
schlurken : schlingen, Schnieder 3, 457:
(Stamm slir, slar, slur; ud. sliren.
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schlecken, naschen) , oblaus. schlurksen,
ausspucken. Schlnrks, Auswurf. — 2)
schlurrend gehen. — schlurksig, adj.
schlaft 1 , schlottrig. — Vgl. schweizerisch
schlurggen, schlirggen, schlarggen; We-
sterwald. Schlorches: langer Kerl. —
Verwandt ist schlarschen, w. z. s.
ge-schmack, gesch macht, adj. wohl-
schmeckend; »hd. gesmac, gesmahf. ~
den wolgeschinacken klee, Opitz 1, '21)0;
wolgeschmacken safft, Opitz Z. IV. rw.
(1625); wolgcschmackten wein, Opitz 1,
204; kein wohlgeschinackter fisch, Gün-
ther 514. — Schmecke, f. Geschmack ;
auch bei Stieler 153U. 1871. Gut-
schmecke: Leckerei, Gourmaudise;
Sprichw. Gutschmecke macht Bettelsäcke.
— Bei Stieler 187i : er hat eine gute
Schmecke alias ein dünn Maul: palatus
illi sapit.
Schmagdster, Schmig-, Sc hm eck-
igster, f. neunfach geflochtene mit
ßantlschleifen gezierte Weidenpeitscbe,
mit der am zweiten Ostertage Langschlä-
fer (besonders die Mägde von den Knech-
ten) aus dem Bette getrieben werden,
mit dem Rufe: steh auf! Ostern ist da!
— Die ertappten Migde geben den Knech-
ten Nachmittags eine Bewirthung. Das
Wort ist auch preussisch, oblaus., nord-
böhinisch und kommt seihst in Hessen vor ;
Gl imm verwechselt, Mythol. 557, diesen
Gebranch mit dem Dyngus, dein Wasser-
giessen. Stieler 1402 deutet das Wort aus
Scbmack: ferula, schmacken: mit Ruten
streichen, was in preuss. Mundart begegne.
Dies ist verwandt oder vielleicht entlehnt
aus poln. smigac, smagac: peitschen
schmitzen, smiga, sinaga: Peitsche. Hier-
aus erklärt sich die schlesische Doppel-
form Schmagoster und Schmigoster.
Der zweite Theil hat ursprünglich nichts
mit „Ostern" zu thun, sonden ist Ent-
stellung der ßildungssylbe astern, ustern,
die u. a. in klabastern , klabustern er-
scheint. Ist nun auch das Wort, wie es
scheint , ursprünglich den Slawen ent-
lehnt , so ist der Gebrauch doch echt
deutsch. Ueberall im deutschen Lande
linden wir Strafeu für diejenigen, welche
die heilige Zeit verschliefen. — Zu be-
merken ist, dass in Nordböhmen der Oster-
montag Schmeckostern heisst; die Kinder
gehen an diesem Tage Gaben sammelnd
von Haus zu Haus und sprechen Sprüche,
welche zu den schlcsischen Sommerlie-
dern (vgl. Sommer) meistenteils stim-
men; vgl. Deutsches Museum 1854,S. 390.
schmarchat, schroarchsta, adv. des
Morgens; entstanden aus ze morgens,
vgl. Schindler 4, 209 und karntneri*ch
zmorgenster, tschmorgang; zabenster;
cnachts.
schmatzen, schw. vb. mit den Lippen
einen schallenden Laut hervorbringen:
chmetterha™. 85
essen dass es schmazt; vgl. smeezen, plau-
dern. Fundgruben II, 298 ; Sehmeiler 3,
478. — besonders: schallend küssen;
abschmatzen: abküssen. — Schmatz,
m. lauter Kuss ; hei Logau 2460, 685.
schmatzer, schmätzrieben , Logau 1138
schinätzerlein, A. Gryph. Peter Squenz
schmntzerling. — Weit verbreitet: Stie-
ler 1867; Frisch 2, 206; Schmid 470;
Autou 4, 0. bair., Schweiz, mit der Ne-
beuform Schmutz. Sehmelier 3, 478;
Stalder 2, 337. — ml. smaske, smaken;
engl, smak ; dan. smaske, smask ; sebwed.
smaska ; norweg. smatta.
sehmaueken, schw. vb. rauchen:
ob gleich alles kracht und schmaucht
und zusprengt vor donnerschlägen
durch die lüfte stäubt und raucht.
A. Gryph. Kath. v. Georg. 1.— Frisch 2,
205. nd. smoken, smöken; engl, smoke.
schmeissen, st. vb. werfen (dieses wird
selten im Volke gehört). Zur Bezeichnung
eines unzuverlässigen Menschen die Re-
densart: dem trau ich nicht, so weit man
mit einem polsehen Ochsen schmeissen
kann. — Geschmeisse, n. Gescbmeiss,
Schelte. Katzengeschmeisse : ebendassel-
be, vgl. Schindler 3. 476.
Schmeekoster, s. Schmagoster.
sehmeren, schmieren, schw. vb. nie-
derdeutsche Form von schmieren. Sprich-
wort : wer fett schmaert,
leichte fährt,
etwas wie geschmärt können: so rasch
etwas auswendig hersagen , wie ein ge-
schnürter Wagen fährt. — loicbme-
ren, beschmwren: beschmieren, be-
trügen : o ihr albern dummen Mährn,
o wie werdt Ihr Euch beschmäro.
Scherffer 643. — S c h m * r e, f. Schmiere,
Salbe. — S c h m a' r , n. Fett, wie hd.
Schmer. Schindler 3, 473. Wagenschmer :
Wagenschmiere. — Schmirgel, in.
fettiger Niederschlag , besonders der
Schmutz in Pfeifenröhren und Abgüssen.
Schmirgellille: Tabakslille; ver-
schmirgelt: voller Schmirgel. —
Schmergel, f. Caltha palustris, But-
terblume . Schmalzblume. Schmergel ist
auf smerila, Schmerblume, zu bringen.
Auch oblansitz. Im schwedischen Nor-
land heisst die Pflanze smörfanga, „ver-
mutlich weil mit ihrem erscheinen die
Butterbercitung beginnt", sagt R. Dybek
in seiner Huna 1845, S. 67. In Norwe-
gen heissen theils die Ranunkel, tbeils die
Tormentille smörblom, Aasen Ordbog 452.
Sehmetterhaus, n. heisst in Reichen-
hach das alte Gewandhaus zwischen dem
Rathhause und den Reichkrämen , dessen
oberer Raum noch jetzt (oder wenigstens
vor einigen Jahren) während der Jahr-
märkte zum ausschneiden von Tuch und
Leinwand benutzt wird. In dem unteren
Geschoss sind die Fleisch- und Brotbänke.
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86
Schmiede — «ehnnrehen.
(In den lausitatschen Stödten wird noch
jetzt auf dem Rathhause an den Jahr-
märkten Tuch feilgehalten. Scheits üc-
achichte der Ober- und Niederlausitz,
Halle 1847. 1, 547.) — Es kann, da diese
Gewandhäuser eine alte Einrichtung deut-
scher Städte sind, hier nur der Name
Schmetterbaus, ßedeuken erregen, der, so
weit ich forschen konnte, nirgends sonst
erscheint. Ich nehme ihn für eutdellt aus
Schergadeinhaus ; Schergadem hiessen
diese Häuser wenigstens in Schlesien:
Stemel in d. ürkundenbuch der Städte
194. An einen Eigennamen Schroetter
kann natürlich nicht gedacht werden, da
das Gebäude nie Privateigentum war.
Schmiede, f. Kleinschmiede: Werkstiitte
des Zeug- oder Zirkelschmiedes ; bei (Jö-
rn oUe Wegweiser 19: Schmiedeberg, eiu
Bergstädtlein , von den vielen Klein-
schmieden also benamset. — In Halle a.
d. S. heisst eine Strasse „in den Klein-
acbmieden*.
schmitzen, scliw. vb. 1) schlagen, werfen,
mhd. smizzen ; 2) färben : geschwitztes
Zeug ist huntgeflammtes Gewebe. — b e-
s c h in i t z e n : warum beschmitzt ihr
denn die Hand mit seinem Blut. A. Gryph.
Gibeon. S70. ahd. besmiszan: illinere,
tingere. — S c h m i t z,m. a ) Hieb, Schlag
mit Peitsche oder Ruthe :
zwei Schilling Schmitz hat er verdient.
Scherffer 401.
du sollst den ersten Schmitz mit meiner
Peitsche kriegen. Günther 527.
Handscbmitz: die gewöhnliche Schul-
strafe; b) das scharf geflochtene Ende
der PeiUchenschuur, das hauptsächlich
schmizt; e) bunter Strich.Flainmeim Ge-
webe. Die Stücke, in welche das Gewehe
getheilt werden soll, sind durch einge-
färbte Schniitze abgegrenzt; gewöhnlich
sind die Schmitze sieben Ellen aus einan-
der. — ahd. smiz, naevum ; mhd. smiz,
8chlag. — Vgl. Frisch 2. 209; Schind-
ler 3, 478; Stalder 2, 335; Schmidt 197;
Anton 12. 20 ; Vilinar Proben 88. — nd.
smitten, Smitte, Smet.
Mehmets,. Schm Alse h , m. eingekoch-
tes Mus, namentlich Pflaumenmus : Pflau-
raen-,Birnenscbmotz.Auch oblaus.— bair.,
schwfib., Schweiz, bedeutet Schmolz Fett,
Schmer, Schmiere. Sehmelier 3, 479;
Schmid 472; Tobler 393. — Das sch ist
nicht wurzelhaft; Zusammenhang mit
tnot, motschen (w. z. s.) liegt nahe.
Nctimuck, ailj. eines der Worte, die zur
Abgrenzung obd. und nd. Gebietes dienen
können : im selben Sinne in dem nördl.
Deutschland gebraucht, wie obd. aauber:
ein schmuck Mädel; ein schmuck Stück
Vieh. Schmuck und just darf man das
Vieh nennen, ohne es dadurch zu
„beschreien", aber nicht schön. — nd.
dän. smuck ; engl. smug.
Sehmunken, m. Bissen (Reichenbach);
auch ohlausitz.
Hchnäclcrn, schw. vb. schnattern, sowohl
von (iänseu und anderem Gevögel als von
geschwätzigen Menschen gebraucht :
wo man Gans und Weiber hat,
findet auch Geschwader statt.
Abschatz Sprichwörter. Weit verbreitete
Nebenform zu schnattern: Stieler 1886;
Schindler 3, 497; Stalder 2, 338; vgl.
auch : die gens mit ihrem geschrei uud
schnadern, Unland Volkslieder 570; die
schnadergans die bladergana ebd. 572 ; du
schnaderend, Phil, von Sittewald Ge-
sichte 2, 347 (1650). — Von dem Zähu-
klapperu bei Frost und Angst wird schnat-
tern gebraucht, gleich wie nd. suatern
und snätern unterschieden werden. Brem.
Wörtern. 4, 884.
schnaken, schnackern, schw. vb.
schnattern, schwatzen; einschndken:
einreden. EingeschnAke,n. was ein-
geredet worden ist (Lobris bei Jauer). —
Das Wort kommt zwar auch ohd. vor
(Schindler 3, 482), ist aber vorzugs-
weise nd. und daher md. : Stieler 1889;
Schmidt 198; nd., nl. snacken; dän.
snacke; achwed. , norweg. snacka. —
Schnake, f. Geschwäz ; lustige Erzih-
luug. Schnäkebichel, heissen dem
Landmann von echtem, altem Schrote alle
Bücher ausser Bibel und Gesangbuch.
Als der Wilmsensche Kinderfreund in den
Dorfschulen eingeführt wurde, warnu die
alten Bauern sehr unwillig, dass die Kin-
der nun aus einem Schnakebichel lesen
sollten (Trebnitzer Gegend). — sehn A-
kisch, adj. lustig, schwankhafl, wun-
derlich.
Schnalle, t. 1) wie hd.; 2) prostihulum;
erklärlich, da Schnalle im bair. Dialekte
auch vulva bedeutet. Schindler 3, 489.
schnallen, schw. vb. mit dem Finger
schnellen, schnalzen ; bei Logau 966 : ein
gebrechlich mensch mit seineu fingern
schnallet. Vgl. Stieler 1889; Schindler
3, 489 ; Stalder 2, 339.
«ehnnrehen, schw. vb. 1) wie hd. ster-
tere, ronchisare ; 2) schnauben vor Aer-
ger oderHochfahrt : waren sieempfindlich,
so gab ich nichts nach, sondern schnarch-
te auch. Schweinichen 1, 66; diea all-
zeit schnarchend haus. A. Gryph. Gibeon.
563.
pralen, schnarchen, schnauben, duchen,
* dringen, zwingen, dräuen, pochen.
Logau 627. — Geschnarche, n. Ge-
klatach, prahlerisches und übelwollendes:
iedoch hielt der Braun ein gross ge-
schnarche, welches mir einen grossen
stoss bei vielen redlichen leulen gab.
Schweinichen 2, 42. — herschnar-
chen: prahlend verkünden :
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der nichts denn seine faust und von
roat roten spiess
und was der harte Pera in jener schlacht
verliess,
herschnarchet. A. Gryph. Leo Armen. 1,
329. — gross schnarchig, adj. prah-
lerisch, grossthoerisch : hier gehts gross-
schnarchig her (Kolbnitz bei Jauer). —
Vgl. Frisch 2, 211; Stieler 1887; nd.
nl. anarren: murren, zanken; dän. anerre.
Ge-sehnarre, Geschnerre, n. 1) ver-
wickelte Fäden oder Stricke; 2) Gänse-
klein : Eingeweide mit Kopf, Füsse und
Flügeln. — abd. snar-abha : Schnur, Fa-
den, dazu im Ablaut snuor, Schnur; bei
Stieler 1887, Schnarre, Schnarr corda,
nervös major.
Sclumte, Schnote, f. Schnake, lustige
Erzählung (Weizenrode bei Schweid-
nitz). — zu schnattern, schnadern; dein
Schnake neben scbnackern entsprechend.
ge-schnatzigr, "°J- schmuck, nett: ge-
schnatzig gehen, sich nett tragen (Kolb-
nitz bei Jauer) . — schwäb. geschnatzet,
achnilzig : mager, blas« ; vgl. ahd. snez-
zan; bair., Schweiz, schnatzen, schnal-
zen, schnitzen. Geschnatzet oder ge-
schuatzig üt also eigentlich das zuge-
schnitzelte, gedrechselte, dem klobigen
und groben gegenüber.
Sehn*, S c h n i , m. Wenzel Scherffer Ge-
dichte 567 singt:
müsst ich dann anstatt zu lieben
helfen dort den Schnee durchsieben,
denn das sol die Arbeit sein
alter Bursche die nicht frein.
Schnasieber, m. alter Junggeselle,
überhaupt alter Herr; noch gebräuchlich.
Ge-sehnelte, Geschulte, n. Einge-
schneite, was sonst Geschlinke: Lunge,
Herz und Eingeweide (Weizenrode bei'
Schweidnitz). Auch bair. das Geschnait,
Geschnaitelwerk, Schindler 3, 497. Bei
Stieler 1902, das Geschnaitel insicium,
minutal, et in jure, das Eingeschneite!,
alias Zubusse, Zuepreis et Musteil.
.Schneckelf n. glatt wie ein Schnecke!,
sagt man von sauberen Thieren ; wahr-
acheinlich aus Missverständniss für: glatt
geschneckelt ; vgl. scbneckeln (schwäb. )
sich nettanziehen ;obsächs.,oblaus. schni-
geln. Vgl. nd. snigger, snögger: hurtig,
schlauk; nl. snugger; schwed. snygg.
Schnelle, f. in : Wasserschnelle,
Wassersuppe; bairisch Wasserschnallen,
Wasserschnalzen. Sehmelier 3, 490.
Schnepfe, Schneppe, f. Schnep-
pen strich, das herumstreichen der
feilen Dirnen, vgl. Slrich.Vgl.Fastnachtsp.
858, 20 geschuocht wachtein die bei der
nacht umbstreifen.
Schnicke« f. penis, bei Meuschen und
Thieren; auch bair., schwäb. — schui-
cken, schw. vb. supprimere aliquam;
ab seil nicken: abweisen. Vgl. für
- .ehrime. 87
beide Bedeutungen bair. absclmackelu
Schmeller 3, 482.
schnödem, schnadern, schw. vb.
schnauben, niesen, namentlich von Pfer-
den. Stieler 1906 schnöden, schnuden,
nchnauden, schnödem ; bei Schmeller 3,
484.486 schnauden, schnodein ; Schweiz,
schnödem; nd. snottern ; Snotte, Rotz;
ags., engl., altn., däo. snot.
Schnürche, Schnerche, f. Schwie-
gertochter; im Kuhiändchen Schniercher-
lai ; am Untermain Schnörch. — Ablei-
tuug von snur: nurus, noverca.
Schober« m. wie hd. Haufen Getreide,
Heu, Obst u. dgl. — geschobert
voll: übervoll, so dass ein Haufen das
Mass überragt. Schmeller 3, 313; auch
kärntn.
.Schocke» f- Name eines grossen Torfla-
gers im Liegnitzischen, zwischen Kunitz
und der Weidelache, reich an Sumpf-
torf und Morptlanzen.
schockein, schw. vb. schaukeln, schüt-
teln. — Schockel,f. Schaukel, Hut-
sche. — schwäb. scbockeln; nd., nl.
schocken, schuckeln.
Scholxe, sebw. m. Schulze, Schultheiss;
Scholtisei: Schulzenhof. — Diese
Form mit o (vgl. Dialektforsch. 49. 50),
die auch sonst in Mitteldeutschland, z. B.
imWesterwaldeund in Hessen vorkommt,
ging nach Polen hinüber, wo in den Ur-
kunden scsltetus neben scaltetus er-
scheint: vgl. Hzyszczewski et Mucz-
kowski Codex diplomalicus Poloniae I, 94.
118. 235. 237.
Schöps, m.ljHammel; 2)alberner Kerl. —
Schöps ekristel, m.: alberner Mensch.
— Bekanntlich hiess auch das berühmte
Schweidnitzer Bier Schöps. Im J. 1594
galten 100 Achtel Schöps 200 Thaler.
Schweinichen 3, 77.
Schoren, seh. vb. schaufeln, besonders
Schnee schaufeln. — Weit verbreitet:
Frisch 2, 220; Schmeller 3,394; Stei-
der 2, 348. nd. Schoren, schüren : reissen,
reiben.
Schosse, f* Schaufel oder Schüppe , anf
der Brot und Kuchen in den Backofen
geschoben werden. — K uchenschusse
Stoppe Parnass 510. — Auch oblaus. ;
Westerwald, das Schoss , rhein. Schösse!,
nl. Schotel.
Scltoessel , n. Scbosstheil an Röcken und
Jacken. — scboesseln schw. vb. die
Schosslheile im Gehen bewegen, geziert
und sich renkend gehen. — Schmeller
3, 411.
schreioen, st. vb. das ist gar nicht zu
schreiben , das ist auf keine Kuhhaut zu
schreiben: unbeschreiblich, unsagbar.
Alter Ausdruck, vgl. u. a. Nih. 2170.
schrime, adj. adv. schrims: quer zu,
schräge; ein Substantiv die Schrfme
ergibt sich aus dem genitiv. Adverb, der
L
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88 Schub - schwappen.
schrfme, der schrims. — schri-
m e n schür, vi», schräg zuschneiden in der
Richtung'. Schrlmweg: Abkürzender
Weg, der in der Diagonale zuschnei-
det. — Auch oberlaus. — mhd. schreme :
schief, schräge; Schnieder 3, 510; nd.
schräm, schremen, Brem. Wb. 4, 695.
Schub, oi. Kasten mit Schüben, Commode.
— S c h ii b I i n g, S c h i b I i c h,m.: Schieb-
breit in Thiiren , Schiebfenster. Der
Bauer, der in seiner Lamentation zuletzt
Gott bittet, ihn in den Himmel zu nehme»,
schliefst so:
drüben wullber ins an Schiblich machen,
runder sahn on olle Walt auslachen.
F. Ens Oppaland III.
»rhüriern, schw. vb. scheuchen-, auf- und
forttreiben. Auch oherpfälz. Schmeller
3, 420; eigentlich schüttern, nd. schud-
dern.
schucken* schw. vb. verstohlen schauen ;
man schuckt durch eine Thürspalte;
Schüler schucken beim auswendig hersa-
gen sorgsam in das Buch des Nachbars
oder in ihr eigenes unter der Tafel. Kuh-
länd. schucke. — Verwandt mit schauen;
vergl. die bair. und vizentin. Formen
scbaugen, schaughen. Schmeller 3, 337.
schummeln , schw. vb. 1) laufen, gehen ;
ins Dorf, über die Grenze schummeln
(Trebuilz). beschu mm el n: hinterge-
hen, betrügen. — In diesen Bedeutungen
auch oberdeutsch (Schmeller 3, 361) wie
nd. und nl. (schommeln). Obd. auch trans.
einen schummeln: ihn gehen heissen,
jagen. 2) schaukeln, die Kinder auf den
Armen wiegen (Reichenbach). Schorn,
schum, schura, schemma, Anfang eines
Schununclreims (Brendel Heimathklänge
S. 8.) ; auch nd. schommeln : sich hin
und herbewegen, wackeln, schütteln. Die
Bedeutung „bewegen" ist also die ur-
sprüngliche.
schumricht , adj. 1) dämm rieht, düster;
2) unheimlich. Frisch 2, 233. — holst ein.
schummern ;dän. skumring: Diimmrnng.
schuppen, schuppen, schw. vb. schie-
ben, stosssen ; obd. schupfen. — sich schu-
pfen : sich niederschieben, niedersetzen :
schupp dick! setz dich nieder, zumal
gegen Kinder gebraucht (Trebnitz). —
scbüppeln, frequent. besonders von
einem Kinderspiele, in welchem Bönen,
Nadeln oder andere kleine Dinge an ein-
ander geschoben werden. — Schups,
Schüppr ich, m. Schub, Stoss. —
Schuppe, f. Werkzeug zum schieben,
Schaufel; auch bei Stieler 1780. — nd. nl.
Schuppe, Schoppe; in älterer Zeit auch das
Brett auf welchem Verbrecher, namentlich
betrügerische Bäcker, ins Wasser getaucht
wurden. Die Bäckerschupfe wurde in Wien
noch 1773 angewandt (Schlager Skizzen
1, 261). Über den Schupfstul, Schup-
stoil, Grimm RechUalterthümer 726 ; da-
her : auf der Schuppe stehen = in Gefahr
stehen unterzutauchen, zu fallen.
Wer auf der Schiippe steht, stürzt
leichtlich Kopf und Hals.
Lohenstein Ibr. Bassa 1, 478. Die Schuppe
geben: den Abschied geben. — Stieler 1780
hat : die Schuppe bekommen : repudiari.
Schüppchen, plur. nollunderbeeren,
Früchte von Sambucus niger; nd. Schub-
ken. Nach Üioscorides hiess bei den Gal-
liern der Hollunder acobis, Graft" 6, 408.
Schüpprine , f. Schopf, die Kopfhare.
Auch oblaus. und posenisch ; Stieler 1781
Schupper, Schuprin. Ins polnische über-
gegangen: czub, czupryna : Schopf.
Schur, m. saure braune Suppe , aus
Roggensauerteig mit Speck gemacht, das
gewöhnliche Frühstück der Oberscblesier.
— Das nd. Sur, imAllgeineinen saure Flüs-
sigkeit, auch Essig; in Pommern die
Rrühe des Sauerkrautes.
sch ü r gen, schergeo, schw. vb. 1 ) sebie-
be ii, stossen.— sich schürgenzsich treiben,
beeilen; anschürgen: antreiben; 2)
supprimere aliquam (südl.Grafsch. Glaz).
— ahd. scurgan, mhd. schürgen. InOber-
und Mittel-Deutschland sehr verbreitet:
Stieler 1768; Scherz 14.15; Schmeller
3, 401. Steider 2, 35»; Schmidt 207.
Schurke, Tannzapfen,Kernkronik.2, 725.
schützlich, adj. sparsam, haushälterisch j
sich etwas schützlich einrichten ; auch
Westerwald. — Frank., pfalz. schützig:
reichlich, ergiebig; sparsam. Schützen
hat oberdeutsch die Bedeutung schütten,
reichlich hergeben (Schmeller, 3, 424;
Grimm Wb. 1, 1600); die Bedeutung haus-
hälterisch, sparsam ist in unserem Worte
erst die abgeleitete.
sehwäde, sebwude, links; vgl. bot.
schwadern, schw Adern, schw. vb.
klatschen: 1) im Wasser klatschen, plät-
schern. Die Wäsche ausschwemmen,
schweifen;2)trinken: aussch wadern manch
Quart Bier, Scherffer 640. In dieser Be-
deutung namentlich von Stieler 1979 auf-
geführt; 3) schwatzen, plaudern. — Ge-
schwader, Geschwüder, n. Ge-
plauder. — Stieler 1979; Schmeller 3,
529; Stalder 2, 357; Schmidt 214.
schwappen, schwuppen, schw. vb.
mit Geräusch hin und herschwanken, klat-
schend schlagen ; s c h w a p s, Schallaut :
schwap» ! gab ihr der Apoll mit einem
Fiedelbogen den Tact um ihren Kopf.
Stoppe 322. — schwap pern,
schwuppern: 1) von Flüssigkeiten,
die klatschend an den Rand schlagen ;
geschwuppert voll; überschwuppern :
übergiessen im tragen ; 2) schwatzen,
plaudern. Schwuppermaul. — sc b w u p-
s e n : gleichbedeutend; Schwups, m.:
verschüttete Flüssigkeit. Schwappe, f.
klatschende Ohrfeige; 3) Mütze, die beim
aufsetzen schwappt. — Galschwappe:
■
89
Schwamm mit gelbem Kopfe.— S c h »g p-
pe, f. dünne schwanke Gerte; angs. avip,
altn. norweg. svipa, in einigen norweg.
Gegenden svup, svep, nd. swep, nl. zwep,
dän. sröbe. — Übertragen auf einen langen,
dünnen Menschen. Ebenso Schwapps,
S c h w o p p s, m. langer und einfältiger
Kerl (beide Begriffe finden sich öfters
verbunden). Kolbnitz bei Jauer. —
schwapplicht, schwupplicht,
schwüpp licht adj. schwankend ; ekel,
übel. — Vgl. Stieler 1962 ; Schmeller
3, 1544; Schmid485 ; Schmidt 213 ; Brem.
Wh. 4, 1107; Schütze 4, 231.
Schweden, Erinnerungsspruch aus dem
dreissigjährigeu Kriege :
Brieg und Brünn
machen die Schweden dünn.
schweifen , schw. vb. fegen , besonders
zur leisten Reinigung im Wasser abspülen,
z. B. Teller, Geschirre, Wäsche. Bei
Stoppe 399 von einem „feirigen" Bleicher :
die Grillen die er schweift , verdienen
doch kein Brod. — Vgl. auch Grimm Wh.
1, 112. — Schweife f,l) das abspülen:
in die Schweife gehn, mit der ausgewa-
schenen Wüsche zum Bach zum ausspülen
gehen ; 2)der Ort des schweifens, nament-
lich das Trittbrett im Wasser, von dem aus
geschweift wird. — ahd.Asweif : purgamen-
tum; Schweiz, schweifen: kehren, fegen;
nd. swepen, ags. svApan, engl, sweep,
fries. swepa, altn. norw. schwed. sopa.
Schwein, n. das halbe Schwein: das
feinere Oberhemd der Landinädchen , mit
bauschigen kurzen Ärmeln; es bedeckt
nur den halben Leih und darunter wird
das gröbere Hemd getragen.
schwetseen, schwutzen, schw. vb.
gleichbedeutend mit schwuppen,schwup-
sen : 1) flüssiges verschütten dass es
kUtscht. — Schwutz, m. verschüttete
Flüssigkeit. 2) schwatzen ;sie schwutzt wie
eine Peiler Mastgans (Gans aus Peilau bei
Reichenbach). —Stieler 1959 schwätzen :
garrire, diffundere.
Schwinderling:, ro. Ohrfeige ; auch bai-
risch, Schmeller 3, 840. Den Titel des
Schalischen Lustspiels Kuss und Ohrfeige
gab ein Bresslauer Dienstmädchen wieder
durch „Guschel und Schwinderling 4 '
(Holtei). — Schwinderling kommt oft
als Eigenname in Schlesien vor , ebenso
Schwenderling.
schwirbeln, schw. vb. wirbeln, schwin-
deln. — sc hwi r b I ich , adj. wirblich,
schwindlich. — Vgl. Zwirbel; verwandt
mit wirbeln. — and. awarp Wirbel ; das
Wort ist obd. verbreitet. Schmeller 3, 548.
Stalder 2, 365. — Im nd. Gebiet hat es
die Bedeutung schwärmen schweifen: nd.
swarven, nl. zwerwen, engl, swerve.
schwuehtern, schw. vb. schwatzen. —
S c h w u c h t , f. Haufe Menschen. —
Gotts schwucht! erstaunter Fluch. — Ein
Aohaag um XVI. Bd. d. Sittb. d. phil -hui.
nd. Wort mit dem Grundbegriff des Ge-
räusches : nd.s wögen swugten: seufzen,
fluchen; swugtern: laut und ängstlich
seufzen; nl. zwoegen: kenchen; ags.
svdgan, avegan: rauschen, rauschend
dahinfahren.
Se, S i, n. in Niederschlesien für einen Teich
selbst geringeren Umfange«, sobald er
nicht von Menschenhänden 'gegraben ist.
Nochtjc, der; sichte: derselbe(Glogan).
— sechte, seichte, adv. damals, dort,
(rechte Oderseite) ; vgl. meine Dialekt-
forschung 141.
sehen, st. vb. siste sich! verstärk-
tes sieh ! bei rasch eintretendem unver-
mutheteui. Huste nich gesahn do sihsten !
= da ist er rasch da. — ah sehn, ganz
sinnlich: etwas absehn, sich durch das
Auge etwas abnehmen von einem andern :
ein Muster absehn, das Exempel absehen.
Ich werde dir nichts absehn, sagt der
Knabe zu dem Mädchen , das er im Ne-
glige überrascht. — versehen: 1)
providere, vorsehen, bestimmen:
wie du sihst , gibt man dir , gib mir
geneigten Blick :
vielleicht versiebt man dir auch ein
versehnes Stück. Logau 10, 87.
bis ich meinen Schatz umfange, dem
ich längst versehen bin. Günther 292.
die Parzen haben uns den Untergang
versehen. Günther 495.
2) mit bösem Blicke ansehn , bezaubern.
Lasst mich immer in die Stube, ich werde
euch nichts versehn, sagt man zu denen,
die den Eintritt in das Zimmer zu gewäh-
ren zögern. — Vgl. bair. übersehen.
Schmeller 3, 218.
seichte, adv. sachte, langsam :
die Junkern gingen seichte,
sie waren nicht weit her und zu errei-
chen leichte. Logau 1 138.
Seifen, m. Name mehrerer Bäche im Rie-
sengebirge ; so entsteht die Elbe aus der
Vereinigung des Elbseifens mit dem
krummen Seifen ; durch das Dorf Krumm-
hübel geht das Seifenwasser. Dass diese
Benennung in Schlesien früher verbreite-
ter war, beweisen die Dorfnamen auf
-seifen im Hirschberger und Löwenberger
Kreise: Steinseifen, Görisseifen, Lauter-
seifen, Schmottseifen, Flachenseifen. Auf
der böhmischen Seite: Hennannseifen; im
nordwestlichen Mähren: Braunseifen, Ra-
benseifen, Stuhenseifen. — Seife (sife)
heisst mhd. der Bach (Ernst 3520; Wern-
her von Niederrhein 37, 25) vom Zwt.
sifeu (ags. sipan), das sich erhalten hat
im kämt, seifern (sslfern), Schweiz. fränk.
soifern , sifern, rheiu. seivern siefe , nd.
stpen , Bipern , sipein, nl. zijpclen, engl,
sipe : Feuchtigkeit von sich geben, triefen,
sickern, geifern. Das 8 übst. Seife zeigt
sich namentlich noch in Hessen , in der
Wetterau und im Westerwald mit der
a. g
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Bedeutung Quellabfluss , sumpfige Wiese,
(Schmidt westerwäldisches Idiot. 217;
Weigand bei Haupt 6, 487); westfäl.
Sipen (n.) quellenreiches Engthal; vgl.
auch rhcin. (Achen.) Sief: Ausguss,Gosse.
— Ortsnamen mit - seifen kommen aus-
ser Schlesien noch vor in Hessen und
um Trier und Sarlouis. ; Tgl. Weigand im
Archiv für hess. Geschichte VII, 296 ; Phil.
Schmitt der Kreis Sarlouis.— Über Seife
als Metallwäsche: Frisch 2, 259.
«eignen» schw. vb. wie bd. — s e i k e r n,
ackern: durchseigen, z. B. denQuarg.
— S e i g e r, in. rundes durchbohrtes Bret
mit einer Handhabe, auf welchem Kraut,
Kartoffeln u. dgl. durchgeseigt werden.
AllgemeinerS u p penseiger : trichter-
förmiges Blechsieb zum »eigen der Brühen.
Seiger, S 6 g e r m.l)UhrjeglicherGrösse :
SeigerIein(Schweinichen2,27),Hoseusei-
ger : Taschenuhr;2)Stunde;Klösselseiger :
Uhr Mittags, wo es Zeit ist die Klosse in
zwölf den Topf zu thun. Seigerstunde :
Stunde; die erste Seigerstunde: ein Uhr.
Die Stunde kommt und der Seiger läuft
zum Ende. Günther 841.
um 16 Uhr dea ganzen seiger«. Schwei-
nieben 2, 9S. um 20 ubr im ganzen seiger
tbd. 179. — seiger n. schw. vb. 1) vom
gehn der Uhr: es segert uf swelve; 2)
die Uhr stellen. Auch oblaus., obsächs.,
kubläod. — Seiger bezeichnet das im
hangen (seigen) durch eigene Kraft sich
bewegende: mhd. seigaere Wagebalkeii.
Seiger ist ferner das Senkblei in der
Wasserwage ;seigern, ist da nach messen.
In unserm Wort bezeichnet Seiger dem-
nach eigentlich den Perpendikel und da-
mit die Uhr. Es ging auch ins poln.
über : zegar.
■eilen, schw. vb. binden:
diess mensch sol solche not, sol solche
grosse pein
mir seylen auf den hals. Opitz 1, 272
(1629) Vgl. Schmeller3, 223. Zu trennen
von sülen.
Sende, f. nach Steinbach Binse, wie ahd.
aemida semido, mhd. seinde, öster. Semde,
Sebde. Mir ist es nur vorgekommen als 1)
spanisches Rührchen ; namentlich in den
Schulen höchst bekannt; 2) die Sehne
oder Saite, die straff über das Spinnrad
gezogen ist. Vgl. Bise.
Niche, sichte: solcher, vgl. meine Dia-
lektforsch. 141.
isidcr, s i n d e r , adv. seit, seitdem ; Bernd t
verzeichnete es als zu seiner Zeit noch
gebrauchlich, ebenso gibt es Anton 12,27
als noch jetzt in der Oberlausitz lebend
an. Mir ist es nicht begegnet. Sider
Fosnach sens zwe Jore, A. Gryph.
gel. Dornrose. Wir suchten sider dem uns
willigst einzustellen, A. Gryph. Gibeon.
558 ; sinder dem Fall, Hoffmann Monat-
schrift 250. — BeiLogau 75 seither im
Sranevon sider; heute derseit , der-
sett — ahd. mhd. sider, sint; obd.
allgemein erhalten.
Sie, Sfne, f. das weibliche Thierchen;
vgl. Dialektforsch. 138.
Killer, sitte r: solcher, jener; vgl. Dia-
lektforsch. 142.
Modi, m. das ausgesottene : die Brühe, Suppe.
Heute mir nicht begegnet, im 16 — 18. Jht.
häufig zu treffen : Ein koch giesst söder
auf und senf daran , die dienlich für den
grau. Logau 747. Herr, ich esse nicht
nur sodt, es muss auch fleisch drinnen
seyn. A. Gryph. Horribilicr. Ach Mutter
soll ich denn das Schwarzsod gelbe ma-
chen. Günther 446. Die Amtfrau schlach-
tet ihm kein fettes Küchenkalb, er kriegt
vom Monde nichts, auch uichts Tom Kiu-
delsode; ebd.392.— Redensarten : im Sode,
im eignen Sode liegen: nach seiner ange-
bornen Art, besonders in roher ungebil-
deter Art leben: es heisst ich läg im
Sode und wäre nicht gewandt. Günther
210; sie wachsen stets im eignen Sode
und werden unter Rauch und Küche zur
Niederträchtigkeit gewöhnt; ebd. 426.
ein jeder Narr in seinem Sode; ebd. 1106.
— Vgl. Frisch 2, 283; Schütze 4, 154.
»oeken , sockern, schw. vb. auf Socken
gehn, überhaupt gehn, in : absocken:
sich auf die Strümpfe machen, abziehn :
sock ab, oder ich werde dir heim-
leuchten.
Sole , f. wie hd. — Schuhsole: fet-
tes Gebäck in Gestalt einer Schuhsole ;
es wird namentlich in Warta gut gebacken.
Amlcrwürts heisst es Schusterjunge oder
Afterkuchen. — s olenschw. vb. mit Solen
belegen ; v er s ol e n: einem das Loch
versolen, ihn durchprügeln; Schweiz,
versollen, StaJder2, 377.
Sommer , m. Ein Leben wie im Sommer:
voll Lust und Wonne. — Sommer-
worte heissen unarticulirle Laute , die
durch den Zusammenhang jedoch einen
gewissen Sinn haben ; z. B. hm, hm. Man
gibt auf solches Wort die Eutyeymmg :
das ist ein Sommerwort, da fliegen dir
die Fliegen nicht in's Maul (Reichenbach).
— Hauptsächlich hat der Sommer hier
seine Stelle durch den Empfang, den ihm
die So m m e r kind er am Sommer-
sonntage (D. Letare) bereiten. Kin-
der und hie und dort auch das Gesinde
ziehn an diesem Tage mit Tannen-
zweigen oder kleinen Tannenbäumchen
von Haus zn Haus und singen ihre Som-
morlieder. Die Sommer sind mit
Bändern , Flittergold, bunten Eierscha-
len, Bildchen und Citronen geschmückt;
das Hauptstück daran ist eine Kette aus
gleich langen Strohhalmen und kleinen
runden Tuchslückchen. Die Halme sind
der Länge nach aufgezogen und werden
durch die bunten Tuchfleckchen abge-
91
trennt. Mit dieser Kette werden die
Zweige völlig umwunden. Die Lieder
sind folgende:
Den Winter (den Toten) han wir aus-
getrieben,
den lieben Sommer bring wir wider,
den Sommer und den Maien
mit Ulümlein malcherleien,
mit Blümlein malcher Zweigelein,
der liebe Gott wird bei uns sein
und wird auch bei uns wohnen,
mit der himmlischen Kronen.
Da droben in der Herlichkeit
da sitzt die Frau aufm Stuhl bereit,
da droben musa sie sitzen
mit ihrem Herrn Jesu Kristen.
Statt der letzten sechs Verse auch blos
der Schluss :
und auf der himmlischen Krone,
da singen die Engelein schone.
Die goldne Schnur geht um daa Haus,
die schöne FraaWirten geht ein und aus,
sie gebt wie eine Tocke, ja Tocke,(oder:
wie eine Tugend ; dann fehlt v. 4.)
in ihrem roten Rocke.
Des Morgens wenn sie früh aufsteht
und in die liebe Kirche geht,
da sezt sie sich ruhig auf ihreu Ort
und hört gar fleissig auf Gottes Wort.
Frau Wirten geht im Hause mm,
se hat *ne schöne Schürze um ,
mit einem seidnen Bande ;
sie ist die schönst' im Lande.
Sie wird mich wohl bedenken,
und wird mir wohl was schenken,
zu dem lieben Sommer.
In Himmel wird sie kommen,
in Himmel nicht darneben.
Gott bescher ihr langes Leben,
bescher ihr doch der liebe Gott
dass sie tausend Thaler hat.
Rote Rosen, rote
blühen auf dem Stengel;«
der Herr ist schön, der Herr ist schön,
die Frau ist wie ein Engel.
•Rote Rosen, weisse Rosen
wachsen auf dem Stengel.
Kleine Fische! kleine*
schwimmen auf dem Teiche,
der Herr ist schön, der Herr ist schön,
die Frau ist wie *ne Leiche.
•Grosse Fischel kleine Fischel.
Ein Schock, zwei Schock,
hundert Thaler drinne,
dass der Herr gewinne!
der Herr der hat 'ne hoche Mütze
er bat sie voU Ducaten sitzen,
er wird sich wol bedenken,
Der Herr der hat ein Gürtlern grün*
er hat drei TÖchterle die sein schfa,
er wird sich wohl bedenken,
zum Sommer uns was schenken.
•Die Wirtin hat ein Wieslein grün.
Die Frau die hat en langen Rock,
sie greift gar gern in Groschentopp,
sie wird sich wohl bedenken etc. etc.
Der junge Herr hat gar spitze Schuh,
schreit immer auf die Midel zu,
er wird sieh etc. etc.
Der junge Herr hat 'nengoldnen Tisch,
auf jeder Eck ein Karpenfisch,
in der Mitt ein Fläschel Wein,
und eine Liebste, die ist fein.
Die Jungfer ist gar sommerstolz,
sie setzt sich wohl aufs grüne Holz*
das Tüchel lässt sie fliegen,
ein reichen wird sie kriegen.
Den reichen Ifisst sie wieder gNin
und siht sich nach em schönen im ;
sie wird sich etc. etc.
•Zimmerholz.
Die Schüssel hat 'en goldnen Rand,
die Köchin hat 'en Arsch verbrannt,
sie wird sich wohl bedenken,
sie wird uns wohl was schenken.
Wollt ihr mir was znm Summer gan
da gebt mer an Sackvoll KlisselroAl,
ein Stöckel Fleisch darzune,
da seid ihr meine Mume.
Gegen Geizige:
Ziegenfnsse, Kilberfüsse,
in dem Hause kriegt man nischte!
ist das nicht 'ne Schande
in dem ganzen Lande ?
Krimmarsch, Kratzarsch !
der Herr der gäbe gern a Gröschel,
er hat aber keins im Tasche! !
Die Lieder im Oppalfindchen stimmen meist
zu den hier mit^etheillen, Vgl. F. Ens
Oppnland 3, 100 f.; dort heissen die
Sommer Meien. Verwandte Reime wer-
den in Nordböhmen am Ostermontn^t*,
in Westpreussen zu Weihnachten ge-
sprochen. — Das Todaustreiben
besteht nur noch in wenigen Orten Schle-
siens, während das Sommersingen
fast über das ganze deutsche Schlesien
gebt. Im Glogauischen wird der Tod,
eine Strohpuppe, über die Grenze des
nächsten Dorfes geworfen , und dann
eilen alle möglichst rasch heim. Im nord-
östlichen (polnischen) Oberschlesien
fuhren junge Burschen zu Neujahr einen
Wolfsbalg von Haus zu Haus und sammeln
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92
Spadefantel
dabei Gaben ein. — Vgl. über alle diese
Festlichkeiten der Sommerrerkündiguog
unddesSonimerempfanges Grimm Mythol.
723 — 734, und ausser den daselbst ange-
führten Abhandlungen : C. H. Anton
comparatur mos recens hieroe expulsa
aestätemcantusalutandi cumsimilibus ve-
ter um moribus.Gorlic.1830 — 4t. Drei Pro-
gramme. 4°. — sömmerig, simrig,
adj. den Sommer betreffend; simrige
SAte : Sommersaat, Sommerung.
Spadeflftntel, vgl. Pantel.
spalten , als st. rb. noch zu belegen ans
Scherffer : der Joris kopff spielt und
aufschlug 390.
indessen Schlesier-Iand zwei Heusern
pflichtbar war
und die sich wieder spüllten,
dass bey iedwedem gleich
vier Herzogs Heuser hielten. 91.
spsenen, achw. vb. spalten , zerspringen,
von den ausgebrüteten Eiern gebraucht.
— Vgl. über span Schnieder 3, 505 f.
spannen, schw. vb. wie bd. — ausspan-
nen: ausser der gewöhnlichen die über-
tragene Bedeutung : die Seele ausspannen :
wenn ihn nur unser Herrgott ausspannte!
wenn er doch bald ausgespannt wäre !
Wünsche über einen sch werLeidenden ge-
äussert. Günther ruft S. 706 : es ist ge-
nug, spann ans ! —Stoppe 24t : spann ans
mein Gott, erlös uns aus der Notb. — Das
Wort ist den protestantischen Schlesiern
durch die Kirchenlieder geliufig geblie-
ben. Vgl. auch Schmidt Westerwald. Idiot.
223. — Gespann, n. Tagesabtheilung
der ländlichen Arbeiten ; im Winter sind
zwei und im Sommer drei Gespanne.
spnrsnm, adj. wiehd. — sparsam wachsen:
langsam wachsen, von Thieren gebraucht
Spetling, Spaetlichm. viereckiger Zwi-
ckel, Reil von Linnen oder Tuch, in die
Ärmel und Beinfugen der Gewandstücke
gesetzt. — frink. schwäb. Spatel, Spettel,
Spittel. Schnieder 3, 580; Schmid 498;
verwandt mit dem gleichbedeutenden
Speidel, Speitel. Stieler 2077; Schnieder
3, 557; Schmid 498. — Spätling ist ge-
bildet aus Spate, das spaltende Werkzeug
und das gespaltene Stück (schwäh. Spalt:
Splitter). Speidel bedeutet neben dem an-
gegebenen auch Span, Splitter. Die auf-
zustellenden Zeitworte spaten , speiten
müssen bedeuten spalten; vgl. nd. nl.
Spaden, spitten : graben.
speien, st. rb. wie hd., vgl. gerben. —
Nach Speier reisen, bei Scherffer 551
nach Speier appelliren , jetzt blos appel-
liren, euphemist. für speien, mit Anspie-
lung auf Speier, den Sitz des Reichskam-
mergerichtes ron 1527—1688.
speien, schw. vb. spotten. — ver speien:
verspotten, verhöhnen, beiOpitz 1, 69: der
am holze hangt beladen gepresst, verspeyt,
gedrückt, verseht, geschmäht, verspott. —
Das Wort ist obd. in der mittleren Zeit
in lebendigem Gebranch gewesen, vgl.
Wackernagel bei Haupt Zeitschr. 8, 516.
Zarncke zu Brants Narrenschiff 42 , 25,
wozu sich die Beispiele aus den Fast-
nachtspielen mehren dessen. — Auch nd.
speie : spöttisch ; Speivogel ; von da drang
es in die nordischen Sprachen und selbst •
ins neuisländ. speu, spJa, mit den Subst.
spee,spie. — Zusammenhang mit speien:
spucken, wird anzunehmen sein. Neben
der Bedeutung spotten nahm das Wort
auch die von zornig, aufgebracht sein,
an, wie Schweiz, speuzen, schles. spucken
belegen.
Speil, Speiler, m. Stabchen zum an-
spiessen und auseinander sperren. Die
Würste werden an den Enden gespeilt;
der Mund wird auseinander gespeilt. —
Schnieder 2, 560 ; ud. ist das Wort ge-
bräuchlicher : Sptle, sptlen. Brem Wb.
4, 949; llüllenhoff zu Groths Quickborn
321. — Verwandt mit Spille.
Spelr, m. Grasspitze, Grashalm: kein
Speir Gras wächst mehr dort ; es ist kein
Speirla übrig. — rbein. nd. Spier, engl,
spire, uorw. spir, dän. spire,schwed.spira.
Speck, m. Wer dacht's dass die Katzen
Speck fressen, es ist solch fett ding ! Re-
densart über solche, die etwas begeh-
renswertes wünschen.
Spellen, spülen, schw. vb. reden,
plaudern ; erhalten in der Redensart Spel-
len g e h n : auf Besuch gehen (Lan-
genbielau, Mittclwalde), ganz wie im
Oberharz und in Henneberg. Spill gehen,
zu spill gehn.— ahd. spelldn, mhd. Spel-
len, ags. spei(jan, engl, spell , altn.
spialla.
Spiegel , m. 1) wie bd. 2) Die glänzenden
Rotzflecken an den Gewändern unsaube-
rer. — Weiter verbreitet; so heisst ein
Theil der Deutschen am Neusiedlersee
(Ungarn) Spiegelhinzen, weil ihre Ärmel
als Schnupftücher dienen.
Spille, f. Spindel ; spindelartiger spitzer
Stab. Von einem schlottrig angekleideten :
man könnt ihm 's Kleid mit der Spille zu-
schüttein (Goinolke). Thurmspille: an
ihr sitzen Knopf, Fahne und Stern. —
Spillaholle, vgl. Holle. — s p i 1-
licht, adj. spindelartig. Frisch 2, 302.
Nd. gebräuchlicher als obd., obschon
auch hier nicht unbekannt. Stalder 2, 384 ;
Tobler 379. ahd. spilla.
sprachen, schw. vb. sprechen, bei den
älteren Schlesiern häufig : dass ein Esel
hat gespracht, warum wundert man sich
doch. Logau 11,5; man fragt tote Leh-
rer aus, spracht mit den klügsten Seelen.
Günther 517. — Von was besprach tet
ihr euch gestern. Lobenstein Epicharis 3,
405. — ahd. sprahhön. mhd. sprAchen.
Grimm Wb. 1 , 1639.
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93
Spreng»«, t. Klammer, Speil : mau lasse
Klammern dann und Sprengen fertig
machen. A. Gryph. Carl Stuart 1, 293. —
tu sprengen : spalten. — Schindler 3, 590
Sprenge: Sperrut«. Schmid 504 Fuss-
eisen der Verbrecher.
springen, st. vb. 1) wie hd. Ich muss
immer übers Bänkel springen: Redens-
art, wenn einer immer mit seinem
Beispiele vorangehen muss ; 2) laufen,
rennen.— Auch mhd. in dieser Bedeutung ;
über Oberdeutschland verbreitet; für
Mitteldeutschland belegt sie Stieler 2105.
— Springauf, m. Maiglöckcheu, Con-
vallaria majalis.
Spuekat, m. Bindfaden. Auch oblaus. —
österr. Spagrft, bair. Spaget, ital. spa-
ghetto, schwäb., Schweiz. Spage. — Vgl.
Schindler 3, 558.
Spund, m. 1) wie hd. 2) zapfeuartig ge-
drehterHaarwalst(Reicbenbach).— s p Ü n-
den,schw. vb. zusammenfügen , in dem
negativen zerspünden: zertrümmern :
ein Schiff das andere schlegt zertrümmert
und zerspiindt. Scherffer 51.
stssbeln, schw. vb. mit einem Stabe ge-
hen, stossen.
«takern, staekern, schw. vb. stechen,
stochern mit Stab oder Stange, um etwas
aufzusuchen. — Staekor, m. Stock,
Stange. — nd. sUkern frequ. zu Sta-
cken, mit der Stange arbeiten , nachsu-
chen. Brem. Wb. 4, 982—85. — Wester-
wald, stäicken, stiecken: festmachen,
stemmen.
StaUer, S t A I e r,m. Knecht, der die Pferde
zu füttern und striegeln hat; er steht
zwischen dem Pferdejungen und Kutscher.
Die strenge Raumordnung des männli-
chen Gesindes ist im Reichenbachisehen :
Schaffer , Grossknecht , Mittelknecht,
Kleinknecht, Stäler, Grossjunge, Pferde-
junge. Vgl. Wagner.
stampfen, s tarn pen, schw.vb. 1) wie hd.
2) stapfen, schreiten. — Steider 2, 391.
— St am per, Stampe, m. f. kleines
Glas mit dickem Fuss, der kräftiges aus-
stampfen aushält. Ein Stamper Schnaps.
Lasst in Krystallen den Rebensaft
fallen,
leeret die Stämpchen mit massiger Rub.
Scherffer 88. Gleichbedeutend ist die
Stutz, die ii. a. in dem Spruch von allem
Hausrath (Fastnsp. 1215) erwähnt wird:
stutz, pierglas, ein pecher darber.
Stande, f. S t ä n d e r, m. hölzerne Bütte mit
einem Deckel und zwei Henkeln , in wel-
cher das Wasser für die Küche aufbe-
wahrt wird. — ahd. mit. stand» , mhd.
Stande. Heute noch weit verbreitet:
Frisch 2, 318; Schmeller 3 , 646;
Schmidt 232 ; Müller- Weitz 232 ; Brem.
Wb. 4, 999.
stänkern, schw. vh. gleichbedeutend mit
staekern: herumrühren, herumstochern:
man stänkert in dem Grab nach einer
schwangern Faust. A. Gryph. Card.
Cel. II. 204; IV. 340. — au s stank er n:
durch suchen und wühlen ausfindig ma-
chen : Beispiele aus Lohenstein bei Grimm
Wb.1,983.— DasWort kommtauch oblaus.
schwäb. und Westerwald, vor , mit der
Bedeutung forttreiben , gleich dem nah
verwandten nd. stangeln. — stankern ist
zunächst auf stangern zu führen, da ng
und nk, namentlich im schles. tauschen ;
stangern ist frequentativ zn stangen, das
im Ablaut steht zu ahd. stingan, stungan :
pungere, stimulare. Vgl. auch bair.
stengen: stecken, stossen. Schmeller
3, 648; schwäb. stänken. Schmid 507. —
bair. Stänker : Pfahl zum aufhängen von
Getreide und Heu. Schmeller 3, 649.
»tanken, schw vb. Gestank verbreiten ;
ahd. steneban. Schmeller 3, 649.
Veturia ruft ihre Jugend mit seufzen,
wenn sie an sie denkt;
sie aber fleucht je mehr zu rücke, weil
jen' im seufzen etwas stenkt.
Logau 2763. — stinkern, stankern :
freqoent. hiezu; übertragen: Uneinigkeit
stiften. — Stänker, m. Zwietracht-
stifter, Zänker: einen Balger einen
Stänker. Logau 911. Es sind unnütze
Zänker. Was ? meinen diese Stänker man
hab anizt nichts an der Hand. A. Gryph.
Piast631. — Weitverbreitet obd. md. nd.
st&ren, schw. vb- 1) stochern, stechen, in
ausstitren: durch stochern und wühlen
ausfindig machen ; herumstären:
herumstechen. — Ein Subst. Star : Stan-
ge, Stock, ist anzusetzen, dem altn. stör,
carex ; schwed. stör, Stange, Pfahl ent-
sprechend. — Vgl. bei Frisch 2, 353,
stören, sturen, und bei uns stirlen. — 2)
vom vorigen verschieden : staren, stier
blicken; ahd. mhd. staren.
stäte, adv. 1) stets, beständig (nördl.
Niederschlesien); 2) da das beständige
rasch zum Ziele führt : rasch, schnell ;
stiUe gehn (Langenbielau). — ahd. stflte.
— Stieler 2115; Schmeller 3, 670;
Stalder 2, 392.
Staub, m. Blas mir den Staub weg: iass
mich in Frieden. — stäubern, stö-
bern, staebern, schw. vb. 1) stie-
ben, namentlich von Schneewetter ge-
braucht ; es ist Steberwetter, wenn
heftiger Schneefall mit Wind ist; 2) trans.
stieben machen, fortjagen; aufstae-
b er n , aufjagen; ausstiebern, durch
jagen ausfindig machen, überhaupt auf-
finden. — mhd. stouben. — Weit ver-
breitet: Grimm Wörterb. 1, 983. 987;
Stieler 2125 ; Schmeller 2, 603; Stalder
2, 393; Schmidt 231; Brem. Wtb.4, 1042.
Stein, m. Redensart: das gienge schon,
wenn kleine Steindel Geld wären und
Fluchen keine Sünde. — Etwas zu s te i n-
t o d e veigesscn -• ganz und gar vergessen.
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94 Stekap -
Schneller 3, 641. — Steinwand,*f.
Fels; auch oberdeutsch, uud älter nach-
zuweisen. Scherz 1567.
Stekap, dieselbigen 12000 RU. gaben IFG.
mir in meine verwarung, welche ich
im steckapp (a. IL stockop) rerwaret.
Schweinichen 2, 303. — Sicherheit über
das Wort wird erst eine genauere Be-
sichtigung der Iis. geben; vorliiußg
werde an poln. stek : Gussstein, Gosse,
stok, Cisterne erinnert, wenn nicht die
Annahme einer deutschen imperativischen
Bildung Stecknb, d.i. Steck beiseite, vor-
zuziehen ist.
Stenzel, Stanislaus, früher in Schlesien
als Vorname sehr verbreitet, jetzt auf die
polnischen Theile beschrankt. In den
deutschen Gegenden Polens hat Stenzel
die Nebenbedeutung eines dummen Töl-
pels. — Bei St. Stenzel! A. Gryph.
Peter Squenz.
stanzen, schw. vb. jagen, forttreiben:
ich werde dich stenzen t Auch hennoberg.
Im fränk. und pfälz. bedeutet dieses Wort
stehlen, betrügen. Schneller 3, 650;
Rhein wald 1, 156.
Ster, Ster, m. Schafbock, Widder. Der
man setzt hörner auf und stellt sich wie
ein stehr. Logau 339. Auch Schwöb. —
ahd. stero.
sterben, st. vb. 1) intr. Sterben und ver-
derben thut wehe. Schweinichen bei Sten-
zel Script. IV, 55 ; demnach es zu Bres-
lau dies Jahr sehr starb. Schweinichen 2,
205. — Sterbe, f. Tod, Pest: da könnte
man auf dem Flecke die Sterbe kriegen!
(Reichenbach) ; ahd. sterbo, pestis; der
Sterb Schmeller 3, 656; rhein. die Sterf.
— Sterbensieufte, f. Pestzeit, an-
steckende Seuche. Stenzel Script. 4, 282.
— 2) trans. taten : (den Ruhm) den der
tod uns nicht kann sterben. Opitz 1,336.
der tod, der alles sterbt, den sterbt ein
gut gerächte:
das stirbt, wenn gleich die weit muss
sterben, doch mit nichte.
Logau 1361. Vgl. ahd. sterbjan.
Stielt, m. in Stich geben: in Gewalt
geben, vom Kartenspiel entnommen:
(o dass Junonia Gütte)
geb auch der mich nicht in Stich,
die mit List ist über mich.
Scherffer 561. — Langstich föder
dich ! spöttischer Ruf an Putzmacherin-
nen, die grosse Stiche machen.
Stiefmutter, f. Abfall vom Werg (Glaz).
Die gläzische Spilladrulle (vgl. Holle) ist
mit Stiefmutter gefüttert und in Stief-
mutter eingehüllt. Eine Deutung dieses
Wortes böte sich durch Fudikan, den
holsteinischen Namen für den Flachsab-
gang (MüllenhoiT Sagen 135); dies Wort
deutet Kuhn in seinen nordd. Sagen 505,
als Entstellung aus Frickan : der Fricke
gehörig, indem die Überbleibsel eine
Storch.
Gabe für die Göttinn des Flachsbaues und
des Spinnens waren. So wäre die gläz.
Stiefmutter das Geschenk für die als
Stief- oder stellvertretende Mutter ge-
dachte Drulle oder Holle.
Stift lieh, adj. stiftartig: stiftlich etwas
schneiden : in linglichen spitzigen Stück-
chen. — stiftein, schw. vb. stupro in-
finitere.
stirlen, stirdeln, sterdeln, schw. vb.
mit der Stango stossen und rühren, na-
mentlich im Wasser, um die Fische auf-
zustören. Die Frankensteiner machten auf
vier sächsische IliÜint'Lster,diesieim Juni
1G45 arg gequält hatten, diese Reime:
Grill, Fischer, Dunau und Knoch
haben gefischt die ganze Woch,
sie haben gestirdelt und gefischt,
dass mancher Bürger die Augen wischt.
Ulke, gesammelte Nachrichten von Fran-
kenstein S. 34». — abstirlen: mit der
Stange etwas abschlagen, z. B. Obst. —
a n s t i r I e n : anstacheln, aufrühren. —
Stirl, m. Stange, Stock.Bntterstirl:
Stiel derButterfassscheibe;übertragen: ein
langer Kerl. — stirlich, sterdlich,
adj. stangengleich, lang aufgeschossen.
— Vgl. zu dieser Wortreihe Grimm
Reinbart Fuchs S. 107; Stieler 2174;
Frisch 2, 353 ; Anton 4, 13 und staren.
»täten, schw. vb. schreiten, stapfen. Vgl.
Staffen, stapfen bei Schmeller 3, 650.
Stopfe, Stoppe, Stnppe, f. der dreh-
bare Aufsatz auf den Butterfässern und
Milchkannen ; von stopfen. — Stöppel,
m. 1) das mit Brei gefüllte zugebundene
Läppchen, das den kleinen Kindern zum
Saugen in den Mund gestopft wird; an-
derswo Zulp, Zuzel. Nach der kopfarti-
gen Gestalt desselben heisst 2) der Kopf
Stöppel ; 3) überhaupt etwas zusammen-
gestopftes , zusammengebundenes. So
hiessen die auch Popel genannten Wahr-
zeichen, die im dreissigjährigen Kriege
auf den Thürmen steckten, Stöppel :
der Kirchenthürme Wacht wird bald
unnöthig sein,
noch minder mehr zu thun den Stöp-
pel aus und ein.
8cherffer 649 macht biezu die Antner-
knng: durch Einziehung der Stöpfel auf
den Dorfthürmen ward in Schlesien die
Losung den Ackerleuten gegeben, dass
Unsicherheit aufm Land vorhanden, wor-
auf sie mit Vieh und allem flüchtig wor-
den und in ihren Gewahrsam eilten. —
4) an die vorige Bedeutung anknüpfend :
ein Haufe , eine Menge Menschen. —
Stöpperle, Stipperle, n. Nudel;
Gänsestöpperle, Mohnstöpperle. — stöp-
peln, schw. vb. 1) intrs. Stöppel krie-
gen, mit dem Stöppel aufgezogen wer-
den; 2) trans. den Stöppel geben.
Storch, m. dem Storche lausen: etw M
schwieriges und unfruchtbares treiben. —
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strabeln
herum steigen wie der 8toreh in der Sa-
late, wird von dem steigenden Gange
langbeiniger gesagt. Im Mittelalter wurde
stolzer und steifer Gang dem Kranieh-
sch ritte verglichen: Minnesing v. d. Hagen
3, 196*; Freidank 30, 13; Walther 19, 31.
»traheln, schw. vb. mit Hfinden und Füs-
sen um sich strumpfen. Ableitung von
streben. — Bei Fischart Gargantua c. 10.
zabelen, strabelen. — strapelu, strabeln,
Schindler 3, 688; Steider 2, 403. —
Strabelkatze, vgl. Katze.
ver-gtrauehen, schw. vh. mit Strauch-
werk verwachsen: hierauf notwendig die
zuvor wol angebauten Getreide -läml er
verwildert, verstrauchet. Scherffer Ge-
dichte Zuschrift a. IV. rw.
streichen, st. vb. wie hd. — Streich-
junge: der Junge in den Ziegeleien,
welcher die frisch gestrichenen Ziegeln
abtragt. — Wildstreicher, Land-
streicher ;Streicherma>del: fahrende
Dirne. — Auf den Strich gehn: feilen
Dirnen nachlaufen; Schnepfenstrich,
das abendliche schwärmen der Streicher-
mädel ; vgl. Schnepfe und Schindler 3,
493; Schmid 514. — Strichen, m.
Zitze des Kuheuters : das Euter hat vier
Strichen; der fünfte, der zuweilen vor-
kommt, gibt keine Milch. — Weiter ver-
breitet: Schindler 3, G80; Stalder 2,
408 ; Stieler 2198, nd. Streit, Streke.
streiten, st. vb. wie hd. i) namentlich
mit Worten streiten ; 2) einen , etwas
streiten : etwas bewältigen , womit fertig
werden. — mhd. einem strften, gestriten,
vgl. W. Grimm zu Freidunk 80, 9; Gr.
Rudolf I, 3; Erec 6427. — Stritt,
Strit, m. Streit: siste kumma mer sei
lahtige ne med anander ze stricte, Stoppe
Parnass 511.
n Irenen, straen, schw. vb. wie hd. —
Streusal, Streusel, m. Gemisch von
feinem Mehl, Butter und Zucker, das
klümpchenartig auf die „Streuselkuchen*
gestreut wird. — Auch oblausitzisch. Vgl.
Kuchen.
Strumpf, Strümp, m. Stamm, Stock,
Stutz: Äste, Stamm, und Strümp A. Gryph.
Leo Armen. 5, 90; hat ihm Wäll und Festen
geschleift mit Strümp und "Asten, Opitz 2,
48; kü Strimpla is tbrig. — strump-
lich, adj. str. Besen: abgenutzter Besen,
von dem nur die Strümpe, die Stiele
übrig sind. — strumpzelig, adj. mit
gestuztem Zagel (Schwanz). A loft rim
wie a strumpzaliger Hund (Gomolke); die
feirigen Hamlwerksburschen laufen rum
wie die strumpssdigen Hunde (Trebnitz).
Das Wort, nicht mehr verstanden, musste
sich in strumpsfilig entstellen lassen. —
Vgi. Frisch 2, 349. Schindler 3, 686.
Strunk, m. wie das vorige: Stock, Sten-
gel, Stiel; besonders gebräuchlich
Krautstrunk.
Dero der uns nicht rauchen lässt
soll anstatt der Nerv und Flachsen
ein Tobakstrunk wachsen.
Günther 920. Vgl. Frisch 2, 349; Brem.
Wb. 4, 1073; Schütze 4, 213; nl. Stronk.
Strunze, f. im verächtlichen Sinne:
Frauenzimmer; namentlich faule Strunze,
wem wolte nur obn mich die nakte
Strunze (Venus) rahten. Scherffer 395.
— bair., schwlb. stranzen : sich stre-
cken, dehnen; faul herumlaufen; Stran-
zen: fanle Weibsperson; fränk. die
Strenz, Schindler 3, 687. — westerwäld.
stronze, herumstronze : herumlaufen, fan-
lenzen. — nd. strunzen: prahlerisch
herumgeben. — strunzen und stranzen
verwandt mit dem gleichbedeutenden
sträunen, was zugleich „gewinnsüchtig
sein" bedeutet (ahd. striunan, lucrari) ;
Streun, nd. Strüne: Herumstreichen»;
vgl. mhd. Striun, Hundename Helbl. IV,
456.
Strutt, m. Name eines Berges bei Schöm-
berg ; bedeutet Wald, Gebüsch ; ahd. mhd.
struot, stnU, Frisch 2, 350; Schindler 3,
690. Das Wort kommt als Ortsname in
Franken vor; Weigand (Archiv für hess.
Geschichte VII, 299) führt es als Name
oberhessischer Waldbezirke und Dörfer
auf.— S t r ü t ti c h, n. Gesträuch: der Name
Sprotlaw ist polnisch und heisst so viel
als ein Ort, dannen vil Ddrner und Strüt-
ticht ausgerottet. Curäus-Rätel Chronika
(Leipzig 1607) S. 307. Dörner Strotticht
und Bäume, ebd. 308 ; nun ist aber an
demselben Ufer noch heut ein solcher
Dornpusch und Ströttich, ebd. 298. —
Gestrütlich, n. Buschwerk, Gesträuch :
mit dickem Unkraute und dörnichtem
Gestrittig, Lohenstein Widmung des Ibr.
Bassa ; der Mohre wirft nicht eh in das
Gestrittig Flammen. Lohenstein Ibr. Bassa
I, 523. — nd. Struddik.
Strüzel, Strtzel, m. länglich geformte
Teigmasse: Butterstrüzel, besonders aber
dasWeihnachtsgebäck : Weihnachtstrüzel ;
anderwärts Christstollen , Christwecken,
Stuten, Tütscher. — Schon ahd. mhd.,
struzil, strüzel, vgl. Grimm bei Haupt
Zeitschr. 8, 419; Schindler 3, 691. Das
Wort ist baierisch, Österreich., kirnt.,
wetter au., oblaus., westpreuss. , dänisch
nachzuweisen , und findet sich wahr-
scheinlich auch sonst noch.
Strüzel, m. steifer Mensch. — verstrü-
zeit: starr, namentlich vor Erstaunen. —
nd., strutt: starr, steif. — Verwandt mit
strotzen, nd. strutten.
Stumme, m. Gaul, Pferd; bei Scherffer
ein ieder in denStall zu seinem Stummen
reiset
und zenmt und sattelt auf. Ged. 61.
dass der Knecht dem Pocht entschleich
und die Stummen wisch und speise,
ebd. 539. Auch jetzt noch in Schlesien
I
96
für das Thier, als das nicht redende, die
muta bestia gebraucht,
stftren, schw.vb. starren, stieren(Breslau).
Miirzen, schw.vb. 1 )wie hd. trans. umstür-
zen, umkehren. — Sturzacker: Acker der
mitdem Pfluge zum erstenMale umgewen-
det ist — S t Q r z e, f. Deckel auf Töpfe nnd
Krüge zu stürzen oder decken. Logau
973 ; rgl. Schindler 2, 060 ; 2) intrans. Aus
der Bedeutung : herumschweifen, Tagiren,
die das Wort in früherer Zeit hatte,
bildete sich schles. die von abziehen,
ausziehen:
der jetzt mit Sack und Pack von Hofe
stürzen muss. Günther 1039.
Es wird besonders von dem Umzug des
ländlichen Gesindes gebraucht; der
Stürz tag ist der 2. Januar; dabei wird
der Stürzbranntwein getrunken und
viel lärmender Unfug getrieben. — Lohen-
stein braucht das Wort in mehr übertrage-
ner Bedeutung : der nie gestertzetaus Os-
mans Lieb und Dienst. Ihr. Bassa I, 231.
Auch für sterben, das letzte stürzen,
as Wort vor. — Stürz.Sterz,
m. 1) der Umzug ; 2) die Sachen die dabe
mitgeführt werden. Vgl. das fränk. schür-
zen, scherzen. Schweiler 3, 406.
Stützet, n. Pulswärmer von Pelz oder
Wollenstrickerei. — Auch baier., Schind-
ler 3,674; österreichisch, ist gebräuchlich
das Hauptwort der Stutzen : Muff.
sülea, 8d»w. vb. wälzen; sehr gebräuch-
lich. Gesielt in Sand und Blntt. Lohenstein
Ihr. Bassa 1, 224; man siehlt und quält
sich spät und frühe. Stoppe 376. — auf
den Hals sülen, aufsülen: aufbürden,
zuschieben, von schlechten unangenehmen
Sachen. — b e s ü 1 e n , sich : sich wälzen,
namentlich vor Lachen. — S ül e, f. einge-
wälzte Stelle in Gras, Getreide od. dgl.
ahd. sol : volatubrum. — Das Wort ist weit
verbreitet und früh mit dem Begriff
beschmutzen verbunden: gotb. bisauH,an,
ahd. soldn, bisuljan: inquinare, illinere.
Frisch 2, 355 (wo sülen und sudeln ver-
mengt werden); Schindler 3, 230 ; Stalder
2, 419; Anton 4, 10; Müller- Weitz 241 ;
Brem. Wb. 4, 914; Diefenbach goth. Wb.
2, 193.
T.
Vergleiche Ü.
i, schw. vb. schnattern: derSchua-
der Entenquatsch , der wilden Gänse
tadern. Scherffer Ged. 83. — Vgl. die
Gans mit ihrem dadern da da, da da, da
da, mit ihrem Geschrei und schnadern,
da da, da da, da da. Unland Volkslieder 570;
Stieler 269; Stalder 1, 256. 286. nl.
tateren,nd. tatein. dötern. Grimm W.2,671.
Tngr, Täk, m. um den andern Tag:
übermorgen ; j e n t i g : neulich, vgl. jener.
Tag und Nacht, Kuhweizen, melam-
pyrum uemorosum; poln. dzien i noc. —
T o i (Trebnitz),T o i z t (Glogau),m. Mor-
gendämmerung : eb der Toi quam. — Toizt
aus Tagezeit zusammengezogen ; Toi auf
ein schwaches Tage, ahd. tago , zu
bringen ?
tnfr, adj. träge (Dreissigbuben bei Beichen-
bach). — nd. täg: zäh. Schütze 4, 241;
Brem. Wb. 5, 1 ; einer der Bestandteile
schles. Mundart, welche sich in rein nd.
Gestalt neben entschieden oberdeutschen
erhalten haben.
Take, T a e i e, f. Bastdecke, hauptsächlich
Fensterdecke. — ahd. tacha: matta,mattu-
la, mhd.tache,vgl. Schindler l,427;östr.,
baier., Täke. — Mit decken und Dach
verwandt; von dem österr. Theke, poln.
teka, Buchschale, Mappe zu trennen, die
vom lat.theca, griech. ftrjxTj entlehnt sind.
taten, schw. vb.dalen, albern oder närrisch
reden und handeln, Possentreiben. Häufig
bei Günther ; z.B. küsst man euch, so heisst
es thalen, ich versteh wohl das sind Schn-
len.darum woltihr nurden Kern,241; ebd.
schlaf, essen nnd im Bette thalen ist alles
was er thut und weiss, ebd. 436 —Stieler
323; Schmeller 1, 364; Stalder 1, 260. —
taten, dalen ist mit ahd. twAldn, betäubt,
schlaff sein, zu verbinden. Vgl. das mhd.
twalm, twalmdn zu baier. delm, nd. nl.
talmen wir«. Stieler hat als gleichbedeu-
tende Nebenform zu dalen dalmen. —
taelsch, adj. 1) albern, läppisch;
ein echt schlesisohes Wort Redensart:
Wer bei Tische singt, kriegt eine tatische
Frau. 2) toll, verrückt: jungatwlsch:
mannstoll; tadscb Kerle sein Bruder,
zarte Umschreibung für tieischer Kerl.
3) verkehrt: es ist mir ttelsch gangen;
Gegenstände, welche der geforderten
Eigenschaftentgegengesetzt sind, heissen
tsdsch: UelscheButter ist harte spröde. —
Getelsche, n. albernes treiben, scher-
zen und lärmen. Nu seid vernünftig und
lasst das Gctarische, sagt die Mutter zu
den Kindern, die genug gelärmt und
Possen getrieben haben. Auch oblaus. —
Vgl. mhd. getdse.— Grimm Wb. 2,696.
talken, schw. vb. mit der Frequentaliv-
form talkern: tasten, streichen; betal-
ken: betasten. Grimm Wb. 1, 1694. —
Nebenform talken: den Teig kneten ; vgl.
Fastnachtsp. 570, 9, die kes zusammen
telken. Auch baier. Schmeller 1 , 368.
Baier. und schweizer, mit anderer Ablei-
tung dalfern (Schmeller 1, 368; Stalder
1, 260), anderwärts dalpern. Schlcsisch :
dieTalpe,Hand, Schweiz, die Talpen. —
Vgl. das folgende:
i
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97
t allen« schw. Tb. stammeln; „tallen:
lippseben ; it. nicht recht reden können,"
Kernkronik2,725. — ahd. tallazjan, pal-
pare. — Tallsack m. stammelnder
alberner Kerl ; im Hirschbergischen Be-
nennung der aus Semmelteig' gebackenen
Mannsbilder. — Redensart: Tall Tall
(al. Tilro Ulm) er hatte Holzel feil, er
gabs Gröschel für Gebinde! ; nach einer
älteren Aufzeichnung- gleichbedeutend
mit: wasch mir den Pelz und mach mich
nicht nass. — Talke, f. stammelndes
albernes Weibsbild, nd. Talke; das öster.,
bair. der Talk (auch nd. Taalk) kommt
achlesisch nicht vor. — talkicbt:
albern, ungeschickt; baier., österr.
dalket. — Vgl. tillen. Vgl. oblaus. dalpern :
stammeln, undeutlich reden; Schweiz,
talpen, rhein. talpe: plump auftreten,
Uppen, langsam arbeiten (Stalder 1,260;
Müller- WeiU243)und das allgem.verbrei-
tote Tölpel, nebst Tolpatsch. Grimm 2,700.
tiemiHch , ti misch, adj. taumelnd,
schwindlicht •■ dasliäut is mersu thamisch.
A. Gryph. gel. Dornrose, „thamisch, ver-
rückt im Haupt" Kernkronik 2, 725. —
Ist auf lau misch zu führen, Schmeller
1, 443. Grimm Wb. 2, 704.
tampern, tempern, schw. vb. zaudern,
langsam arbeiten, trägsich umhertreiben,
srhweiz. dampern, dampen. Stalder 1,
262. — Gebildet aus Upern.
Tantas, m. plur. die T & n t u s s e : Bechen-
pfennig. — baier. Tantes. Schmeller 1,
448; aus dem spanischen Unlos, plur. zu
Unto.
tÄpern, schw. vb. langsam und unbehilflich
sein. — Taperarsch,Tapermichel, Taper-
gritte : unbehilflicher, langsamer Mensch,
tilprig, adj. unbchilflich , langsam.
— Tips, Taps; Ta p pertiS w izer
(Obernigk) = TApermichel. Vgl. mhd. W-
pen, Schweiz, tapen, dö>en. Stalder 1, 26S.
tapfer , tapper, als verstärkendes Advb.
im nördlichen Niederschlesien gebraucht;
topper schein : sehr schön.
tar, vgl. türren.
taren , schw. vb. von ßerndt mit der Be-
deutung: „kindisch sein, spielen," auf-
geführt. Ursprünglich heisst es : lang-
sam sein . wie noch Schweiz, schwül),
oblaus. dären. — t a r a d e, adj. beharrlich,
eigensinnig (Reichenbach) , eigentlich
langsam, zäh, wie das einfache Schweiz,
darr. Stalder 1, 267. — Zu der Rildungs-
sylbe — ad — vermag ich ausdemSchles.
nichts entsprechendes aufzuführen.
Tarrfsbüchse, Bastionbüchse, Kanone.
Die ratmanne liessen uf den Elbing
eilens tarrisbüchsen füren und meineten
sie sollen geladen sein. Rschenloer 1,
109. — Tarris: Terrasse, Schanze. Vgl.
Frisch 2, 362; Schmeller 1, 432.
Tasche, f. 1 ) wie hd. 2) Samenhülse. 3)
Mund, — Brodtasche: ich hab das
Haus voll kleine Kinder, die mir mit ih-
ren Brodtaschen das Geld in zwölf Leibe
vernaschen. A. Gryph. Peter Squenz. 4)
vagina der Kuh, früher auch die mensch-
liche. — Frisch 2, 363 ; Schmeller 1,450.
— Maultasche 1) Ohrfeige :
Maultasch ist ein, Ding, zwar nicht
schädlich an dem Leben,
ausser dass sie dem Gehör Abbruch
will und Nachtheil geben.
Loga« 1097. 2) ein Gebäck ; Antonia
braucht im Horribilicribrifax das Wort-
spiel : da hergegen Frau Gertraud mehr
Maultaschen als Krametsvögel von ihrem
Mann auffressen muss.
tasehen, Utschen, schw. vb. 1) lasten,
schlagen, namentlich klatschend schlagen;
vgl. titschen. — T ö t s c h e f. TaUe, Hand.
Linktötsch, m. linkischer Mensch. 2)
beUsUn, streicheln , zärtlich behandeln,
namentlich die Kinder. — verkitschen :
verzärteln. — Oberlaus, täscheln : mit
Kindern spieleu , sie liebkosen. 3) klat-
schen, in übertragenemSinne: schwatzen,
albern reden. Wie „Spellen" gehn, heisst
t:U sehen gehn zum Schwatzbesuch,
auf einen Plausch gehen, namentlich von
Kinderwärterinnen. — Getäsche, n.
GekUtscb: die Getäsche wird Ursachen,
mir und andern Argwohn machen. Seherf-
fer Ged. 562. — Vgl. Frisch 2, 395 ;
Schmeller 1, 459 ; Stalder 1, 269 ; Schmid
117; Schmidt 253.
Taat, m. Schmutz, besonders Kopfgrind.
— ahd. dostcoenum, mhd. test, österr.
Test : dicke zähe Masse ; bair. döstig :
zäh, schwer, vom Boden gebraucht.
Tater, m. 1) Tartar. Der Einfall der Tarla-
ren oder Mongolen von 1241 in Schlesien
lebt in der Erinnerung des Volkes durch
das Schlachtfeld bei WahlsUlt und durch
die h. Hedwig fort. In WahlsUlt wird
alljährlich zur Erinnerung an die Schlacht
im April ein Markt „das Obrenfest" ge-
halten. Hie und da zeigt man auch
TaUrenschanzen, z. B. im Höllengrunde
zwischen Reichenbach und ISimptsch.
2) kolioldartiges Gespenst, Tatermann:
Scherfler Ged. 408 nennt den Vulcan den
ungestrigelt verwichtelten Tater. Vgl.
Grim Mythol. 469—471.
Tatzen» f. plur. durch eine Schlinge
verbundene Knöpfchen , welche durch
die Knopflöcher gesteckt, die Stelle an-
genähter Knöpfe nach alter Weise ver-
treten; die mhd. tassel. — Scherfler
409: sol er mit datzen die Ermel be-
stecken.
Tebs, s. teebsen, tob.
Teckel, ». Döggel.
Tempel, m. 1) wie hd. — Judentempel:
Synagoge; lleidentempel nennt das Volk
hier und da Mauerreste , die von den
„Alterthumsforschern" für Heidontempel
und zwar für römische erklärt wurden;
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98
Tengel — Tocke
u. a. die Trümmer eines Wartthurmes
auf dem Ruhberge zwischen Schweid-
nitz und Heichenbach. 2) abgegrenzter
bewachsener Fleck Landes : so beisst ein
kleiner Grasplatz ein Tainperle (Habel-
schwert) ; ebenso eine Baumgruppe, mag
sie frei im Felde stehn oder mitten im
Walde unter andersartigen Bäumen : im
Kiefer piischel steht ein ganzerTempel sau-
re Kirschbäume. (Liegnitz, Bolkenhain).
Tenjrcl, m. Schmutzsaum am Gewände; —
tengein, sich betengel n: schw. vb.
sich am Saume beschmutzen. — Auch
sonst mitteldeutsch: oblaus. obsächs.
Süeler 763. — Tengel ist dasselbe
Wort, nur mit eingeschobenem Nasal,
wie österr., bair. Tegel : Lehm ; tegeln :
schmieren, beschmutzen; engl, daggle.
Tene , M) Schachtel. Kernkronik 2, 725.
2) Frauenzimmer : ich hoas er amol ge-
aoat, dass se su an grobe Tese wer.
Stoppe Parnass 509. — nd. Döse: Büchse.
Schachtel.
teuer», schw. vb. zittern, rasseln. Wa-
gen tettern ; Töpfe und GiSser, die einen
Sprung haben , tettern beim aufsetzen.
Bauernregel: wenn der Hirse mit dem
Ohre rauf komt und er hört den ersten
Erntewagen tettern , da wird er noch
reif (Obernigk). — eintettern, trans.
zittern machen , einschüchtern (nördl.
Niederschlesien). — Vgl. bair., österr.
tattern : zittern ; schwäb. dattern, dottern ;
engl, totter.
Teuehe, f. feuchte Stelle im Acker
(Liegnitz, Jauer). — Schmeller 1, 426.
Tilke, f. Thälcben , kleine Vertiefung.
Auch nürnberg. ; im übrigen Mittel-
deutschland Teile, Delle.
tillea, schw. vb. ablautend zu tallen, w. z.
vgl., erhalten in tillazeln: tändeln,
mit Kindern spielen, Kernkronik 2, 725.
dass er dem wütten läppischer Sitten,
Tylatzeleyen, Fantastereyen,
— einmal entfliehe. Scherffer 475.
tieren , schw. vb. sich tieren : sich be-
wegen, rühren, sich um etwas bemühen :
um die Jungfrauen thieren. Schweinichen
1, 63; kamen allgemach zu I. F. G. die-
jenigen, welche sich zuvor nicht sehr um
I. F. G. gethieret, ebd. 2, 60. — Vgl.
gezweit geviert scherlich tieret. Os-
wald v. Wolkenstein 33. 2, 23; all in
den plnmen ich mich tiert. Spruch vom
Einsiedel , in den Fastsp. 1124; ich
gieng ein nacht spazieren , ward in der
fin stern mich umbtieren, ebd. 339, 21 ;
und tet mich kaum zwier drin umbtieru
ebd. 72, 16. Das Wort scheintun verscho-
ben herübergenommen vom nd. tieren:
munter, lebhaft sein, lärmen; tierig:
munter, lustig.
Tisch, m. Ein Bauer sitzt am Tisch und
stemmt sich mit dem einen Ellbogen so
stark auf, dass der Tisch zu brechen
droht Der Sohn ruft ihm zn : Vater ! der
Tisch knackt ! Der Bauer sieht den Jun-
gen an, stemmt den zweiten Ellbogen zu
dem ersten und fragt : „Seld'a ?*
Titie, T i s s e , f. TSubchen; auch oblaus.
— In der Kindersprache werden auch die
Honiggcfässe des Sturmhuts (Aconitum),
die Samenkapseln der Päonien und dgl.
Tisel genannt (vgl. Gittel). — Das Wort
ist aus dem Lockruf tfse, tNe, gebildet.
Bairisch-schwähisch werden die Hühner
und Enten mitdis! dis! gelockt, daher
Hisel Hänchen. Schmeller 1,401 ; Schmid
129. rhein tiet! tiet! Tiez, Hnhn : Mül-
ler- Weitz 245.
litM'hen, schw. vb. Ablaiitform zn tatschen
w. %. s. 1) schlagen, klatschend anschla-
gen, namentlich dieTantussean die Wand
werfen (ein Knabenspiel) ; wessen Tan-
tus auf Spannenweite an einen auderen
fällt, hat diesen gewonnen. Vgl. rhein.
titsche: Schnellkügelchen auf einen
Stein werfen und fangen. 2) tauchen,
eintauchen; anstitschen: austnnken. —
Titsche, f. Brühe, Tunke; nürnberg.
Tütscben. — Frisch 2, 373.
Titte, f. 1) Zitze, Brustwarze: Titte titte
machen , in der Kindersprache : saugen.
2) übertragen: Schnabel:
hier liegt verscharrt Agtaster Gritte,
die mit der achwar/.en Sehn;ihel-titte
wusch als ein alte achlesche Magd.
Scherffer 691. — ags.,nd. titt,engl. teat
— Vgl. ahd. tutto, Schweiz. Tütti, Totta,
kämt. Tuttele, Titel; tutteln, säugen.
tob, adj. tobend, toll : du mehr denn tober
Hund. A. Gryph. Sonette 1, 31. — Be-
lege für tauber Hund bei Zarncke zum
Narrenschiff 95, 51. — tmbsen, tib-
sen, schw. vb. toben, lärmen. — Tlbs,
m. tobender Lärm , namentlich Kin-
(I er lärm.
Tocke, f. 1) Puppe, sehr gewöhnlich. —
ahd.tocha, mhd. tocke. Schmeller 1, 3. w »0.
Doch lasst euch auch nicht bei der
Tocke
und schon im Flügelkleide frein.
Günther 439. — Tock enspieler:
Puppenspieler , überhaupt Schauspieler
(Obernigk). — Tockenkram: eigentl.
Puppenkram , fibertragen : Putz- und
Spielsachen: ich halte diese Ketten höher
als aller närrischen Jungfern Tocken-
kram. A. Gryph. Horribilicr. — T o c k e n-
werk: Puppenwerk, Gaukelspiel:
was ist doch Ehre, Macht, Pracht,
Schönheit, Lust und Geld ?
ein gläsernes Gepräng, ein Tocken-
werk der Welt.
Logau Zweite Zugabe zu d. 3 Tausend,
nr. 31.
Der Scepter Tockenwerk ist eine lere
Pracht. A. Gryph. Leo Arm. 1,45.
vergänglich Tockenwerk und schnöde
Gaukelei. Christ. Gryph. 127. (3. A.)
Tocle — Trcsknminer.
99
2) wie Pappe, für Mädchen, a) liebko-
send, häuög. Auch W.ScherlTor singt auf
die Taufe einer kleinen Prinzessin von
Brieg: nun tragt zum Heilhrunn hin, ihr
Pathen diese Tock. Ged. 49. — In solchem
Sinne auch bei Osw. r. Wolkenstein , in
den Fastnachtspielen (488, 1 1 ),schweizer.
(Stalder 1 , 286) und nd. (Brem. Wb.
1 , 222) ; vgl. auch das verstärkte mhd. su-
mertocke Minnesing2, 93 ; Gesamtabent.
1 , 462. h ) hohnisch mit dem Vorwurfe der
Putzsucht ; man geh' die Häuser durch,
dort sitzt die Docke bloss, bespiegelt ihren
Stat. Gunther 4SI. hetracht einmal mein
Freund die dicken Polstortockeo,
die so verzärtelt sind, ebd. 447 ; es brüste
sichSerran mit seiner Pfeffer docke
in dem von Mammonsblech erkauften
Hirtenrocke, ebd. 395; das was man
Gratia genannt, sind bloss Verführungsdo-
cken.ebd. 352.— ge Iii ekelt, geteckelt :
geputzt , zierlich gekleidet. — Schweiz,
döckelet. Stalder 1, 286. bair. dockelen :
putzen. Schmeller 1, 356.
Joele, Dele,f. 1) Hündinn, Hund.2)Frau-
enzimmer, namentlich ein albernes. —
Auch nd.; rhein. ein einfältig gutmüthi-
ges Weibsbild. MÜller-Weitz 246. —
Grimm Gesch. d. d. Spr. 468 hat den
Namen von Odoakers Sohn Thela und
das sebwed. tillika , Hündin verglichen.
Tölpel, m. wie allgemein deutsch. —
Wochentölpel: Backengeschwulst,
auch ßauernwfitzel genannt, bair. Dale-
watsch. — Tolpatsch, m. Tölpel , in
Oberdeutschland ziemlich allgemein. —
tölpisch, telpsch, talpscb, adj.
tölpelhaft. Schmeller 1, 442. Vgl. unter
tallen die Formen talpen, talpern, welche
die angenommene Entstehung von Tölpel
aus dörper (vilains) zweifelhaft machen.
Topf, Topp, Tupp, m. wie hd. — In
früherer Zeit zugleich Benennung eines
Masses Flüssigkeiten, wie nd. Pot: ein
Fass hatte 10 Eimer, der Eimer 10
Töpfe, ein Topf 4 Quart Frisch 2,377.
— Der Herr von Neuenhaus , dem ward
gesant zwei malder haber, ein fuder
Heu, ein viertel weizenbier, zwölf töppe
schwer Wein ; — herrn Franz von Hag
acht töppe schwer wein ; und so immer
löppeschwer wein.Eschenloer2, 164 f.
— Ins Töppel sehn: sich um die
Wirthscbaft bekümmern: habe jedoch
mich der Dienste gänzlich entäussert und
also neben meinem lieben Weibe in mein
Tippel gesehen. Schweinichen 2, 139.
Bald bekam aber dies eine schlimme
Nebenbedeutung , desshalb warnt Mo-
seherosch in Philanders V. Sittenwald,
Gesichten (2, 345. 1650) „hingegen sol
der Mann kein Erbs in Hafen zehlen,
kein Bierenbrader sein, kein Obs zum
Essen schelen , er sol nicht seine Nass
in allem Dreck umbkehren." Töppel-
gucker ist demnach gegenwärtig eine
Schelte; das obd. Guckinhafen hat über-
haupt die Bedeutung des unberufenen Ein-
mengens, vgl. Fischart Kehrab 257. —
T o p f b r e t , offener Schrank, in dem
Töpfe und Schüsseln aufgestellt sind.
Und wil er ungefähr des Nachbars
Topfbrct, Tisch und Bank mit
Fluchen eingeschmissen.
Günther 467. — Von einem vollbusigen
Frauenzimmer: sie hat ein gult Toppbre-
tel. Vgl. das bair. österr. Holz bei der
Wand haben,
torsche Rüben: Uuterriiben(Obernigk).
— ahd. lorso: thvrsus, ruobitorso. Graft"
V, 459. Dors, Torsen, Torschen: Kraut-
strunk, caulis olerum. Frisch 2, 377.
tt'Areo, schw. vb. schwatzen , langweilig
reden. — GetrAre n. Geschwätz
(Kolbnitz bei Jauer).
trsUchen, tratschen, transchen,
treseben, tretschen, schw. vb.
1) schallend aufschlagen, schallen, klat-
schen. — Trdsch, m. Lirm, Geschwätz.
— Transch,m. albern
überhaupt dummer Mensch :
und o dass Junonis Gütte
einem Trantscb behütte.
SchcrfTer 560 ; so lange bis ein Transch
ein Schlauder ihn erwischet ebd. 620. —
Tr Atsch (Ablaut zu Tratsch) Tölpel;
2) mit Geräusch giessen, Wasser ver-
schütten, es trascht ok asu : es regnet,
giesst stark. — betr dachen, begies-
sen,besprützen. — Tränt sch,Tresch:
Regenguss; Nässe, Schmutz; 3) im Nassen
berumtreten; zertranschen: durch
Waten im Nassen verderben, z. B. Schuh-
werk; überhaupt zertreten: Gras zer-
transchen. — Vgl. die gleichbedeutenden
klatschen, patschen. — Weit verbreite-
tes Wort: Stieler 2339; Schmeller 1,
497; Stalder 1, 298; Schmidt 263;
Rheinwald 1, 168; Anton 7, 17. 13, 18.
engl, trash.
trecken, schw. vb. ziehen; aus früherer
Zeit für Schlesien zu belegen : trekte sie
so lange. Schweinichen 2, 157; die sich
beym Freudenfest als ein Esel trekken
lässt. Scherffer 555. — Niederdeutsches
Wort; obd. trechen; vgl. übrigens bair.,
Schweiz, treckelen: hinziehen, trödeln;
verdreckeln : verziehen, bindern. Schmel-
ler 1, 474; Stalder 1, 301.
, 8. traschen.
f. eigentlich die Schatz-
kammer (ahd. tresokamara), dann einge-
schränkt auf den Aufbewahrungsort der
kirchlichen Geräte , die Sacristei. Mein
Herr Weiss das Sprichwort von Pisowol:
See sonder Fische, Kirche sondor Dress-
kammer, Hurhaus sonder Hure und ma-
gere Suppen. A. Gryph. Seugamme. —
Iii dieser Bedeutung noch in einigen schle-
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treten — Tuch
sischen fiependen, z. B. Trebnitz, Ures-
lau, erhalten. Ebenso oblaus., schweizer,
(vgl. namentl. Tobler 151).
treten, st vb. den hat die schwarze
Kuh schon getreten! d. i. über den
ist das Unglück schon gekommen, er ist
ihm verfallen. Dieselbe Redensart führt
Grimm Mythol. C31 aus Einers Apoth.
514 an ; entsprechend ist das livländ. die
schwarze Kuh drückt ihn. Schwarze Kühe
gelten für koboldartig, sie zu schlachten
bringt Gefahr.
treufre, adj. trocken. Die treuge Znnge
leckt geliefert Blutt. Lohenstein Ibr.
Bassa 1, 72. Auch kuhlind., oblaus. —
mnd. und in md. Denkmälern des 12 Jh.
trüge; rhein. drüch, nl. droog, nd. drög,
ngs. drfge, engl. dry. — treugen,
schw. vb. trocknen; rhein. drüche , nd.
drögen , nl. droogen , ags. drugjan,
drygjan, engl. drio.
Tribs, m. Trieb, Stoss; auf den Tribs
geben : den letzten Stoss geben :
drum sieht er auch so blass als hätt ihn
Angst und Noth
mit Leib und Seel gebeugt und auf den
Triebs gegeben.
Stoppe Parnass 399. Niederdeutsche Bil-
dung wie Draps, Schupps u. a. Vgl. Dia-
lektforsch. 103 f.
trtseln , s. trüseln.
Tritt -ling, Tritlicht, m. Trittbrett
a) Stufe, z. B. in den Pensternischen ;
b) Tritt am Spinnrade. Stieler 2334.
Treben, m. Querbalken (Reichenbach);
rhein. Trov; Ingolstadt. Vocabui. von
1445 traam (Schmeller 1, 489). — mhd.
draine, trame , bair. österr. nd. TrAm ;
westerw. Träm. Der Stamm ist, wie das
schles. Wort und die ihm zunächst aufge-
führten deutlich zeigen , trab oder trav,
verwandt mit goth. triu, slov. drevo:
Baum, Holz. — dremel und drum hängen
hiermit nicht zusammen.
Trojr, in. wie hd. — Trogkratze, f.
Reste des Teiges, die aus dem Backtroge
gekratzt werden. - Trogscharre, f.
dasselbe, und die daraus gebackenen klei-
nen Kuchen, trogescherre : torresterna
Fundgrub. 1, 394; Renner 1652 heissen
solche Kuchen teigseberre.
trören, tr Ar e n , schw. vb. durchsickern.
— T rörwasse r : Wasser welches durch
die Teichdamme sickert. — »hd. trör :
cruor; trörjan: pluere. Schmeller 1,
499: Tobler 156.
trotzig:, adj. wie hd. — Wird auf eine
Anfrage eine kurze barsche Antwort
gegeben , so ist die gewöhnliche Gegen-
äusserung : nu , nu ! es ist ok um einen
trotzigen Bericht zu thun.
Trulle, f. dickes Frauenzimmer. — Vgl.
Troll: Klotz Frisch 2, 389, hess. drolch:
dickfüssig. Andererseits kommt in Be-
tracht das altoberd. Trülle: Metze, Frisch
2, 392 ; Stalder 1, 312; in selber Bedeu-
tung nd. Trülle, nl. Drille, engl, trull. —
Beide Bedeutungen vereinen sieb im Vb.
trollen, trullen : schwerfällig treten, rol-
len, herumschweifen. Auf ähnliche Weise
heisst Trumpel, Trampel ein ungeschick-
tes and ein fahrendes lüderlicbes Frauen-
zimmer, vgl. Schmidt 269 und mhd. trum-
pelnunne.
Trum, m., T r i m e 1, n. deminutiv : Ende,
Stück, Splitter, Span. — Scbleissentrü-
mel : Ascbenabfall von den „Schleissen".
— mhd. drum, drümel; fast in sämmtli-
chen deutseben Mundarten erhalten:
Schmeller 1,490; Stalder 1, 314; Tobler
155; Schmid 144; Schmidt 268; Müller-
Weitz 37; Brem. Wb. 1,256.
Truhne, Troh n e, f. Truhe, Lade ; auch :
ein Kasten mit Fächern , zur Aufbewah-
rung vonEsswaaren (Obernigk). — In die
lange Truhne bringen: auf die lange
Bank schieben: denn er liess hängen und
schlafen, was er nur mochte in die lange
truhne bringen. Schweinichen 2, 48; in
die lange truhne und in anstand kommen,
ebd. 2, 61. — Auch oblaus. Trohne. Aus
Truheue zusammengezogen: ahd. truha,
mhd. truhe. — Schmeller 1, 487.
TriiMchel, Druschel, f. scherzend für
Weibsbild gebraucht . oft selbst für die
Liehst« gleich wie im 16 Jh. So heisst es
in den „zwen new Bremberger" (Nürn-
berg. Jobst Gutknecht o. J.): verflucht sei
die creatur, die mir mein druserlein be-
trübt; und ebd. Geseng dich Gott schöner
Saphier, du zart freüntliches Druserlein,
und edler ruwine. — Es hatte aber da-
mals schon die zweite gröbere Bedeutung
eines dicken plumpen Weibsbildes: schau
zu was grober feyster truseln , die sich
mit sawr milch gar beknuseln. Grobia-
nus übersetzt von Hellbach, 1567, S. 35.
In solchem Sinne kennen es fast alle obd.
und md. Mundarten: Stalder 1, 310;
Schmeller 1 , 500; Schmidt 271 (Trut-
schel, Troschel, Trösch).
trüseln, schw. vb. 1) intrans. sich auf-
drehen, aufwinden, namentlich vom Garn
gebraucht, dessen Fäden sieb aufdrehen;
2) trans. herumdrehen , im Kroise dre-
hen. — nd. Trisel : Wirbel . Schwindel,
Theutonista trysswind; hamb. holstein.
drysen, drisen: winden. Brem. Wb. 5,
111; Schütze 1, 255.
Tuch, n. euer Tuch hängt nach- dem Wit-
wer ! sagt man Frauenzimmern , deren
Tuchzipfel schief hängt, weil es als Vor-
bedeutung gilt, dass sie einen. Witwer
heiratheu werden. Stoppe Parnass 2 7 reimt:
die kriegen Witwer, wie man spricht,
die sonst das Halstuch seitwärts tragen.
Fürtnch, n. Schürze (vgl. Vornafür).
Ihre schneeweissen Fürtücher hatten sie
raufgeschürzt. Lohenstein Arm. Thusn.
1 , 60. — Auch süddeutsch.
tüchte, lichte, adj. tüchtig: ein lichter
Mann, vir probus; a lichtes Mensch : kräf-
tiges, arbeitsames Frauenzimmer. — adv.
tüchte.— Auch oblaus.— nd. dögt ;ein ahd.
tohti zu muthmassen. — T u c h t , f. mhd.
tubt, 1) in : U n t u c h t, f. Untauglichkeit,
Schlechtigkeit: eine Untucht Ton einem
Kerle, ein ganz unnützer schlechter Kerl ;
2) verdorbenes, untaugliches, auch gera-
dezuKrankheitsstoft*. — od.Undugt,Undögt.
tilgen , vb. mit verschobenem Präterit.:
taugen. — Der alte Infinitiv ist noch im
Glfizischen erhalten ; die rechte Form des
Präsens bei Loheostein Ihr. Bassa 3, 89:
wie das« euch der nicht taug, der hes-
ser ist als alle. Dagegen bei Günther 358:
du weisst dass Kunst und Treu nicht
tü get, wie noch heute gesagt wird. —
Menschen würden wenig tügen, wenn sie
nicht in Himmel tüchteu. Logau 651.
Mancher ist hei Hof ein Herr, tüchte
Bauern nicht zum Scholien. Logau 2680.
Häufig Ist hei den Schlesien! des 17 Jahrh.
die Verbindung „zum tü gen" für tüch-
tig, gewaltig:
Es irrte Grunnia zum tügen menschlich
nur,
sie solle gehn zum Mann und ging zum
Knechte zu.
Logau 446. Schmieret die alte Hexe zum
tilgen ab. A. Gryph. Horribilicribrif. S. 27;
sie fallen über einander her und schlagen
einander zum guten Tiegen ab, ebd. 84;
znvor aber sollen dir die Flöhe von dem
Rücken mit Ruthen zum tügen abgejaget
werden. Gel. Dornrose S. 70 (1661).
tückisch, ticksch, teckseh, adj.
gewöhnlich in der Bedeutung zornig, auf-
gebracht, wild: lasst mich zu Friede,
suste wer ich tücksch. — T ückschheit,
f. zornige Verschlossenheit : n»i! semmer
og vertroilich ! de Tekschait (is ne wohr ?)
is gor ze sehr obschoilich. Schönig gläz.
Gedichte 10.
tulkcn, s. talken.
Hillen, sebw. vb. ntingere. — tullo ma-
chen, dasselbe. — Tu II o, n. membrum
genitale; Kindersprache.
Tülle, f. röhrenartiger Einsatz in den
Leuchtern, wodurch die Kerze auf und
abgeschoben werden kann ; bei Stieler
323, Frisch 1, 198 Dille. Vgl. mhd. tülle,
Einsatzrohr am Lanzen- und Pfeilschaft.
Biterolf 7089; Nibel. 897, 3. Ursprüng-
lich bedeutet das Wort überhaupt Um-
fassung, Einfassung, und wird wie Pferch,
Park, für die Befeetigunpsplanken ge-
braucht: Schindler 1, 442; Haupt zu En-
gelbert 1916; ein mhd. Verb um umhetül-
len : umfassen, umfrieden.
Tümmerze, f. Gefängnis«, bei A. Gryph.
gel. Dornrose: as wenn einer in der
Tümmerze sesse und kriegte uischte as
scbimlig Brud. — Auch lausitz. und po-
senseb. Bernd deutsche Sprache in Posen
-tote». 101
28.— Tümmerze für Timmerze,und dies für
Temnitze : temnica, poln. ciemnica : Fin-
sternis«, finsteres Loch. Vgl. Frisch 2, 368.
Tümpel, m. Wasserpful; im Bache eine
besonders tiefe Stelle ; ahd. tutnphilo, mhd.
tümpfel. Frisch 2, 394; Schindler 1,373.
— Trübetümpel, m. trüber stiller
Mensch, nd. dröve* drumpel. dreves
drumpler. trübetümplich: trübe und
verdrossen. — Tümpelkröte, f.
Unke ; als Schelte gebraucht
tmnpeln, schw. vb. lärmen, schreien
(Obernigk). Von tummeln ; Tummel auch
im schwäb. : Lärm.
t Ii im, schw. vb. hervorzuheben die Bedeu-
tungen a) sich gebärden, den Schein an-
nehmen : thuok nichasu, wir wissen» bes-
ser, wies stiht. — G e t h u e , n. Benehmen,
Gebaren. Auch kärnthner. — b) spielen,
in der Kindersprache : woll mir mal thnn ?
— besonders von Gewinnspielen,
tuntern, schw. vh. zaudern, langsam sein.
— Tu n terti es e, Tunterl unte, f.:
dummes Frauenzimmer.— Tuntr ich,m.
alberner Mensch. — tuntricht, adj.
dumm (Reichenbach, südwestl. Glaz). —
ahd. tantardn: delirare; Schweiz, dunti,
duntel : alberne ungeschickte Weihsper-
son; bei Stieler 2255 tüntein, tentein:
torpere, cunetari; nd. tunteln : zaudern,
tuntern : schwatzen.
tunzen, d u nzen , schw. vb. im Bette lie-
gen, schlummern, in der Kindersprache;
Heinde!, tunz noch a bissei ! — Anndel
muss tunzen gehn. — bair. dunsteln,
dünzeln. Schnieder 1, 386.
Türmelung, f. Wirbel, Wirbelwind.
Eschenloer 1, 293 spricht von den furcht-
baren Gewittern und Stürmen, die 1465
in Böhmen hausten und sagt: solch wun-
derliche tnrmelunge war, dass etliche
meinten, die stat Präge und andre stäte
mer, da es gehöret ward, müsten ver-
gehn. — Vgl. Dremel 2.
türren , vb. mit verschobenem Präterit. an-
statt dürfen im vollen Gebrauch ; nur
der Infinitiv ist mir nicht begegnet (kuh-
länd. tore), die übrigen Formen 8. Dia-
lektforschung 130. — Auch nd. ist dür-
fen durch dern verdrängt. — Turat, f.
Kühnheit, Wagniss, im 15. — 17. Jahrh.
bei den Schlesien! häufig: was wüsten
wir von Helden und ihrer Thurst zu mel-
den, Logau 403; hat niemand Beistand dir
zu dieser Thurst versprochen? Gryph.
Leo Armen. 2, 203. — turstig, adj.
kühn; noch von Berndt aufgeführt,
tuten, tütten, ditten, schw. vb. bla-
sen dass es tönt; ins Horn tütten; auf der
Tutte, d. i. der Hirtenschalmei , blasen.
Nach der Form heissen gerollte dünne
Pfefferkuchen Tuten; in Glaz werden
Himmelfarts tuten zu Christihimmel-
fahrt gebacken. Allgemein md. nd. tuten,
nl. tuiten.
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102
Übeln - vor.
Übeln, schw. vb. übel thun, jammern (Rei-
chenbach).
uberlei,adj. übrig, Kernkronik 2, 726. —
Stieler 1374; Frisch 2,398; Schniellerl ,15.
Ulrich rufen: sich erbrechen. — Auch
bair. österr.; kärnt. den Uole rufen.
Ulteinan, m. der letzte einer Reibe: z. B.
beim Abladen der Ziegeln ruft der Ablader
beim letzten Stück: Ultemäu! (Reichen-
bach). In Trachenberg heisst der letzte
Erntewagen der Ulteman. — Aus ultimus.
um, üm, im, präpos. — hinum: mtm; her-
um: rum. — Wie spät ist es? 'S ist drei
Viertel nf nim ; wenns rim kirnt, schlägst
Urbans Urben dummer mittem blechen
Hütte (Gomolke). Urban dummer ist ent-
stellt aus Urbanus Dominus; die weitere
Beziehung der Redensart kenne ich nicht.
— Als Spottwort hat der Name Urban den
Beisatz Fettsack ; ich deute es als einen
ursprünglich sehr guten Zunamen, indem
der Urbanstag (25. Mai) ein wichtiger
Lostag für die Landwirtschaft ist ; Tgl.
Böbel Haus- und Feldweisheit S. 25.
urbarn, urbern, schw. Tb. 1) bearbei-
ten, schaffen : was er macht und urbart,
das sollte mir auch gefallen. Schweini-
chen 2, 40; vermaledeit ist ein iglich re-
giment einer iglichen stat, das ufdem
predigstul und nicht uf dem rathhause in
heimlichem rat regirt und georbert wird.
Eschenloer 2, 49. — beurbern: den
Acker urbar, d. i. ertragbar machen, be-
arbeiten (Reichenbach). W. Scherffer
658 : sie hat ein Flecklein noch vor Ihn,
dass sonst doch braache liegt; vor andern
Rr vielleicht es zu beurbern kriegt —
Besonders häufig in der Bedeutung 2) lär-
mend arbeiten, poltern. Was urbert denn
aso? es urbert mir im Leibe. — lausitz.
orbern, urbarn, auch vom Ackerbau.
Anton 3, 4. — mhd. urborn: Ertrag
haben , Ertrag schaffen. — Die Bedeu-
tung lärmen ist abgeleitet.
Ihre, f. ein Spiel auf dem Eise: dereine
setzt sich quer über die Eisbahn und die
andern „kaschein" heftig an ihn an, so
dass er sich wie der Zeiger einer Uhr
rings herum dreht.
urschen, schw. vb. vergeuden, unnütz
verderben: Geld, Holz, Flachs u. dgl.
verurschen. — Ürscho,f. Schütte
Stroh mit ausgefressenen Halmen, die in
der Raufe gelegen hat (Weitzenrode bei
Schweidnitz) ; nd. Ort, Orteis, Ortstro. —
Urse her, m. Vergeuder, Verschwen-
der. — Arsch ig, adj. vergeudend. —
österr. bair. steir. Arassen , urezen ;
obpfälz. uraussen ; Schweiz, ursen;
henneb., westerw. ürze, örze; nd. orten,
verorten ; ags. orettan. — Über das ety-
molog. vgl. Dialektforsch. 117; urschen
ist auf goth. uzitan, ahd. orezan : her-
ausfressen, zu bringen.
"Urte» I r t e , f. (bei Scherffer schw. m.)
Zeche, a) das Verzehrte, Vertrunkene.
b) die Rechnung; in dieserBedeutung noch
gewöhnlich (Reichenbach, Hirschberg);
das hiess ohne Wirth den Irthen selbst
beschliessen. Scherffer 60. c) Zechge-
sellschaft; jetzt ungebräuchlich. — mhd.
irte, ürte ; folgende Zeit : irte, urte, orte.
Vgl. über dies Wort Stalder 2, 425;
Sehmelier 1, 114; 8tieler 885; Scherz
910; Zarneko zum Narrenschiff 77,87.
1, Voland, m. Teufel. Das alte
weitverbreitete Wort findet sich auch bei
Stoppe Parnass 495 : er Resse sich eher
bereden, der böse Voland wäre weiss,
ehe er glauben würde , mein werthes
Petermängen wäre aufrichtig.
V fitere! , f. väterliches Erbgut. Er hat die
Viterei : den väterlichen Hof (Reichen-
bach, Friedland).
Velke, Valke. f. Verkürzung von Veilke,
Veilchen : der ungestüm April lasst den-
noch Veilcken blühen. Logau 202.
' ¥lah, Vtch, n. das Deminutiv wird lieb-
kosend, wie das obsächs. Thierchen, auch
für Menschen gebraucht — Geviecbe,
n. collectivisch : siches schtnes Geviecbe.
viel, adj. adv. mit „zwanzig" zur Bezeich-
nung einer unbestimmten Menge: viel
zwanzig kommen den Tag zum Herrn und
wollen ihn sprechen.
Viertel, n. Wie spät ists ? — Drei Viertel
über guck nei l — Drei Viertel über die
Acle; wenns schlaet so zaele. — Drei
Viertel über kalte Erbsen. — vierteln,
schw. vb. durchprügeln. Aus vicrtheilen?
Vog-el, m. plur. Vaegel. — Vogeleisen :
feminale; vgl. den kloben mhd. Gedichte.
— vögeln, schw. vb. stuprare, coneum-
bere, Dialektforsch. 111.
voll , adj. ich bin stickewickevoll ! ruft der
angetrunkene Page in Gryph. Horribili-
cribrifax. — vollends: vulnd, vund;
vund zemal itze, pleonastisch vollends und
vor , v ü r, präpos. — Hauptsächlich auf-
zuführen in der Bedeutung vorher , frü-
her : mich bedüncket ganz und gar dass
dir vor viel besser war, Opitz Mm. j.
(1625) ; was Bürgern vor war recht, soll
das nicht Kaysern gelten? Lohenstein
Agrippina 5, 334. — Vornefür, m.
Schürze : tanz mit mir, tanz mit mir,
hab en schönen Vornerur.
4
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Waffen
(Reichelibach). In Wittenberg und Pom-
mern (Pasewalk) lautet dasselbe Lied-
chen : Tanz mit mir, tanz mit mir.
Wate. 103
hab 'ne schöne Schürze für.
„Mit mir auch, mit mir auch,
meine Schürze blinkert auch."
w.
Wagten, m. zusammengezogen in Win,
Woan, Wo in, Wuin,Wain, Waen.
— Wagner, m. 1) im Allgemeinen in
Schlesien nicht üblich, dafür Stellmacher ;
im Liegnitzischen Stellwagner. Wagner
kommt übrigens in der Willkür der
Stadt Schweidnitz von 1344 (Stenzel-
Tzschoppe 554) in der zusammenge-
zogenen Form „weyner" vor. Wagner und
Weiner sind als Familiennamen nicht sel-
ten in Schlesien und Lausitz. — Wag-
ner bezeichnet 2) den Wagenknecht.
Im Liegnitzischen folgt das Gesinde im
Range so: Schaffer, Gross-, Mittel-.
K I e i nk n echt,Gross-,KI e i n wagner,Pferde-
junge (vgl.Staller). ImSprottischen heisst
der Wagenknecht der Woi (vgl. Toi),
auf Wage, wago, zurückzuführen. —
W a g e n k r e n g e I , Woingrengel : Neun-
töter, Dorndreher (Liegnitz).
wallten» in dem frequentat. Walgern,
weigern, w ul gern: wälzen, rollen;
kneten, drücken.— W a I g e r, f. gerolltes,
durch rollen gebildetes: Schmutzwul-
ger; Teigwulger. Die Gerstennudeln
heissen Wulgern, besonders aber die
Reste des Sauerteiges, welche aus dem
Troge zusammengekratzt, mit Mehl ver-
mischt, in den Händen zn Nudeln gewul-
gert und dann getrocknet als Gährungs-
jnittel für den Brodteig aufgehoben wer-
den. Das Mädchen, das fleissig die Wul-
gern rührt, hat einen treuen Schatz, da-
her die mütterliche Mahnung: Mädel,
rührt fleissig die Wulgern um, dass der
Schatz an euch denkt — Wulger Fast-
nachsp. 1037, 4, österr. Walger ; Stieler :
Wilger. — ahd. walgön, mhd. walgen.
Wampe, f. 1) Bauch, Leib in gemeiner
Rede; ahd. wamba,mhd. wamme, wampe.
— Habsüchtige können die Wampe nicht
vollkriegen; die Wampe bähen: durch-
prügeln ; Kuh wampe : Moorboden , der
elastisch den Füssen nachgibt, bair.
Mooswampen , schwed. gungfly. 2)
das die Wampe bedeckende Gewand:
Hemd( Reichenbach ); vgl. Wamss.— Frisch
2, 420; Schindler 4, 77; Schmidt 320.
— wamssen, schw. vb. die Wampe
bähen, durchprügeln. — Wamsse,
f. pl. Prügel, Schläge. Allgemein ver-
breitet: Höfer 3, 268; Schmeller 4, 78;
Schmidt 320; Brem. Wb. 5, 174; Schütze
4, 335. Kärntner, heisst Wamps ein
Schlag, besonders auf den Bauch der
Thiere.
was, adj. den Mangel und die Leere be-
zeichnend, nur erhalten in wanschaf-
fen: wahnwitzig, verrückt. — nd. wan-
skapen.
Wahn , m. Hoffnung, Meinung; zu erwäh-
nen wegen derVerbindung o h n e W a h n
und Witzen. Opitz 1, 316. — u n-
w a n s , genit. adv. unvermuthet. Eschen-
loer 1, 102.
wann, conj. denn, weil ; noch häufig hei
Eschenloer und Schweinichen.
Wannen, Stadtchen im Briegiscben. Go-
molke Wegweiser 22 bemerkt hiezu:
Wansen ist bekannt wegen des Tabackes
und der alten Frau, welche denen un-
bärtigen kann Bärte machen, wie man
im Sprichwort sagt. — Die alte Frau und
das Sprichwort scheinen verschollen zu
sein ; der Taback dampft indessen noch
aus vielen schlesischen Pfeifen, und
man lobt ihn gerade nicht.
wappeln, schw. vb. mit der Nebenform
quappeln: schlottern, von weichen
fetten Körpern. — wapplicht, adj.
schlotternd , hängend, obd. (schweiz.)
und nd.
wirren, schw. vb. ahd. weren, mhd.
wern : machen, geben : in gewären:
Getreide gewären: abliefern, abfahren
an den Käufer oder Besitzer. Schmeller
4, 132; Stalder 1, 429.
was , pron. wenig und was (etwas)- gar
nichts (nördl. Niederschlesien); was
und wing (Reichenbach). — w a s e r I e i :
welcherlei. Logau 1252, vgl. Dialekt-
forsch. 143.
waNclien, st. vb. 1) wie hd. — ein
frumer Furste , Herzog Heinrich zu
Glogau, waschende uf beiden benken.
Eschenloer 2 , 327. — Waich, m.
Wäsche, Waschtag; den Wasch haben.
2) schwatzen, klatschen ; schon Fundgr.
2, 298 und weit verbreitet. — Ge-
wäsche, n. Geklatsch; waschhaf-
tig, waschhaft: klatschhaft. Vgl.
Frisch 2, 424.
Wut, W ö t , f. Gewand, Kleidung (Hirsch-
berg, Obernigk). Auch lausitz. Wot,
Wotge: Pakt Kleider, überhaupt Pakt,
Bündel. Anton 15, 12. — ahd. mhd. wiU.
— WA t sack m. ein Gewand- oder Rei-
sesack. Logau 748 ; vgl. Watechker. —
w d t s e n , schw. vb. aawötaen : dick an-
kleiden. — Schmeller 4, 194.
Wate, f. Zugnetz, allgemein germanisch ;
ahd. wato , mhd. wate , altnord. vadi. —
Volurous insuper et concedimus ut praj-
nominati cives (Olavienses) et ipsorum
p oster i habeant llbertatem piscandi super
fluvinm Odram et in ipsa Odra cum
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104
retibus et instrumenta, qu» waten in
ligua teutonica dicontur; cum sagenis
autem, hoc est cum instrumcnti», qua?
reisen nuncupanlur teutonice, civibus
piscatiouem quainlibet prohibemus. Ur-
kunde Herzog Heinrichs IV. ron Bres-
lau vom 31. OcL 1291 bei Stenzel-
Tzschoppe 415. — Dass man die Kar-
pen mit Waten und Garnen fange.
Schweinichen bei Stenzel Scriptores
4, 49.
Wntfsohe, f. Ohrfeige; durch ganz Süd-
und Mitteldeutschland verbreitet: Schma-
ler 4, 203; Stalder 2, 437; Schmidt 322.
— mbd. walz, wetzelln.
watschen« schw. vb. 1) quatschen, von
dem Ton, den treten und kneten nasser
Gegenstände hervorbringt; Stalder 2,
437. 2) schwatzen, plaudern. — frequent.
watschkern; nachwalschkern : plap-
pern, nachplappern.
Wntschke, Watschker, m. Gewand-
sack, Reisesack ans Watsack entstellt,
vgl. Wat. Bei Gryph. gel. Dornrose: an
watschgen mit sechs Fächern. — Jetzt
nur ein kleiner Geldbeutel mit Schloss
(Iteichenbach, Trebnitz, Oels). Schwei-
ler 4, 203 ; Frisch 2, 426.
Webe« n. Gewebe: das grobe Webe ruft
dem feinen hönisch zu. Stoppe Parnass
140. — Vgl. Fimdgrub. 1, 397.
Webbs, m. 1) Stöppel, Sauglappen; 2)
wie Stöppel: dicker unförmlicher Mensch.
weh« adj. »dv. der wehe Finger; die we-
hen Lippen. Sch melier 4, 1. — Weh-
that, f. Schmerz. Obgleich Weht hat
ganz guten Grund für sich hat, liegt doch
Entstellung aus dem alten und jetzt noch
anderwärts üblichen wetag: Schmerz,
nahe, wofür auch altscblesische Belege:
wytag Usio, Stenzel Urkundenb. 377;
wetagen: laedere, der gewitagte:
laesus, in der Übersetzung des Leob-
schützer Ottokarschen Privilegiums bei
Stenzel-Tzschoppe 374. — w e h m ü t h i g,
zornig: so war der Herr denn auch weh-
mütig, wenn nichts vorhanden war; wust
nicht anders, ich wäre es schuldig zu be-
stellen. Schweinichen 2. 35. — wehthu-
nig, adj. schmerzhaft.
welbeln , w e b e I n , schw. vb. wanken
vor Schwäche; Ableitung von weiben,
ahd. weiben; bair., Schweiz, waibeln.
Schmeller 4, 5; Stalder 2, 441. — mbd.
web ein liegt der Verwandtschaft
ferner, ist aber gleichbedeutend : als ez
(daz oi-s) wolde gen, so began ez webeln
hin und her. Krone 19841.
weich, adj. weichkatsch ig, weich
zum kauen, weichlich. — Weichet, n.
der innere weiche Theil von Brod und.
Semmel, im Gegensatze zur Rinde oder
dem Krüstel.
weichen, st. vb. entweichen: sichent-
der Färbergesellen zn Reichenbach ron
1783 heisst der Altgeselle den angeklag-
ten einen Gang entweichen; der beklagte
steht hiernach auf und sagt: Alles mit
Verlaub, dass ich mag aufstehen und einen
Gang hinausthun. — Altgesell: Alles mit
Verlaub, ihr Burschen ! wie hoch ersteuert
ihr den entwichenen Gesell in der Strafe?
— verwichen, vergangen : ich gieng
verwichner Zeit. Günther 1135; verwi-
chen Jahr: vergangenes Jahr; verwichen:
neulich.
Weise, f. Tonweise, Melodie; unter dem
Landvolke noch ganz gebräuchlich,
weisen, st. vb. weit gebräuchlicher als
zeigen. — Weisel, m. Führer, Zeiger:
Wegweisel,
wellen, schw. vb. wallen oder sieden i
chen, aufkochen. — verweilen,
selbe: es ward nur die Sache derwellet
und nicht ganz gekocht, Schweinichen
2, 39 ; sonsten aber wenig in Sachen ver-
riebt ausser dass wir sie ein wenig erwcl-
let, ebd. 344. — Schmeller 4, 53; Brem.
Wörtcrb. 5, 225. — Wellfleisch:
das fette Fleisch vom Bauch und Hals des
Schweines, das im Schlachtkessel aufge-
sotten, von den Schlachtgästen gekostet
und dann wür flicht in die Würste ge-
schnitten wird. — Auch oblaus., obsäch-
sisch. — Vgl. die Wellete beim Käse-
kochen, SUIder 2, 444.
Welt, f. neue Welt: cunnus (Breslau),
wenig:, wing nach rad. Weise, wie obd.
weng. — Zu viel und zu wing
ist immer ein Ding.
Vgl. Geiler Vorrede zum »irrig Schaf
(Strassburg Matth. Schürer), zu wenig
und zu Hl verhönt alle spil.
Werk.n. in Zusammensetzungen zn-b r i c h
verstümmelt, z. B. Hamprich: Hand-
werk ; Flachbrich: Fach werk ; Hülzprich:
Holzwerk ; Derzahlbrich : Erzähtwerk,
Erzählung. — Mal werk: Gemälde
(ßolkenhain).
Wets, m. Eber,männliches Schwein, erhal-
ten im Deminutiv Watzel, m. in über-
tragenem Sinne: dicker nnreinlicber
Kerl; Läuse wetze), verlausterMensch.
Bauernwffitzel, Backengeschwulst,
nach der unförmlichen unfeinen Gestalt,
welches das Gesicht hiedurch erhält. —
Wetzabe*r,-bär, m. Zusammensetzung
zweier Synonyme (vgl. Ber) : übertragen
geiler, zudringlicher Mensch, wie im
Westcrwalde das einfache Watz. — Bair.
Wetzber : Schweineber;Watz: schweizer,
nordfränk. nrhein ; im südlichen Nieder-
hessen herrscht Watz, im nördlichen Ber,
nach Vilmar Proben,
wetzen, schw. vb. 1) wie hd.; 2) abnut-
zen, z. ß. Kleider; bewetzen; auch
bei SUeler 2519. — Davon herum-
wetzen: herumschlendern, herumlau-
bei Stieler.
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105
wibeln, schw. vb. 1) sieb munter regen,
namentlich vor Freude. Auf die Frage:
wie genta? hört man oft: nu, '«gibt halt,
oder es wibelt nich => es ist gerade nicht
lustig nnd ergeUlich (Reichenbach). Vgl.
I.ogau OSO :
da ror Freuden alles wibelt,
da mit gleichem gleiches liebelt.
Bei ßerndt wiewelu: zunehmen, von stat-
ten gehen ; 2} wimmeln, wudeln : 'skriebelt
und wibelt von Raupen ; 's wibelte ok su
von Menachen. — Anch bair. schwab.fränk.
wetteran. rhein. — Vgl. Frisch 2, 445.
Wichtel, iu. mir nicht mehr begegnet. —
Wichtelhaar Weichselzopf: er muss
ihm kampeln auf sein granes Wichtel-
Haar, Scherffer 441. — verwichteln:
die Haare verwirren : den ungestrigelt-
verwichlelten Tater, ebd. 408; heute:
verwuchtelt, verfuchtelt.
Wide, Wlte, f. aus Zweigen oder Ruthen
gedrehte« Band; Strohseil; dürr wie 'ne
Wlte (Liegnitz, Obernigk); gewachsen
wie 'ne Wtte (schlank gewachsen). —
ahd. wit, widi: Band (wetan: binden);
altn. schwed. norw. vidja, nd. Wede,engl.
withe. — Frisch 2, 446; Schindler 4, 31 ;
Schmidt 331.
Wiekler, m. Frauenmantel (Reichenbach).
— Auch österr.
wild, adj. — Wildstreicher: Land-
streicher (Reichenbnch). — wildern,
schw. vh. wild sein, sich lärmend herum-
treiben: herumwildern. — wilderen-
>en: wild schmecken oder riechen ;
wilderenzig, adj. — wilderbö-
c k i g , adj. wild wie ein Bock, ungestüm
und unartig.
Wille» scbw. m. wie hd. — Der öffent-
lich e g n t e W i 1 1 e beisst das Trinkge-
fäss und der Trunk, aus dem bei feierli-
chen Gelegenheiten, z. B. dem Aus-
schenken fremder Gesellen , vom Alt-
gesellen zugetrunken und Bescheid ge-
than wird. Folgendes theile ich hierzu
mit aus dem „Geschenke" der Schwnrz-
und Schönfarbergeselleu zu Reichenbach,
nach einer Aufzeichnung von 1783: »Es
ist allezeit hier in Reichenhach der Ge-
brauch gewesen, dass wenn fremde Ge-
sellen sein herein gewandert kommen
oder haben von ihren Meistern Feier-
abend genommen oder bekommen, so ist
ihnen jederzeit von mir und meinen Mit-
geselleu ein öffentlicher guter Wille, Ehr
und Gutthat angethan , erzeigt und er-
wiesen worden." — „Die weil du diesen
öffentlichen guten Willen von mir und
meinen Mitgesellen für gut begehrest
auf- und anzunehmen, so stell ich dir im
Namen der ganzen löblichen Brüderschaft
diesen off. guten W. vor und ist dir auch
zugetruuken worden von denenjenigen
fremden Gesellen, die vor acht oder vier-
zehen Tagen vor dir sind ausgesehenket
Auhaog i. XVI. Bd. d. SiUJ>. d. phil.-hi-t. Cl.
worden. So nimm ihn an und thu einen
Trunk daraus und trink es denjenigen
Gesellen zu, die auf frischer grüner
Heide laufen. Helfe Gott dass sie mögen
herein kommen , und wenn sie werden
herein kommen, so werden sie aus die-
sem öffentl. guten W. einen Bescheid
thun; ist es nicht aus diesem, so ist es aus
einem andern und frischen. Darum nimm
ihn an und trink ihn aus; trinkst du ihn
aber nicht aus, so erlegst du deinen Gro-
schen, denn wir haben hier nicht Bier
und Brod umsonst, sondern wir müssen
es vor unser eigen Geld bezahlen. So
nimm ihn an und trink es demjenigen Ge-
sellen zu, der dir der liebste ist." — Der
fremde Geselle: „Alles mit Vergunsl, das*
ich mag den ölf. guteu W. angreifen und
aufheben ; a. m. V. dass ich mag den «in",
guten Willendeckel angreifen , aufhellen
und niederstellen u. s. f." — Dieser gute
Wi 1 1 e ist der Willk om m e n , der fast
mit denselben Worten in den Gebrauche»
andrer Zünfte zugetrunken wird.
Wied , m. der Wind, der Wind, das himm-
lische Kind 1 Kinderreim, aus dem Mährcfaen
vom Pfefferkuchenhäusel her übergenom-
men. — Die scblesische Sage kennt
eine Fran Wind in, die weit hefti-
ger als ihr Mann ist. Bei besonders stür-
mischem Wetter sagt man: heut gehl
die Windin selber. Vgl. die Windsbraut. —
Nicht weniger war ich dabei lustig und
liess mich einen sauren Wind nicht
bald umwebn. Schweinichen 2, 97. —
W i n d s w e b e, W i n d w e h e, f. Schnee-
wehe;bei Stieler 2461 Windwehdc, tnhd.
gewAte conflatus (Kroae 33 t.'J. 3319),
Westerwald. Wöht, steier. Schuewete,
hair. Schnewonde, Gahwind.
winden, st. vh. er winden; 1) mit
Anlehnung an die alte Bedeutung sich
abwenden, ablassen wovon: mangeln,
fehlen; wir Hessen nichts erwinden,
Opitz 1, 230; ich schwer, es sol an
mir auch nichts erwinden. A. Gryph.
Gib. 573; 2) unterwinden : wenn wir
Diener uns erwinden. Logau Anhang 62.
— windsch, adj. gewunden, verzogen,
schief, linkisch. Auch oblaus., Westerwald.,
Schweiz. — windschief, vgl. schief.
Winnen, st. \h. — heruntergewi n-
nen, herunterlangen, herabuebmen
(Glaz). Uber gewinnen vgl. Schmeller 4,
90. — G e w i n ii s t r e , n. Gewinnst
Wirtel, m. starker Ritig von Holz, Stein,
Metall oder Glas an dem unteren Theile
der Spindel, der durch seine Schwere das
drehen beschleunigt. — ahd. wirt, tor-
tus; wirta, filex; wirten, alibrum. —
Frisch 2, 452; Schmeller 4, 165; Grimm
Wb. 1, 4*55 (unter anspin).
wlseben, w u s eh e n , schw. vb. hinfah-
ren über etwas, namentlich von dem hin-
schlüpfen kleinerThierc gebraucht: Mliuse,
ta
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106 Wiese -
Wiesei waschen an der Erde bin; man
wischt fegend über etwas (allgemein);
Redensart : reiche Leute wischen sich
mehr vom Munde als die Armen hinein
kriegen. — entwischen: er ist der
Welt entwischt. Opitz i, i77. — er-
wischen: dem wischen ein Ende ma-
chen, erhaschen. Allgemein. — Wusch,
m. so viel man erwuschen kann, Handvoll
Haare, Flachs u. dgl.; bei Slalder 2, 458
Wuhsen. — Wüsche katzel: Hasch-
oder Fangspiel. — AUgemeiu verbreitetes
Wort. Vgl. wutschen.
Wiese, f. wie hd. — Wiesebaum, wie
allgemein, der Heubaum, die lange Stan-
ge, welche das Heufuder festdrückt.
In schlesischen Sagen werden Schlangen
gross wie Wiesebänme geschildert. —
Wiesewasser, das Bild der Unzu-
verliissigkeit : wie Wiesewasser sein.
Vgl. bereits Reimar von Zweier: er ist
eiu waller her unt dar, swar er sieb hin
erbiutet, sA wil erlebte anders war: alsas
man sine reise den wisewazzern dicke
gliche silit Minnesinger 2, 210* (Hagen).
wittern, schw. vb. spüren ; sich wittern :
sich wittern lassen ; nun ein kleiner armer
Wind nur zu wittern sich beginnt. Opitz l±
351. Die Poeterey, die ungeachtet der nun-
mehr langwierigen Kriege sich allbereit
hin und wieder so sehr wittert und reget.
Opitz Vorw. zu d. deutsch. Poemat. acht
Bücher. 1625. b. ij.; weil sich die Sün-
den bei mir wittern. Chr. Gryph. 3JL
Woche, f> zu erwähnen als Umschrei-
bung der Zahl sieben: wenn doch sie-
ben wehren, so hätten wir eine gantze
Woche voll Hochzeit. A. Gryph. norri-
bilicrb. Noch weiter geht dieser Gebrauch
in Bezeichnung von Örtlichkeiten: die
letzten sieben Häuser der Frankensteiner
Vorstadt in Reichenbach heissen die neue
Woche ; ebenso heisst eine Gasse in
Ernsdorf bei Reichenbach die neue
Woche oder Mos die Woche. Drei ein-
zeln liegende Häuser bei Habendorf (Kr.
Reichenbach) heissen die halbe Woche.
wol dan! belieht bei Andr. Gryphius:
wnl dan , dass es dir nach Wunsch und
Willen geh. Schwärm. Schaf. 664 ; wol
dan dass man es wage, ebd. 675; wo) dan,
nach der Ordnung 1 keiner falle dem an-
dern in die Rede. Gel. Dornrosc.
Wulf, m. der starke dicke Hauch, den
kalte Luft beim einströmen in ein warmes
Zimmer hervorbringt.
worbsen, schw. vb. beim ringen fest fas-
sen (Habelschwert); Ableitung von worben
(werben) : umdrehen. Vgl. Sehmeiler
4^ 139; Stalder 2, 437.
Wi-ittigrel. Die Erinnerung an diesen
schwedischen Feldherrn des dreissigjnhr.
Krieges hat die bei Gomolke verzeichnete
Redensart: „er ist arger als der tolle
Wrangel", bis ins 1£L Jahrh. bewahrt.
wuzeln.
wudeln, schw. vb. wimmeln. Allgemein
verbreitet: Frisch 2_, 458; Schnieder
4j 203; Stalder 2^ 457; Schütze 4, 379.
— Verwandt ist schwäh., elsäss., rhein.,
Westerwald, wuseln. — Vgl. wuzeln. .
wiilg-ern, s. Walgern.
wandern, schw. vb. persönlich und nicht
reflexiv : ich wundre, man wundert. Die
ältesten bekannten Beispiele der nicht
reflex. Verbindung gehören dem UL Jahrh.
an: Zarncke z. Narrensch. 49, 17. —
Wunder, m.- die personificirto Ver-
wunderung : der Wunder will mich fres-
sen: bin aufs höchste verwundert.
Schweiz., bair. ein masc. Wunder : Neu-
gier, Vorwitz. Stalder 2» 458; Schnel-
ler 4j 114- — wunderbar, adj. wun-
derlich; ei Leute, die sehr alt, die werden
wunderbar. Logau 602. — wunder-
haftig, adj. 1) verwundert, 2) wun-
derlich; vgl. Schweiz. Wunder: Laune,
seltsame Stimmung. Stalder 2j 459. —
wunderlich, adj. wanderbar, wie
mhd. —
Was sein soll, schickt sieb wunderlich,
der Pelz beregnet und die Ärmel nich.
Wune, s. Bnne.
Würde, wie hd. ; U n w 3 r d e, Beschwerde
(Glas); vgl. mhd. unwürde Schmach,
erniedrigende Behandlang.
würgen, wergen, war gen, schw.
vb, (fact. zu würgen, worgen), am Halse
drücken in guter und böser Absicht, aus
Zärtlichkeit oder Hass : die zärtlichsten
Liebesleute, und die feindlichsten Ehe-
leute würgen sich. — ahd. wurgjan :
strangulare, suffocare. — Schindler,
4, 154; Stalder 2, 459.
wuschen, s. wischen, watschen.
waspern, wuschpern, schw. vb. Ab-
laut zu wispern. 1} flüstern ; 2} rasch and
leicht hinseblüpfen. — bewusch pert,
anhebende \b) einschmeichelnd, zärtlich.
Auch oblaus. — W u s c h p e r, m. verbrei-
teter Hundename, gleichbedeutend mit
Flink. — Obd. nd.wispelu iu gleicher und
ähnlicher Bedeutung.
Wüste, L Weichen , Dünnen des Viehs ;
Fleisch aus der Wüste des Ochsen. —
Schnieder 4, 193 führt an aus einem
handschrifll. Vocab. ital. — tedeaco von
1424: el moiame (zwischen Dünnen und
Hüfte) die wüst.
wutsehen, schw. vb. Nebenform zu wu-
schen, w. z. s. — Wutsch! Ausruf be
rasch dahinfahrendem; Wutschge-
d r eck , verstärktes wutsch, namentlich
bei raschem Einfahren in die Tiefe. — Vgl.
schweizer, wutsch. Stalder 2, 461.
wuzeln, w d z e 1 n , sch w. vb. wie das ver-
wandle wndeln: rasch und behende sich
bewegen; w uz Hg, wuzelnd. — Wü-
tet, m. kleiner bebender Mensch , auch
von Kindern gebraucht. — Obd. in ausge-
dehnterer Bedeutung. Schweiler 4. 208.
/teil ei- — Zauke.
107
ziriler, s. zeiler.
Xngel, ZAl, Z61, nach Berndt Zaikel,m.
SchwanzSchweif. O desDinges werd weder
Ende noch ufhirn, wederZol nochSchwanz.
A. Gryph. gel. Dornrose. — Ochsenzäl:
Hinterviertel des [{indes. Fleisch roin ZÄle.
— Z a 1 1 a , n. Zagellein , peius. Z a 1-
karpfen: Schwauzkarpfen. Gegensatz
zu den Hauptkarpfen. Schweinichen
2, 312. — Katze n zal, PferdezAl:
ei|uisetutn arvense. Der viel gedeutete
Name Ruhe zal wird, wenn überhaupt
deutsch, hierher geboren: Riihenschwanz
kann ein elbischer Geist wohl beissen,
die Benennungen der Elben (Elfen) von
Kräutern sind bekannt. Diese Deutung
gewinnt Unterstützung , indem sich der
Name auch sonst nachweisen lässt : ein
Henricus itübezagel erscheint urkundlich
1262 zu Salmansweiler; ein Feld zu
Nussloch kommt 1599 mit dem Namen:
der HQbenzagel vor. Mone Anzeiger VI,
231. — abd. mhd. zagel. Das Wort hat
sich vornehmlich in Mitteldeutschland er-
hallen : Friscli2,46?;Stieler260i ; Schnel-
ler 4, 229 (aus Franken), Rheinwald
1, 198; Vilmar Proben l()2;Anton6, 7.
Zake, f. grosses grobwolliges Schaf. Vor
«0 Ochsen 300 rthl. 87 Zeckel 87 rthl.,
Schweinichen 3, 77.
Znhl, f. die Zahl stricken, spinnen:
die zugezählte aufgegebene Arbeit. —
Za h 1 ge , f. Zahlung. — Z a h 1 n u s, m.
Bezahlung, namentlich in klingenden Hie-
beu; überhaupt Vergeltung , Strafe. —
loszählen, schw. vb. haben I. F. G.
mich meines Dienstes loszäblen lassen.
Schweinichen 3, 103.
ge-zame, adj. ruhig, anständig (Schmie-
deberg) ; ahd. gizitmi : decens honestus ;
Schindler 4,258.
/.an^er, adj. zart, schmächtig, mager
(Reichenbacb). In dieser selteneren Be-
deutung auch oblausitz. Ebenso muss es
Kl. Hälzlerin 102\ 108' als Beiname von
Jungfrau zart bedeuten. Ahd. mhd. nd. nl.
heisst zanger zäh, dann : hart , tapfer,
frisch ; scharr und hell von Klang.
Zanke, f. Ablautend zu Zinke: Zacke,
Spitze. DreyzMiiks-stab •. Neptun'a Drei-
zack. Lobenstein Arm. Thunn. 1, 8. —
llimplciächlich heissen die BSnderzacken,
die als Besatz an Kleidern, Hemden und
Tüchern dienen, Zanken. Auch Henneber-
gischZauke: Spitze. Rheinwald 1,197. —
mhd. zanke; Schnieder 4, 272 Vgl. Ziuke.
y.annen, schw. vb. mit der Nebenform zin-
uen (herrschend imReichenbachischen) :
1) sich auseinanderthun, klaffen: ha
stürmte mit grussen Zurn , do zanten de
Tannen, do zanten de Eichen. A. Gryph.
gel. Dornrose; diese ursprüngliche Be-
deutung auch in der Besprechungs-
forinel in Horribilicribrifax : das sagen
die sieben Siegel, dass alle Fische
werden brüllen , die Engel werden
weinen, und werfen mit Steinen, die
Wege werden schwimmeu . die Wasser
werden glimmen , die Gräslein werden
zannen und alle hoebe Tannen. 2) den
Mund verziehn aus Neid, Schmerz, Freude
(wie flennen und grinsen) : ziunen wie
ein Heftelmacher. Vgl. Heftel und die
alten Vergleichungen : durch ihr deut-
lichen bejac zannelens als die schrowele,
Passional (Röpke) 122, 63; er zannete
als die ubeln hunt, ebd. 466, 22. —
Zannen , schon mhd. weinen , klagen :
dA wirt weinen, zannen und klaffen, Fron-
leichnamsspiel 377, heiMonealtd.Schausp.
154. kippeln und keifen, greinen und
zannen, Eyb elich Weib 2. rw. (1472. 1.
Ausg.) — anziuneu: angrinsen, anlä-
cheln mit blekenden Zähnen; mhd. hiess
es zannen uf einen, Passional (Röpke)
499, 8. — Vgl. Grimm Wb. 1 , 523 ; Frisch
2, 464 ; Schindler 4, 263 ; Stalder 2, 464.
— Zinne, f. zinnendes , neidisches,
geiziges Weib (Reichenbach).
Zarge, Zerge,f. Einfassung im Allge-
meinen; jetzt nur noch gebraucht für die
einzelnen Theile der Wände von Bött-
chergefüssen : Tonnen, Kannen, Wannen,
Schäffern u. dgl. — ahd. zarga, mhd.zerge.
— Frisch 2, 463; Schindler 4, 284;
Rheinwald 199.
zu sarte gehn: vorgehn, sich ereignen:
es gehn schon Dinge zu zarte ! (Jauer,
Hirschberg).
Zaspel, f. 1) Garnmass: das Stuck hat
vier Strähne , der Strähn drei Zaspelu,
die Zaspel zwanzig Gebiud, das Gebind
zwanzig Faden. Auch Henneberg. rhön.
2) übertragen auf eine Menge über-
haupt : eine Zaspel Worte, eine artlicho
Zaspel Jungen. — Auch oberlaus.
Ge-z&ue, Gozde, u. Werkzeug: in der
dem 15. Jahrb. anscheinend augehörigen
Übersetzung des Ottokar'schen Privile-
giums für LftoIctehüU von 1270 wird über-
setzt instriimentum per quod mortem in-
tiilit: das geezeweadir gewirke, mit dem
her den tot hol iugetragen ; jetzt nur be-
schränkt auf den Webstuhl (Langenbielau).
In gleicher eingeschränkter Bedeutung
rhein. (Achen) Kazau, nd.Tou, Getou, nl.
Getouw.— Ahd.ge»awa,suppellex ;Schmcl-
ler 4,21 1 ; Frisch 2, 465 ; Schidl337.
zaubern, r.aubern,zebeTn, schw. vb.
herheizeheru: herbeilocken, herbei-
ziehen (Heichenbach), nach dem Glauben,
das* es möglich sei durch Zauberinittel
entfernte herbeizuführen.
Zauke , f. eigenUich Hündin ; mir nur
bekannt übertragen auf liederliche Dirneu
(Reichenbacb). — Ahd. zolin, mhd. zohe,
h*
108
Schweis, schwäb. Zaugg, Zauche; bei
Stieler 2635 Zauke, Zucke; westpreuss.
Zuk. Dasaltu. norweg.achwed. tik ist ver-
wandt. Neben diese Farm mit inlauten-
dem k tritt die mit inlautendem |> : Znupe,
iu Franken, Pfalz, Hessen, Rhein; nd.
nl. Teef, dän. Taeve.
Zaun, m. sie haben nicht verdient dass
man sie durch einen löchrigen
Zaun ansehe. A. Gryph. gel. Dornr.
69 (1661). Der dich vor begehret , da
er in geringerem Stande , will dich izt
nicht, da er gestiegen, durch einen zu-
hrochenen Zaun ansehn. A. Gryph.
Horribilicrib. — Fischart Gargantua S.
379 durch ein Zaun zannen.
zeiler, zeder, zaedrig, adj. zih,fase-
richL — Zcderkuche, zäher Honig-
kuchen. — nd. nl. teder, teer : zart ; ags.
tedre, tidder: gebrechlich, zart; altfries.
teddre.
Zehe, Z e" n e , Z f n e, f. Zehe Knoblauch : ein
(zehenarliger) Theil der Knohlauchbnlle.
Kecke, Z e c k e I scheint ein zacken- oder
spitzenartiger Besatz der Kappen und
Hauben gewesen zu sein: in weissen
tuchenen Kappen mit rothen zeckeln.
Schweinichen 2, 94. Hiernach ist auch
die Stelle in ßrants Narrenschif 93, 2 zu
verstehen : „dem solt man grifen zu der hü-
ben und im die zacken wohl abklnben,"
worin allerdings zugleich Wortspiel mit
Zecke Laus (karntn. Klette) liegt , wie
Zarncke zu dieser Stelle deutet.
Zein, «n. noch erhalten in Zeindel klei-
ner Stab oder Stecken; ebenso in Zein-
eisen: Stabeisen. — Allgemein germa-
nisches Wort: ahd. mhd. zein, golh.
tains. altn. teinn, ags. tan, nd. te"n.
seisen, zesen, schw. vb. zausen, rau-
fen : die ihn gezöst, gerauft. Lohen-
stein Ibr. Bassa 5, 128; besonders die
Wolle kratzen. Ze iser ö ssel , die Bank
mit dem Kammeieisen, vgl. kammein. —
ahd. seisan, mhd. zeisen, nl. taezen. ags.
taesnn, nd. lasen. Frisch 2, 466; Schnel-
ler 4, 287.
Zetske, m. Zeisig; auch nd. Ziseke,
Zieske. — Dem Gesänge des Zeisigs
werden die Worte untergelegt: Ziege-
flesch is za>h! — Bergzeiske, Name
eines Schwämme».
Zeit, f. bedenke bei zeitewol. Lohen-
stein lbr. Bassa 3, 120. mhd. bezite. —
in der Zeit, früh, mhd. enzite. —
zeitlich, adj. adv. früh: wie wol es
zeitlich (früh am Morgen) regnete.
Eschenloer 2, 108. Der Mensch stirbt
zeitlich oder spat. Opitz Pp. j. rw.
(1625). — Zeitliches Frühjahr, zeiüiche
Kartoffeln.
Zeker, Zatker, m. breite Tasche
aus Bast. Die Fleischer tragen im Ze-
lter das Fleisch über Land; Hausfrauen
kaufen die Hansbedürfnhwe im Zäker
ein. — Auch oberlaus., bair., österr.
kämt. — Schindler 4, 222.
zempern, schw. vb. dienen, roboten;
zempern gehn: auf Robot gehn (rechte
Oderseite). Man hatdas Wort zur Erklä-
rung von semperfrei: herbeigezogen, und
dieses als zemperfrei, dieustfrei, gedeu-
tet. So dunkel semperfrei anch etymo-
logisch ist (denn sendbarfrei wird nicht
genügen), so ist doch sein Begriff ein
ganz anderer und höherer als blos
dienstfrei und schon daran müsste diese
Deutung scheitern.
zends, zengs, s. Ende.
Zenscber-, S chenscher-, Ts che n-
tscherlied, n. Volkslied im Allgemei-
nen: do machen se denn Bulerbriefe
unde Zschnntacberlieder vum schiene
Schaffer und der falschen Sylviges. A.
Gryph. gel. Dofnr. — Jetzt namentlich
kürzere Lieder heiteren oder auch spöt-
tischen Inhaltes, Hil tenlieder. Über das
etymologische, vgl. Dialektforschung 79.
Proben aus Reichenbacher Gegend :
I.
Wisst er nich wu Strahla leit?
Strahl» (Strehlen) leit im Grunde;
's bot gar hübsche MAdla drein,
's sein gar faule Hunde.
Obens wenn se schMfen gihn,
satzens sich uf de Treppe,
warta bis dar Freier kimmt,
namn en mit eis Bette.
Murgens wenn se frü ufstihu,
do sahn se ei de Wulka :
»oje! o je"! der Hart Ja naus,
mer han noch ni gemulka !"
Satt ok underscb Schulzas Weida,
dd wart er sahn den Harta treiba ;
satt ok underscb Scbulzas Brirkla,
dA wart er hirn en narta titta;
hippopä, hippope!
's hot no hübsehe Mädel inel
Vgl. Fiedler Volksreime aus Anhalt-
Dessau S. 106.
II.
'Sginga zwi Gansla im Wäge naus.
„Ki, liebe Gansla wil gfht er hin?-
Mer gihn uf de grine SAte.
„ Woa wuld er uf der grine SAte thun ?"
Mer wnlln ins a Bardia Wede buln.
„Wart! ich wArsch ein Pauer sAn!"
Ver mir mAgst ins beim Schulz« ver-
klAu ! —
Der Pauer koam geganga
mit vier un zwanzig Slauga;
a schlug dan Gansinn de Lendla ei,
a hung se iliersch Hartahaus.
Schaft mer andre Gansla raus !
zerren, schw. vb. 1) wie hd. ziehen,
reissen. 2) zanken , mit Jemandem zer-
ren; auch reflexiv. — «hd. zerjan, zerran ;
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mini, zerren. — Frisch 2, 472; Stieler
231S; Schnieder 4,281 ; thüring. rhein.,
zerren; nd. nl. tergen.
Ge-settere, n. zäher sehniger Fleisch-
lappen: — zettrig, adj. sehnig und
zSh. — ahd. zata, zota, nhd. Zotte ;
tnhd. zotten: herabhängen.
Zeug, n. 1) Rüstung, Heergerät, s. Gezeug.
2) die gewappneten, das Heer: wie nun
I. F. G. zu Brieg vor Tage mit einem
reisigen Zeuge von fünfzig Rossen aus-
zogen. Schweinichen 1, 100; so war
doch der deutsche Zeug ihnen sowohl
an der Anzahl als an der Geschwindig-
keit überlegen. Lohenstein Armin. Thusn.
1,51. — Hieraus die Bedeutung: Haufe,
Menge überhaupt, namentlich in verächt-
lichem Sinne ; Kroppzeug: gemeines
kropfiges Gesindel ; Rackerzeug. —
Gezeug, Gezeuke, n. 1) Oerath,
Ausstattung; Sprich w. : wie die Leute
so's Gezeuke. Besonders das Kriegsge-
rfith, Rüstzeug des Heeres : Alle Büchsen
waren geladet uf die wagen und vil schö-
ner grosser gezeug käme in der feinde
hende — darumb die niederlage an leu-
tcn nicht als gross zu achten war als an
dem schonen gezeuge von wagen, wa-
genpferden, hüchsen , schildern , har-
niach. Eschenloer 1, 45. 2) wie Zeug,
der reisige Zug: der markgraf Fridrich
von Brandenburg, Churfurste, mit einem
schönen gezeug hei 300 pferden käme
gen ßressla. Eschenloer 2, 167.
Zieche, Ziehe, f. Bettüberzug. Gassen-
bauer: Mei Man und iche,
ban kenne Ziehe ;
mei Man zieht« Hemde aus,
macht uns 'ne Ziehe draus.
Z i c h n e r , m. Weber der Zichenlein-
wand (karierter Leinwand ; die Inletlein-
wand, die sie übrigens auch machen,
ist gestreift). — ahd. ziecha , mhd. zie-
che. — Frisch 2, 473 ; Schindler 4, 221 .
zifern, zivern, schw. vb. mit den Zäh-
neu vor Frost ziehen und klappern
(Heichenbach). — nürnberg. zifern : leise
ziehen, zwacken. Schmeller 4, 228.
sebweiz. ziefen : Noth und Mühe haben.
Stalder 2, 471.
Zignnke, f.Zigeunerin ; lüderlicbesWeibs-
bild ; poln. cyganka. Sonst gewöhnlich
Zikauer, Zikane : „Man möchte schier
denken dass dieser Name (Sigynä) sei
unser Ziehegan , mit welchem Namen
unsere Vorfahren die Landfahrer, die
für und für umbherzogen, nenneten, zu-
vor ehe die egvptischen Umbläufer be-
kand worden.« Cureus - Rätel Chroni-
ka (1607) S. 297. Vgl. uugar. tzygan,
puln. cvgan.
wickeln, schw. vb. heranziehen, locken ;
frequent zu zicken, zücken: ziehen.
Zieler, m. 1) der letzte Enkel der alten
Pritschmeister; er hat bei dem Schei-
benschiessen die Schusse anzuzeigen
(zu zielen) und bedient sich dabei
einer Art Pritsche. Bei den festlichen
Pfingst- oder Königschiessen , hier und
da (z. B. in Schweidnitz) noch Mann-
schiessen genannt, figurirt er in buntem
liHiiswurstmässigem Aufzuge und trägt
die Scheibe vom It.-ithhause zur Schiess-
stätte. — Vgl. Frisch 2, 470; Schmel-
ler 4, 252. — 2) die Barthaare der
Katzen, mit denen sie gleichsam nach
ihrer Beute zielen.
Zi loter, n. lüderliches Frauenzimmer
(Reichenbach, Jauer). — Ursprünglich
vielleicht von ganz anderer Bedeutung
und eins mit Zelote, einem Worte, das
in dem theologisch oft erregten Schlesieu
leicht zur allgemeinen Schelte werden
konnte.
Zinke, f. Spitze, Zacke : Gabelzinke, He-
chelzinke.— Vgl. Zanke. — Zink en, m.
wie Zinke; übertragen auf 1) die Nase,
2) den penis. — ahd. zinko ; Frisch
2, 478 ; Schmeller 4, 273.
Sinsen, schw. vb. einen zinsen : ihm tüch-
tige Prügel auszahlen. — Zinse, f.
Zins, Miethzins. Einem, der sich wegen
Läusen krazt, sagt man : die Läuse mah-
nen um die Zinse! mit seltsamer Um-
kehr des Verhältnisses von Wirth und
Hausleuten.
Zipfel, Zippel, m. wie hd. — Sprich-
wort : so man eine Gngel zu den Leu-
ten setzt, so ist der Zippel verloren.
Eschenloer 1,222. — Besonders 1) der
Lämmerschwanz ;Z i ppel pelz, Schaf-
pelz. Von einem Sohne, der seinen Va-
ter um eiuen Zippelpelz angeht, ist ein
mundartliches Lied durch Schlesien
und Deutschböhmen verbreitet; es steht
bei J a r i s c h Heimathsklänge. Eine Samm-
lung von Gedichten in der Muudart der
Deutschen in Nordböhmen und Schlesien.
Wien 1853, 8. 59 ff. — Neue Zippel-
pelze sind überhaupt Gegenstände der
ländlichen Wünsche ; die Bauern erwar-
ten sie auch im Himmel :
do warm bersch Geld nach Pfunds wieg»,
noie Zippelpelze kriega. Ens Oppaland
3, 73. 2) penis; wie das bair. Schwanz,
scherzhafte Bezeichnung von Manns-
personen: ein verdrehter Zippel. —
Herren/ippel: Art länglicher Kar-
toffeln.
Zippe, f. Mutterschaf. — Auch märkisch.
Vgl. Westerwald. Zaupe, Schaf, was sonst
auch Hündin bezeichnet, a. Zauke.
zisciiRUs, n. das inembrum pudeudum, in
der Kindersprache. Zischaus! höhnender
Zuruf bei unanständigen Entlassungen
oder Thaten.
sisseln, schw. vb. rütteln, schütteln, er-
halten in einzisseln, locker das Maas»
füllen, schlecht messen. — Westerwald,
zieseln : rütteln.
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110
zocken — zwisten.
schw. vb. ziehen, zupfen ; na-
luentlich in socundärer Bedeutung- : ne-
cken; sich bezo cken: necken, seher-
zeu, namentlich mit Frauenzimmern. Schon
mhd. zocken, zecken in diesem Sinne:
ez sol ein man mit rremden vrouweu
uiht ze viel gezecken. MSH. 3 , 246.
vreischet ez mine inuome, ja kiut si mir
leit, daz ich immer iht mit iu gezecke.
Nithart, Beuecke 388, ich wil mich mit
den jungclingen zocken. Alsfeld. Pass.
in Haupt« Zeitschr. 3, 499. — Schweiz,
zocken: zupfen. — zekern, schw. vb.
frequ.an sich ziehen, locken: herz^kern,
herbeilocken; auf zöckern zu führen.
Zolke, Zulke, f. Zotte, Lode. Zulka-
bök = Lodenbock w. z. 8. — Zolker,
Zulker, Zulper, f. 1) Zotte; lum-
pichtes Gewand; 2) liiderliches Weibs-
bild. — zolkern, zulkern, schw.
vb. wie zotlen und schlumpern : lieder-
lich und nachlässig einherlaufen. — nach -
z u 1 k e r u : nachschlumpern. — Vgl.
Schindler 4, 255; Stalder 2, 478;
Schmidt 340; Anton 6, 9.
zu, präpos. Als Steigerung steht z u zwi-
schen dem doppelt gesetztem unbestimm-
ten Artikel: ein zu ein guter Mann; eine
zu eine schöneGegend.Ebeiuo wird„sehr"
gestellt. — Vgl. Dialektforsch. 136; Ra-
ckert zu h. Ludwig 16, 18. — Von zu
wird ein Adject. zuer-e-es gebildet:
zugemacht, geschlossen; ein zuer Rock,
eine zue Thüre, ein zues Thor. — Auch
bair. rhein. ; Schmeller 4, 213; Grimm
Vorrede zu E. Schulze goth. Glossar. S. V.
Zuber, Zober, m. wie hd. Bütte mit zwei
Henkeln, durch die beim Wasserholen
eineTragstange, die Z u b e r s t a n g e, ge-
steckt wird ; ahd. zwtbar, mhd. zwtber :
das mit zwei TrSgern, wie Eimer: einbar.
— Wenn sie mich und die meinigen in
einem Leffel betten künnen ersäufen, sie
hätten keinen Zuber dazu
Schweinichen 2, 137.
Zucht frau, f die Ehrmutter bei den Hoch-
zeiten. Züch tj ungfer, Brautjungfer.
— Züchten, n. Frühstück im Braut-
hause. Vgl. meine Mittheilungen bei
Haupt Zeitschr. 6, 464. — Auch lausitz.
fränk. Schmeller 4, 247 Rheinwald 1,203.
züge, gezüge, adj. gefüge, dehnbar,
zäh. — da noch ziege war die Haut. Scherf-
fer Ged. 568 — süddeutsch zügig.
Zump , Z u m p e n, m. 1 ) Spitze , Ende ;
ein Zümpel Zigarre; 2) Fetzen, Lode.
— z u m p e 1 n, schw. vb. wie zulkern und
schlumpern und zotteln: schlottrig und
nachlässig gehen. Auch schweizer.— ahd.
zumpf, zumpo : penis. — Frisch 2, 485;
Schmeller 4, 263 ; Stalder 2, 482.
Zange, f. Worte die man nicht gleich fin-
den kann, kollern oder wälzen sich einem
auf der Zunge rum.
's welzt mir uf der Zunge rim,
's wird wul endlich noch rauskummen.
Stoppe Parnass 508.
zwiebeln, zwip pel n, schw. vb. quälen,
scharf vornehmen; durchhauen. — ver-
zwiebelt, verflucht! verzwiebelt böse,
schwer, überhaupt als Steigerung schlim-
mer Sachen. — bair. österr. zwifeln.
Schmeller 4, 303; auch md. Stieler
2661 ; Schmidt 343.
Zwinge, f. metallener runder Beschlag um
das untere Ende der Stöcke.— ahd. twinga ;
Schmeller 4, 306 ; Stalder 2, 487.
zwinkern, schw. vb. blinzeln, die Augen-
lieder zusammenzwingen und zucken.
— obpfäiz. zwinken. Schmeller 4, 307.
zwirbeln, schw. vb. wirbeln. — Z Wir-
bel, m. Wirbel: schaust du, der alles
schaut, wie Holl und Luft durchbrochen
der Zwirbel höchste Angst A. Gryph.
bestand. Mutter 1, 9.— Z w ir be I wi n d
Wirbelwind. A. Grypb. sterb. Pupin. 5,
399; Lohenstein Ihr. Bassa 5, 189. Von
der Todschädlichkeit der Zwirbelwinde
weiss das Volk viel zu berichten. Man
muss mit einem Messer hinein werfen,
«o vergehen sie. — Zwirbelrad, Wir-
bel, Strudel: so wusste deine Hand das
Ruder so zu führen, dass mich kein Zwir-
belrad auf Klippen konnte führen. Hoff-
maunswaidau u. a. Gedichte 5, 200. —
Zwirbelschn e, Wirbelschnee, Schnee-
wirbel. — z wirblig, sch wirblig:
wirbelnd, schwindelnd. Stalder 2, 487;
Schmeller 4,308; Rheinwald 1, 206;
Schmidt 344; Anton 6, 11.
Zwisten, schw. vb. zwirnen , doppeln :
zwei oder mehr Garnfäden auf dein Spinn-
rad e zusammendrehen. Gezwistes
Garn ist entweder einfach weiss, oder
weiss und roth, weiss und grüu, weiss und
blau. Auch oblaus. — ahd. zwirnen : tor-
quere. — engl- twi8l: drehen, flechten;
ags. eogl. twisl, altn. twistr: doppeltge-
drehter Faden; Westerwald, zwösse.
Nachtrag.
S. 49 zu Kummer. Zu der Redensart: einen kleiuen Kummer unter dem Knie
knüpfen vgl. mhd. daz leit ze (»eine binden : es gering achten. Haupt zur Winshekin 21, 7.
Vgl. ferner p a s c h k a I e r n.
S. 67 zu PnmuAVI. Die Gollnower iu Pommern haben die Spitznamen Pomuffelsköppe
oder Klüter; die Wolliner heissen Stintköppe, die Kamminer Plunderköppe. II. Schmidt die
pommerschen Chausseen. Stettin 18Ö3. S. 7. Antn. 1.
(Bemerkung. Die Orthographie dieser „Beiträge - gehört der Druckerei au )
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igmzea uy
Google